GURU Test 1

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Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“. Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen
im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.


Wieder einmal wird die Analysequalität von Wertschriftenhäusern auf die Probe gestellt. Diesmal in den USA.

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Altersarmut betrifft alleinstehende Frauen

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Wandel der Arbeitswelt lässt Altersarmut in Deutschland steigen. Wirtschaftsexperten sehen das deutsche Rentensystem nicht hinreichend ausgerüstet für die wachsende Zahl von Arbeitnehmern mit flexiblen Arbeitsverhältnissen oder unterbrochenen Erwerbsbiographien.

Unbefristete Jobs und lange beim gleichen Arbeitgeber – für viele Deutsche normal, für viele aber auch nicht. Stattdessen kennen immer mehr Menschen nur befristete Verträge, Mini-Jobs, Phasen der Erwerbslosigkeit und niedrige Löhne. Das deutsche Rentensystem ist auf diesen Wandel der Arbeitswelt nicht ausreichend vorbereitet, das Altersarmutsrisiko steigt weiter.Bald könnte jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht sein.
Alleinstehende Frauen, Niedrigqualifizierte und Langzeitarbeitslose am stärksten betroffen.

Für alleinstehende Frauen, Langzeitarbeitslose und Niedrigqualifizierte ist das Risiko am höchsten, im Alter arm zu werden. Bei alleinstehenden Frauen steigt die Grundsicherungsquote zwischen 2015 und 2036 von 16 auf fast 28 Prozent. Somit wäre künftig fast jede dritte alleinstehende Neurentnerin auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen. Bei Langzeitarbeitslosen steigt die Grundsicherungsquote von 19 auf 22 Prozent, bei Menschen ohne Berufsausbildung von 10 auf 14 Prozent.
Gründe der Altersarmut

Entwicklung der Altersarmut bis 2036/ Studie
Trends, Risikogruppen und Politikszenarien

Thomas Plassmann
www.thomasplassmann.de

Argentiniens 100 Jahre Anleihe

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Auf Rendite-Suche in Argentinien. Das Gedächtnis der Investoren ist kurz. Anders lässt sich nicht erklären, wieso es Argentinien trotz seiner Geschichte gelungen ist, Bonds mit hundertjähriger Laufzeit bei den Anlegern zu placieren.

Tiefe Zinsen führen zu unglaublichen Auswüchsen
Andreas Uhlig berichtet: Die hohe Nachfrage nach einer 100-jährigen argentinischen Anleihe bestätigt vor allem eines: Die Politik der tiefen Zinsen treibt Anleger zu riskanten Investitionen. Sie scheinen sich nicht einmal an den Unwägbarkeiten der Anleihe Argentiniens über 100 Jahre zu stören.

Argentienien ist bereits mehrfach in Zahlungsverzug geraten. Erst 2016 war eine jahrelange Auseinandersetzung mit dem US-Investor Paul Singer und seinem Fonds Elliott Management zu Ende gegangen. Ein US-Gericht hatte erlaubt, den seit 2001 bestehenden Zahlungsverzug, der ursprünglich die gesamte Aussenschuld von 93 Mrd. $ betroffen hatte, mit Neuemissionen zu lösen…Finanzmärkt Auswüchse der tiefen Zinsen

Substanz kaufen

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Vielerorts wird die Meinung vertreten, dass nach einer relativ langen Zeit der Überperformance sogenannter Wachstumstitel, im Jahre 2017 die Zeit gekommen ist, dass Substanztitel wieder eine Führungsrolle übernehmen.
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EZB: Italienische Krisenbanken sollen abgewickelt werden

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Fehlendes Eigenkapital. Die zwei kleineren italienischen Krisenbanken Banca Popolare di Vicenza und Veneto Banca sollen laut der Europäischen Zentralbank (EZB) nach italienischem Insolvenzrecht abgewickelt werden. Die Bedingungen für eine Rettung seien nicht gegeben, teilte die Zentralbank am Freitagabend mit. Grund sei mangelndes Kapital. Die italienische Regierung werde Maßnahmen unter anderem zum Schutz von Kontoinhabern ergreifen, teilte das italienische Finanzministerium mit. Auch die EU-Kommission erklärte am Abend, dass sie im Gespräch mit Italien über die Banken sei.

Die beiden kleineren venezianischen Banken ächzen wie viele andere Kreditinstitute im Land unter einem Berg fauler Kredite. Sie brauchen früheren Angaben zufolge insgesamt mehr als 6 Milliarden Euro an frischem Kapital.

Italien hatte zuletzt versucht, die beiden Geldhäuser zu retten und dabei Sparer und Anleihebesitzer zu schützen, ohne gegen europäische Regeln für Staatshilfen zu verstoßen. Diese verbieten staatliche Rettungsaktionen für Banken.

Zum Sorgenkind Nummer eins des maroden italienischen Bankensektors hatte es vor einigen Wochen erst eine Grundsatzeinigung zwischen der EU-Kommission und der Regierung in Rom gegeben. So darf Italien der angeschlagenen Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena mit einer milliardenschweren Kapitalspritze helfen. Möglich ist das, weil die Bank langfristig als profitabel eingeschätzt wird.

Säule 3a aktiv oder passiv

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In der 3. Säule gibt es sowohl aktive als auch passive Wertschriftenprodukte. Die Performancezahlen zeigen nicht selten erstaunliche Unterschiede.Weitere Lernvideos Finanzkompetenz

Der Wert der Kryptowährung Bitcoin

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Die EU-Kommission als Teil des Action Plans gegen Terrorfinanzierung hat im Juli 2016 vorgeschlagen, “Wechsel-Plattformen für virtuelle Währungen” (virtual currency exchange platforms) und “verwahrende Wallet-Provider” (custodian wallet providers) “unter die Anti-Geldwäsche Direktive” zu stellen. Die “Vierte Direktive” ist eine Reihe von Regeln und Gesetzen der EU gegen Geldwäsche, die derzeit von den Mitgliedsstaaten umgesetzt wird. Sie soll nach dem Willen der Kommission bald auch für Bitcoin und andere Kryptowährungen gelten. Internationale Geldwäsche Experten warnen schon lange vor der Gefahr der Geldwäsche und der Nutzung von Bitcoins durch die OK (organisierten Kriminalität). Sicher ist es kein Zufall, dass ausgerechnet die Schweizer Stadt Zug sich als Bitcoin-Pionier bezeichnet. Verbrechen ermöglichen…

Markus Gentner berichtet: Bundesbank-Chef Weidmann: Bitcoin erhöht Gefahr von Bankenpleiten. Der Wert der Kryptowährung Bitcoin hat sich seit Anfang des Jahres annähernd verdreifacht. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank und einer der mächtigsten Männer der Finanzwelt, sieht darin eine große Gefahr für die weltweite Finanzstabilität.

In den vergangenen Monaten ist der Kurs der Internetwährung Bitcoin rasant angestiegen. Anfang 2016 kostete ein Bitcoin noch annähernd 435 US-Dollar, inzwischen gibt es für einen Bitcoin über 2.600 Dollar. Zwischenzeitlich kratzte der Bitcoin-Kurs sogar an der Marke von 3.000 Dollar. Bundesbank-Chef Jens Weidmann hält diese Entwicklung für sehr gefährlich.

Nach Meinung von Weidmann hätten Bitcoins das Potenzial, künftige Finanzkrisen deutlich schlimmer zu machen. Das sagte der Bundesbank-Chef bei einem Vortrag in Frankfurt vor einer Woche. Digitale Währungen wie der Bitcoin ließen die Gefahr einer Bankenpleite rapide ansteigen. Wie passt das zusammen?

Die Macht der Kryptowährungen steigt und der Druck auf die Notenbanken in aller Welt wächst, denn: Um dem Durchschnittsbürger das Gefühl zu geben, dass derartige Währungen stabil und sicher sind, könnten Zentralbanken künftig ihre eigenen Kryptowährungen bereitstellen (müssen). Und genau das bereitet Weidmann große Sorgen.

Würden Notenbanken in naher Zukunft eigene Digitalwährungen anbieten, könnte es schon bald auch für Otto Normalverbraucher selbstverständlich sein, damit zu bezahlen. Das allein ist noch nicht problematisch. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen allerdings könnte dies den schnellen Ruin von Banken in aller Welt bedeuten.

Sobald Kunden Sorge um die finanzielle Stabilität ihres Bankinstitutes haben, wollen sie in der Regel nur noch ihr Erspartes retten – es kommt zu einem sogenannten Bank Run, also zum Ansturm auf die Bank. Dabei versuchen viele Bankkunden, möglichst ihr gesamtes Geld abzuheben, um sich vor einer Enteignung durch die Bank zu schützen. Das kann ein Geldinstitut im schlimmsten Fall in die Insolvenz treiben.

Laut Weidmann steige mit Kryptowährungen – vor allem mit einer durch die EZB herausgegebenen – die Gefahr einer Bankenpleite, da ein Abzug des Geldes viel schneller vonstatten ginge. Es brauche nur noch eine digitale Transaktion, die binnen weniger Minuten per Klick abgeschlossen sei. Niemand müsse mehr an einen Bankschalter oder an einen Geldautomaten gehen. Und schlimmer noch: Gegen einen Abzug des digitalen Geldes kann sich die Bank kaum schützen. Es hilft nichts, die Bank zu schließen, so wie das bei einem Bank Run derzeit noch möglich ist.

Seit Monaten machen sich die weltweit führenden Zentralbanker tatsächlich Gedanken über eigene digitale und vom Staat gedeckte Währungen. Weidmanns Sorgen dürften deshalb nicht kleiner werden.

Wie funktionieren Bitcoins überhaupt?

Bitcoins werden ausschließlich bei Zahlungen im Internet eingesetzt. Abgesichert werden die Transaktionen dabei mittels der sogenannten Blockchain-Technologie. Bei dieser Technologie werden alle Daten dezentral gespeichert, indem die Datenbank von allen Teilnehmern des Transaktionssystems gemeinsam geführt wird. Alle Aktionen werden dort in einer Block-Kette gespeichert, womit Manipulationen verhindert werden sollen.

Eine vom Staat gedeckte Digitalwährung hätte deshalb auch Vorteile: Die Zahlungsabwicklung wäre billiger, die im Umlauf befindliche Geldmenge wäre besser kontrollierbar und Zahlungen ließen sich sehr viel einfacher nachverfolgen.

Weidmann: Bitcoins überhaupt keine Alternative zu unserem Geld

Weidmann hatte bereits 2013 vor Bitcoins gewarnt, die Kryptowährung damals aber noch als Nischenprodukt bezeichnet. „Versuchen Sie einmal, ihren Samstagseinkauf mit Bitcoins zu bezahlen“, sagte der Bundesbankpräsident in einem Interview mit der „WirtschaftsWoche“. „Bitcoins sind doch überhaupt keine Alternative zu unserem Geld.“

Vor vier Jahren hatte der Bitcoinkurs ähnlich rasant zugelegt wie in diesen Tagen. Für Weidmann war die treibende Kraft hinter der großen Nachfrage einzig und allein „die Hoffnung auf eine hohe Rendite“. Er warnte: „Was Anlagen in das Internet-Geld Bitcoin angeht, wäre ich vorsichtig: Wegen der starken Kursschwankungen und der geringen Tiefe und Intransparenz des Marktes sind diese sicherlich nicht risikoarm.“

Weidmann sollte mit seiner Einschätzung recht behalten: Wenige Monate nach diesem Interview folgte der Kursabsturz des Bitcoins auf unter 200 US-Dollar. Schuld an dem Wertverlust war damals die Insolvenz des wichtigen Bitcoin-Handelsplatzes Mt. Gox. Finanzen.net

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen

Fast 40 Milliarden Euro versenkt

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble präsentiert sich gerne als den großen Bewahrer des ausgeglichenen Haushalts und als Beschützer der kleinen Sparinnen und Sparer.

Beitrag von Gerhard Schick & Jürgen Trittin:  Fast 40 Milliarden Euro versenkt: Kann sich Deutschland diesen Finanzminister noch leisten?

Am 07.06.2017 urteilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe über die Klagen der Atomkonzerne gegen die Brennelementesteuer. Das Urteil fiel für das Bundesfinanzministerium (BMF) unter der Leitung von Wolfgang Schäuble ernüchternd aus. 6,3 Milliarden Euro sind an die Atomkonzerne zurück zu zahlen und zwar noch in diesem Jahr! Hinzu kommen 6 % Zinsen pro Jahr, weil Schäuble trotz niedriger Marktzinsen an den hohen Zinssätzen für Steuersäumnisse festhalten will.Schuld an diesem Milliardendebakel ist die atompolitische Entscheidung Merkels und Schäubles, die im Jahr 2010 einen schmutzigen Deal mit den Atombossen eingingen: Atomsteuer gegen Laufzeitverlängerung! Das Bundesverfassungsgericht hat diese Steuer kassiert, da der Bundesfinanzminister Schäuble es nicht vermochte, eine verfassungsfeste Regelung zu finden, die Atomkonzerne in die Pflicht zu nehmen!

Das kostet die Steuerzahler/innen nun etwa 7 Milliarden Euro.

Doch nicht nur bei der Atomsteuer sondern auch durch die fehlende Bekämpfung der Cum/Ex & Cum/Cum-Geschäfte lässt Schäuble die Steuerzahler/innen bluten. Mindestens 31,8 Milliarden Euro – so hoch ist der Steuerschaden durch die Cum/Ex und Cum/Cum-Geschäfte. Die aktuellen Berichterstattungen vom 08.06.2017 von Zeit, Zeit Online und Panorama zeigen, wie ein Netzwerk aus gierigen Akteuren einen „milliardenschweren Akt der Selbstbedienung“ vollzog und sich auf Kosten der deutschen Steuerzahler/innen bereicherte. Möglich war das durch Fehler im Bundesfinanzministerium und seinen nachgelagerten Behörden. Das konnten wir im 4. Untersuchungsausschuss Cum/Ex nachweisen.

Unter Schäuble dauerte es noch drei Jahre bis Cum/Ex und sieben Jahre bis Cum/Cum unterbunden wurden! Auch unter Schäuble wiederholten sich alle Fehler, die eine frühzeitige Aufklärung bei Cum/Ex verhinderten.

Das Bundesministerium der Finanzen wurde bereits 2009 durch einen Whistleblower umfassend über die Problemlage informiert und wusste, wie Cum/Ex funktioniert. Schäuble selbst wurde mit dem Thema im Juli 2010 befasst. Doch erst im März 2012 bekam das Bundeszentralamt für Steuern eine klare Handlungsanweisung und es dauerte sogar bis 2015, bis die Bundesbetriebsprüfung systematisch an der Aufklärung der Cum/Ex-Fälle beteiligt wurde. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) ignorierte jahrelang völlig die Hinweise, die seit 2007 durch Whistleblower bei ihr eingingen, und wurde selbst erst Ende 2015 tätig, als sie eine systematische Abfrage bei den Banken zur Cum/Ex-Thematik durchführte. Dasselbe Bild wiederholt sich bei Cum/Cum: Auch hier hätte man schon spätestens 2011 das Schlupfloch schließen können und müssen.

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen

Steuertricks kosten die EU-Staaten jährlich etwa 173 Milliarden Euro

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Ein EU-Vorschlag gegen Steuervermeidung will Banken und Steuerberater in der Pflicht nehmen.

Anwälte oder Banken in der EU sollen Behörden künftig über fragwürdige Steuerkonstrukte informieren, die sie ihren Kunden empfehlen. Das Projekt betrifft auch «Vermittler» aus der Schweiz.

In ihrem Kampf gegen die Steuervermeidung nimmt sich die EU-Kommission einer weiteren Front an: der Vermittler («Intermediäre»). Gemeint sind zum Beispiel Banken, Steuerberater, Revisoren oder Wirtschaftsanwälte, die Unternehmen oder reichen natürlichen Personen dabei helfen, mit «aggressiver Steuerplanung» ihre Steuerbelastung zu senken oder Gelder über Offshore-Zentren der Besteuerung zu entziehen. Eine neue Richtlinie (Gesetz) soll diese Vermittler verpflichten, grenzüberschreitende Arrangements dieser Art den Behörden zu melden.

Wer muss melden?

Die vorgeschlagene Richtlinie würde die Vermittler verpflichten, «potenziell aggressive Steuerplanungs-Arrangements», in die sie involviert sind oder die sie für einen Kunden gestaltet haben, den Steuerbehörden zu melden. Gelten würde dies nur für grenzüberschreitende Fälle, also für Strukturen, die mehr als einen Mitgliedstaat oder mindestens ein Mitgliedsland und einen Drittstaat betreffen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Konzerntöchter in verschiedenen Ländern involviert sind…
Banken und Steuerberater in der Pflicht
Anti Tax Avoidance
Bekämpfung von Steuervermeidung
Allerdings hat Donald Trump andere Steuerpläne. Trump will Steuertricks von US-Konzernen legalisieren…Steuertricks von US Konzernen legalisieren

Die G20-Länder beschließen Maßnahmen gegen Steuerflucht

„Folgt der Spur des Geldes – und Ihr trefft auf die Mafia“

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„Folgt der Spur des Geldes – und Ihr trefft auf die Mafia“ (Giovanni Falcone)
Die aktuelle Situation bei der Bekämpfung der Mafia.

Unter diesem Titel trafen sich wie jedes Jahr vor dem Jahrestag des Attentats von Capaci (Sizilien) Staatsanwälte, Journalisten und Angehörige von Mafia-Opfern in der juristischen Fakultät der Universität Palermo, um in diesem Jahr den ökonomischen Aspekt des Problems vor Publikum zu analysieren. Eingeladen hatten, wie jedes Jahr, die Zeitung Antimafia Duemila und der Antimafia-Studentenverein „Contrariamente“ aus Palermo.

Hier einige Auszüge:

Der Staatsanwalt Sebastiano Ardita aus Messina sieht die aktuelle Situation in Italien mit einiger Sorge. Er stellt einen „schizophrenen Umgang mit dem Erbe Falcones“ fest.
Man begehe einerseits den 25. Jahrestag des Attentats mit großem medialen Pomp, andererseits wolle man von den innovativen Ideen des Antimafia-Richters nichts wissen.

Folgende besorgniserregende Phänomene führt er an:

• 2017 kommen eine Reihe von charismatischen und gewieften Mafiabossen frei, weil sie ihre Strafe abgesessen haben, und das zu einer Zeit, in der Cosa Nostra immer noch auf der Suche nach einem Boss der Bosse ist.

• Die Regierung arbeitet daran, die Erlaubnis für Justizorgane, Gespräche abzuhören, stark einzuschränken.

• Immer wieder versucht die Politik, den Artikel 41 bis (der die Isolationshaft für Mafiabosse und Terroristen festlegt) abzumildern oder ganz abzuschaffen.

• Man erlaubt jetzt dem ehemaligen Präsidenten der Region Sizilien, Salvatore Cuffaro, offiziell Unterricht für Journalisten zu erteilen, obwohl er wegen „schwerer Begünstigung der Mafia“ 6 Jahre im Gefängnis gesessen hat.

• Die von der Mafia ausgehende Korruption findet sich heute in jedem Bereich, von dem aus Einfluss genommen werden kann. Wegen ihrer Unsichtbarkeit kann sie deshalb überall im Staat und in der Verwaltung am Werke sein.

Und so müsse man zu dem Schluss kommen, dass der italienische Staat völlig hinter den Möglichkeiten der Mafia hinterherhinke und wie schon früher auch, in der Zeit vor Falcone, über keine geeigneten Abwehrmöglichkeiten gegen die Mafia verfüge.

Gianni Dragoni, Journalist des Wirtschaftsblattes „Il sole 24 ore“ nennt Zahlen:
Nach Schätzungen der letzten parlamentarischen Antimafia-Kommission hat die italienische Mafia einen Jahresumsatz von 160 Mrd. €, der Gewinn wird auf 105 Mrd. geschätzt.

Wenn also die italienische Mafia mit all ihren Geschäftsaktivitäten eine Holding wäre, wäre sie das weitaus größte italienische Wirtschaftsunternehmen und hätte damit 40 Mrd mehr Umsatz als „Exor“, der größte italienische Konzern, zu dem Fiat-Chrysler, Ferrari, CNH (italienisch-amerikanische Multinationale), PartnerRe (international tätiges Versicherungs-unternehmen) und Juventus Turin gehören. Deren Gesamtumsatz betrug 2016:
111 Mrd. €.

Der Wert eines Unternehmens an der Börse wird nach dem Gewinn berechnet. Nimmt man die geschätzten 105 Mrd. Gewinn zur Grundlage, hätte „Mafia spa“ einen Wert von 1680 Mrd., nahezu das Dreifache von allen 260 an der Börse notierten italienischen Unternehmen.

PS: Apple hatte am 19. Mai 2017 einen Wert von 811 Mrd. $, das sind 725 Mrd. €. Das heißt, „Mafia spa“ könnte Apple kaufen und hätte dann immer noch 955 Mrd. übrig.

Der Moderator Aaron Pettinari, Chefredakteur von Antimafia Duemila, bemerkt, dass Giovanni Falcone vor seiner Ermordung der „Spur des Geldes“ folgte und Ermittlungen über riesige Geldströme der sizilianischen Mafia anstellte, die zuerst auf der kleinen Mailänder Bank Rasini landeten (2) und dann scheinbar im Nichts verschwanden – das „Nichts“ vermutete er in der Schweiz. Diese Ermittlungen waren mit ein Grund für verschiedene Leute, Falcone eliminieren zu wollen. Seit den großen Mafia-Attentaten vor 25 Jahren habe sich aber doch sicher einiges geändert, vermutet Pettinari und übergibt das Mikrofon an Roberto Scarpinato.

Roberto Scarpinato, leitender Oberstaatsanwalt von Palermo, meint, nichts mehr sei so wie früher. Wir befänden uns in einer Welt, in der das Kapital die Demokratie vernichte:
„Das Sagen hat, wer das meiste Kapital besitzt“

Zuerst einmal müsse man einen Fehler vermeiden, der häufig in der Öffentlichkeit gemacht werde: Den Fehler, die Mafia-Phänomene mit den Augen von vor 25 Jahren zu betrachten. „Das Italien von damals existiert nicht mehr!“ Es zeigten sich vielmehr neue Formen der Mafia-Kriminalität, die man mit den bisherigen Antimafia-Gesetzen nicht mehr bewältigen könne. Grund seien die vielen internationalen Veränderungen von historischer Tragweite wie z.B. der Untergang der Sowjetunion, Globalisierung, Einführung des Euro, Osterweiterung der EU und vieles andere. Diese Veränderungen hätten nicht nur die bisherige Ordnung in der legalen Zivilgesellschaft durcheinander gebracht, sondern auch das Gleichgewicht in der ausgedehnten illegalen Gesellschaft und besonders im Universum der Mafien gestört.

Im Innern der Mafien, so Scarpinato, hat eine Spezialisierung stattgefunden: Der traditionelle Mafioso, der Schutzgeld erpresst und dem Opfer die Pistole an die Schläfe setzt, hat ausgedient. Durchsetzung durch Anwendung von Gewalt ist nicht mehr opportun. Mehr Erfolg scheinen neue Formen der Mafia zu haben. Das Kassationsgericht spricht von den „schweigenden Mafien“, er, Scarpinato, nenne sie „Mafie mercatiste“ (etwa: Mafien des Freien Marktes), d.h. Mafien, die sich flexibel an die Veränderungen angepasst, sich die Regeln des sog. Freien Marktes zueigen gemacht haben und zu Service-Agenturen geworden sind, Agenturen, die illegalen Service und illegale Güter zur Verfügung stellen. Dafür gebe es weltweit einen unvorstellbar großen Bedarf von Millionen „normaler“ Leute, denke man z.B. an Millionen Neureiche in China , in Indien, in Russland usw..

Die Selektion und Spezialisierung im Innern der Mafien hätten die klassischen Mafia-Methoden der Gewaltanwendung auf ein Minimum reduziert und es habe sich vor allem im Norden eine neue Art Beziehung Mafia-Bevölkerung herausgebildet, eine „kollusive“ (etwa: Komplizen-) Beziehung, so dass sich die Grenzen zwischen Mafia-Kriminalität, Wirtschafts-Kriminalität, Kriminalität in Politik und Öffentlichem Dienst – die sich vor allem in systema-tischer Korruption äußert -, immer mehr verwischten.

Zahlreiche Ermittlungen und Prozesse der letzten Zeit haben die Existenz von sog. „kriminellen Systemen“ aufgedeckt, die weder die typischen Eigenschaften einer Mafia-Organisation noch die einer „einfachen kriminellen Organisation“ haben (1). Es handelt sich um kriminelle Systeme, die neben den legalen Machtsystemen bestehen, gebildet aus der „Elite der Weißen Kragen“ (z.B. die von der Presse so genannten Cliquen, P2, P3, P4 usw.) und der „Mafia-Aristokratie“. Dort werden Geschäfte abgesprochen, zu denen das normale Volk der Mafiosi keinen Zugang hat.

Scarpinato unterscheidet drei verschiedene Arten von Mafien:

(Die folgenden Ausführungen sind leicht gekürzt. Um der besseren Lesbarkeit willen wird die direkte Rede beibehalten)

1. Die traditionelle Mafia
2. Die Mafien im sog. „Freien Markt“
3. Die kriminellen Systeme

(Roberto Scarpinato beendet seinen Vortrag)

Also wenn wir das, was ich hier ausgeführt habe, ernst nehmen, dann muss klar sein, dass heutzutage der Kampf gegen die Organisierte Kriminalität nicht allein den Gerichten und der Polizei überlassen werden darf. Der Kampf muss weltweit geführt werden, auf allen Ebenen und an allen Fronten. Die wichtigste, die entscheidende Front ist die Bewahrung und die Wiederherstellung der Demokratie in der Politik gegenüber den großen Wirtschafts- und Finanzmächten, von denen die „Mafien im Freien Markt“ ein wichtiger und fester Bestandteil geworden sind.

Der Kampf besteht in der Schaffung nationaler und transnationaler Institutionen, die es den Völkern ermöglichen, wieder über das eigene Schicksal entscheiden zu können und die erlauben, die Kontrolle der Politik über die Wirtschaft wieder herzustellen. Das bedeutet z.B. auf europäischer Ebene, dass es doch nicht sein kann, dass über das Schicksal einzelner Länder entschieden wird von nicht repräsentativen Organen wie z.B. der Europäischen Zentralbank, von der nicht repräsentativen Europäischen Kommission oder vom Europa-Parlament, das nicht die geringste Bedeutung hat. Auch für Europa muss man einen Rechts-staat gründen und ein europäisches Parlament, das Ausdruck des Willens der Völker ist und das die politischen Entscheidungen einzelner Länder kontrollieren kann, das die Entscheidungen, die das Leben der einzelnen Völker betreffen, transparent gestaltet. Man muss also in Italien und in Europa eine politische Demokratie schaffen, die zu einer alternativen Gesellschaft führt, deren Basis die Vorstellung von der „Würde des Menschen“ ist. Die also völlig anders ist als die, die als einzigen Motor das Geld kennt und die den Menschen zur austauschbaren Ware herabwürdigt. Von dieser Art Gesellschaft, die die totale Kontrolle über das Leben jedes einzelnen von uns ermöglicht, träumen die großen Mafiabosse, die großen Bosse der kriminellen Systeme und die Mächtigen in der Wirtschaft.

Anmerkungen:
(1) Die kriminelle Organisation vom Typ Mafia definiert das Gesetz „Art. 416 bis“, die einfache kriminelle Organisation das Gesetz „Art. 416“.
(2) Banca Rasini, Mailand. Kleine Bank, in der Silvio Berlusconis Vater als Beamter angestellt war. Ihre Bekanntheit verdankt die kleine Bank den zahlreichen kriminellen Kunden, darunter den Mafiabossen Totò Riina, Pippo Calò, Bernardo Provenzano und Stefano Bontade.
(3) Für den italienischen Terminus „collusi“ verwende ich im Folgenden die Übersetzung Komplizen, wobei der italienische Begriff ausschließlich Komplizen der Mafia in Wirtschaft, Politik und Bevölkerung meint.
(4) Oligopol: ähnlich einem Monopol (bei dem einer den Markt beherrscht), nur dass hier ein Markt von einigen wenigen kontrolliert wird
(5) Der Fall CONSIP:`Die Consip ist die italienische Zentrale für Anschaffungen für den Öffentlichen Dienst und wird vom Ministerium für Wirtschaft und Finanzen verwaltet. Die Aufwendungen für die Anschaffungen bewegen sich in Milliardenhöhe. 2014 wurde ein staatlicher Auftrag über 2,4 Mrd. für Wartungs- und Reinigungsarbeiten im Gesundheitswesen ausgeschrieben, den jetzt die Staatsanwaltschaften von Neapel und Rom wegen des Vorwurfs der Korruption untersuchen. Festgenommen wurde bisher ein Unternehmer aus Kampanien, ermittelt wird aber auch u.a. gegen den Vater von Matteo Renzi, gegen den Sportminister, gegen einen Exmanager der Consip u. viele andere.
(6) cricche = Cliquen von Leuten in einflussreichen Positionen, wie z.B. Politiker;
P2: Eine Geheimloge, geführt von Licio Gelli, bei der Silvio Berlusconi Mitglied war, inzwischen ist sie aufgelöst, aber es hat Nachfolger gegeben:

Wie läuft`s mit den Bestechungsgeldern? – Du weißt, die Wirtschaftskrise, jetzt muss ich sogar Armbanduhren akzeptieren… (Schrift auf der Ablage: „Hier hinlegen“)

 

 

 

 

 

Und was wollen Sie dafür? – Den Auftrag für die Lieferung von Handschellen

 

Resumee:

Sacrpinato entreißt uns die Brille, mit der wir bisher die Wirtschaft betrachtet haben und zitiert einen Mafiaboss: „Dottore, die Welt ist heute anders als früher. Früher kontrollierte die Politik die Wirtschaft, heute ist es die Wirtschaft, die die Politik regiert. Die Märkte diktieren, was die Regierungen zu tun haben. Und wir sind das schwarze Herz der Wirtschaft. Wir sind die Wirtschaft.

Und mir stellt sich die bange Frage: Welche Politiker retten uns die Demokratie? Was kann ich tun?

Artikelserie: Frauen leiden unter Korruption