Treten Großspekulanten auf die Bremse?

COT-Report: cot-daten
Der am Freitagabend veröffentlichte wöchentliche Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC  wies unter den spekulativen Marktakteuren keine signifikante Stimmungsveränderung aus.

Jörg Bernhard Berichtet: Mit der Anzahl offener Kontrakte – dem sogenannten Open Interest – ging es in der Woche zum 28. April von 397.379 auf 403.575 Futures (+1,6 Prozent) nach oben. Bei der kumulierten Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer und kleiner Spekulanten war ein leichtes Plus von 105.006 auf 106.881 Kontrakte (+1,8 Prozent) registriert worden, was vor allem den kleinen Spekulanten zu verdanken war. Deren Optimismus nahm aufgrund einer massiven Reduktion des Short-Exposure markant zu und führte zu einem Anstieg der Netto-Long-Position von 3.761 auf 5.624 Futures (+49,5 Prozent). Bei den Großspekulanten (Non-Commercials) war im Berichtszeitraum hingegen Stagnation angesagt. Ihre Netto-Long-Position zeigte sich mit 101.257 Kontrakten (Vorwoche: 101.245 Futures) praktisch unverändert.
Großspekulanten treten auf die Bremse

Dr. Jan Tomaschoff www.w-t-w.org/en/dr-jan-tomaschoff/

Dr. Jan Tomaschoff
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Wo ist die nächsten Systemkrise?

Liquidität an den Finanzmärkten: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise forsten Aufsichtsorgane den Finanzsektor nach möglichen Systemrisiken durch. Grosses Kopfzerbrechen bereitet eine geringere Liquidität.

Gerald Hosp berichtet:  Innert kurzer Zeit schwankten im letzten Oktober die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen um 37 Basispunkte – was zunächst nicht spektakulär klingt. Man muss sich aber vor Augen führen, dass die prozentualen Preisveränderungen nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 geringer ausgefallen waren. Im Nachgang dieses «flash crash» wurden viele Theorien herumgereicht, warum es zu den schroffen Marktbewegungen gekommen war, obwohl die Nachrichtenlage nicht als besonders schwerwiegend galt. Für viele Kommentatoren und Regulierungsbehörden sind die Vorgänge im Oktober ein Beleg schwindender Liquidität am Anleihemarkt. Vor kurzem reihte sich Jamie Dimon, der Chef der amerikanischen Grossbank JP Morgan, in den Reigen der Warner ein.

Weniger Marktmacher
Märkte sind liquide, wenn Investoren ohne grosse Verzögerungen, zu niedrigen Kosten und zu einem Preis nahe dem Marktwert Wertpapiere kaufen und verkaufen können. Trifft dies nicht zu, steckt Sand im Getriebe. Der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, hatte 2014 darauf hingewiesen, dass beim Obligationenhandel die Zeitdauer, um eine Handelsposition abzuwickeln, heute sieben Mal länger sei als 2008. Unter solchen Bedingungen stellt sich die Frage nach der Effizienz der Märkte.

Starke Preiskorrekturen sind in erster Linie Ausdruck eines normalen Marktverhaltens. So kann ein Risikoappetit, der sich verändert hat, im Marktzyklus zu einem Wandel im Anlageverhalten führen. Viele Aufsichtsbehörden und Beobachter fragen sich aber, ob regulatorische Eingriffe nicht eine strukturelle Änderung der Kapitalmärkte mit sich gebracht haben. Bisher stellten an vielen Märkten Marktmacher, meist Investmentbanken, Liquidität zur Verfügung, indem sie als Käufer und Verkäufer auftreten und ein Inventar an Wertpapieren halten. Für ihre Dienste und für das Übernehmen des Risikos werden sie entlohnt. Mit den neuen Eigenkapitalvorschriften für Finanzinstitute, die die Systemstabilität erhöhen sollen, sank aber die Bereitschaft traditioneller Market-Maker, das Risiko in ihre Bücher zu nehmen. Banken konzentrieren sich auf Aktivitäten, die einen geringeren Kapitalbedarf haben. Zudem verringerten die Institute auch den Eigenhandel.

Laut einer jüngst erschienenen Studie von Morgan Stanley und Oliver Wyman reduzierten Investmentbanken seit 2010 ihre risikogewichteten Aktiva um 40% und ihre Bilanzsumme um 20%. Zugleich wirkt aber auch die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken: Wegen der niedrigen Zinsen und des Hungers der Investoren nach Rendite nahmen die Emissionen von Anleihen zu – derzeit soll es um 2,4-mal mehr neue Bonds geben als 2005. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass manche Anleihen nur sehr wenig gehandelt werden. Die Liquidität am Sekundärmarkt, wo Obligationen ge- und verkauft werden können, dünnt sich aus.
Studie von Morgan Stanley und Oliver Wyman

www.claybennett.com

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Emerging Markets Klar doch

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Wir reden vom Potential und von den Risiken einer Investition in die Aktienmärkte der aufstreben Länder (Emerging Markets) und diskutieren anhand einer Periodentabelle die Performance der entsprechenden Märkte in den letzten Jahren.
Emerging Markets Klar doch

VW nominiert zwei neue Frauen für den Aufsichtsrat

Nachfolge des Ehepaars Piëch:

Julia Kuhn-Piëch und Louise Kiesling und  ziehen als neue Aufsichtsratsmitglieder in das Julia Kuhn-Piëch (34) und Louise Kiesling (57)Kontrollgremium bei Volkswagen ein. Sie rücken für das Ehepaar Piëch nach. Nach dem Rückzug von Firmenpatriarch Ferdinand Piëch und seiner Ehefrau sind zwei Nachfolgerinnen für den VW-Aufsichtsrat bestimmt worden. Das Amtsgericht Braunschweig habe auf Antrag des VW-Vorstands Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch mit sofortiger Wirkung zu Mitgliedern des Kontrollgremiums bestellt, teilte Volkswagen am Donnerstag mit.

Damit erfüllt die Seite der Kapitaleigner im VW-Aufsichtsrat die von 2016 an geltende Zielvorgabe von 30 Prozent Frauenanteil schon heute. Annika Falkengren ist die dritte Frau auf der insgesamt zehnköpfigen Kapitalseite. Auf Seiten der Arbeitnehmer sitzt bisher erst eine Frau: Babette Fröhlich von der IG Metall.

Louise Kiesling ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Kreisen der Salzburger PS-Dynastie eine Tochter von Louise Daxer-Piëch. Julia Kuhn-Piëch ist eine Tochter von Hans Michel Piëch, der bereits im Aufsichtsrat sitzt und Ferdinand Piëchs jüngerer Bruder ist.

Die 57-jährige Kiesling hat den Angaben zufolge nach Studienabschlüssen in Modedesign (Universität für Angewandte Kunst, Wien) und Automobildesign (Royal College of Art, London) als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien gearbeitet. Sie ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Unternehmen. Im vergangenen Jahr übernahm sie die insolvente Textilmanufaktur Backhausen.
Julia Kuhn-Piëch ist erst 34 Jahre alt, wohnt in Salzburg und ist Immobilienkauffrau. Sie übt bereits eine Aufsichtsratsfunktion bei der VW-Nutzfahrzeugtochter MAN aus. Sie studierte Jura und anschließend an der Technischen Universität Wien Immobilien- und Liegenschaftsmanagement.

Piëch war am vergangenen Wochenende im Machtkampf um die Führung bei VW von allen Ämtern in dem weltumspannenden Konzern zurückgetreten. Seine Frau Ursula hatte ihr Aufsichtsratsmandat ebenfalls niedergelegt. Eine Vorentscheidung für den Chefposten der Kontrolleure sind die beiden Personalien aber noch nicht. Er wird aktuell kommissarisch vom Vize-Aufsichtsratschef Berthold Huber geführt. Der ehemalige Chef der IG Metall wird auch die VW-Hauptversammlung nächsten Dienstag leiten.
VW nominiert zwei neue Mitglieder fuer den Aufsichtsrat
VW

Dax bricht ein

Dax bricht um 379 Punkte ein: An der Frankfurter Börse geht die Nervosität um: Kurz vor der Sitzung der US-Notenbank, erleidet der Dax den heftigsten Tagesverlust im laufenden Jahr. Am meisten verloren haben K+S, Merck, Infineon – und ein Autobauer.

Frankfurt Nach dem Kursrutsch vom Dienstag hat sich der Dax nicht erholt. Im Gegenteil, es wurde noch heftiger: Der deutsche Leitindex verlor am Mittwoch 3,2 Prozent auf 11.433 Punkte – das sind satte 379 Punkte und Tagesrekordverlust 2015. In der zweiten Reihe zeigte sich heute ein ähnliches Bild: Der MDax notierte am Ende mit einem Minus von 2,8 Prozent bei 20.342 Zählern, der TecDax mit einem Minus von 2,6 Prozent bei 1605 Stellen.
Am stärksten eingebüßt haben der Düngemittelhersteller K+S (minus 6,5 Prozent), der Pharmakonzern Merck (minus 5,4 Prozent), der Halbleiterhersteller Infineon (minus 4,8 Prozent) und der Autozulieferer Continental (minus 4,6 Prozent). Auch die Papiere von Volkswagen schlossen mit einem satten Minus von vier Prozent. Am Morgen hatte der Wolfsburger Autobauer nach guten Quartalszahlen noch um knapp zwei Prozent zugelegt.

Für Nervosität sorgte die Zinssitzung der US-Notenbank Fed, deren Ergebnis aber erst nach Handelsschluss am Abend veröffentlicht wird. Investoren hofften auf Hinweise zum Zeitpunkt der geplanten Zinserhöhung.
Dax bricht um 379 Punkte ein
Der Dax fällt

Will China per Masterplan die USA zu überholen?

In China bahnt sich offenbar eine Quantitative Lockerung im Stil der Fed und der EZB an. Die Zentralbank soll „unkonventionelle Schritte“ diskutieren, wie den Erwerb von Anleihen lokaler Provinzen. Die Vorzeichen in China sind ähnlich zu jenen der USA, bevor die Fed die Geldschwemme beschlossen hat.

Still und leise bereitet die Regierung in Peking den Aufstieg des Yuan zur Weltwährung vor. Doch die Schattenbanken bilden eine Gefahr.

Daniel Eckert, Holger Zschäpitz berichten: Peking versucht eine gefährliche Gratwanderung. Auf der einen Seite muss die chinesische Führung möglichst reibungslos etliche finanzielle Altlasten aus der Boomphase des frenetischen Wachstums entsorgen. Beobachter reden von einer gigantischen Schuldenblase, die nur zum Teil in den offiziellen Statistiken auftaucht. Auf der anderen Seite muss die Regierung von Xi Jinping höllisch aufpassen, dass das Wirtschaftswachstum nicht vollends kollabiert. Denn das würde das große strategische Ziel im Hintergrund in Gefahr bringen: Das Reich der Mitte soll die ökonomische Supermacht des 21. Jahrhunderts werden. Xi Jinping ist nicht nur Chef der Kommunistischen Partei, er kontrolliert auch die Armee und den Staatsapparat. Nun will er die Macht Chinas, der zweitgrößten Volkswirtschaft und der bevölkerungsreichsten Nation, auf die Sphäre der Finanzen ausweiten.

Voraussetzung dafür ist die Etablierung der Landeswährung Renminbi als Reservewährung. Schon diesen Sommer könnte die Volksrepublik einen wichtigen Schritt in diese Richtung machen: Im Mai findet ein informelles Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) statt, bei dem eine Vorentscheidung getroffen werden könnte. Läuft es gut für die Chinesen, hat der Yuan (wie der Renminbi auch genannt wird) gute Chancen, schon 2016 in den Währungskorb des IWF aufgenommen zu werden. Der Währungskorb des IWF ist eine Art globale Kunstwährung, in der der Währungsfonds rechnet und verbucht. Das Geld zum Beispiel, das Griechenland dem IWF schuldet, wird in aus dem Währungskorb abgeleiteten Sonderziehungsrechten bilanziert.
Chinas Masterplan, um die USA zu überholen
China Dragon

Rating-Agentur: Japans Staatsverschuldung zu hoch

Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Japans um eine Stufe auf die Note «A» mit stabilem Ausblick herabgesetzt. Japan liegt damit fünf Ränge unter der Bestnote. Grund der Herabstufung ist die hohe Schuldenlast und die Unsicherheit, ob die Regierung wirklich die Neuverschuldung senken will. Die Rating-Agentur betonte, dass die Regierung im jüngsten Budget nicht genügend Vorsorge getroffen habe, um die Einnahmeausfälle aus einer verschobenen Erhöhung der Mehrwertsteuer auszugleichen.

Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte im vergangenen Jahr eine für Oktober 2015 angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8% auf 10% auf Frühjahr 2017 verschoben, nachdem eine erste Mehrwertsteuererhöhung im Frühjahr die Wirtschaft in die Rezession gestürzt hatte.

Der Yen hat als Reaktion auf die Herabstufung zeitweise nachgegeben. Fitch bezweifelt, dass es die Regierung mit der angekündigten Haushaltsanierung ernst genug ist. Die Agentur verweist darauf, dass die Regierung für 2016 eine weitere Senkung der Unternehmenssteuer angekündigt habe. Und erst im Januar habe sie unerwartete Mehreinnahmen in einem Nachtragshaushalt für Mehrausgaben genutzt. Fitch warnt auch, dass die derzeit steigenden Unternehmenssteuereinnahmen indirekt das Ergebnis des im vergangenen Jahr schwächer gewordenen Yen seien. Das werde sich nicht so fortsetzen, heisst es….

Das grösste Risiko für Japans Wirtschaft sei ein möglicher Vertrauensverlust und rapide steigenden Zinsen. Diesem Risiko steht entgegen, dass der Löwenanteil der japanischen Staatsschuld im Inland finanziert ist, durch die Spargroschen privater Haushalte und zunehmend durch die Anleihekäufe der Bank von Japan.
Fitch stuft Japan herab
Someday All This Will Be Yours

Kirgistans Zwangsehe oder Liebesheirat?

Kirgistans Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion: Moskau bittet zur Zwangsehe

Benjamin Triebe berichtet: Der Weiterverkauf chinesischer Produkte ist ein wesentliches Standbein der kirgisischen Wirtschaft. Das von Armut geprägte Kirgistan soll den Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion vollziehen. Viele Sorgen prägen den Ausblick – und etwas Hoffnung.

In einem hässlichen Sowjetbau in Kirgistans Hauptstadt Bischkek, in einem Durchgangszimmer zwischen Verkaufsraum, Atelier und Schneiderei, beugt sich Michail Ribalkin in einem durchgesessenen braunen Sofa vor, offeriert Tee und kann es kaum erwarten. «Im Moment haben wir etwa tausend Aufträge pro Woche. Das kann sich verdoppeln!», sagt er. Wir, das sind Michail und seine Frau Olga. Sie ist Namensgeberin für «Olga Classic», eine Textilmanufaktur für Damenbekleidung. Seit neun Jahren produzieren und verkaufen die Ribalkins unter dieser Marke Jacken und Mäntel, inzwischen mit über hundert Angestellten. Es sind hübsche Stücke, nichts Abgehobenes, geschnitten für eher stämmige Kundinnen. 70% der Ware wird nach Russland exportiert. Deshalb setzt Ribalkin solche Erwartungen in den Beitritt Kirgistans zur Eurasischen Wirtschaftsunion. «Sie eröffnet uns grosse Möglichkeiten, die Grenzen werden fallen», sagt er.
Im Zeichen des Sowjet-Sieges

Damit meint Ribalkin die direkte Grenze zu Kasachstan und die Hürden im Weitertransport nach Russland. Beide Länder bilden zusammen mit Weissrussland und Armenien die Eurasische Wirtschaftsunion, die bis heute primär aus einer Zollunion besteht – und von der Kirgistan der fünfte Teil wird, falls das kleine zentralasiatische Land wie geplant am 9. Mai den Beitritt vollzieht. Nach einigen Verzögerungen unterzeichnete Präsident Almasbek Atambajew vergangenen Dezember die Mitgliedschaft, den tatsächlichen Beitritt aber schob er nochmals auf. Der soll jetzt an jenem symbolträchtigen Tag stattfinden, an dem in Moskau auf dem Roten Platz der Kremlchef Wladimir Putin die Parade zum Sieg der Sowjetunion über Hitlerdeutschland abnimmt…..
Moskau bittet zur Zwangsehe

UNICEF gives Kyrgyzstan its first cartoon in 20 years.

Verrückte Börsenwelt

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Allenthalben wird uns das Gefühl vermittelt, die Börsen würden sich seit ein paar Jahren auf einer noch nie gesehenen Achterbahn bewegen. Das heutige Video relativiert diesen Eindruck. Was wir in den letzten Jahren gesehen haben unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, was die Aktienbörsen auch schon in den letzten annähernd hundert Jahren gezeigt haben.
Verrückte Börse

Avancen des Rubels

Devisenmarkt-Spekulationen: Unheimliche Avancen des Rubels

Allmählich wird auch dem Regierungschef mulmig. Dmitri Medwedew sagte diese Woche in der Staatsduma, Russland brauche einen vorhersagbaren, verlässlichen Rubel-Wechselkurs, keine «exzessive Stärke». Wer hätte gedacht, dass solch eine Mahnung nötig ist, nachdem die russische Währung im vergangenen Jahr 46% zum Dollar und 40% zum Euro an Wert verloren hat. Und eigentlich ist sie auch nicht stark, denn noch heute ist der Rubel zum «Greenback» rund einen Drittel schwächer als Anfang 2014.
Seit Februar hat sich der Rubel allerdings deutlich erholt. Der Regierung ist das unangenehm. Zum einen schmälert ein stärkerer Rubel grundsätzlich die Ertragskraft russischer Exporteure, zum anderen die Staatseinnahmen. Die stützen sich zu einem grossen Teil auf Steuern aus dem Verkauf von Erdöl. Dessen Dollarpreis ist seit Mitte 2014 zwar stark gefallen, aber wegen des maladen Rubels war ein Fass der Nordseesorte Brent im Februar 2015 zeitweise mehr wert als im April 2014. Inzwischen liegt der Rubelpreis pro Fass jedoch um rund 14% tiefer als im Frühjahr 2014. Das russische Produktionsniveau ist derweil stabil bei 10,7 Mio. Fass pro Tag und damit auf dem höchsten Stand seit Ende der Sowjetunion. Die Kapazitätsgrenze ist erreicht, durch erhöhte Förderung lässt sich das Loch im Staatsbudget, das dieses Jahr geschätzt 3,7% des Bruttoinlandprodukts (BIP) erreichen wird, nicht stopfen…

Selten waren sich Analytiker so einig, dass der Rubel überbewertet ist – immerhin steuert Russland in eine Rezession, im ersten Quartal ist das BIP laut Medwedew um rund 2% zum Vorjahreszeitraum gefallen. Die Zentralbank hat diese Woche zum dritten Mal seit Ende März die Zinsen für die Devisen-Repos angehoben, um den Gewinn aus den Carry-Trades zu schmälern. Der Rubelkurs reagierte jeweils mit Tagesrückgängen von bis zu 4%, aber eine substanzielle Korrektur blieb aus. Die Blicke richten sich nun auf die Sitzung der Zentralbank Ende kommender Woche, bei der sie den in einer Notaktion im Dezember dramatisch angehobenen Leitzins weiter senken könnte.
Unheimliche Avancen des Rubels

www.davegranlund.com/cartoons/

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