{"id":22586,"date":"2017-02-27T10:29:29","date_gmt":"2017-02-27T09:29:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/?p=22586"},"modified":"2017-02-27T10:40:09","modified_gmt":"2017-02-27T09:40:09","slug":"london-und-frankfurt-boersenfusion-vor-dem-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/london-und-frankfurt-boersenfusion-vor-dem-aus\/","title":{"rendered":"London und Frankfurt- B\u00f6rsenfusion vor dem Aus"},"content":{"rendered":"<p>Die geplante Fusion von Deutscher B\u00f6rse und der London Stock Exchange (LSE) ist in ernsthafter Gefahr. Die LSE teilte am Sonntagabend mit, dass die EU-Kommission von ihr den Verkauf weiterer Gesch\u00e4ftsbereiche gefordert habe, um gr\u00fcnes Licht f\u00fcr den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss zu geben. Das Unternehmen sei dazu jedoch nicht innerhalb der von der EU gesetzten Frist in der Lage. \u201eBasierend auf der aktuellen Position der Kommission geht die LSE davon aus, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Kommission die Fusion genehmigen wird.\u201c Von der Deutschen B\u00f6rse war zun\u00e4chst keine Stellungnahme zu erhalten.<\/p>\n<p>Es geht um das italienische Clearinghaus MTS. Die LSE ist zwar im Prinzip bereits zu verkaufen, jedoch nicht unter dem von der EU aufgebauten Zeitdruck.<\/p>\n<p>In der Stellungnahme teilt die LSE mit, dass sie die Fusion mit der Deutschen B\u00f6rse unver\u00e4ndert f\u00fcr sinnvoll h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Nach dem Brexit haben sich jedoch auf beiden Seiten die Gegner des Mergers formiert: Die Franzosen wollen keine enge Verflechtung zwischen Frankfurt und London. In Gro\u00dfbritannien gibt es Stimmen, die der Meinung sind, dass die LSE als unabh\u00e4ngiger Player eine bessere Rolle im globalen Handel spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Damit w\u00fcrde der f\u00fcnfte Versuch scheitern, beide Unternehmen zu verschmelzen. Zwei mal waren Sondierungsgespr\u00e4che bereits beendet worden, bevor sie \u00f6ffentlich bekanntwurden. Die Deutsche B\u00f6rse wurde von der LSE-Entscheidung Insidern zufolge \u00fcberrascht. \u201eDamit ist das Ding wahrscheinlich gegessen\u201c, sagte eine mit der Fusion vertraute Person.<\/p>\n<p>Beide Unternehmen hatten vor einem Jahr nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters best\u00e4tigt, dass sie \u00fcber einen Zusammenschluss verhandeln. Damit wollten sie einen europ\u00e4ischen Champion schaffen, der den gro\u00dfen US-Rivalen CME und ICE das Wasser reichen kann. In Deutschland gab es jedoch von Anfang an Kritik an dem Deal, weil die Holdinggesellschaft der Mega-B\u00f6rse in London angesiedelt werden sollte. Nach dem Brexit-Votum nahm der Gegenwind f\u00fcr beide Unternehmen zu. Das Land Hessen machte deutlich, dass der Holdingsitz nun von London nach Frankfurt verlagert werden m\u00fcsse. Die hessische B\u00f6rsenaufsicht h\u00e4tte nach der EU ebenfalls noch gr\u00fcnes Licht f\u00fcr den Deal geben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dass der Zusammenschluss nun vermutlich schon am Veto aus Br\u00fcssel scheitert, kommt f\u00fcr viele Experten \u00fcberraschend. Die LSE hatte bereits vor einiger Zeit angeboten, ihr Abwicklungshaus Clearnet SA im Falle einer Fusion f\u00fcr 510 Millionen Euro an die in Paris beheimatete Mehrl\u00e4nderb\u00f6rse Euronext zu verkaufen. Die EU teilte der LSE nach einer Befragung von Marktteilnehmern k\u00fcrzlich zwar mit, dass der Verkauf von Clearnet nicht ausreicht und forderte weitere Zugest\u00e4ndnisse. In Frankfurt und Br\u00fcssel waren viele mit der Fusion vertraute Personen jedoch davon ausgegangen, dass die LSE dazu bereit sei.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission habe die LSE aufgefordert, ihre Mehrheitsbeteiligung an der italienischen Handelsplattform MTS aufzugeben, die im Gesch\u00e4ft mit europ\u00e4ischen Staatsanleihen und anderen Bonds aktiv ist, wie die Londoner mitteilten. MTS f\u00fcr sich trage zwar nicht wesentlich zu den Ertr\u00e4gen der LSE bei, das gesamte italienische Gesch\u00e4ft aber sehr wohl. Zudem habe die LSE gro\u00dfe Zweifel, dass die Beh\u00f6rden in Italien einen MTS-Verkauf genehmigen w\u00fcrden. \u201eDie LSE-Spitze ist davon \u00fcberzeugt, dass ein solches Zugest\u00e4ndnis das wichtige Verh\u00e4ltnis mit den Beh\u00f6rden und das Gesch\u00e4ft in Italien und der gesamten Gruppe besch\u00e4digen w\u00fcrde.\u201c Deshalb werde die Londoner B\u00f6rse die Frist der EU-Kommission zur Einreichung weiter Zugest\u00e4ndnisse am Montag verstreichen lassen und keinen MTS-Verkauf anbieten.<\/p>\n<p>Die Deutsche B\u00f6rse best\u00e4tigte in einer Mitteilung die Entscheidung der LSE, MTS nicht zu verkaufen. Die Fusionspartner w\u00fcrden nun abwarten, wie die EU-Kommission die Situation bewerte. Mit einer Entscheidung sei bis Ende M\u00e4rz zu rechnen. Die EU-Kommission \u00e4u\u00dferte sich zun\u00e4chst nicht.,..<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/finanzwelt-boersenfusion-zwischen-frankfurt-und-london-vor-moeglichem-aus-ld.147897\" target=\"_blank\">NZZ<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_22588\" style=\"width: 633px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-22588\" class=\"size-full wp-image-22588\" src=\"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/brexitfolgen.jpg\" alt=\"\" height=\"466\" width=\"623\" srcset=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/brexitfolgen.jpg 623w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/brexitfolgen-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/brexitfolgen-401x300.jpg 401w\" sizes=\"auto, (max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><p id=\"caption-attachment-22588\" class=\"wp-caption-text\">FOTO: Radowski<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geplante Fusion von Deutscher B\u00f6rse und der London Stock Exchange (LSE) ist in ernsthafter Gefahr. 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