{"id":14827,"date":"2015-06-22T11:19:37","date_gmt":"2015-06-22T09:19:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/?p=14827"},"modified":"2015-06-22T11:19:38","modified_gmt":"2015-06-22T09:19:38","slug":"was-sind-aufgeblaehte-vermoegenspreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/was-sind-aufgeblaehte-vermoegenspreise\/","title":{"rendered":"Was sind &#8222;aufgebl\u00e4hte Verm\u00f6genspreise&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Drohende Fehlallokationen: Aufgebl\u00e4hte Verm\u00f6genspreise bergen Gefahren<br \/>\nDie laxe Geldpolitik hat die Verm\u00f6genspreise nach oben getrieben. Dabei d\u00fcrfte es zu erheblichen Fehlallokationen kommen. Die Entwicklung k\u00f6nnte den Keim der n\u00e4chsten Welle der Krise in sich tragen.<\/p>\n<p>Michael Ferber berichtet: \u00abDie Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten\u00bb, hat Nobelpreistr\u00e4ger Albert Einstein einmal gesagt. Dennoch versuchen die internationalen Zentralbanken seit Jahrzehnten mit der immergleichen Methode, Krisen zu bek\u00e4mpfen \u2013 mit der Bereitstellung von billigem Geld. Dies f\u00fchrt in der Folge zu immer rascheren Aufschw\u00fcngen und Abst\u00fcrzen an den Finanzm\u00e4rkten, alleine im vergangenen Jahrzehnt gab es mit dem Platzen der New-Economy-Blase 2000 bis 2003 sowie der seit 2007 dauernden Finanz- und Schuldenkrise zwei tiefgreifende Finanzmarktkrisen. Mit dem Argument, eine Deflation verhindern zu m\u00fcssen, haben Zentralbanken wie die amerikanische Federal Reserve und die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) in den vergangenen Jahren noch mehr Geld aus dem Nichts geschaffen.<\/p>\n<p>Trotzdem hat das viele billige Geld bisher nicht f\u00fcr einen nennenswerten Anstieg der Inflation gesorgt, die mit den klassischen Konsumentenpreisindizes gemessen wird. Die Geldschwemme hat aber zu einem starken Anstieg bei Verm\u00f6genswerten wie Immobilien, Aktien sowie Kunst und anderen \u00abexotischen\u00bb Sachwerten gef\u00fchrt. Diese Art der Teuerung ist in der offiziellen Inflationsstatistik nicht enthalten. Aloys Prinz, Professor f\u00fcr Finanzwissenschaft an der Universit\u00e4t M\u00fcnster und zusammen mit Hanno Beck Autor des Buchs \u00abDie grosse Geldschmelze\u00bb, h\u00e4lt deshalb die g\u00e4ngigen Messmethoden von Inflation f\u00fcr irref\u00fchrend.<\/p>\n<p>Die Inflation der Verm\u00f6genspreise ist un\u00fcbersehbar. So sind beispielsweise die Preise f\u00fcr Liegenschaften in L\u00e4ndern wie Deutschland oder der Schweiz \u2013 angetrieben von den ultraniedrigen Zinsen \u2013 in den vergangenen Jahren nach oben geschossen. Die Geldschwemme und die extrem niedrigen Zinsen an den Obligationenm\u00e4rkten treiben die Anleger ausserdem in Aktien. So ist beispielsweise das deutsche B\u00f6rsenbarometer DAX in den vergangenen drei Jahren um rund 75% gestiegen. In diesem Jahr hat sich das Rally nach Ank\u00fcndigung des Anleihekaufprogramms der EZB erneut beschleunigt, der DAX liegt 2015 per Donnerstag mit rund 16% im Plus. Die Inflation der Verm\u00f6genspreise zeigt sich auch am Kunstmarkt. Wie aus einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg hervorgeht, ist im Mai bei Auktionen in New York Kunst im Wert von rekordhohen 2,7 Mrd. $ versteigert worden \u2013 ein Plus von 23% gegen\u00fcber demselben Vorjahresmonat. Zudem wechselte ein Werk von Picasso f\u00fcr den Rekordpreis von 179,4 Mio. $ den Besitzer. Ablesen l\u00e4sst sich die Entwicklung auch an dem von Flossbach von Storch errechneten Verm\u00f6genspreisindex, der die Preis\u00e4nderung von Verm\u00f6gensg\u00fctern deutscher Haushalte erfasst.<\/p>\n<p>Hinter der Entwicklung stehe das Kalk\u00fcl der Zentralbanken, die Verm\u00f6genspreise mit aller Macht nach oben zu dr\u00fccken, um Investitionen, den Konsum und letztlich das Wirtschaftswachstum anzuregen, sagt Thomas Mayer, Gr\u00fcndungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute und ehemaliger Chef\u00f6konom der Deutschen Bank. In den USA und Grossbritannien \u2013 weniger in der Euro-Zone \u2013 sei dies sogar vor\u00fcbergehend gelungen, und die Folgen des Crashs des Jahres 2008 seien gelindert worden. Der damalige Absturz der Verm\u00f6genspreise sorgte f\u00fcr enorme Verwerfungen in den Bilanzen von privaten Haushalten und Unternehmen, und in der Folge gerieten reihenweise Banken ins Straucheln.<\/p>\n<p>Zentralbanken im Dilemma<br \/>\nNach Jahren, in denen die Verm\u00f6genspreise mittels billigen Geldes \u00abaufgepumpt\u00bb worden sind, stehen die Zentralbanken laut Mayer nun vor einem Dilemma: Erh\u00f6hten sie die Zinsen, drohe sich die \u00dcberbewertung bei den Aktiva zu reduzieren. Da die Passiva dann nicht mehr gedeckt seien, k\u00f6nnte es erneut zu Zahlungsausf\u00e4llen kommen, und ein erneuter Crash k\u00f6nnte die Folge sein. Beliessen die Zentralbanken die Leitzinsen hingegen auf Nullniveau, so drohten sich umso gr\u00f6ssere Blasen an den M\u00e4rkten zu bilden \u2013 mit immer schlimmeren makro\u00f6konomischen Folgen bei deren Platzen.<\/p>\n<p>So h\u00e4lt Mayer beispielsweise eine Blasenbildung am deutschen Immobilienmarkt f\u00fcr praktisch unausweichlich. Die Geldpolitik, die die EZB f\u00fcr die ganze Euro-Zone mache, sei f\u00fcr Deutschland viel zu lax. Die extrem niedrigen Zinsen sorgten in Deutschland folglich f\u00fcr einen regelrechten Immobilienboom und bl\u00e4hten die Preise k\u00fcnstlich auf. Dies wiederum gebe dann Raum f\u00fcr zus\u00e4tzliche Verschuldung. Die Inflation der Verm\u00f6genspreise k\u00f6nnte aber noch eine Zeitlang weitergehen, solange sie von den Zentralbanken befeuert wird. So l\u00e4uft beispielsweise das Anleihekaufprogramm der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) bis Herbst 2016.<\/p>\n<p>Prinz glaubt allerdings nicht, dass sich die \u00abaufgeblasenen\u00bb Verm\u00f6genspreise auf Dauer auf dem derzeitigen hohen Niveau halten lassen. Vielmehr k\u00f6nnte die Inflation der Verm\u00f6genspreise zur Wurzel der n\u00e4chsten Etappe in der Finanz- und Schuldenkrise werden. Die Verm\u00f6genspreisinflation schaffe starke Fehlallokationen von Kapital. Bereits heute spiegelten die Preise der Verm\u00f6gensg\u00fcter oft nicht das wider, was sie in Zukunft erwirtschaften k\u00f6nnten. So k\u00f6nnte die von den Zentralbanken erhoffte Ankurbelung des Wirtschaftswachstums steckenbleiben, da das viele billige Geld nur die Preise von Verm\u00f6gensg\u00fctern nach oben treibt, aber letztlich unproduktiv investiert wird. Eine laxe Geldpolitik k\u00f6nne kein Wachstum schaffen, sondern h\u00f6chstens Zeit f\u00fcr strukturelle Reformen erkaufen, sagt Prinz.<\/p>\n<p>Das seit mehreren Jahrzehnten in einer Deflation steckende Japan gilt als Beispiel daf\u00fcr, was passiert, wenn solche Reformen nach einer Inflation der Verm\u00f6genspreise nicht angegangen werden \u2013 das Wachstum l\u00e4sst sich schliesslich kaum mehr ankurbeln. Anfang der 1990er Jahre platzte in Japan eine riesige Immobilienblase, die das Land immer tiefer in eine Schuldenspirale und Bankenkrise st\u00fcrzte. Dass das Land bis heute in dieser Krise steckt, zeigt die potenziell schlimmen Folgen einer Verm\u00f6genspreisinflation&#8230;..<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Aufgeblaehte-Vermoegenspreise-bergen-Gefahren.pdf\" target=\"_blank\">Aufgeblaehte Vermoegenspreise bergen Gefahren<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/was-sind-aufgeblaehte-vermoegenspreise\/bubble-preisblase\/\" target=\"_blank\" rel=\"attachment wp-att-14829\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14829\" src=\"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/bubble-preisblase.jpg\" alt=\"Bubble-Preisblase\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/bubble-preisblase.jpg 620w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/bubble-preisblase-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/bubble-preisblase-500x281.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drohende Fehlallokationen: Aufgebl\u00e4hte Verm\u00f6genspreise bergen Gefahren Die laxe Geldpolitik hat die Verm\u00f6genspreise nach oben getrieben. 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