{"id":27406,"date":"2020-02-19T08:15:39","date_gmt":"2020-02-19T07:15:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/?p=27406"},"modified":"2020-02-19T08:48:34","modified_gmt":"2020-02-19T07:48:34","slug":"40-jahre-kampf-gegen-die-mafia-zwei-aktivisten-im-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/40-jahre-kampf-gegen-die-mafia-zwei-aktivisten-im-dialog\/","title":{"rendered":"40 Jahre Kampf gegen die Mafia \u2013 zwei Aktivisten im Dialog"},"content":{"rendered":"<p>Elena Ciccarello, die f\u00fcr das neue Medium der Antimafia-Organisation Libera \u201elavialibera.libera.it\u201c arbeitet, hat Letizia Battaglia, die \u00fcber die Grenzen Italiens hinaus bekannte Mafia-Fotografin, und Leoluca Orlando, der im Augenblick zum f\u00fcnften Mal B\u00fcrgermeister in Palermo ist, gebeten, sich zu einigen Aspekten des Kampfes gegen die Mafia zu \u00e4u\u00dfern&#8230;.<a href=\"http:\/\/www.antimafiaduemila.com\/home\/di-la-tua\/237-vedi\/77698-battaglia-e-orlando-le-stragi-di-mafia-ci-hanno-costretto-a-essere-migliori.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Antimafiaduemila.com<\/a><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die achtziger Jahre \u2013 der Fr\u00fchling von Palermo<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Letizia Battaglia beschreibt die Anf\u00e4nge ihrer Beziehung zu Leoluca Orlando, als sie bemerkte, Fotografin zu sein gen\u00fcgte ihr nicht mehr, sie wollte mehr tun. Und auch wenn Orlando zur Democrazia Cristiana geh\u00f6rte, was ihr \u00fcberhaupt nicht behagte, so sp\u00fcrte sie eine gewisse Affinit\u00e4t. Er ermunterte sie, f\u00fcr den Stadtrat zu kandidieren. Hier schaltet sich Orlando ein: Das Gesicht der Mafia in den achtziger Jahren war das Gesicht des B\u00fcrgermeisters und des Regierungschefs Giulio Andreotti. Deshalb h\u00e4tten ihn die Mafia-Freunde in seiner Partei, angefangen vom Premier, als Kommunisten bezeichnet, als gottlos, und das nur weil er den Kampf gegen die Mafia f\u00fcr eine Priorit\u00e4t hielt. Letizia erinnert die achtziger Jahre als \u201edie sch\u00f6nste Zeit\u201c ihres Lebens, denn man konnte endlich etwas tun, man konnte anfangen, die Verh\u00e4ltnisse zu \u00e4ndern, und was man machte, machte man mit Liebe, was ihr Gespr\u00e4chspartner best\u00e4tigt: Man war sich in Palermo mit der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung einig, was zu tun war, auch wenn die Leute ihre Zustimmung aus Angst nicht offen \u00e4u\u00dferten.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Die Skandale in der Antimafia<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Skandal in der sizilianischen Unternehmervereinigung Confindustria, so Orlando, ist ein Fall von \u00dcberheblichkeit. Genau die \u00dcberheblichkeit, die Leonardo Sciascia schon Jahre zuvor kritisiert hatte, was der Antimafia einen immensen Schaden zugef\u00fcgt hat (1). Er wisse nicht, was er \u00fcber solche Leute sagen solle \u2013 und er nennt weitere Beispiele \u2013 \u00fcber Leute, die eine Region in Geiselhaft genommen haben, und das im Namen des Kampfes gegen die Mafia! Aber die Skandale seien notwendig gewesen. Sie h\u00e4tten die Antimafia von der Notwendigkeit befreit, mit ber\u00fchmten Vertretern f\u00fcr ihre Ziele zu werben. Fr\u00fcher seien sie notwendig gewesen, fr\u00fcher, d.h. in einer Zeit, wo Antimafia-Aktivisten isoliert waren, wo man auf eine Piazza ging, um eine Wahlversammlung abzuhalten \u2013 und man stand da ganz allein. Aber die \u201eBewegung der Leint\u00fccher\u201c (2), die Menschenketten, die Emp\u00f6rung in der Bev\u00f6lkerung und die Arbeit in den Schulen h\u00e4tten dazu gef\u00fchrt, dass diese Zeit zu Ende gegangen ist. Wenn sich heute, so Orlando, jemand hinstellt und sagt, ich bin ein wichtiger Vertreter der Antimafia, dann handelt es sich um einen Betr\u00fcger.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>In Palermo regiert heute nicht mehr die Mafia<\/strong>.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Orlando verweist stolz darauf, dass im Rathaus heute kein Mafioso mehr regiert. Auch wenn das komisch klinge, aber man m\u00fcsse sich bei der Mafia bedanken: Dank ihr sei das Heer der Blinden, der Tauben, der Stummen richtiggehend dezimiert worden. Die Mafia-Attentate h\u00e4tten die ganze Stadt gezwungen, besser zu werden. Und Letizia erinnert sich, dass man sich fr\u00fcher nachts in Palermo nicht auf die Stra\u00dfe getraut habe. Jetzt k\u00f6nne jemand einwenden, das sei doch ein unbedeutendes Detail. Sie jedoch finde, das sei eine gro\u00dfe Sache: Die Leute h\u00e4tten sich ein bisschen ge\u00e4ndert, und die Leute sp\u00fcrten, dass sich in Palermo etwas ge\u00e4ndert hat. Das hei\u00dfe, jetzt gebe es ein bisschen Ruhe und Frieden in Palermo. Und das sei das Ergebnis eines langen Weges, der sich ganz langsam entwickelt habe. Und es sei m\u00f6glich geworden, weil einige Personen ihr Leben geopfert haben, weil es Politiker gab, die sich engagiert haben, weil es einen B\u00fcrgermeister gab \u2013 und sie scherzt: Ich wei\u00df nicht, weshalb er immer noch auf dem B\u00fcrgermeisterstuhl sitzt &#8211; und ihr f\u00e4llt ein Beispiel ein, wie Orlando in seinen ersten Jahren als B\u00fcrgermeister versucht hat, in die dunklen Stra\u00dfen der Stadt etwas Leben zu bringen: Er bezahlte Musiker, die vor den dunklen und leeren Restaurants im Zentrum auftreten mussten, um die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zu ziehen. So etwas, so schlie\u00dft sie, vergisst man nicht. Und Orlando strahlt: Wenn du heute in ein Lokal in Palermo gehst, dann f\u00fchlst du dich nicht mehr als ein \u201einsulso sgradito\u201c \u2013 ein unwillkommener Idiot.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Was bedeutet es heute, Antimafioso zu sein?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Orlando antwortet wie aus der Pistole geschossen: \u201eZu wissen, dass zur Mafia zu geh\u00f6ren keine Vorteile verschafft\u201c \u2013 und Battaglia: \u201eEs bedeutet, seine Pflicht zu tun, hart f\u00fcr das zu arbeiten, was du tust und dabei deinen Enthusiasmus nicht zu verlieren. Wir und viele, viele andere, wir sind gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass wir uns weiter engagieren k\u00f6nnen. Diese Arbeit bedeutet Sch\u00f6nheit. Sie ist die Art und Weise, wie wir unsere Sch\u00f6nheit ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Orlando: F\u00fcr den 16. Dezember 2020 plane er die 2. Konvention von Palermo mit den Vereinten Nationen (3). Der Focus dieser Konferenz liege dann aber nicht mehr auf dem juristischen Aspekt des Problems, sondern auf den Interessen der Zivilgesellschaft. Denn auf Grund der gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen in der Welt seit der 1. Antimafia-Konvention von Palermo im Jahre 2000 sei der Aspekt der Zivilgesellschaft viel wichtiger geworden als Probleme im Bereich der Justiz. Mit dieser neuen Antimafia-Konvention wolle man sozusagen das zweite Rad des Sizilianischen Karrens begr\u00fcnden: das erste Rad sei das der Legalit\u00e4t, das zweite das der Rechte.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Mission beendet, aber nicht vollendet<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Letizia: Wenn ich an die Jahre des Kampfes denke, kann ich nur sagen: Sie waren wunderbar! Wunderbar, weil k\u00e4mpfen k\u00f6nnen ein Luxus ist. Orlando und ich, wir haben diesen Luxus gehabt, und wir haben f\u00fcr Palermo etwas erreicht, was bleibt. Orlando: ich will das zusammenfassen: Wenn ich heute Nacht den L\u00f6ffel abgebe, dann sterbe ich gl\u00fccklich. Wir sind diesen langen Weg gegangen, vom Anfang bis heute und wir k\u00f6nnen sagen: Mission beendet, aber nicht vollendet. Und Letizia best\u00e4tigt \u2013 nein, sie ist nie vollendet \u2013 aber das mit dem Sterben l\u00e4sst du sch\u00f6n sein!<\/p>\n<ol>\n<li>Sciascia kritisierte 1987 in einem Artikel des <em>Corriere della Sera<\/em> die Methoden der sog. Profi-Antimafia-Aktivisten und nannte als Beispiele auch Paolo Borsellino und Leoluca Orlando. Dadurch entstand ein gro\u00dfer Schaden f\u00fcr die italienische Antimafia-Bewegung, weil die zahlreichen Kritiker auf die damalige Antimafia-Autorit\u00e4t, L. Sciascia, verweisen konnten.<\/li>\n<li>Die Bewegung der Leint\u00fccher gr\u00fcndete sich in Palermo nach den beiden Attentaten auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino.<\/li>\n<li>Die erste Palermo Konvention wurde am 15. November 2000 beschlossen und ist von 147 Nationen unterzeichnet worden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein Leintuch gegen die Mafia: \u201eDie Mafia f\u00fcrchtet die Schule mehr als die Justiz\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/espresso.repubblica.it\/attualita\/2019\/05\/21\/news\/capaci-23-maggio-lenzuolo-contro-la-mafia-1.334878\" target=\"_blank\" rel=\"attachment noopener wp-att-27407 noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-27407\" src=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Ein-Leintuch-gegen-die-Mafia.jpg\" alt=\"\" width=\"648\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Ein-Leintuch-gegen-die-Mafia.jpg 648w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Ein-Leintuch-gegen-die-Mafia-300x177.jpg 300w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Ein-Leintuch-gegen-die-Mafia-500x296.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elena Ciccarello, die f\u00fcr das neue Medium der Antimafia-Organisation Libera \u201elavialibera.libera.it\u201c arbeitet, hat Letizia Battaglia, die \u00fcber die Grenzen Italiens hinaus bekannte Mafia-Fotografin, und Leoluca Orlando, der im Augenblick zum f\u00fcnften Mal B\u00fcrgermeister in Palermo ist, gebeten, sich zu einigen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/40-jahre-kampf-gegen-die-mafia-zwei-aktivisten-im-dialog\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[6,14],"tags":[106,58],"class_list":["post-27406","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzen","category-korruption","tag-leintuch","tag-mafia"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27406","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27406"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27406\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27410,"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27406\/revisions\/27410"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}