Rom: „Whistleblower“ in der Polizei vom Dienst suspendiert

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Der stellvertretende Polizeipräsident von Rom, Filippo Bertolami, wurde für 11 Monate vom Dienst suspendiert. Begründung: Er hat ein Dokument nicht, wie verlangt, ausgedruckt, und er ist zu einem Termin mit dem Polizeipräsidenten nicht erschienen.

Seit vielen Jahren ist Filippo Bertolami bekannt dafür, dass er in seiner Eigenschaft als Gewerkschaftler Missstände bei der Polizei öffentlich macht: Verschwendung von Ressourcen, unregelmäßige Beförderungen und überraschend steile Karrieren von Polizeibeamten, die man für Verfehlungen beim G8 in Genua (2001) verurteilt hatte. Er wandte sich gegen Privilegien und Verschwendung bei den Personenschützern, machte bekannt, dass die neu angeschafften Überwachungskameras für den Einsatz gegen Terroristen nicht funktionsfähig waren, und er veröffentlichte Fälle von Mobbing gegen Kollegen, die „zu eifrig“ im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität vorgegangen seien. Deshalb gilt er bei der Polizei in Rom als Nestbeschmutzer. Dies sind nur einige Beispiele, die aber möglicherweise erklären, weshalb er jetzt wegen folgender Verfehlungen für insgesamt 11 Monate vom Dienst suspendiert wurde:

Fünf Monate Suspendierung gab es dafür, dass er ein Dokument nicht, wie verlangt, ausgedruckt hat, 6 Monate dafür dass er zu einem Dienstgespräch mit dem Vorgesetzten nicht erschienen ist. Bertolamis Einspruch gegen diese Maßnahme blieb ohne Wirkung, man sprach sogar davon, ihn ganz aus dem Dienst zu entlassen. Die von ihm wegen Unregelmäßigkeiten bei ihrer Beförderung angezeigten (und inzwischen verurteilten) Kollegen aber sind nach wie vor im Dienst.

Die Geschichte zeigt – und da gleichen sich italienische und deutsche Verhältnisse – wie es in Politik und Behörden zugeht. Die offizielle Politik versichert, Vergeudung von Steuergeldern vermeiden zu wollen, es gibt sogar eine Homepage, auf der man Fälle von Verschwendung anzeigen soll: www.sprechi.it.* Werden sie aber tatsächlich angezeigt, geht man gegen die Informanten vor! Bemerkenswert ist auch, wie ich finde, dass diese Nachricht im italienischen Blätterwald fast keine Beachtung gefunden hat.

* Eine solche Möglichkeit gibt es im deutschsprachigen Internet nicht, bei uns gibt der Bund der Steuerzahler ein „Schwarzbuch“ heraus.
Ilfattoquotidiano.it 
Fanpage.it

Doppelmoral:


„Es ist eure Pflicht, Steuern zu zahlen!“ „Uns macht es Spaß, sie nicht zu zahlen!“

 

Organisierte Kriminalität

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»Viel mehr auf die Kapitalseite schauen«

Organisierte Kriminalität: Das Klischee vom Pizzabäcker, der Geld für die Mafia wäscht, ist veraltet. Gespräch mit Sandro Mattioli

Interview: Ben Mendelson in Junge Welt

Der Journalist Sandro Mattioli ist Vorsitzender des Vereins »Mafia? Nein danke!« mit Sitz in Berlin

Die Bundesregierung erklärte im Juli auf Anfrage der Grünen, die Zahl der Mafiosi habe sich in Deutschland in den letzten zehn Jahren vervierfacht. Aber diese Form der organisierten Kriminalität, OK, wird kaum im Wahlkampf thematisiert.

Die OK hat im Wahlkampf nicht den Stellenwert, den sie haben sollte. Wenn davon die Rede ist, dann meist in Verbindung mit Schleuserkriminalität. Es gibt aber Formen der OK, die die Menschen in Deutschland sehr viel mehr berühren sollten. Zum Beispiel ist Geldwäsche aus meiner Sicht ein sehr viel gewichtigeres Problem und hat stärkere Auswirkungen auf das Leben der Menschen.

Geldwäsche ist ein hochkomplexes Phänomen, das in verschiedenen Formen auftritt und unterschiedliche Akteure hat. Das lässt sich nicht so einfach beschreiben. Parteien sind im Wahlkampf aber gezwungen, eingängige und leicht verständliche Aussagen zu tätigen, weil diese honoriert werden. Die italienische Mafia wird im Wahlkampf kaum beachtet. Und hätten wir zehn Jahre nach den blutigen Mafiamorden von Duisburg nicht im Sommer eine Konferenz zur Mafiathematik abgehalten, wäre wohl auch die Anfrage der Grünen nicht zustande gekommen. Aber unser Verein »Mafia? Nein danke!« hat die verschiedenen Wahlprogramme analysiert: Immerhin finden sich ein paar zentrale Forderungen von uns zum Teil darin wieder.

SPD und Union fordern 15.000 neue Stellen bei der Polizei.

Das ist nicht verkehrt, aber man muss sie richtig schulen und einsetzen. Die CDU will vor allem mehr Polizisten auf der Straße. Das ändert aber wenig am Problem der höher entwickelten OK. Wir müssen viel mehr auf die Kapitalseite schauen. In den letzten Jahren hat der Staat nur knapp sechs Millionen Euro jährlich aus Mafiageschäften eingezogen. Der Anteil ist verschwindend gering, da das Bundesfinanzministerium schätzt, dass etwa hundert Milliarden Euro jährlich in Deutschland gewaschen werden.

 

Welche Vorschläge halten Sie für sinnvoll?

Interessant ist der Ansatz der Linkspartei, die für eine stärkere Kontrolle des Finanzsektors eintritt und eine Bundesfinanzpolizei gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorschlägt. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung und würde die Priorität verschieben in einen Bereich, den wir als Grauzone wahrnehmen. Die Grünen fordern besondere Bekämpfungskonzepte und strengere Regelungen für Schattenbanken. Wir müssen verstehen, dass Akteure der OK hochkomplexe Finanzkonstrukte nutzen und mit geschlossenen Fonds arbeiten. Kapitalströme müssen viel besser nachvollziehbar sein.

In Deutschland denkt man immer noch, bei Geldwäsche gehe es um den Pizzabäcker, der am Tag statt 1.000 Euro Umsatz 2.000 aufschreibt. Das geht aber weit am Problem vorbei. Aus Ita­lien kennen wir Konstruktionen, die zur Geldwäsche in Milliardenhöhe aufgebaut wurden. In Deutschland fehlt bislang die Erkenntnis, dass es so etwas auch hier geben könnte.

Woran liegt das?

Die dadurch angerichteten Schäden sind nicht so sichtbar. Die italienische Mafia hat nach den Morden in Duisburg 2007 schnell gelernt, dass es unvorteilhaft für sie ist, wenn sie hier weiter tötet. Sie will verhindern, dass mehr Licht auf sie fällt. Die Bundesregierung zählt 562 Mafiosi in der BRD, aus meiner Sicht sind es wohl eher 1.000 bis 1.500. In zahlreichen Städten gibt es Repräsentanzen verschiedener italienischer Clans.

In welchen Wirtschaftszweigen hat die Mafia ihre Finger im Spiel?

Das ist eine schwierige Frage, weil die Bereiche nicht trennscharf sind. Bei den illegalen Geschäften gibt es die Klassiker: Handel mit Waffen und Kokain, Cyber- und Abfallkriminalität sowie Fälschungen. Neben den klassischen legalen Geschäftszweigen – Hotelbranche, Gastronomie und Bauindustrie – sind Mafiosi auch im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv. Ehrlich gesagt: Wir können heute keinen Wirtschaftszweig ausschließen.

In der Immobilienbranche gibt es jede Menge Fonds, die investieren, so dass nicht mehr nachvollziehbar ist, wessen Geld wohin fließt. Die Mafia nutzt das aus, weil sie weiß, wie man mit großen Summen im Wirtschaftskreislauf viel bewegen – und verschleiern – kann. Kriminell erwirtschaftete Gelder landen schnell in irgendwelchen Steuerparadiesen, sie von dort weiterzubewegen ist einfach.

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Tatort Duisburg: Am 15. August 2007 kam es in Deutschland zuletzt zu klassischen Mafiamorden.   Foto: Federico Gambarini/dpa
 

Neues Geldwäschegesetz: Experten bezweifeln Wirksamkeit

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Geldwäsche: Staat will 100-Milliarden-Euro-Geschäft eindämmen

100 Milliarden Euro Schwarzgeld werden laut einer Studie im Auftrag der Bundesregierung jährlich in Deutschland gewaschen. Das Geld stammt aus der Prostitution, dem Menschen- und Drogenhandel. Mit dem Inkrafttreten eines neuen Anti-Geldwäschegesetzes und der Stärkung einer Spezialeinheit hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben dafür gesorgt, dass „das gesamte System zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung schlagkräftiger“ wird. Doch Experten haben Zweifel. 
    
Drei Standorte hat das Autohaus Hornung in Bayern, einen davon in Garmisch-Partenkirchen, die Zugspitze in Sichtweite. Gerhard Lutz ist Geschäftsführer. Wenn er einen Blick auf die Papiere wirft, die sein Autohaus bei einem Geldwäscheverdacht ausfüllen soll, erinnert ihn das auch an einen Berg – einen Berg aus Papier.

„Hier werden über vier Seiten alle Daten verlangt. Zuerst muss ich mal unterschreiben, was wir vermuten, wo wir den Verdacht haben, was uns darauf gebracht hat. Und da wird’s dann schon schwierig. Wir klagen jemanden an. Und wir müssen das dann an die Behörden weiterleiten.“

Gerhard Lutz, Geschäftsführer
Bei Verdacht auf Geldwäsche müssen Behörden informiert werdenAutohändler, Juweliere, Kunst-, Antiquitäten- und Immobilienhändler: Gewerbetreibende also, bei denen viel Bargeld über den Ladentisch gehen könnte. Wenn ein Kunde vor ihnen sitzt, der zum Beispiel ein 150.000-Euro-Luxusfahrzeug bar bezahlen will, müssen sie hellhörig werden. Es könnte sich um Schwarzgeld handeln. Bestehen an der Identität des Kunden Zweifel, sind die Behörden zu informieren.

Peter Driessen, Industrie- und Handelskammern | Bild: Pressestelle IHK

„Der Staat überträgt hier seine originären Aufgaben auf Private. Das kann nicht sein – zumal er dann die Privaten auch noch in die Haftung nimmt, dass sie alles richtig gemacht haben.“

Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer IHK für München und Oberbayern

Kaum Meldungen wegen Verdacht auf Geldwäsche
Allerdings zeigen Statistiken: Bei den Behörden trudeln kaum Meldungen von Gewerbetreibenden ein. Seit 2002 gibt es eine beim Bundeskriminalamt (BKA) angesiedelte Spezialeinheit – die Financial Intelligence Unit. Sie gehört zu den Behörden, die solche Meldungen entgegennehmen. 2015 waren es ganze 116, 2016 dann 151. „Deutlich zu wenig“, gibt die Behörde selbstkritisch zu, die jetzt personell aufgestockt wurde.

Den genauen Überblick über Geldwäsche-Meldungen hat keiner
Zwar nehmen auch die Bundesländer Hinweise entgegen. Doch wieviele es sind – darüber hat niemand einen Überblick. Das ARD-Fernsehmagazin Plusminus und BR Recherche haben alle Bundesländer angefragt, wie viele Vor-Ort-Kontrollen die zuständigen Behörden jeweils 2015 und 2016 in entsprechenden Betrieben gemacht haben – entweder anlassbezogen oder auch zufällig. Nicht alle Länder haben die Anfrage beantwortet.

Geldwäsche-Paradies Deutschland
Die Angaben, die vorliegen, gehen weit auseinander. Die Spanne reicht von 0 Kontrollen in Brandenburg, 11 in Rheinland-Pfalz, 33 in Sachsen, etwa 350 in Nordrhein-Westfalen und jeweils rund 500 Vor-Ort Kontrollen von Juwelieren, KFZ- und Immobilienhändlern in Bayern und Niedersachsen. „Deutlich zu wenig“, sagt Norbert Walter-Borjans, bis vor wenigen Wochen Finanzminister in Nordrhein-Westfalen

Norber Walter-Borjans | Bild: picture-alliance/dpa

„Also – in diesem Punkt ist Deutschland absolut Entwicklungsland. Da gibt’s absolut nix. Und es ist ein Paradies für diejenigen, die Geld waschen wollen und müssen.“

Norbert Walter-Borjans (SPD), Ex-Finanzminister Nordrhein-Westfalen

 Geldwäschebekämpfung scheitert am Föderalismus

Das liegt, so der SPD-Politiker, daran, dass der Bereich Geldwäschebekämpfung in Deutschland unglaublich zergliedert sei. Stichwort: Föderalismus. Walter-Borjans verwundern die niedrigen Kontrollzahlen deswegen nicht.

„Das kann es nicht sein, dass es in einem Land auf einer kommunaler Ebene ein Mensch im Ordnungsamt machen muss, der völlig überfordert ist. Bei uns in NRW die Bezirksregierungen. Das braucht also eine abgestimmtere Struktur als das bis jetzt der Fall ist.“

Norbert Walter-Borjans

Beschwerde bei der EU wegen des Geldwäschegesetzes

Andreas Frank war Sachverständiger bei der Bundestags-Anhörung zur jüngsten Geldwäschegesetz-Novelle. Ihn treibt das Thema der mangelhaften Geldwäschebekämpfung in Deutschland so um, dass er vor wenigen Tagen erneut Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht hat – wegen der seiner Meinung nach bestehenden Defizite bei den zuständigen Aufsichtsbehörden.

Andreas Frank: „Weniger als ein halbes Prozent wird konfisziert. Das Ziel der Geldwäschebekämpfung ist ja, an dieses Geld heranzukommen und es zu konfiszieren.“
Frage der Reporterin: „Und – gelingt es?“
Andreas Frank: „Es gelingt nicht.“

Radio Beitrag: BR.de/radio/b5-aktuell
100 Milliarden Euro Schwarzgeld werden jährlich in Deutschland gewaschen. Die Bundesregierung versucht gesetzlich gegenzusteuern – die Hauptlast wird auf die Unternehmen abgewälzt.

Der Funkstreifzug Geldwäsche

Andreas Frank

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie der Staat die Wirtschaft in die Pflicht nimmt
Sabina Wolf (Plusminus), Arne Meyer-Fünffinger (BR Recherche)

Deutschland Eldorado für Geldwäscher

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Geldwäsche: Wie werden Geschäftsleute zur Verantwortung gezogen?
Deutschland gilt als Eldorado für Geldwäscher. Kriminelle Organisationen haben 100 Milliarden Euro in Deutschland angelegt. Das neue Geldwäschegesetz soll den Machenschaften einen Riegel vorschieben. Doch funktioniert es auch wirklich?

Neues Geldwäschegesetz: Experten bezweifeln Wirksamkeit.
100 Milliarden Euro Schwarzgeld werden laut einer Studie im Auftrag der Bundesregierung jährlich in Deutschland gewaschen. Das Geld stammt aus der Prostitution, dem Menschen- und Drogenhandel. Mit dem Inkrafttreten eines neuen Anti-Geldwäschegesetzes und der Stärkung einer Spezialeinheit hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben dafür gesorgt, dass „das gesamte System zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung schlagkräftiger“ wird. Doch Experten haben Zweifel.

Beschwerde bei der EU wegen des Geldwäschegesetzes.
Andreas Frank war Sachverständiger bei der Bundestags-Anhörung zur jüngsten Geldwäschegesetz-Novelle. Ihn treibt das Thema der mangelhaften Geldwäschebekämpfung in Deutschland so um, dass er vor wenigen Tagen erneut Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht hat – wegen der seiner Meinung nach bestehenden Defizite bei den zuständigen Aufsichtsbehörden.

Andreas Frank: „Weniger als ein halbes Prozent wird konfisziert. Das Ziel der Geldwäschebekämpfung ist ja, an dieses Geld heranzukommen und es zu konfiszieren.“
Frage der Reporterin: „Und – gelingt es?“
Andreas Frank: „Es gelingt nicht.“

Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten
 

Mafia = Folklore und Mythos?

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Keineswegs. Vor zehn Jahren rückte die Mafia durch den Sechsfachmord von Duisburg in den Fokus. Auch heute ist das Kapitel Mafia in Deutschland keinesfalls abgeschlossen. Erst Mitte Juli wurde im Schwarzwald ein kriminelles Netzwerk aus dem Umfeld der Cosa Nostra zerschlagen. Die Haupttäter sollen zwei 48 und 52 Jahre alte Italiener aus Donaueschingen und Rottweil sein. Die Journalistin Petra Reski lebt in Venedig und recherchiert und schreibt seit vielen Jahren über die Machenschaften der Mafia. Sie erregte international Aufsehen, wurde bedroht und verklagt. Und sie wurde mehrfach für ihr Werk und ihren Mut ausgezeichnet u.a. als Reporterin des Jahres. ..SWR

Petra Reski Journalistin und Mafia-Expertin

Rente Umwandlungssatz

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Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“. Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen
im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Die Vorlage zur Altersvorsorge (AV2020) ist ganz schön kompliziert. Wir erklären einige der Begriffe. Heute: Der Umwandlungssatz
Weitere Lernvideos Finanzkompetenz

Weltmacht Google

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Wenige Konzerne sind in so kurzer Zeit so mächtig geworden und wissen so viel über uns wie Google. Der Verantwortung, die damit einhergeht, werde der Konzern nicht immer gerecht, sagen Kritiker.

Von der Internetsuche über selbstfahrende Autos bis zur technischen Überwachung des Körpers: Die „WISO“-Dokumentation „Weltmacht Google“ zeigt, wie ein Unternehmen in immer mehr Lebensbereiche vordringt und stellt Fragen, welche Chancen und Risiken das birgt.

Der Kulturhistoriker und Bestseller-Autor Siva Vaidhyanathan warnt, dass wir uns schon längst in eine völlige Abhängigkeit von Google begeben haben – und unseren Zugang zum Wissen der Welt an einen milliardenschweren Konzern abgeben. Denn Googles Algorithmen steuern unsere Sicht auf die Welt und unser Wissen. Google entscheidet, wer im Netz gefunden wird und beeinflusst somit, wo wir essen gehen, einkaufen, unsere Hotelzimmer buchen und welche Ärzte wir aufsuchen. Eine Änderung der Suchalgorithmen kann das Aus bedeuten. Der Film zeigt das am Beispiel eines Ferienhausunternehmers, der die Änderung von Google wirtschaftlich fast nicht überlebt hätte. Schließlich verwenden in Deutschland etwa 95 Prozent aller Internetnutzer diese Suchmaschine.

Selbst im zukunftsgläubigen Silicon Valley finden sich Kritiker der schönen neuen Google-Welt. Darunter auch ehemalige Mitarbeiter, die bezweifeln, dass Google als „größter privater Datensammler der Welt“ seinem Motto „Don’t be evil“ noch gerecht wird. „WISO“ zeigt in einem Experiment, wie viel wir Google im Alltag über uns verraten und welche Schlüsse das Unternehmen daraus ziehen kann.

Für ihren Film „Weltmacht Google“ haben die Autoren Eike Petering und Alexander Poel hinter der bunten Fassade von Google recherchiert. In Googles europäischem Forschungszentrum in Zürich trafen sie auf begeisterte Mitarbeiter, die die Arbeitsatmosphäre mit Palmengärten, Wellness-Oasen und Fitness-Studios rühmen und sich als Elite der digitalen Zukunft sehen. Ehemalige Mitarbeiter berichten aber auch von extrem langen Arbeitstagen und massivem Leistungsdruck.

Längst verfolgen die Google-Gründer höhere Ziele als nur die Rolle eines Internet-Giganten. Sie dehnen ihre Geschäftsfelder auf immer mehr Lebensbereiche aus: vom marktbeherrschenden Smartphone-Betriebssystem Android über die Paketauslieferung per Drohne bis hin zur milliardenschweren medizinischen Forschung. Auch die mächtigen deutschen Autohersteller greift das Unternehmen frontal an: mit einem selbstfahrenden Auto aus dem Silicon Valley. All diese Geschäftsbereiche, die über das Internet hinausgehen, hat das Unternehmen erst in diesem Jahr unter dem Namen Alphabet gebündelt. Regelmäßig kommen weitere Geschäftszweige hinzu: Der Konzern wächst weiter – und damit auch der Einfluss auf unser Leben.

Kritiker wie der Datenschützer Casey Oppenheim allerdings bezweifeln, dass das Unternehmen seine Macht und sein Wissen nur im Sinne des technischen Fortschritts nutzt: „Wenn man den Zugang zum Wissen der Welt kontrolliert und wenn man diesen Zugang manipulieren kann – was Google längst zugegeben hat – dann denke ich, dass man nicht im öffentlichen Interesse handelt. Google hat die Pflicht, den Gewinn für seine Aktionäre zu maximieren und nicht die Pflicht, im öffentlichen Interesse zu handeln.“ Die deutsche IT-Expertin Yvonne Hofstetter schätzt die Unternehmensentwicklung so ein: „Google ist brandgefährlich.“

Weltmacht Google


Autor – Alexander Poel, Eike Petering

WISO-Doku: Weltmacht Google – Die dunkle Seite des Internetgiganten! Die Weltmacht Google entscheidet, wer im Netz gefunden wird, und wirkt schon dadurch in viele Lebensbereiche hinein. Wir schauen hinter der bunten Fassade von Google. Eine erschütternde Dokumentation für alle User, die Wert auf Diskretion und Schutz ihrer persönlichen Daten legen!

Zum Jahresende spürbare Einbrüche an den Finanzmärkten?

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Geldanlage: Kredit-Zyklus geht zu Ende: Saxo Bank rät zu Cash als Sicherheit

Der Chef-Anlagestratege der dänische Saxo Bank erwartet zum Jahresende spürbare Einbrüche an den Finanzmärkten. Man kennt das Prinzip aus angelsächsischen Ländern, das vor allem in Australien extremst praktiziert wird. Ein Eigenheimbesitzer, der das Haus ganz normal mit monatlichen Kreditraten abbezahlt, lässt sich auf das Haus noch einen zusätzlichen Kredit geben mit einer Cash-Auszahlung. Für Konsum, Urlaub, oder um damit noch eine weitere Immobilie zu erwerben, für die man einen gewissen Eigenkapital-Anteil vorweisen muss.

So wird die Kredit-Pyramide immer größer und wackliger. Alles hängt an den Hauspreisen und den Zinsen. Fallen die Preise, und steigen die Zinsen, ist die Katastrophe absehbar, so wie es 2007 geschah. Laut der Kreditrating-Agentur Equifax (Datenskandal) hatten sich die US-Amerikaner im Jahr 2007 mit dem Spitzenwert von 110 Milliarden Dollar in nur einem Quartal Cash-Kredite auszahlen lassen, mit dem bestehenden Haus als Sicherheit.

Schulden-Alarm auch bei Amerikas Studenten: 44 Millionen junge Menschen müssen einen Studienkredit abbezahlen. Das zeigen Daten des Consumer Financial Protection Bureau. In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Summe. ..Neue Finanzkrise. In den USA platzen reihenweise Kredite.

Die letzte Finanzkrise ist kaum überwunden, da droht auch schon die nächste. Vor zehn Jahren platzte die Immobilienblase in den USA, das löste eine weltweite Abwärtsspirale auf den Finanzmärkten aus. Experten sind sich einig, dass damals billige Kredite die Krise verursachten.

Isabel Schnabel ist eine der sogenannten fünf Wirtschaftsweisen in Deutschland, das heißt, sie sitzt im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Schnabel sieht bereits das nächste Unheil aufziehen: „Die Situation der Automobilkredite in den Vereinigten Staaten ist bedenklich und erinnert auf vielfache Weise an die Subprime-Immobilienkrise“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“).

Nicht zu vernachlässigen ist es in der Kreditblase Chinas ein Risiko zu sehen. Volatile Zinsen im Reich der Mitte deuten auf latente Finanzprobleme innerhalb des Landes hin. Experten fürchten, dass die China-Nervosität zurückkehren wird.

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen
www.harmbengen.de

Angela Merkel eine starke Frau

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Wissbegier, Fleiss, Belastbarkeit und Intelligenz
zeichneten Dr. Angela Merkel schon als Jungpolitikerin aus. Diese Stärken führten sie gegen westlich-maskuline Seilschaften bis zur Kanzlerschaft.

Anja Jardine berichtet: Der Kontrast ist so gross, dass das TV-Duell der Spitzenkandidaten am letzten Sonntag die alten Bilder wachruft: 2005, Elefantenrunde nach der Bundestagswahl. Damals gelang es dem SPD-Kandidaten, der die Wahl soeben verloren hatte, beinah, die Wahlsiegerin verbal niederzustrecken. Gerhard Schröder hatte sich zur Veranschaulichung seiner eigenen Unersetzbarkeit derart aufgebläht, dass er fast in Schnappatmung verfiel, als er über die ihm gegenüber sitzende Unionskandidatin in dritter Person zeterte: «Sie wird keine Koalition unter ihrer Führung mit meiner sozialdemokratischen Partei hinbekommen. Das ist eindeutig. Machen Sie sich gar nichts vor.» Die anderen in der Runde schauten leicht irritiert angesichts dieser enthemmten Testosteronattacke, die Wahlsiegerin schien zu zerbröseln.

Nun, zwölf Jahre später, wirkte die Chancenlose aus einem Guss, in sich konsolidiert, unverrückbar….Eine mächtige Frau / Die Königin von Deutschland

Bitcoins nur Betrug?

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Der Chef der US-Großbank JP Morgan, Jamie Dimon, bezeichnet die boomende Digitalwährung Bitcoin als Betrug. Das aktuelle Rekordhoch erreichte die Digitalwährung Anfang September bei knapp 4980 Dollar. Anleger stecken derzeit Milliarden in die Digitalwährung Bitcoin. Sie treiben die Kurse in unheimliche Höhen. Könnte demnächst diese riesige Blase platzen?

Die Digitalwährung Bitcoin hat einen Wertzuwachs um 600 Prozent.

Während in der Welt echter Devisen darüber diskutiert wird, warum der Euro in diesem Jahr gegenüber dem Dollar um 15 Prozent zugelegt hat, staunt in der digitalen Währungswelt kaum noch jemand, dass Bitcoin innerhalb eines Jahres um sage und schreibe 600 Prozent an Wert gewonnen hat. Jüngst ist ein Bitcoin erstmals mehr als 5000 Dollar wert gewesen und damit 16-mal so viel wie Anfang 2015.

Finanzexperten kommentieren die Digitalwährungen Bitcoin: Eine solche Kryptowährung, die aus einer verschlüsselten Zahlenreihe besteht, die nicht alle wichtigen Funktionen des Geldes erfüllt und die kaum jemand versteht, werde eher früher als später verschwinden. Überleben wird lediglich die hinter Bitcoin stehende Technologie, die Datenkette Blockchain. Denn sie taugt dazu, viele Prozesse einfacher, schneller und sicherer zu machen und somit die gesamte Finanzbranche nachhaltig zu verändern. Inzwischen wird allerdings immer deutlicher, dass diese in der Vergangenheit marktgängige Einschätzung nur die halbe Wahrheit widerspiegelt. Denn allen Mahnungen zum Trotz ist Bitcoin nicht totzukriegen. Im Gegenteil. Im neunten Jahr ihres Bestehens rückt die Digitalwährung immer stärker ins Blickfeld von Investoren.

Nach seiner Einführung 2008 wurde Bitcoin, der jeweils aus einem Code von 51 Zeichen besteht und von privaten Nutzern und Computernetzwerken in aller Welt geschaffen wird, zunächst nur von Technikfreaks benutzt.

Bitcoins die digitale Währung werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

„Das wird nicht gut enden“ – mit dieser Aussage hat der Chef der US-Großbank JP Morgan den Kurs von Bitcoin auf Talfahrt geschickt. Die Kritik an der Digitalwährung wächst…
Bitcoin ist Betrug
So viel wird der Bitcoin in zehn Jahren wirklich wert sein