Entmachtet das Finanzkapital die Demokratie?

Die schleichende Schwächung rechtsstaatlich legitimierter Justizsysteme engt ihre Räume ein.
Gerfried Sperl berichtet: Der Entschluss der EU-Kommission, die Installierung internationaler, von EU und Mitgliedsstaaten unabhängiger Schiedsgerichte zunächst einmal aus dem Handelsvertrag zwischen EU und USA (TTIP) herauszunehmen, ist ein Etappensieg der europäischen Basisdemokratie gegenüber dem transnationalen Finanzkapital. 1,8 Millionen haben eine Petition unterschrieben.

Österreich gehört zu den stärksten Widerstandsnestern. In einem erstaunlich klaren Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat auch Bundeskanzler Werner Faymann von der Gefahr einer „Aushebelung“ des Rechtsstaats durch „Sondergerichte“ gesprochen, und wenige Tage danach wurde der Vorschlag des deutschen SPD-Chefs Sigmar Gabriel publiziert, für Streitigkeiten einen demokratisch legitimierten „Handelsgerichtshof“ zu errichten.
Das heißt: Selbst in der großen Politik kriegt man langsam kalte Füße.
An den Universitäten wird seit mehreren Jahren von einer „Selbstentmachtung“ der Nationalstaaten gesprochen, weil sie nicht nur – vereinbart – Kompetenzen an Brüssel abtreten, sondern schleichend auch an transnationale Konzerne, die sich private Gerichte und dazu gleich auch Hundertschaften von Anwälten in den Metropolen halten. Der Berliner Wirtschaftshistoriker Jürgen Kucka fasst das so zusammen: „Der demokratische Staat wird vom Finanzkapital in Geiselhaft genommen.“ Für Lösegelder und Rechtskosten kämen dann die Steuerzahler auf.
Wenn das Finanzkapital die Demokratie entmachtet

http://www.f-woessner.de

http://www.f-woessner.de

Warum geben wir unsere Daten preis?

Zygmunt Bauman auf der Republica  «Wir fliehen vor der Angst, allein zu sein»

«Ausgeschlossen zu werden, ist die vorherrschende Angst unserer Zeit»: Zygmunt Bauman, emeritierter Professor für Soziologie. Trotz den Enthüllungen über das Ausmass der Überwachung durch Geheimdienste geben wir in sozialen Netzwerken weiterhin unsere Daten preis. Der Soziologe Zygmunt Bauman hat in Berlin versucht, das zu erklären.

Die Enthüllungen des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden im Sommer 2013 lösten ein digitales und politisches Erdbeben aus. Snowden, ein ehemaliger Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes, hatte damals öffentlich gemacht, in welchem Ausmass die Geheimdienste der USA und Grossbritanniens das Internet überwachen.
Wir fliehen vor der Angst, allein zu sein

Datenklau

Der DAX muss korrigieren!

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Der absolute Wert eines Aktienkurses oder –indexes ist nicht wirklich relevant. Was relevant ist, ist die Entwicklung relativ zu fundamentalen Kenngrössen – zum intrinsischen Wert. Heute schauen wir uns eine diesbezügliche Schätzung für den Deutschen Aktienmarkt an.

Dr. Jan Tomaschoff www.w-t-w.org/en/dr-jan-tomaschoff/

Dr. Jan Tomaschoff
www.w-t-w.org/en/dr-jan-tomaschoff/

Ideale Bedingungen für zukünftiges Wachstum zu schaffen?

Was Kultur in der Vermögensverwaltung bedeutet

Vor der Krise Qualität oft mangelhaft
Claudia Gabriel berichtet: Kultur in der institutionellen Vermögensverwaltung (Mandate für Grosskunden oder Fonds) ist ein wesentliches Thema, besonders für den Schweizer Finanzplatz. Bekanntlich möchte er sich international als Asset-Management-Standort profilieren Er kommt mit diesen Ideen aber nur langsam vom Fleck, weil er von einer Ausrichtung auf eine gewisse Art von Privatkundengeschäft her kommt. Zentral ist in der institutionellen Vermögensverwaltung die Fähigkeit, beim Investieren längerfristig solide Renditen zu erwirtschaften. Doch dies ist schwieriger geworden als in den vergangenen Jahrzehnten. Zentralbanken und die Politik dominieren bekanntlich die internationalisierten Märkte als unberechenbare Faktoren.
Was Kultur in der Vermoegensverwaltung bedeutet
Vermögensverwalter

Wetterfrosch und Börsen-Guru

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Haben sie nicht auch das Gefühl, Wetterprognosen würden immer besser, aber Börsenprognosen würden immer gleich schlecht bleiben? Wir gehen diesem Phänomen analytisch auf den Grund und zeigen woher es kommt, und dass es so bleiben wird.

www.stuttmann-karikaturen.de/

www.stuttmann-karikaturen.de/

Sollten Frauen öfter über Geld reden?

Niemand spricht gerne über Geld – und junge Frauen oft schon gar nicht. Den Vorgesetzten nach mehr Gehalt zu fragen – dazu fehlt mancher schlicht der Mut.

NWZ berichtet: Wie soll ich das angehen? Ist das unverschämt? Und bin ich das wert? Das sind so die typischen Fragen.“, sagt Barbara Lampl. Sie organisiert den „Lean-In-Circle“ in Köln. Einmal im Monat treffen sich dort berufstätige Frauen und diskutieren Probleme im Job.

Die Treffen gibt es auch schon in anderen Städten wie Berlin und München, Stuttgart oder Saarbrücken. Sie sind eine Reaktion auf das Buch der Facebook-Chefin Sheryl Sandberg „Lean In – Frauen und der Wille zum Erfolg“. Darin ermutigt sie Frauen, ihre Karriere mit mehr Nachdruck zu verfolgen.

Geld ist bei den Treffen immer wieder ein Thema. „Es ist doch so mit den Gehaltsverhandlungen: Weniger wird’s nicht“, erklärt Lampl. Im schlimmsten Fall schicke einen der Chef mit einem Haufen Lob und einem feuchten Händedruck wieder hinaus.

Der erste Schritt sei aber, über den eigenen Schatten zu springen und es zu versuchen.

Und wie geht man so ein Thema dann an? Lampl rät zum Blick in die Stellenanzeige, auf die man sich beworben hat. Was für Aufgaben wurden von Bewerbern verlangt, und was machen Mitarbeiter inzwischen darüber hinaus? „Ergibt sich da eine Diskrepanz, ist es Zeit für mehr Gehalt.“ Mit diesem Plus an erbrachten Leistungen sollten Frauen dann gegenüber dem Chef argumentieren.

In der Verhandlung gilt es, standhaft zu bleiben. Manche Frau hat das Problem, dass sie beim ersten Gegenwind geneigt ist, der guten Stimmung wegen zurückzurudern. Oder sie versteht die Situation des Chefs nur allzu gut. Hier müsse man sich zwingen, standhaft bei der eigenen Forderung zu bleiben und es dem Arbeitgeber zu überlassen, sie abzulehnen.

Konkret bedeutet das: Charmant noch mal alle Leistungen aufzählen und sie damit transparent machen. Gibt der Chef nun kritisches Feedback – nicht persönlich nehmen!

Doch bis zur Gehaltsverhandlung kommen viele erst gar nicht. Statt zu pokern, fragen Frauen sich insgeheim, ob sie denn mehr Geld wert sind. Diese Frage findet Lampl „gruselig“ – sie tauche aber immer wieder bei den Besprechungen auf. Gruselig sei sie deshalb, weil das Plus beim Gehalt dann nicht mehr an die Leistung, sondern an den eigenen Selbstwert geknüpft wird. Den bestimme aber weder das Gehalt noch der Chef oder der Partner – sondern nur die Frau selbst.

Wer von solchen Zweifeln geplagt wird, dem rät sie zum Selbst- und Fremdbildabgleich. Lampl empfiehlt, gute Freunde zu fragen, was sie über einen denken und was sie an einem schätzen. Wer Kollegen hat, denen er vertraut, kann sich auch bei ihnen erkundigen.

In den meisten Fällen sind die Antworten sehr positiv. Auch jene Frauen, die gerne an sich selbst herummäkeln, finden dann eventuell den Mut, mehr für sich einzufordern.
Frauen

Kunst und Geldwäsche

Wegen der verstärkten Überwachung des Finanzbereichs hat der Kunsthandel, der weitestgehend unreguliert ist, für Geldwäscher an Bedeutung gewonnen, nicht nur für Drogenhändler. Das ist eine Bestätigung der These, wonach immer dann, wenn den Geldwäschern ein Betätigungsfeld entzogen wird, diese sich umgehend neue Bereiche erschliessen. Zu nennen ist etwa das Fussballbusiness.

Monika Roth berichtet:  Was Fussball und Kunsthandel gemeinsam haben, sind Intransparenz und nicht nachvollziehbare Preise sowie die Tatsache, dass schier unglaubliche Summen nach wie vor cash bezahlt werden. Informationsasymmetrien, Manipulationen und Absprachen sind die Mittel, mit welchen die “Herrscher” der Arena arbeiten – hier wie dort.

Und dies ist der Geldwäscherei vor allem dann förderlich, wenn Diskretion das oberste Gebot ist: Wer Käufer und wer Verkäufer ist – im Kunsthandel weiss man es oft nicht. Nicht alles, was angeblich aus “The collection of a Gentlemen” stammt, wird diesem rhetorischen Anspruch gerecht.
Dazu kommt, dass Kunst ein Investment ist, eine anerkannte Wertanlage, die sich leicht transportieren oder unbehelligt von Behörden lagern lässt (etwa im Zollfreilager Genf).
Wie wird das gemacht?

Die Financial Action Task Force (FATF) hat im Jahre 2006 einen Bericht darüber verfasst, wie im Handel generell Geldwäscherei betrieben wird. Betrachtet man nun die Fälle, die in der Literatur, in Gerichtsentscheidungen und in Berichten von Meldestellen für Geldwäscherei aufgelistet sind, so wird offenbar, dass die Art des Vorgehens, welche im “gewöhnlichen” Handelsgeschäft abgewendet wird, oft auch im Kunsthandel zum Zuge kommt; es handelt sich unter anderem um Unter- oder Überfakturierung; Mehrfachfakturierung; Falschbeschreibung der Ware.

Der Täterkreis erstreckt sich von Drogenhändlern über Betrüger und andere Vermögensdelinquenten zu Kulturgüterdieben, Händlern mit gestohlenen Kunstwerken oder Kulturgütern sowie illegalen Glücksspielbetreibern bis zu Politikern.
Von Kunst und Geldwaescherei

www.thomasplassmann.de

www.thomasplassmann.de

Mehr zum Thema Geldwäsche: Frauen und Kinder leiden überproportional unter Korruption und Geldwäsche

Bankenskandal erschüttert die Moldau

Massenproteste gegen die Regierung: Eine Bürgerinitiative mobilisiert in der Republik Moldau immer stärker gegen die weitverbreitete Korruption. Im Zuge eines Bankenskandals gingen nun Zehntausende auf die Strasse.

Paul Flückiger berichtet: Ein Bankenskandal sorgt in der Moldau für die grössten Bürgerproteste seit der «Twitter-Revolution» von 2009 gegen die Kommunistische Partei (KP). Bis zu 50 000 Personen marschierten alleine am Sonntag in der Hauptstadt Chisinau auf der zentralen Einkaufsmeile Stefan-Cel-Mare und forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung. «Weg mit der Mafia» und «Nieder mit der Korruption», hiess es auf Transparenten. Die Forderungen richten sich in erster Linie gegen das seit 2009 regierende proeuropäische Parteienbündnis.

Verschwundene Milliarde
Zur Demonstration hatte die junge Bürgerinitiative «Würde und Wahrheit» aufgerufen, die seit April mit Protesten gegen die grassierende Korruption auf sich aufmerksam macht. Auftrieb hat ihr der bisher grösste Bankenskandal des verarmten Landes zwischen Rumänien und der Ukraine gebracht. So ist ans Licht gekommen, dass wenige Tage vor den Parlamentswahlen 2014 aus drei grossen Geschäftsbanken umgerechnet fast eine Milliarde Franken abgezweigt worden waren. Um einen Zusammenbruch des Bankensektors zu verhindern, pumpte die Nationalbank rund 850 Millionen Franken in die drei Geldinstitute. Dennoch verloren viele Kleinsparer den Zugang zu ihren Ersparnissen. Der Bericht einer parlamentarischen Untersuchungskommission wurde von der Regierung bisher ebenso geheim gehalten wie derjenige einer amerikanischen Wirtschaftsprüfungsfirma.

Drohung mit neuen Protesten
Die Berichte würden veröffentlicht, wenn die Zeit dafür reif sei, wiederholt Ministerpräsident Chiril Gaburici seit Wochen. Der junge Geschäftsmann steht seit Februar einer Minderheitsregierung vor, die auf die Unterstützung der KP angewiesen ist. Nach über zehnwöchigen Verhandlungen war damals die Koalition der prowestlichen Wahlsieger – der Allianz für Europäische Integration (AEI) – auseinandergebrochen. Die bis dahin an der Regierung beteiligte Liberale Partei verliess das Bündnis. Die Protestwelle ist die erste grosse Bewährungsprobe für den politisch unerfahrenen Gaburici.

Der Bankenskandal sei nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, erklärte der Mitbegründer von Würde und Wahrheit, der Politologe Igor Botan in einem Interview. Viele Moldauer hätten begriffen, dass sich hinter der AEI Politiker versteckten, die das Land genauso ausraubten wie zuvor die Kommunisten. Laut Botan will Würde und Wahrheit sich nun zuerst als politisch unabhängige NGO registrieren lassen und erst dann wieder auf die Strasse gehen. Damit soll verhindert werden, dass sich die prorussische Opposition die Proteste zu eigen macht. Angeheizt vom bekannten Journalisten Vasile Nastase forderten die Demonstranten am Sonntag jedoch einen sofortigen Rücktritt von Regierung und Parlament und drohten mit radikalen Protestaktionen, Steuerstreiks und Arbeitsniederlegungen.
Moldau

Führt Bafin jetzt „brutalst mögliche Aufsicht“?

Wie schon seine Vorgängerin Elke König, die nun die europäische Abwicklungsbehörde (The Single Resolution Board SRB) leitet, erweckt Hufeld den Eindruck, als Externer Hufeldfrischen Wind in die Behörde BaFin in Bonn zu bringen.

Die Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) soll seine letzte berufliche Station sein. «Hier bringt mich keiner so schnell weg», sagt er lachend.

Dieser Mann will die dunklen Flure der BaFin beleben. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin droht zur Marionette der EZB zu werden. Ihr neuer Chef Felix Hufeld soll sie vor der Bedeutungslosigkeit retten.
Aufseher statt Cellist
Die BaFin gilt als behäbig und verstaubt
Dieser Mann will die dunklen Flure der BaFin beleben

Felix Hufeld (52) ist seit Januar 2013 als Exekutivdirektor bei der BaFin für die Versicherungsaufsicht zuständig. Berufliche Stationen des studierten Juristen waren die Boston Consulting Group, die Dresdner Bank, der Versicherungsmakler Marsh und das Private-Equity-Unternehmen Westlake Partners.

Wie beschäftigen sich eigentlich angeklagte „Ackermänner“ Banker?

Beispiel Josef Ackermann: Schweizer Ex Chef der Deutschen Bank und Kanzlerin Merkel Josef AckermannBerater.: „einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt“ (ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson)

In München stehen derzeit Co-Chef Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch vor Gericht. Prominenter geht’s nicht. Die meist ehemaligen Bank-Manager, die in Frankfurt auf die Anklagebank kommen sollen, sind dagegen keine bekannten Figuren, sondern Leute aus dem Mittelbau, trotz ihrer wohlklingenden Titel. Gefährlich werden für die Konzernspitze könnte der absehbare Prozess trotzdem. Das Landgericht Frankfurt wird bestimmt wissen wollen, wie es dazu kam, dass die Deutsche Bank sich auf dubiose Geschäfte mit dubiosen Firmen einließ, bei denen der Fiskus 2009 und 2010 durch sogenannte Umsatzsteuerkarusselle um Hunderte Millionen Euro betrogen worden war.

Auch die  jüngste Milliardenstrafe wegen Zinsmanipulationen zeigt doch deutlich, dass aus der Deutschen Bank unter der Führung der ehrenwehrten Banker ein unseriöses Finanzunternehmen geworden ist.

Ackermann ist längst in die Finanzwirtschaft zurückkehrt. Im Jahre 2012 hatte er die Deutsche Bank verlassen. Später wurde er Verwaltungsratspräsident des Versicherers Zurich. Nach dem Selbstmord des Finanzchefs trat er zurück. In einem Abschiedsbrief hatte dieser Ackermann vorgeworfen, er habe „ungebührlichen Druck“ ausgeübt. Wie immer hat selbstverständlich eine von der Schweizer Finanzmarktaufsicht veranlasste Untersuchung bei Ackermann keinerlei Verfehlungen feststellen können.

Heute ist der ehemalige Chef der Deutschen Bank Chef-Kontrolleur der Bank of Cyprus. Das Institut stand im Zuge der Zypern-Krise vor dem Kollaps und wurde wie der gesamte aufgeblähte Finanzsektor des Euro-Landes nur durch das internationale Hilfspaket von zehn Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt.

Ackermanns Öffentlichkeitsbild als Manager ist wechselhaft. Weitläufig negative Reaktionen, bis hin zum Bundeskanzler Gerhard Schröder, verursachte Ackermann im Frühjahr 2005, als er ein neues Rekordergebnis der Deutschen Bank und gleichzeitig den Abbau von über 6.000 Arbeitsplätzen ankündigte.

Nachdem die Finanzmärkte im Frühjahr 2008 aufgrund von Liquiditätsproblemen bei Bear Stearns abermals abgerutscht waren, forderte er „eine konzertierte Aktion von Regierungen, Notenbanken und Marktteilnehmern“, um ein Übergreifen der Finanzkrise auf die reale Wirtschaft zu verhindern. Für seinen Ruf nach Interventionen des Staates wurde Ackermann kritisiert. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sagte, aus den gleichen Etagen, aus denen sonst weniger Staat gefordert werde, klinge jetzt der Ruf nach Hilfe vom Staat.

Ackermann begann nun, an seinem Öffentlichkeitsbild zu arbeiten. Dazu trat er in Talkshows auf und gab Interviews, in denen er auch über sein Privatleben sprach. In der Folgezeit gab es zahlreiche lobende Artikel in den Medien über ihn und Der Tagesspiegel schrieb beispielsweise im Februar 2008, Ackermann habe sich seit 2006 „vom meistgehassten Manager Deutschlands zum Vordenker und Hoffnungsträger entwickelt“. Für sein Ansehen war es auch förderlich, dass er sich im September 2007 als erster Manager einer deutschen Bank zur „Subprime-Krise“ äußerte und dabei auch Fehler der Deutschen Bank eingestand.

Für die internationalen Finanzmärkte forderte Ackermann als Reaktion auf die Subprime-Krise einen globalen Sachverständigenrat, „eine Gruppe weiser Männer und Frauen, die etwa im Rahmen des Internationalen Währungsfonds die Entwicklung an den Finanzmärkten beobachten und bei Gefahr im Verzug Alarm schlagen“.

Als die weltweite Finanzkrise unübersehbar auf Deutschland übergegriffen hatte, geriet auch Ackermanns Rolle an der Spitze der Deutschen Bank wiederum verstärkt in den Mittelpunkt öffentlicher Kritik. Im Oktober 2008 kündigte Ackermann der Bildzeitung an, auf die gewinnabhängigen Bonuszahlungen zu verzichten und bezeichnete dies unter anderem als „persönliches Zeichen der Solidarität“. Daraufhin wurde Ackermann erneut unter anderem von der Bild und dem Spiegel vielfach gelobt. Kritiker aus Politik und Medien machten hingegen darauf aufmerksam, dass die Deutsche Bank voraussichtlich gar keinen Gewinn im Jahr 2008 mache und kritisierten, dass Ackermann mit öffentlicher Zurschaustellung auf Bonuszahlungen verzichtet habe, die er so oder so nicht bekommen hätte.

Robert von Heusinger kritisierte Ackermanns erklärtes Renditeziel von 25 Prozent. Dieses sei auf Dauer, außer in Monopolen, ohne deutliche Nebenschäden nicht erreichbar. Die Diskussion über die Höhe von Renditezielen dauert bis heute an.Ackermanns Zweifel an der Rückzahlungsfähigkeit Griechenlands sowie die von der Deutschen Bank angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent wurde von Mitgliedern der deutschen Regierung öffentlich verurteilt.

Als Ableitung aus Ackermanns Namen wird die Formulierung „Ackermänner“ von einigen Personen (so etwa von der Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) im Jahr 2007, vom DGB-Vorsitzenden Michael Sommer 2008 und vom SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering 2009) als negative Bezeichnung (Metonymie) für Manager benutzt, die sich ihrer Meinung nach durch besonders verantwortungsloses Handeln auszeichnen.

Die Auszeichnung als „European Banker of the Year“ 2009 durch die Finanzpresse nahm Attac zum Anlass, Ackermann einen Negativpreis zu verleihen.

Im August 2010 positionierte sich Ackermann als Unterzeichner des Energiepolitischen Appells, einer Lobbyinitiative der vier großen Stromkonzerne, um die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke voranzubringen.

Der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson, bezeichnete Ackermann in einem Interview mit der Berliner Tageszeitung als „einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt“. Die von Ackermann angepeilte Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent sei nur möglich, „weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht“. Die Deutsche Bank komme derzeit nur auf eine Eigenkapitalquote von 4 Prozent. Wenn das Finanzsystem sicher sein solle, müsste diese jedoch bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen.

Am 7. Dezember 2011 entging Ackermann einem Briefbomben-Anschlag, zu dem sich die italienische Anarchisten-Gruppe Federazione Anarchica Informale bekannte.
Ackermann-Angie