Kapitalgarantie- Gibt’s das?

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.


Wir zeigen ein einfaches Rezept, wie man sich ein Anlageprodukt schustern kann, dass eine (nominelle) Vermögensgarantie mit einer Partizipation am Aufwärtspotential einer beliebigen Anlageklasse liefert. Nach oben dabei, nach unten nichts verlieren.
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Aktienverlauf bei Apple Präsentation

Warum der Aktienkurs während der Keynote abstürzteApple Chart

Rauf oder runter – das war im Vorfeld der Präsentation des iPhone 6S die große Frage für die Apple-Aktionäre. Die Frage ist nun beantwortet: Während der Apple-Keynote kippte die Stimmung.

Über weite Strecken sorgte die Apple-Keynote am Mittwochabend deutscher Zeit für eher gute Stimmung bei den zuletzt stark gebeutelten Apple-Aktionären. Als das große iPad Pro angekündigt wurde, tendierte die Apple-Aktie teils rund 1,5 Prozent im Plus – als dann die recht hohen Preise zu sehen waren, ging es mit dem Papier aber wieder abwärts.

Vor allem aber das iPhone 6S – der Höhepunkt der Präsentation – enttäuschte. Die Aktie sackte weiter ab und schloss am Ende fast auf Tagestief 1,92 Prozent im Minus – nach einem insgesamt ruhigen Handelstag mit geringen Umsätzen.

Der Verlauf ist allerdings typisch für Apple-Keynotes: Nach anfänglich hohen Erwartungen sackt das Papier regelmäßig im Laufe der Präsentationen ab. Die bisher heftigsten Verluste infolge einer Apple-Präsentation gab es am 11. September 2013, als die Aktie nach sehr hohen Erwartungen 5,6 Prozent abrutschte. Apple sitzt damit regelmäßig in einer Keynote-Falle: Die Erwartungen sind hoch – aber der Überraschungseffekt kann nicht mehr gelingen.

Michael Leunig

Michael Leunig

Zentralbanken arbeiten an globalem Verhaltenskodex

Manipulationen am Devisenmarkt. Der Skandal um die Manipulation von Referenzwerten am Devisenmarkt hat zu hohen Sanktionen gegen Banken geführt. Zentralbanker bemühen sich um einen Verhaltenskodex, der jedoch zahnlos sein könnte.

Nach Skandalen am Devisenmarkt, die zu hohen finanziellen Sanktionen gegen Banken geführt haben, arbeiten Zentralbank-Vertreter an einem umfassenden, globalen Verhaltenskodex für den Markt für Währungen. Ein solcher Kodex soll im Frühling 2017 eingeführt werden. Damit will der Ausschuss, der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelt ist, Vertrauen in die Märkte zurückgewinnen. Der Devisenmarkt ist mit einem täglichen Volumen von 5,1 Bio. $ (April 2015) der grösste und liquideste Finanzmarkt. Der Finanzplatz London hält dabei einen Anteil am Handel von gut 43%.

Der Ausschussvorsitzende Guy Debelle von der australischen Zentralbank sagte vor Journalisten in London, dass der global gültige Verhaltenskodex bereits bestehende Richtlinien ersetzen solle. Für regionale Unterschiede werde es aber Abweichungen geben. Laut Debelle wird das «Rad nicht neu erfunden». Es soll vielmehr harmonisiert und Klarheit darüber geschaffen werden, was ein akzeptables Verhalten am Markt ist. Es gebe jedoch auch Lücken zu schliessen, sagte Debelle. Dabei geht es beispielsweise um die Handhabung von sogenannten Stop-Loss-Orders, automatischen Verkaufsaufträgen, oder um die unterschiedlichen Rollen der Banken als Marktmacher und als Dienstleister im Kundenauftrag. Zudem soll der Verhaltenskodex nicht nur für Banken und Devisenhändler, sondern auch für Kunden, Plattformbetreiber oder Zentralbanken gültig sein. Weil sich die Strukturen am Devisenmarkt schnell veränderten, müsse sich aber auch der Kodex an die Entwicklungen anpassen können, sagte Debelle.

Der wunde Punkt der Richtlinien ist jedoch, wie rechtlich verbindlich sie sein werden und welche Sanktionen es bei Verstössen geben wird. Die Zentralbanker betonten, sie seien keine Regulatoren, dies liege in den Händen der einzelnen Ländern. Grossbritannien ahndet bereits die Manipulation von Referenzwerten an Finanzmärkten mit dem Strafrecht.
Banking Union

Feiert der Euro ein überraschendes Comeback?

Der Kursrutsch des Euro an den Devisenmärkten ist gestoppt. Analysten rücken von ihrer Prophezeiung der nahenden Parität zum Dollar ab. Langfristig spricht vor allem eins für die Gemeinschaftswährung.

Daniel Eckert berichtet: Plötzlich will kaum jemand mehr davon reden. Zumindest nicht mehr so laut. Noch im Frühjahr gab es an den Devisenmärkten ein emotionales Thema: Die kommende „Parität“, also der Kurs-Gleichstand von Euro und Dollar. Damals, nachdem EZB-Chef Mario Draghi sein milliardenschweres Anleihen-Kaufprogramm verkündet hatte, senkten Analysten reihenweise den Daumen über die Gemeinschaftswährung.

Schon Ende 2015 würde es den Euro für einen Dollar geben. Manche sprachen gar von einer sich beschleunigenden Kapitalflucht. Das europäische Geld werde verramscht. Doch seit diesem Sommer ist einiges anders. Nicht nur im Börsencrash hat sich der Euro wacker geschlagen, er zeigt auch eine erstaunliche Robustheit gegenüber mauen Konjunkturnachrichten aus der Währungsunion. „Die Parität ist immer noch möglich, aber nicht mehr so wahrscheinlich wie noch vor ein paar Monaten“, sagt Carsten Brzeski, Chefökonom der ING DiBa. Das Wall-Street-Haus Morgan Stanley sah den Euro im Frühjahr binnen eines Jahres auf einen Dollar sinken. Inzwischen rechnet die für ihr aufwendiges Devisenresearch bekannte US-Investmentbank damit, dass der Kurs-Gleichstand erst sehr viel später kommen wird: ungefähr Ende 2016. Für die nächsten Wochen erwarten die Morgan-Stanley-Experten nun sogar eine leichte Aufwertung der Einheitswährung.

Währungsprognosen sind knifflig
Für die deutschen Verbraucher und Sparer ist der Euro-Wechselkurs eine finanzielle Größe von immenser Bedeutung. Ein fester Euro verbilligt Importe wie zum Beispiel Erdöl und andere Rohstoffe – weswegen gerade Autofahrer an einer starken Währung interessiert sein sollten. Ein fester Euro macht auch den Urlaub im Ausland billiger. Allerdings mindert eine Aufwertung auch die Gewinne unserer Exporteure, weswegen ein zu hoher Euro-Kurs den Dax belastet.
Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg haben die Analytiker ihre Euro-Prognosen allein im vergangenen Monat um zwei Cent nach oben genommen. Im Mittel verorten die Ökonomen den Euro nun Ende 2015 bei 1,07 Dollar, wobei die tiefste Prognose bei 0,96 Dollar liegt und die höchste 1,17 Dollar. Die Vorhersage von Wechselkursen zählt zu den schwierigsten Aufgaben der Ökonomenzunft. Die Entwicklung am Devisenmarkt wird vorwiegend von den Zinsniveaus in den einzelnen Währungsräumen bestimmt, aber auch Konjunkturzyklen spielen eine Rolle. Dazu kommen spekulative Geldströme. Um die Sache weiter zu komplizieren, wirken die einzelnen Faktoren gegenseitig aufeinander ein, wie bei einem Mobile: Es ist nicht möglich, eine Figur zu bewegen, ohne dass die anderen ebenfalls in Schwingung geraten. Dazu kommen Interpretationen und Ideologien.
Der Euro feiert völlig ueberraschend sein Comeback
EU-Pigs

Smarte Arbeitswelt der Zukunft

Work-Smart, BrainGym und
kreative Mitarbeiter. Für innovative Zukunft der Arbeit
Unternehmen sind motivierte, kreative Mitarbeiter zentral. Einige Firmen haben sich dazu verpflichtet, «intelligentes Arbeiten» zu fördern. Doch wie schafft man ein solches Umfeld?

Nicole Rütti berichtet: Edelmetalle sicher einkaufen und lagern.
Welcher Arbeitgeber wünscht sich nicht produktive, motivierte und flexible Mitarbeiter. Und genauso verbreitet ist das Bedürfnis nach flexiblen Arbeitszeiten, kreativem und stimulierendem Arbeitsumfeld auch bei den Angestellten. Doch die Realität sieht oftmals anders aus: In vielen Betrieben liegen Ressourcen brach, weil Talente und Fähigkeiten nicht optimal genutzt und gefördert werden. Entsprechend geraten solche Unternehmen gegenüber innovativen Firmen immer stärker ins Hintertreffen. Laut einer jüngsten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vermochten Industriebetriebe, die sich durch Kreativität, neue Geschäftsmodelle sowie technologische Innovation auszeichnen, ihre Produktivität in den 2000er Jahren im Durchschnitt um rund 3,5% jährlich zu steigern. Bei den übrigen Industriefirmen betrug der Produktivitätsfortschritt hingegen lediglich 0,5% pro Jahr.
Die smarte Arbeitswelt der Zukunft

'We can't make any plans.  By the time we grow up, there will be professions no one has ever dreamed of.'

‚We can’t make any plans. By the time we grow up, there will be professions no one has ever dreamed of.‘

KPMG Studie zur Frauenquote

Bis 30. September 2015 müssen börsennotierte und/oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen intern individuelle Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und auf den Leitungsebenen eins und zwei beschließen. Für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten gilt ab dem 1. Januar 2016 teilweise eine Frauenquote von 30 Prozent.

KPMG fragt nach: Fünf Fragen an Prof. Isabell M. Welpe
Unsere Studie Frauenquote in Aufsichtsrat und Vorstand zeigt, dass die Gremien den Mann im Rock suchen, wenn es um die Nachbesetzung der Stellen im Aufsichtsrat und Vorstand geht. Wie kann diese tradierte Sicht Ihrer Meinung nach aufgebrochen werden, um das Potenzial weiblicher Fähigkeiten und wahrer Vielfalt auszuschöpfen?

Wird eine Position besetzt, sucht man ja grundsätzlich nach Kandidaten, die über eine sehr gute Passung für die jeweilige Stelle verfügen. Für Führungspositionen werden nach wie vor agentische Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke und strategisches Denken als passend angesehen. Diese Eigenschaften schreiben wir also sowohl Männern als auch Frauen – jedoch immer noch eher Männern – zu, wie auch ganz aktuelle Studien aus Deutschland zeigen. Die Eigenschaften Kommunikation und Empathie, die wir eher Frauen als Männern zuschreiben, spielen bei der Besetzung von Führungspositionen eine untergeordnetere Rolle im Anforderungsprofil.

Es ist natürlich richtig und verständlich, wenn Unternehmen nach adäquaten Besetzungen für Positionen suchen. Es ist aber grundsätzlich wenig hilfreich, von männlichen oder weiblichen Fähigkeiten zu sprechen. Entscheidend für den Erfolg ist die Fähigkeit von Unternehmen, Talent für die jeweilige Position in allen Formen und Farben zu erkennen und auch auszuschöpfen, also zum Beispiel auch den volltätowierten IT-Spezialisten einzustellen und sein/ihr Talent in der Wertschöpfung einzusetzen. Es geht schließlich um Wettbewerbsvorteile und Innovation, die in einer Wissensökonomie nunmal in den Köpfen stecken.

Eine Demokratisierung im Unternehmen wird vor allem von der Generation Y eingefordert. Einige Organisationen gehen dabei so weit, dass sich Mitarbeiter ihre Aufgaben und Chefs selbst auswählen können. Halten Sie dies für eine Chance oder für ein Risiko im Hinblick auf eine bessere Integration von Frauen in Führungspositionen?

Wissenschaftliche Studien zeigen einen Wertewandel was die Erwartungen an die Erwerbsarbeit angeht – übrigens auch bei den älteren Arbeitnehmern, nicht nur bei den jüngeren Mitarbeitern, der sogenannten Generation Y. Bei den jüngeren fällt es nur eventuell mehr auf, weil sie neu in die Unternehmen kommen. Digitalisierung, Informationstechnologie und soziale Medien fördern ganz grundsätzlich die großen Trends der Demokratisierung und Partizipation mit allen positiven und auch negativen Folgen. Der Wunsch nach Teilhabe an wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungen ist schon lange vorhanden, doch erst die Entwicklung der Informationstechnologien der letzten Jahrzehnte ermöglichen Teilhabe aus technischer und Kostensicht.

Ihre These lautet: „Don’t fix the women, fix the organization”. Wie können sich Ihrer Ansicht nach die Unternehmen aufstellen, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen?
positionspapier-frauenquote-sept2015

Harm Bengen  www.w-t-w.org/en/harm-bengen/

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen/

Ökowahn manchmal Ineffizient?

OECD-Studien zeigt Ineffizienz des deutschen Ökowahns: Die Deutschen halten sich für grün, ökologisch und nachhaltig. Eine Studie bestätigt das – doch die größten Schwächen sind ausgerechnet da, wo sich die Deutschen am stärksten wähnen. ardmediathek.de

Deutschland gehört einer Studie zufolge zu den nachhaltigsten Industriestaaten der Welt, hat aber noch erheblich Luft nach oben. In einer internationalen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung kam die Bundesrepublik auf Platz sechs von 34 OECD-Staaten. Während die Deutschen unter anderem mit sozialer und innerer Sicherheit punkten konnten, gab es an anderer Stelle Schwächen – etwa im Umweltschutz. Ganz vorn landete Schweden, ganz hinten Mexiko.

Ende des Monats sollen bei einem UN-Gipfel in New York die sogenannten Nachhaltigkeitsziele verabschiedet werden. Deshalb verglichen die Wissenschaftler für die Studie 34 Staaten anhand von 34 Kriterien miteinander. Dazu zählten Umweltschutz und Wachstumsaussichten, aber auch Kriminalität und Sozialsystem. Die fünf bestplatzierten Länder sind Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und die Schweiz, am schlechtesten schnitten Griechenland, Chile, Ungarn, die Türkei und Mexiko ab.

„Unsere Untersuchung ist der erste Stresstest für die Industriestaaten zu den neuen Zielvorgaben. Danach können wir uns als die reichen Länder mit unserer wachsenden sozialen Ungleichheit und Ressourcenverschwendung nicht mehr länger als die Lehrmeister der Welt darstellen“, sagte Stiftungschef Aart De Geus. „Wir können in der Analyse erkennen, wo auch wir unsere Hausaufgaben machen müssen. Und zudem zeigt sie uns, wo die Industriestaaten bereits jetzt Gefahr laufen, die neuen Nachhaltigkeitsziele zu verfehlen.“

Mängel im Umweltschutz
Deutschland ist bei vielen Punkten vorn mit dabei, gerade im Umweltbereich gibt es aber erhebliche Mängel. So verursacht jeder Deutsche der Studie zufolge 614 Kilogramm Müll pro Jahr – der Schnitt liegt bei gerade 483 Kilo, und ein modernes Industrieland wie Japan produziert nur etwas mehr als die Hälfte des Pro-Kopf-Abfalls der Deutschen. Ganz hinten sind die Schweiz und die USA, an letzter Stelle die Windradnation Dänemark mit 751 Kilogramm Müll.

Auch die deutsche Landwirtschaft ist nach Ansicht der Gutachter nicht besonders ökologisch. Pro Hektar würden 94 Kilogramm zu viel Nitrate und Phosphate auf die Äcker gebracht, das könne die Böden schwer schädigen. Auch die Luft ist längst nicht so sauber, wie sie sein sollte: Bei der Feinstaubbelastung liegt Deutschland auf Platz 27 von 34. Laut Studie beutet die Bundesrepublik auch ihr Grundwasser zu sehr aus und vernachlässigt den Schutz bedrohter Arten. Ein Kritikpunkt außerhalb des Umweltschutzes: Deutschland müsste mehr Geld für seine Infrastruktur ausgeben.

Dass Deutschland trotzdem auf den sechsten Platz kommt, liegt an Wirtschaft und Sozialem: So sei das Wachstum hoch und nachhaltig (Platz 6), die Arbeitslosenquote (6) ebenso gering wie die Armutsquote (4) und die soziale Absicherung vorbildlich. Die Gefahr, Opfer eines Tötungsdelikts zu werden, sei sehr gering (0,7 je 100.000 Einwohner, Platz 6). Auch die hohe Zahl an Naturschutzgebieten gereicht den Deutschen in der Untersuchung zum Vorteil. Besonders gut ist die Ingenieursnation auch bei Forschung und Entwicklung.

Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan mahnt im Vorwort des Gutachtens: „Diese Studie wird hoffentlich Reformdebatten über Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in vielen Industriestaaten entfachen. Wir schulden dies unserem Planeten und seinen Menschen.“
Sustainable Development
Nachhaltigkeit

Ignorieren Anleger das Zinsänderungsrisiko?

Vermögensverwaltungsgesellschaften setzen für die EZB einen Teil des Wertpapier-Kaufprogramms umStan Beckers ist als CEO nicht nur in Diensten von NN Investment Partners, sondern derzeit auch der EZB. NN setzt einen Teil des Wertpapier-Kaufprogramms um. Im Gespräch erläutert der Belgier u. a. die Arbeit für die Zentralbank.

In den USA rückt die erste Zinserhöhung seit 2006 immer näher, doch viele Kunden scheint das wenig zu kümmern. Diese Beobachtung macht jedenfalls Stanley Beckers, CEO des niederländischen Vermögensverwalters NN Investment Partners. Sein Unternehmen habe ein ganzes Spektrum von Anlagefonds im Portfolio, bei denen das Zinserhöhungsrisiko abgesichert sei, sagt der 63-Jährige im Gespräch. Doch bis jetzt gebe es wenig Nachfrage. Im Prinzip rase ein Zug mit hoher Geschwindigkeit auf Anleger zu, doch diese machten keine Anstalten, auszuweichen. Das hänge vielleicht damit zusammen, dass eine Zinserhöhung durch die Zentralbank primär in den USA das Thema der Stunde sei. In Europa scheine ein Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) noch entfernt, weswegen dies bei Kunden in Europa noch nicht im Denken verankert sei. Eine Zinsabsicherung von Produkten mit Futures oder Zinsswaps sei derzeit relativ günstig zu haben, für etwa 5 bis 10 Basispunkte.
Die Anleger ignorieren das Zinsaenderungsrisiko
Anleger ignorieren das Zinsaenderungsrisiko

Drohen Anlegern zehn dürre Jahre?

Im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft sind US-Aktien hoch bewertet. Nur vor der Dotcom-Blase waren sie noch teurer. Das senkt die Rendite-Aussichten für die kommenden Jahre.

Eugen Stamm berichtet: Die gegenwärtige Überbewertung der US-Aktienmärkte lässt sich durch die expansive Geldpolitik erklären. Das macht sie aber nicht weniger akut. Der US-Aktienmarkt ist klar überbewertet. Zu diesem und keinem anderen Schluss muss man kommen, wenn man den Indikator anschaut, der den Marktwert aller kotierten US-Aktien durch das US-Bruttoinlandprodukt teilt. Er hat Anfang Jahr den Wert 1,25 überschritten. Nach den Verlusten der vergangenen Tage wurde wieder ein vergleichbares Niveau erreicht.

Aktienmarkt mehr wert als BIP
Das heisst, dass in den Vereinigten Staaten der gesamte Aktienmarkt teurer ist als alle während eines Jahres produzierten Waren und Dienstleistungen. Nimmt man die Zahlen der vergangenen 65 Jahre, lässt sich ein Durchschnitt von 0,65 errechnen. Der gegenwärtige Wert ist der zweithöchste überhaupt, er wurde nur auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase übertroffen. Das Niveau vor dem Platzen der Immobilienblase hat er bereits wieder überschritten. Wenn etwas fast doppelt so teuer ist wie im Durchschnitt, dann fällt die Interpretation leicht. Aber ab welcher Zahl ist eine leichte bzw. eine schon starke Überbewertung erreicht? Diese Frage wird von Fachleuten kontrovers diskutiert. Für Joachim Klement, Chief Investment Officer von Wellershoff & Partners, ist jede Zahl über 1,05 ein Anzeichen für eine Blase. Dieser Wert entspricht einem Abstand von zwei Standardabweichungen gegenüber dem Durchschnitt. Das heisst, er wird nur selten erreicht. Rein statistisch gesehen sollte der Aktienmarkt nur in 2,4% der Zeit diesen Wert übertreffen.

Anlegern drohen zehn duerre Jahre
Aktienkurs

Kein geldpolitisches Doping

«It’s the Fed, stupid»!Boersenradar
Die Turbulenzen in China gelten bei vielen auch als die Ursache des Kurszerfalls in den USA. Manche erachten China aber nur als Auslöser und verweisen auf die US-Geldpolitik.

«The economy, stupid» (auch bekannt unter: «It’s the economy, stupid»), war 1992 ein eingängiger Wahlkampf-Slogan von Bill Clinton, mit dessen Hilfe er schliesslich Amtsinhaber George W. Bush Senior als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ablöste. Gemeint war mit dem Satz «Es ist die Wirtschaft, Dummkopf», dass die immer noch harzende Konjunktur das grösste Problem der USA ist, was wohl auch von vielen Bürgern so wahrgenommen wurde. Damals war das Umfeld in den USA von der Rezession 1990/91 sowie vom Einmarsch in den Irak mit Bodentruppen im Frühjahr 1991 geprägt. Derzeit entwickelt sich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten mittelmässig, eine baldige Rezession erwarten Marktbeobachter aber kaum. Die viel grössere Sorge ist gegenwärtig der Einbruch am Aktienmarkt. Im Hinblick auf diese Situation könnte man mit Blick auf Grafik 1 sagen: «It’s the Fed, stupid.»
Its the Fed, stupid
Stupid-Economy