{"id":23591,"date":"2017-07-15T11:31:24","date_gmt":"2017-07-15T09:31:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/?page_id=23591"},"modified":"2017-07-22T10:27:44","modified_gmt":"2017-07-22T08:27:44","slug":"referenten-der-antimafia-tagung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/referenten-der-antimafia-tagung\/","title":{"rendered":"Referenten der Antimafia-Tagung"},"content":{"rendered":"<p>Der <strong>italienische Botschafter Pietro Benassi<\/strong> hob in seiner Begr\u00fc\u00dfungsrede hervor, dass die Sicherheit in Europa in vielerlei Hinsicht bedroht ist. Eine der Gef\u00e4hrdungen bestehe in der scheinbar unbemerkt bleibenden, sich st\u00e4ndig ausweitenden Infiltration der europ\u00e4ischen Staaten durch das organisierte Verbrechen, darunter auch durch die italienischen Mafien. Er unterstrich die Bedeutung einer solchen bundesweiten Antimafia-Tagung. Er f\u00fchle sich geehrt, dass seine Botschaft einen entscheidenden Beitrag zum Zustandekommen leisten konnte und zitierte anschlie\u00dfend den vor 25 Jahren von der Mafia ermodeten Antimafia-Richter Paolo Borsellino, der der Bev\u00f6lkerung und dem Staat als entscheidenden Beitrag jedes einzelnen mit auf den Weg gegeben hatte: <strong>\u201eSprecht \u00fcber die Mafia! Sprecht dar\u00fcber im Radio, im Fernsehen, in den Zeitungen. Aber sprecht dar\u00fcber!\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sandro Mattioli, Vorsitzender von \u201eMafia? Nein Danke!\u201c <\/strong>und freier Journalist, betonte die Unsichtbarkeit der Mafien: \u201eMan kann z.B. in einem Bierzelt mitschunkeln und \u2013singen, ohne zu wissen, dass die hier ausgegebenen Euro direkt auf die Konten der `Ndrangheta wandern\u201c, w\u00e4hrend <strong>Frank Burgd\u00f6rfer, <\/strong>Vorstandsmitglied der Europ\u00e4ischen Bewegung, vor allem die gemeinsamen Werte in Europa durch die Mafien bedroht sieht. <strong>Laura Garavini, Gr\u00fcnderin von Mafia? Nein Danke! und Mitglied der Deutsch-Italienischen Parlamentariergruppe <\/strong>findet, dass es auf die Globalisierung der Mafien nur eine Antwort gebe: Die Globalisierung der Antimafia-Bewegung. Ihr Kollege <strong>Lars Castellucci<\/strong> f\u00fchrt Beispiele an, bei denen man auf besondere Herausforderungen (wie z.B. die Silvesternacht auf der Domplatte von K\u00f6ln) konkret reagiert und damit aus einem Fehler gelernt habe. Dies sei bisher in der Bedrohung durch die OK nicht passiert, man scheine sich eher an einen h\u00f6chst unbefriedigenden Zustand gew\u00f6hnen zu wollen. Das m\u00fcsse unbedingt anders werden.<\/p>\n<p><em>Die Bek\u00e4mpfung von Mafia-Organisationen in Europa: Erfahrungen aus der Praxis<\/em><\/p>\n<p><strong>David Ellero, Europol, Abteilungsleiter Wirtschafts- und Eigentumsdelikte,<\/strong> bezeichnet unter den mehr als 500 europaweit aktiven OK-Gruppen diejenigen als besonders gef\u00e4hrlich, die es schaffen, in Wirtschaft und \u00f6ffentlicher Verwaltung Fu\u00df zu fassen. Wie international die Mafien arbeiten, verdeutlicht er an einem Schaubild mit den Telefonkontakten eines Mafia-Bosses. Er ist in st\u00e4ndigem Kontakt mit Personen aus 15 Nationen! Die Mafia-Hochburgen seien Spanien, Deutschland, Holland und Belgien. Wie gef\u00e4hrlich die Bedrohung durch die Mafien ist, das habe man in der legalen Wirtschaft leider noch nicht begriffen.<\/p>\n<p>Es gebe drei S\u00e4ulen, auf die die Mafien sich st\u00fctzen k\u00f6nnten:<\/p>\n<ol>\n<li>Die nicht angemessene Gesetzgebung in den einzelnen europ\u00e4ischen Staaten<\/li>\n<li>Das in allen Bereichen der Gesellschaft fehlende Wissen \u00fcber das Ph\u00e4nomen Mafia<\/li>\n<li>Die Frage der Priorit\u00e4ten. Er nennt ein Beispiel aus der lokalen Ebene: Ein Revier hat f\u00fcnf Leute zur Verf\u00fcgung und drei Probleme zu l\u00f6sen: Mit Sicherheit w\u00fcrde das Problem eines Mafiaverdachts an die letzte Stelle gesetzt. (Das Gleiche gilt m.E. f\u00fcr die Politik: Weder in Deutschland noch in Italien taucht der Kampf gegen die Mafien im offiziellen Regierungsprogramm auf, dabei w\u00fcrde dies sofort die gesamte Situation im Land v\u00f6llig ver\u00e4ndern, Anm. Klose)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Er k\u00fcndigt die Schaffung einer europ\u00e4ischen Datenbank an, damit europaweit Zugriff auf die Ermittlungsergebnisse und ein Abgleich dieser Daten m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p><strong>Bernd Finger, Mitbegr\u00fcnder von Mafia? Nein danke! (MND) und ehemals Leiter der Abt. OK im LKA Berlin, <\/strong>h\u00e4lt die Aus- und Fortbildung der Polizei f\u00fcr ein wichtiges Bet\u00e4tigungsfeld, um Wissen \u00fcber das Ph\u00e4nomen Mafia zu vermitteln. Au\u00dferdem spiele auch der kulturelle Aspekt eine gro\u00dfe Rolle, um z.B. in einer Ermittlergruppe ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl zu schaffen und um einen Ausgleich f\u00fcr all das H\u00e4ssliche zu schaffen, dem man in seiner Arbeit begegne. In Berlin sei es gelungen, die Pr\u00e4vention in der Bek\u00e4mpfung der OK zu implementieren. Gelegenheiten, bei denen die Verbindung von Zivilgesellschaft und Institutionen f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sichtbar werden, seien ebenfalls wichtig und er nennt hier als Beispiel gemeinsame Pressekonferenzen zwischen Polizei und Vertretern von MND. Abschlie\u00dfend formuliert er zwei W\u00fcnsche: 1. Dass die europ\u00e4ische Gesetzgebung, z.B. bei der Geldabsch\u00f6pfung, bei uns schneller umgesetzt werde und 2. dass Gesetze geschaffen werden, die den Schutz von Journalisten und Whistleblowern garantieren, der sei bisher mangelhaft.<\/p>\n<p><em>Wirtschaftskriminalit\u00e4t: Gefahren f\u00fcr Gesellschaften und M\u00e4rkte<\/em><\/p>\n<p><strong>Luca Storti, Universit\u00e4t Turin, <\/strong>definiert zun\u00e4chst Mafia als <strong>eine<\/strong> Form organisierter Kriminalit\u00e4t, die aber, anders als OK im allgemeinen, auf die Kontrolle des Territoriums abzielt, das hei\u00dft, die Kontrolle \u00fcber Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. F\u00fcr die Kontrolle des Territoriums ist der \u201esoziale Konsens\u201c, die Zustimmung aus den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, notwendig. Die Infiltration erfolgt, indem die Mafiosi Beziehungen anbieten, Beziehungen z.B. zwischen Mafiosi, Unternehmern, Politikern, Freiberuflern, Finanzleuten usw. In diesen neu geschaffenen Netzwerken werden Interessen, Ideen und Gelder ausgetauscht. So schaffen sie eine feste Netzwerk-Zugeh\u00f6rigkeit, die f\u00fcr Ermittler schwer zu durchdringen ist.<\/p>\n<p>Kleine und mittlere Betriebe sind am gef\u00e4hrdesten, und hier vor allem das Baugewerbe und alle damit verbundenen Sektoren der Wirtschaft. Aber generell gelte: Es gebe keinen einzigen Wirtschaftssektor, der immun gegen Infiltration durch die Mafia sei.<\/p>\n<p>Und die Folgen? Die schlechtesten Firmen werden zu Gewinnern, denn sie k\u00f6nnen die billigsten Angebote machen, weil sie nicht gewinnorientiert arbeiten m\u00fcssen. Solche Firmen investieren nirgends, da es ihnen um die Kontrolle eines ganzen Sektors geht. Das f\u00fchrt zu einer Verarmung des jeweiligen Gebietes. In der Bev\u00f6lkerung wird das Vertrauen in die Institutionen geschw\u00e4cht und bei den Unternehmern schwindet die Bereitschaft zur Innovation. Insgesamt behindert dies die Weiterentwicklung von Firmen. Man m\u00fcsse also sagen, dass die Infiltration einer Wirtschaft durch die Mafia kurzfristig einzelnen Unternehmen bei bestehenden Problemen helfen kann, dass aber langfristig die gesamte Gesellschaft Schaden nimmt. Was kann man tun? Erste Voraussetzung sei, Wissen \u00fcber die Mafien zu erwerben, dann m\u00fcsse die Politik f\u00fcr entsprechende Gesetze zum Schutz der legalen Wirtschaft sorgen.<\/p>\n<p><strong>Andreas Frank, Anti-Geldw\u00e4sche-Berater, <\/strong>zitiert eingangs den leitenden Antimafia-Staatsanwalt aus Palermo, Roberto Scarpinato, der sagte, wenn er Geld waschen wolle, w\u00fcrde er das in Deutschland tun, denn da sei das Entdeckungsrisiko gleich null. Hochrisikol\u00e4nder f\u00fcr Geldw\u00e4sche seien England, Frankreich und Deutschland.<\/p>\n<p>Er zeigt, in welchen Gr\u00f6\u00dfenordnungen sich der Umsatz der Mafien bewegt und betont, die Tatsache dass von der Mafia aufgekaufte oder beeinflusste Firmen nicht gewinnorientiert arbeiten m\u00fcssen, eine ernste Gefahr f\u00fcr die legale Wirtschaft sei. Er beklagt, dass die Geldw\u00e4schegesetze jahrelang nicht umgesetzt worden seien und weist darauf hin, dass die gigantischen Mafia-Verm\u00f6gen in manchen L\u00e4ndern schon dazu gef\u00fchrt haben, dass ganze Regierungen gekauft worden sind und dass dort die Mafia die Politik bestimmt. Er beendet seinen Vortrag folgenderma\u00dfen<strong> \u201eWer nicht in einer Diktatur aufwachen m\u00f6chte, muss heute etwas tun, weil es in f\u00fcnf bis zehn Jahren zu sp\u00e4t sein k\u00f6nnte.\u201c<\/strong><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"350\" height=\"250\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/O3Zy-D0KZrE\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<em>Das Wissen und Bewusstsein \u00fcber Mafia-Ph\u00e4nomene. Die Rolle der Information<\/em><\/p>\n<p><strong>Axel Hemmerling, MDR, ein Autor der MDR-Dokumentation \u201eRevier der Paten. Die Mafia in Mitteldeutschland\u201c,<\/strong> schildert die Schwierigkeiten bei der Berichterstattung \u00fcber Mafia-Ph\u00e4nomene. U.a. h\u00e4tten er und seine Kollegen sich wiederholt den Vorwurf der \u201eKrawallberichterstattung\u201c gefallen lassen m\u00fcssen. Der Innenminister von Th\u00fcringen meinte zur Gefahr durch die Mafia in Th\u00fcringen, sie liege \u201eunterhalb der polizeilichen Wahrnehmung\u201c, sei also kein Problem. Auch die Erfurter Tourismus-Managerin h\u00e4tten sie sich zur erbitterten Feindin gemacht, weil Mafia-Berichterstattung dem Image der Stadt schade. Auf Nachfrage geht er auch auf den von einem Italiener angestrengten erfolgreichen Prozess gegen den Sender und die drei Autoren ein: die Dokumentation habe seine Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzt. Er betont, dass in ihrem Fall der Sender voll hinter den Autoren gestanden und jede Art von Schutz angeboten habe, ganz anders als im Fall von J\u00fcrgen Roth und Petra Reski, die ebenfalls erfolgreich verklagt wurden und Stellen in ihren B\u00fcchern schw\u00e4rzen mussten. Der italienische Gastwirt habe auch 50 000 Euro Schmerzensgeld verlangt, was aber vom Gericht am 30.6.2017 definitiv abgelehnt worden sei.<\/p>\n<p><em>Sicherheit und Legalit\u00e4t: Aktuelle Herausforderungen f\u00fcr Europa<\/em><\/p>\n<p><strong>Bundesinnenminister Thomas De Maizi\u00e9re <\/strong>z\u00e4hlt folgende Probleme auf: Die vielf\u00e4ltige Infiltration in die legale Wirtschaft. Auch die von den Mafien benutzten Kommunikationswege stellten den Staat und die Ermittler vor gro\u00dfe Probleme (s. die aktuelle Diskussion um die \u00dcberwachung der sozialen Medien). Das dritte Problemfeld sei die bisher mangelhafte \u201einteroperable\u201c Zusammenarbeit: Als Beispiel nennt er die Fl\u00fcchtlingsdatenbank, in der der Fingerabdruck jedes Fl\u00fcchtlings abgespeichert sei, nicht aber der Name. Die Polizei jedoch verf\u00fcge f\u00fcr Kontrollen \u00fcber Daten, bei denen die Namen, nicht aber die Fingerabdr\u00fccke gespeichert seien. Hier sei noch viel zu tun.<\/p>\n<p>Allerdings nehme er sich italienische Antimafia-Gesetze zum Vorbild. So sei aktuell das neue Geldw\u00e4schegesetz verabschiedet worden. Auch der Tatbestand der \u201ekriminellen Vereinigung\u201c sei neu gefasst worden, so dass er auch auf Mafiosi angewendet werden k\u00f6nne. Auch dieses Gesetz werde bald in Kraft treten.<\/p>\n<p>Auf einen Appell aus dem Publikum, ob es nicht Zeit sei, die Bek\u00e4mpfung der OK auf die Priorit\u00e4tenliste der Regierung zu setzen, verweist er auf die gute Zusammenarbeit von Innenministerium mit den Polizeikr\u00e4ften.<\/p>\n<p><strong>Der italienische Innenminister Marco Minniti <\/strong>schildert die Schwierigkeiten Italiens im Umgang mit der massenhaften Landung von Fl\u00fcchtlingen und mit den anderen Mitgliedsstaaten der EU.<\/p>\n<p><em>Die Zusammenarbeit der deutschen und italienischen Sicherheitskr\u00e4fte bei der Bek\u00e4mpfung der OK<\/em><\/p>\n<p><strong>Der nationale Antimafia-Staatsanwalt Franco Roberti <\/strong>verweist auf die unzureichende Umsetzung der Uno-Konvention von Palermo aus dem Jahre 2000, in dem die globale Bek\u00e4mpfung der Mafien beschlossen worden ist.<\/p>\n<p><strong>Peter Henzler, Vizepr\u00e4sident des BKA, <\/strong>berichtet von der Einrichtung einer deutsch-italienischen Task force am BKA, die schon einiges bewirkt habe. Die Kooperation mit Italien sei institutionalisiert, es gebe sog. \u201eVerbindungsbeamte\u201c, deren Aufgabe es sei, die internationale Zusammenarbeit zu f\u00f6rdern. Die Zusammenarbeit bei der Polizei funktioniere gut, problematisch sei die Kooperation auf der Ebene der Justiz. Ein Grund daf\u00fcr sei in den unterschiedlichen Systemen zu sehen, so k\u00f6nne der Generalbundesanwalt mit dem Nationalen Antimafia-Staatsanwalt aus Italien nicht zusammenarbeiten, da das Problem der Mafien nicht zu seinem Aufgabenbereich geh\u00f6rt. Eine Schwierigkeit seien auch die unterschiedlichen Gesetze in Europa, die auf unterschiedlichen Traditionen aufbauen. So habe man entschieden, der Versuch einer Abgleichung auf europ\u00e4ischer Ebene sei nicht praktikabel, weil dies Jahre oder Jahrzehnte in Anspruch nehmen w\u00fcrde. Also versuche man jetzt andere Wege f\u00fcr eine europaweite Zusammenarbeit der Justiz zu finden.<\/p>\n<p><em>Entwicklungsstrategien einer mafi\u00f6sen Organisation: der Fall der kalabrischen `Ndrangheta<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Antimafiastaatsanwalt Giuseppe Lombardo aus Kalabrien<\/strong> nennt als zentrales Problem der Bek\u00e4mpfung der Mafien das gar nicht oder nicht ausreichend vorhandene Wissen \u00fcber die Mafien, dies gelte auch f\u00fcr seinen eigenen Berufsstand. Als Beispiel nennt er das Massaker von Duisburg 2007. Die Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria sei in Italien diejenige, die am h\u00e4ufigsten abh\u00f6rt. Aber die transnationale T\u00e4tigkeit der Mafien f\u00fchre dazu, dass immer wieder Informationen, die man durch Abh\u00f6rma\u00dfnahmen h\u00e4tte bekommen k\u00f6nnen, nicht bei den ermittelnden Beh\u00f6rden landen, weil das entscheidende Gespr\u00e4ch in den Zellen der Organisation im Ausland gef\u00fchrt worden sei. Dies sei die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass seine Staatsanwaltschaft genauso \u00fcberrascht worden sei von der in Duisburg ausgetragenen Fehde zweier `Ndrangheta-Clans aus San Luca (Kalabrien).<\/p>\n<p>Auch ein Staatsanwalt d\u00fcrfe sich nicht darauf beschr\u00e4nken, Antworten auf ermittlungs-relevante Fragen zu suchen, sondern m\u00fcsse st\u00e4ndig das gesamte Mafia-Ph\u00e4nomen, mit dem er es zu tun hat, studieren und in der Lage sein, von konkreten Ereignissen aus die Struktur der Organisation oder bestimmte Handlungsverl\u00e4ufe zu rekonstruieren. Vor Duisburg w\u00e4ren die Staatsanw\u00e4lte von einer rein horizontalen Organisation der `Ndrangheta ausgegangen. Diese These sei 1969 aufgestellt worden und habe bis 2007 f\u00fcr die Gerichte als Ausgangshypothese gegolten. Erst durch das Attentat von Duisburg sei klar geworden, dass die `Ndrangheta inzwischen eine v\u00f6llig neue Struktur habe.<\/p>\n<p>Er stellt nun seine Rekonstruktion der Entwicklung der `Ndrangheta als Organisation vor, von der rein horizontal (in einzelnen Familien) ausgerichteten Organisation bis zum heutigen Zustand einer \u201estruttura verticale di tipo verticistico\u201c (vertikale Struktur, in der die Entscheidungen von oben getroffen werden).<\/p>\n<p>Die `Ndrangheta des Jahres 2017 hat drei Ebenen; Die unterste Ebene, die sog. \u201eProvincia\u201c, die sich vor allem um den Drogenhandel k\u00fcmmert, aber auch als \u201eGericht\u201c f\u00fcr `Ndranghetisti fungiert, die sich nicht an die Regeln halten. Die zweite Ebene, die sog. \u201eDirezione operativa\u201c, trifft die Entscheidungen f\u00fcr die drei gro\u00dfen `Ndrangheta-\u201eRegierungsBezirke\u201c in Kalabrien. Die oberste Ebene, \u201eSANTA\u201c genannt, trifft die wichtigsten Entscheidungen. Sie ist die Ebene, die den Kontakt zur Gesellschaft, zur Wirtschaft, zur Politik herstellt, die richtiggehende \u201eKriminelle Systeme\u201c bildet.<\/p>\n<p>Die Ausbreitung der kalabrischen Mafia in Norditalien und in Europa sei u.a. damit zu erkl\u00e4ren, dass die `Ndrangheta eine besondere Ressource zur Verf\u00fcgung habe: Das kollektive Wissen von der Gef\u00e4hrlichkeit und Erbarmungslosigkeit der Mafia, die kollektive Angst vor ihrer Organisation.<\/p>\n<p><strong>Er schlie\u00dft seinen Vortrag mit der Bemerkung: Wenn man die `Ndrangheta des Jahres 2017 bek\u00e4mpfen wolle, m\u00fcsse man Wissen \u00fcber sie haben, man m\u00fcsse in der Lage sein, sie zu erkennen, wenn man ihr von Angesicht zu Angesicht gegen\u00fcber stehe.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Programm-Freiheit-und-Sicherheit-Wie-begegnen-wir-der-organisierten-Kriminalita\u0308t-in-Europa-2-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Programm Freiheit und Sicherheit <\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BIOGRAFIE-DE-antimafia-AF.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BIOGRAFIE-Antimafia <\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/GLOSSARIO-DE-AM.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GLOSSARIO<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_23588\" style=\"width: 407px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/erste-bundesweite-antimafia-tagung\/mafia_vignetta\/\" target=\"_blank\" rel=\"attachment wp-att-23588 noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23588\" class=\"size-full wp-image-23588\" src=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/mafia_vignetta.jpg\" alt=\"\" height=\"314\" width=\"397\" srcset=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/mafia_vignetta.jpg 397w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/mafia_vignetta-300x237.jpg 300w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/mafia_vignetta-379x300.jpg 379w\" sizes=\"auto, (max-width: 397px) 100vw, 397px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-23588\" class=\"wp-caption-text\">\u201eDie Mafia existiert nicht, und falls doch, dann habe ich da eben geschlafen.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der italienische Botschafter Pietro Benassi hob in seiner Begr\u00fc\u00dfungsrede hervor, dass die Sicherheit in Europa in vielerlei Hinsicht bedroht ist. 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