{"id":7959,"date":"2014-04-15T10:10:25","date_gmt":"2014-04-15T08:10:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/?p=7959"},"modified":"2014-04-15T10:11:31","modified_gmt":"2014-04-15T08:11:31","slug":"wie-banken-mit-zins-manipulationen-reich-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wie-banken-mit-zins-manipulationen-reich-wurden\/","title":{"rendered":"Wie Banken mit Zins-Manipulationen reich wurden"},"content":{"rendered":"<p>Zins-Swaps:<br \/>\nDer US-Einlagensicherungsfonds klagt gegen die gr\u00f6\u00dften Banken der Welt wegen Betrugs mit Zins-Derivaten. Zins-Derivate werden in den USA mit einem Volumen von 426 Billionen Dollar gehandelt. Das entspricht etwa dem Siebenfachen des weltweiten BIP.<\/p>\n<p>Die Deutsche Bank hat mal wieder juristischen \u00c4rger in den USA und wegen des Libor-Skandals. Das gr\u00f6\u00dfte deutsche Institut geh\u00f6rt zu den Banken, die vom US-Einlagensicherungsfonds FDIC wegen der m\u00f6glichen Manipulation des Referenzzinssatzes Libor verklagt wurden.<\/p>\n<p>Deutsche Wirtschaftsnachrichten berichten: Die Steuerzahler der Vereinigten Staaten zahlten in der Vergangenheit Milliarden Dollar f\u00fcr einen Betrug, der durch die weltweit gr\u00f6\u00dften Banken angestiftet wurde. Hintergrund ist eine Derivate-Form, genannt Zins-Derivate.<\/p>\n<p>Der LIBOR (London Interbank Offering Rate) ist der Leitzins, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen k\u00f6nnen. Dieser Zinssatz wurde von mehreren globalen Gro\u00dfbanken manipuliert und f\u00fchrte in den USA und Europa zu milliardenschweren Geldbu\u00dfen. Kl\u00e4ger war die US-Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) .<\/p>\n<p>Nun stellt sich heraus, dass die Manipulationen am Libor auch den Derivate-Handel mit sogenannten \u201eZins-Swaps\u201c betreffen. Denn der Libor ist die entscheidende Messgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr den Handel mit Derivate-Gesch\u00e4fte, mit dem Hunderten von Billionen US-Dollar umgesetzt werden.<\/p>\n<p>16 Gro\u00dfbanken, darunter JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup, als auch zahlreiche europ\u00e4ische Gro\u00dfbanken, sind in diesen neuen Skandal verwickelt, welche die Zins-Derivate handelten. Im Privaten und Geheimen.<\/p>\n<p>Derivate sind Finanzmarkt-Instrumente, die nicht an der B\u00f6rse gehandelt werden, sondern \u201eOver-the-Counter\u201c. Sie beziehen sich auf einen unterliegenden Wert, wie beispielsweise auf eine Aktie oder einen Zinssatz. Dabei wird zwischen fixen und variablen Zinss\u00e4tzen unterschieden. \u00dcblich sind dabei \u201eSwaps\u201c, bei denen in der Grundform ein variabler Zinssatz gegen einen festen Zinssatz getauscht wird, wobei zwei Vertragspartner vereinbaren, zu bestimmten zuk\u00fcnftigen Zeitpunkten Zinszahlungen auf festgelegte Nennbetr\u00e4ge auszutauschen.<\/p>\n<p>Diese Derivate-Kontrakte, die nicht an der B\u00f6rse gehandelt werden, sondern \u201eOver-the-Counter\u201c, werden der in der Regel zwischen zwei Vertragsparteien geschlossen und haben einen sogenannten \u201eHebel\u201c. Rein theoretisch k\u00f6nnen das sinnvolle Produkte sein, etwa, um sich gegen ein Zinsrisiko abzusichern.<\/p>\n<p>Zins-Swaps werden in den USA mit einem Volumen von 426 Billionen Dollar gehandelt. Das ist etwa das Siebenfache des Bruttoinlandsprodukts aller L\u00e4nder der Welt .<\/p>\n<p>Das Betrugspotential liegt darin, dass der \u201eSwap\u201c eine separate Finanzvereinbarung ist und im Wesentlichen eine laufende Wette auf die Zinsen beinhaltet. In den USA sind, wie auch seinerzeit in Deutschland, auch Kommunen auf diese \u201eZinswetten\u201c eingegangen.<\/p>\n<p>Die deutschen Kommunen verklagten seinerzeit die Banken, mit denen sie derartige Gesch\u00e4fte machten, und warfen ihnen Falschberatung vor. Die Kommunen hatten sich wegen ihrer angespannten finanziellen Lage auf solche Derivate-Deals eingelassen \u2013 in der Hoffnung, hier einen \u201eSchnitt\u201c zu machen. Allerdings haben die Kommunen leichtfertig geglaubt, dass die Banken die wundersame Geldvermehrung steuern k\u00f6nnen. W\u00e4ren die K\u00e4mmerer zu einer ordentlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung verpflichtet \u2013 sie h\u00e4tten sich auf derart riskante Wetten niemals einlassen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Der Kreditnehmer (also der K\u00e4ufer der Zins-Derivate) schuldet sowohl Darlehen mit variablem Zinssatz und das, was er mit dem quasi separaten Swap-Gesch\u00e4ft zahlen muss. Und die Benchmarks (Vergleichsma\u00dfst\u00e4be) f\u00fcr die beiden Zins-S\u00e4tze folgen sich nicht immer gegenseitig. Die Wall Street verkaufte den Gemeinden Libor-Swaps, die leichter zu handeln waren und schnell zu einem Absahnen f\u00fcr die Banken f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Nachdem die FDIC bisher mit ihren Klagen wegen Absprachen und Erpressung im Kontext mit dem Kartellrecht gescheitert war, verfolgt sie nun einen anderen Ansatz: Der Schwerpunkt ihrer erneuten Klage richtet sich auf Betrug und kriminelle Absprachen, wobei im Fokus der Vorwurf steht, die Banken h\u00e4tten absichtlich den LIBOR-Satz zu niedrig gehalten, um sich zu bereichern. Die FDIC ist dabei nicht der erste Kl\u00e4ger, der auf diesen Sachverhalt abhebt, jedoch verleiht gerade seine Klage in seiner Eigenschaft als Einlagensicherungsfonds in diesem Kontext erhebliches Gewicht.<\/p>\n<p>Denn weshalb w\u00fcrden niedrigere Zins-Festsetzungen die Banken bereichern? Verdienen sie nicht mehr Geld, wenn die Zinsen hoch sind?<\/p>\n<p>Die Antwort lautet: Nein. Im Gegensatz zu den meisten Banken nutzten sie ihr Kapital nicht f\u00fcr gew\u00f6hnliche Unternehmenskredite, sondern f\u00fcr Zins-Swaps-Deals.<\/p>\n<p>Das Verhalten der beklagten 16 internationalen Gro\u00dfbanken hat bei 38 inzwischen abgewickelten US-Banken f\u00fcr massive Verluste gesorgt. Dazu geh\u00f6ren Washington Mutual, einer der gr\u00f6\u00dften Bankenpleite in der Geschichte der USA.<\/p>\n<p>Da die FDIC die Einlagen der Bankkunden auszahlen musste, hat sie eindeutiges Interesse am Ausgleich der entstandenen Verluste und Strafschadenersatz. Dies jedoch nur dann, wenn vor Gericht eindeutig vors\u00e4tzliche Betrug nachgewiesen wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/?attachment_id=7960\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7960 aligncenter\" alt=\"www.verlag-petra-besslich.de\" src=\"http:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Wie-Banken-mit-Zins-Manipulationen-reich-wurden-216x300.jpg\" width=\"216\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Wie-Banken-mit-Zins-Manipulationen-reich-wurden-216x300.jpg 216w, https:\/\/www.w-t-w.org\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Wie-Banken-mit-Zins-Manipulationen-reich-wurden.jpg 361w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zins-Swaps: Der US-Einlagensicherungsfonds klagt gegen die gr\u00f6\u00dften Banken der Welt wegen Betrugs mit Zins-Derivaten. 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