Freude am Sparen?

Die Deutschen lassen sich von niedrigen
Zinsen Sparendas Sparen nicht vermiesen:
90 Prozent der Bundesbürger legen Geld zurück, jeder Zweite monatlich. Die Sparquote beträgt nach eigenen Angaben durchschnittlich 10,6 Prozent. „Sparen ist kein Auslaufmodell. Die Deutschen sparen regelmäßig auf gleichbleibendem Niveau“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Wesentliche Motive dabei: das Bedürfnis nach mehr Sicherheit und ein größeres Maß finanzieller Freiheit. „Das Thema Sparen ist positiv besetzt. Es geht um das Gefühl, sich Handlungsfähigkeit für die Zukunft zu erhalten“, so Reinke. Nur ein kleiner Anteil von 10,4 Prozent verzichtet ganz aufs Sparen. 51 Prozent von ihnen fehlt nach eigenen Angaben der finanzielle Spielraum. Dabei fällt auf, dass offensichtlich viele ihre Möglichkeiten unterschätzen. Beim Sparen generell ist die Finanzbildung ein entscheidender Faktor. Je höher Menschen ihr Wissen in der Geldanlage einschätzen, umso regelmäßiger und mit mehr Freude sparen sie. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts Elbe 19 im Auftrag von Union Investment.

In zinslosen Zeiten fehlt der Anreiz, Geld zurückzulegen, und die Konsumlaune steigt. Stimmt das? Ist Sparen nur noch was für Spießer? Diese und andere Fragen waren Ausgangspunkt einer Befragung von mehr als 8000 Bundesbürgern. Das Ergebnis: Die Deutschen sparen trotz der niedrigen Zinsen weiter auf hohem Niveau. Neun von zehn Befragten halten es weder für altmodisch noch für spießig. Das Sparschwein als Auslaufmodell zu bezeichnen, davon kann keine Rede sein. Dabei zeigt sich, dass die Sparquote von 10,6 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens auch über verschiedene Altersgruppen hinweg konstant geblieben ist.

Das Thema Sparen ist positiv besetzt. Für 73 Prozent der Befragten bedeuten finanzielle Rücklagen, jetzt und künftig handlungsfähig zu sein, womit auch ein Zugewinn an persönlicher Freiheit verbunden ist. „Nicht zu sparen bereitet vielen ein ungutes Gefühl“, sagt Reinke. „Wer spart, dessen Wohlfühlfaktor steigt, auch wenn es nur rein rational um das Halten oder Steigern des Lebensstandards geht.“ Dabei zeigt sich, dass die Freude am Sparen mit der Art und Weise der Anlage zusammenhängt. Moderne Sparer, die Wertpapiere und Fonds besitzen, kommen auf einen Sparlaune-Index von 64 auf einer Skala von 0 bis 100. Die traditionellen Sparer, die nur auf die Klassiker wie Tagesgeld und Sparbuch setzen, liegen mit 59 Punkten dahinter zurück. Die Zahlen zeigen: Die Freude am Sparen steigt mit dem Besitz von chancenreicheren Anlageformen. Nichtsparer unterschätzen ihre Möglichkeiten….
Union_Investment_Sparstudie
Sparerin

TTIP TTIP TTIP

Es gibt einen neuen Prügelknabe namens Freihandel. In den USA punktet Donald Trump mit Angriffen auf Importe aus China. In Europa wächst die Ablehnung gegen TTIP*. Dabei bietet der Freihandel Chancen. Wenn man sich den Freihandel als einen Boxer vorstellt, wäre er in der vergangenen Woche zweimal windelweich geprügelt worden. Der linke Haken kam aus Europa, der rechte aus den USA.

USA planen mit TTIP Frontal-Angriff auf Gerichte in Europa

Das Drängen der Amerikaner auf den TTIP-Abschluss hat handfeste Gründe: US-Banken fürchten, von europäischen Gerichten wegen der Schulden-Krise belangt zu werden. Sie haben vielen europäischen Kommunen und Unternehmen dubiose Spekulationsgeschäfte angedreht. Nun klagen viele Europäer – und die Amerikaner setzen zum Frontalangriff auf
das europäische Rechtssystem an. In Italien hat der amerikanische Botschafter – wohl unabsichtlich – die Katze aus dem Sack gelassen.

Offenbar wissen die Amerikaner, dass es zu ernsten Problemen mit den EU-Staaten schon in nächster Zeit kommen könnte. Der Grund ist die Schuldenkrise. In den vergangenen Jahren haben amerikanische Banken europäischen Kommunen und Unternehmen im großen Stil Finanzprodukte verkauft und Kredite gewährt – mit dem Hinweis, dass man das Kleingedruckte nicht genau zu lesen brauche. Die klammen europäischen Kommunen und die naiven Unternehmen haben das Geld gerne genommen, um ihren Wählern Geschenke zu machen oder ihre Marktanteile zu sichern.

Doch nun kommt an vielen Stellen das böse Erwachen. Daher ist es im Zuge des Katers nach dem Crash zu einer regelrechten Klagewelle gekommen. Ein Beispiel: Erst vor wenigen Jahren hatte die Stadt Pforzheim JP Morgan verklagt. Die Bank hatte den Kämmerern ein undurchsichtiges Produkt angedreht. 2011 urteilte der BGH, dass die Beratungsanforderung bei komplexen Produkten besonders hoch sei. Ein Mittelständler hatte gegen ein Bank geklagt, die ihm eine hochspekulative Zinswette verkauft hatte. Der BGH gab dem Unternehmen Recht und kam zu dem Urteil: „Bei einem so hochkomplex strukturierten und riskanten Produkt wie dem CMS-Spread-Ladder-Swap-Vertrag sind hinsichtlich der Risikodarstellung des Anlageprodukts hohe Anforderungen an die beratende Bank zu stellen.“

Die Stadt Pforzheim berief sich auf das Urteil – und forderte von JP Morgan 57 Millionen Euro. Der Oberbürgermeister: „Dieser Ansatz – Verletzung der Beratungspflichten oder nicht – ist vollumfänglich auf uns anwendbar. Hinzu kommt, dass wir eine Kommune sind und für Kommunen gilt ein Spekulationsverbot. In dem Verfahren jetzt ging es ja um ein Unternehmen, das, wenn Sie sich das BGH-Urteil ansehen, ganz anders zu behandeln ist. Deshalb sind wir nun sehr guten Mutes, dass wir obsiegen werden.“ Und weiter: „Da halte ich es mit Margret Thatcher, der früheren britischen Premierministerin, die den Satz prägte: ,I want my money back.‘ Die 57 Millionen Euro fordern wir von JP Morgan.“..
USA planen mit TTIP Frontal-Angriff auf Gerichte in Europa
TTIP*Transatlantische Freihandelsabkommen
Transatlantic Trade and Investment Partnership

Der lila Schein wird abgeschaft

Die Geldwelt der Deutschen steht Kopf. Die Zinsen purzeln ins Negative, die EZB schafft den 500-Euro-Schein ab. Das trifft Bürger genauso wie Banken – und ist nur scheinbar ein Kampf gegen Geldwäsche.

Die von der Spitze der Europäischen Zentralbank geplante Abschaffung des 500-Euro-Scheins soll  mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Das zeigen Schätzungen der Fachleute der nationalen Notenbanken und der EZB im zuständigen Banco-Ausschuss (Banknote Committee), die derzeit Einzelheiten der Umsetzung des geplanten Abschieds von der 500-Euro-Note beraten.

Die Erfahrungen in anderen Ländern wie Italien oder Belgien zeigen jedoch, dass weder die Mafia noch Terroristen mit Bargeld-Obergrenzen ein Problem haben.

Soll in Wahrheit Bargeld schrittweise unattraktiver werden. Ein solches Vorgehen schürt die Angst, dass am Ende – allen Beteuerungen zum Trotz – doch die Abschaffung des vor allem bei den Deutschen so beliebten Bargeldes kommt. Nichts ist dagegen zu sagen, wenn Kunden immer häufiger elektronisch zahlen, weil es so praktisch ist. Doch für viele Menschen bedeutet Bargeld geprägte Freiheit. Und weder Politiker noch Notenbanker sollten über die Köpfe der Bürger entscheiden, welche Summen und mit welchen Scheinen sie bar bezahlen dürfen.

www.w-t-w.org/en/isabell-hemming

www.w-t-w.org/en/isabell-hemming

Macht der schwache Dollar nervös?

Experten erwarten, dass die Zentralbank Fed aus Rücksicht auf die US-Wirtschaft erst im Sommer den Leitzins zur Versorgung der Banken mit Geld von derzeit 0,25 bis 0,5 Prozent weiter anheben wird.

Trotz der Schwächephase zu Jahresbeginn ist der deutsche Außenhandel zuversichtlich, dass die Wirtschaft zwischen New York und San Francisco wieder durchstarten wird: “Die USA fallen nicht ab und China kriegt die Kurve auch irgendwie”, prophezeite der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner. Daher werde es für den deutschen Außenhandel dieses Jahr gut laufen.

Am Devisenmarkt hat der Währungswettbewerb wieder an Intensität gewonnen. Neben dem argentinischen Peso gehört die amerikanische Währung seit Monaten zu den schwächsten Währungen.
Dollar Bill

Kapitalismuskritik in Kunst und Literatur

Geld ist nicht ahistorisch und immer gleich. In einem Jahrhundert erscheint es gut, in einem anderen böse, dann fast unsichtbar. Im Gegensatz dazu verbindet die moderne Auffassung der Ökonomie mit Geld ein neutrales und objektives Konzept — außerhalb historischer und gesellschaftlicher Kontexte. Ausstellungen rücken Geld als soziale Technologie in den Mittelpunkt und damit nicht zuletzt den Menschen und die Künstler, die sich dieser Technologie bedienen.

Geld und Kapitalismuskritik in der Literatur
Das Geld verschlingt uns. Kapital, Gier und Geld geistern heute als Problem durch viele Romane der deutschen Literatur. Was lernen wir daraus über die Verfassung unserer Gegenwart – und was über jene der Literatur?

Björn Hayer berichtet: Der Kapitalismus zählt inzwischen zu den beliebtesten und berüchtigtsten Geistern der Gegenwartsliteratur: Einmal gibt er sich penetrierend und gewaltsam, ein andermal agiert er unfassbar und nimmt Züge eines Kafkaschen Schlosses an – viele Masken, die schliesslich nur ein und dieselbe Fratze verdecken, ein Schreckgespenst, auf das mittlerweile alle vergnügt mit Sarkasmus und Wut einhauen. Ob Heuschrecken, Finanzmarkthaie, Banker, Vorstandsvorsitzende, Datenmonopolisten, Spekulanten, Ego-Shooter – irgendwie, so scheint es den Autoren, treffen sie wohl immer die richtigen.

Nachdem eine Wirtschafts-, Banken- und Rettungskrise auf die nächste folgt, ist Kapitalismuskritik zum erfolgversprechenden Gassenhauer avanciert. Alle machen hierbei gern mit, zumal es für die Schriftsteller auf diesem Gebiet wenig zu verlieren gibt. Zumindest kann man sich des Wohlwollens linksintellektueller Milieus sicher sein. Eine Kritik der literarischen Kapitalismuskritik stellt dabei eher ein ungemütliches Geschäft dar, lohnenswert ist dieses Unterfangen jedoch allemal – vor allem wenn man in diesem verworrenen Spiel zwischen Profitsuchern, Politikern, Sparern, Gebeutelten nach Tätern und Opfern fragt. Nicht immer sind sie leicht auszumachen. Nur eines scheint glasklar: Der literarisch dargestellte Kapitalismus wirkt als abstraktes System, in dem der Einzelne vornehmlich als Marionette fungiert.
Das Geld verschlingt uns
Fleischfressenden Pflanze

Partnerschaft: Wer kümmert sich ums Geld?

Das Konto, die Altersvorsorge und die Steuererklärung verwalten sich nicht mit ein paar Streicheleinheiten. Wie die Aufgabenteilung, beim Thema Geld, bei den meisten Deutschen in der Partnerschaft funktioniert und welche Probleme dabei entstehen, wollte eine Versicherung* wissen. Einladen oder getrennte Rechnung? Eine Forsa Studie hat untersucht, was Frauen und Männer bevorzugen.

Wird beim Bezahlen jedes Date schwierig?
Egal, wie emanzipiert und finanziell unabhängig eine Frau ist – es gibt doch nichts Unromantischeres und Unangenehmeres, als nach dem Abendessen vor den Augen des Kellners die georderten Speisen getrennt zu addieren und dann 27,30 Euro und 23,40 Euro auf den Tisch zu legen, oder?
Die Welt berichtet:
Streit um die Finanzen gibt es vor allem bei Juengere
Geldthemen

Bankkonten

Rendezvous

Stern: Umfrage so arbeitet Forsa
Waage Geld Mann Frau*Orginalstudie war trotz Nachfrage nicht zu erhalten

Yen legt drei Prozent zu

In Japan ist am Donnerstag etwas beinahe schon Ungewöhnliches passiert. Die Bank of Japan hat nicht auf Erwartungen der internationalen Anleger reagiert. Die kauften daraufhin den Yen und verkauften Aktien.

Christof Leisinger Diesmal hat die Bank of Japan nicht ganz so gehandelt, wie dies Anleger gehofft hatten. Viele waren aus purer Gewöhnung an die «Investor-Verwöhnpolitik» der Zentralbanken auf eine noch extremere Gestaltung der ohnehin schon aussergewöhnlich expansiven Geldpolitik in Japan eingestellt.

Daraufhin hat der Nikkei an der Börse 3,6% seines Wertes verloren und der Yen ist im Verhältnis zum Dollar um gut 3% stärker geworden. Am bisherigen Tagestief bzw. Yen-Hoch waren gerade noch 107.92 Yen nötig, um eine Einheit der amerikanischen Währung zu erwerben. Damit lag der Kurs beinahe auf dem tiefsten Stand seit Oktober des Jahres 2014. Auch gegen den Schweizerfranken und gegen den Euro hat die japanische Währung entsprechend deutlich zugelegt. Im Verlaufe des Vormittags waren noch knapp 112 Yen notwendig, um einen Franken kaufen zu können. Am Mittwoch mussten dafür noch 114,73 Yen bezahlt werden…
Yen legt um drei Prozent zu
Yen

Bundesbank: erhebliche Risiken in Bankbilanzen

Jens Weidmann für Abbau von Anleihe-Risiken in Bilanzen. Bereits seit der Euro-Schuldenkrise steht die Risikobewertung von Staatsanleihen in Bankbilanzen im Blickpunkt der Politik, doch zuletzt gab es bei dem Thema wenig Bewegung. Bundesbank-Präsident Weidmann macht nun Druck.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann mahnt in der Diskussion über neue Vorschriften für Staatsanleihen-Käufe von Banken zur Eile. Zwar müssten neue Regelungen mit Übergangszeiten eingeführt werden, sagte Weidmann am Dienstag in Rom laut Redetext. „Aber gerade weil wir diese Übergangsfristen brauchen, muss die grundsätzliche Weichenstellung zügig getroffen werden.“

 Die Risikobewertung von Staatsbonds in den Bankbilanzen steht seit der Euro-Schuldenkrise im Blickpunkt. Denn damals zeigte sich, dass auch bei Euro-Staaten ein Ausfallrisiko besteht. In einigen Ländern waren Geldhäuser massiv in Schieflage geraten.

Zuletzt gab es in der Politik wenig Bewegung bei dem Thema. Die EU-Kommission warnte kürzlich sogar vor vorschnellen Beschlüssen. Die Bundesbank tritt schon länger dafür ein, dass Staatsanleihen in den Bilanzen der Geldhäuser mit Eigenkapital unterlegt werden sollten.

Bislang muss das nicht erfolgen, da die Aufseher ein solches Engagement als risikolos bewerten. Auch fordert die Bundesbank, das Engagement von Banken in Anleihen eines einzelnen Landes ähnlich wie bei Großkreditvorschriften zu deckeln.

Weidmann zufolge sprechen die hohen Bestände an Staatsbonds in vielen Bankbilanzen auch gegen eine schnelle Einführung einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung. Die mit solchen Anleihen verbundenen Risiken für Banken zu verringern, sei eine wichtige Vorraussetzung dafür, einen europäischen Einlagenschutz zu schaffen.
Bundesbank sieht erhebliche Risiken in Bankbilanzen

http://www.wiedenroth-karikatur.de

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Mega-Fusion ordnet US-Breitbandmarkt neu

Time-Warner-Übernahme abgesegnet. In den USA entsteht ein neuer Kommunikationsriese. Aus Angst vor einer Dominanz des fusionierten Konzerns diktieren die Behörden ihm seine Geschäftspraktiken für die kommenden Jahre weitgehend.

Die 55 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Time Warner Cable durch Charter Communications ist in trockenen Tüchern. Die Regulierungsbehörden werden den Deal genehmigen, dem fusionierten Unternehmen aber strenge Verpflichtungen auferlegen, die für Konkurrenten nicht gelten.

Laut Deal mit dem US-Justizministerium und der Federal Communications Commission (FCC) hat Charter sich bereit erklärt, sieben Jahre lang auf bestimmte Branchenpraktiken zu verzichten, die den Behörden zufolge das Wachstum von rivalisierenden Videoanbietern wie Netflix und Hulu gefährden. Charter wird etwa auf Begrenzungen des Datenvolumens verzichten. Auch wird der Konzern bei Breitband-Internetkunden nicht nach Datennutzung abrechnen. Konzern soll Video-Streams nicht bedrohen…..
Mega-Fusion ordnet US-Breitbandmarkt neu
WarnerBrothers

Was Frauen mit Panama am Hut haben?

Geschlechterspezifische Auswirkungen lassen sich auch im Fall der globalen Steuerflucht festmachen. Alternative ökonomische Ansätze finden kaum Gehör

Es ist das größte Daten-Leak, mit dem JournalistInnen bisher gearbeitet haben: Die sogenannten Panama-Papers bieten Einblick in ein globales System von Kapitalflucht, Steuerhinterziehung und Geldwäsche, verwaltet von der Kanzlei Mossack Fonseca. Unter den prominenten Namen, die bisher von der „Süddeutschen Zeitung“ und dem JournalistInnen-Netzwerk ICIJ in den über elf Millionen Dokumenten aufgefunden wurden, finden sich überwiegend mächtige Männer – Politiker, aber auch bekannte Persönlichkeiten aus Sport und Kultur (es gilt die Unschuldsvermutung).

Feministische Ökonomie
Brigitte Theiß berichtet: Würden sich solche Geschichten anders schreiben, säßen an den Schaltzentralen der Macht Frauen statt Krawattenträger? „If Lehman Brothers had been Lehman Sisters, run by women instead of men, would the credit crunch have happened?“, so formulierte es Ruth Sunderland 2009 in einem Artikel im „Guardian“. Auch wenn diese Frage seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, die 2007 in den USA ihren Ausgang nahm, zumindest medial immer wieder gestellt wird – für die feministische Ökonomie ist sie in dieser Form nicht von Relevanz. „Wir arbeiten nicht mit biologistischen Zuschreibungen oder Mutmaßungen, ob Frauen weniger risikofreudig oder mitfühlender als Männer sind. Es geht vielmehr um eine kritische Analyse struktureller Fragen“, sagt Katharina Mader, Wissenschafterin am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien.

Globale Ungleichheit
Geschlechterspezifische Auswirkungen lassen sich jedoch auch im Fall der globalen Steuerflucht festmachen, die aktuell im Scheinwerferlicht steht. Martina Neuwirth, entwicklungspolitische Expertin am Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit, legt dies am Beispiel von Ländern des Globalen Südens dar. „Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass ärmere Entwicklungsländer überproportional stark betroffen sind, wenn es um Kapitalflucht, um Steuerflucht, Korruption und Steuervermeidung geht“, sagt die Ökonomin.

Diese Staaten seien zudem gegenüber Unternehmen, die Investitionen tätigen und im Gegenzug Steuervergünstigungen fordern, in einer besonders schwachen Verhandlungsposition. „Das hat dann Auswirkungen auf die Finanzierung des öffentlichen Sektors und in weiterer Folge auf Frauen, weil diese in einem höheren Ausmaß von einem funktionierenden Sozialsystem, vom Bildungs- und Gesundheitssystem abhängig sind“, so Neuwirth.

Unfaires Finanzsystem
Ökonomische Ungleichheit verläuft auch beim Vermögen – neben weiteren Faktoren – entlang einer Geschlechter- und einer Nord-Süd-Achse: Die internationale Hilfsorganisation Oxfam legte Anfang des Jahres einen Bericht vor, wonach die 62 reichsten Menschen der Erde (53 davon Männer) so viel Vermögen besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. In der Studie appellierte Oxfam an Regierende sowie an Unternehmen, die Gewinne in Steueroasen verschieben, Verantwortung zu übernehmen und ein faires Wirtschafts- und Finanzsystem zu schaffen. Bereits erfolgte Maßnahmen wie ein automatischer Austausch von Steuerinformationen innerhalb, aber auch außerhalb Europas erschweren Steuerhinterziehung zwar zusehends, nationale Interessen würden aber immer wieder gut gemeinte Reformansätze verwässern, sagt Martina Neuwirth: „Der britische Premier Cameron hat zum Beispiel immer darauf geschaut, dass Trusts nicht angetastet werden, Österreich hat sehr lange mit der Berufung auf die Wettbewerbsfähigkeit am Bankgeheimnis festgehalten – jede Regierung versucht also, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.“

Zahlen und Formeln
Auch Brigitte Young, emeritierte Professorin für internationale politische Ökonomie an der Universität Münster, pocht auf die Notwendigkeit gemeinsamer, globaler Regelungen. Young ist eine der wenigen feministischen Ökonominnen, die sich auf Finanzmarktpolitik spezialisiert haben. Auf großen ökonomischen Konferenzen sei sie oft die einzige Teilnehmerin, die einen Vortrag zu einem feministischen Thema hält – auch weil sich Genderforscherinnen zu wenig für die Finanzwirtschaft interessieren würden, kritisiert Young. Eine genderspezifische Erforschung der Finanzmärkte werde unter anderem von den mangelnden Daten erschwert, den Blick auf ihr Forschungsgebiet beschreibt die in den USA ausgebildete Ökonomin ähnlich wie ihre Wiener Kollegin Katharina Mader: „Es geht nicht darum, ob Finanzmärkte männlich sind, es geht um die dahinterliegenden Modelle.“ In der gegenwärtigen Ökonomie, die überwiegend auf mathematischen Modellen aufbaue, bleibe die Realität außen vor. „Die Finanzmärkte müssen wieder der Realökonomie dienen – und das tun sie trotz Finanzmarktreformen nicht“, sagt Young.

Karrierekiller Feminismus
Obwohl die Kritik am neoliberalen Kapitalismus spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise und einer breiten Klimawandeldebatte eine Popularisierung erfahren hat, ist die heterodoxe Ökonomie – also Theorien, die sich außerhalb des neoklassischen Mainstreams verorten – an deutschsprachigen Universitäten alles andere als fest verankert. Die Wiener Wirtschaftsuniversität stellt trotz der Einsparung der ordentlichen Professur mit ihrem eigenen Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie einen Ausnahmefall dar.

„Wir können uns glücklich schätzen, aber es ist ein ständiger Kampf ums Weiterbestehen“, sagt Mader. Die feministische Ökonomie als Teil der heterodoxen Ökonomie hänge wiederum an engagierten Einzelpersonen – denn einer wissenschaftlichen Karriere, die auf zahlreichen Publikationen in renommierten wissenschaftlichen Journals fußt, stehe sie oftmals im Weg. Selbst innerhalb alternativer ökonomischer Schulen müsse eine feministische Perspektive immer wieder hineinreklamiert werden. „Das Thema Ungleichheit hat in den vergangenen Jahren sehr wohl breitere Beachtung gefunden, etwa durch die Publikationen von Piketty oder Stiglitz, aber Geschlechterverhältnisse bleiben auch bei den großen Autoren außen vor“, sagt Mader.

Verdrängte Geschlechterfragen
Doch Kritik an einer einseitigen Ausrichtung der Lehre in der Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre kommt mittlerweile auch von Studierenden. Aus einem Prostest an der Pariser Sorbonne entwickelte sich ein internationales Netzwerk für plurale Ökonomik. „Die fehlende intellektuelle Vielfalt beschränkt nicht nur Lehre und Forschung, sie behindert uns im Umgang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – von Finanzmarktstabilität über Ernährungssicherheit bis hin zum Klimawandel“, ist in einer Erklärung zu lesen. Sowohl Brigitte Young als auch Katharina Mader sehen hier einen wichtigen Hebel für Veränderungen – die sie sowohl im Wissenschaftsbetrieb als auch in wirtschaftspolitischen Debatten vermissen. „Die Wirtschaftskrise hat vielfach als Ausrede gedient, um sich Gleichstellungsfragen nicht widmen zu müssen – weil es ja wichtigere Dinge gebe“, sagt Katharina Mader.

Gender Budgeting
So seien in Österreich etwa trotz der rechtlichen Verankerung von Gender Budgeting die geschlechterspezifischen Auswirkungen von Konjunktur- und Sparpakten nicht untersucht worden. Und dass, obwohl Österreich zu einem der ungleichsten Länder in der EU gehöre, streicht Martina Neuwirth hervor. Frauen verfügen in Österreich über weit weniger Vermögen – hinzu komme ein nicht besonders progressives Steuersystem: Progressive Lohnsteuersätze stehen einer regressiven Umsatzsteuer und Kapitalbesteuerung gegenüber. Die fehlende Öffnung für Ideen der alternativen bzw. feministischen Ökonomie laufe letztendlich immer auf dieselbe Frage hinaus, sagt Brigitte Young: „Wer profitiert vom derzeitigen Finanzwesen?“

 Original von Dieter Huthmacher www.w-t-w.org/en/dieter-huthmacher


Original von
Dieter Huthmacher
www.w-t-w.org/en/dieter-huthmacher

Frauen und Kinder leiden unter Korruption