Wird China ein Mega-Crash abwenden?

Yuan PuzzleDie Welt schaut gebannt auf Peking
In China läuft ein dramatisches Experiment ab. Die Führung in Peking versucht, mit einer völlig neuartigen Strategie, den Crash zu verhindern. Der IWF unterstützt die Chinesen, denn die ganze Welt hängt mittlerweile an China. Daher könnten ironischerweise ausgerechnet die USA gezwungen werden, die Chinesen zu retten.

Michael Bernegger berichtet: Der Vorgang ist in der Geschichte der Weltwirtschaft ohne Vorbild. Daher herrschte bis vor Kurzem Ruhe und Zuversicht nicht nur bei Anlegern, sondern auch bei Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds.Der IWF versucht mit dieser Feststellung offenkundig, eine sich an den Finanzmärkten abzeichnende Panik zu verhindern.Schon länger aber gibt es in China selber und in Westen eine hoch interessante Diskussion über eine Krise des Wachstumsmodells.

Das Exportwachstum verlangsamte sich seit der weltweiten Krise von 2009 drastisch. Um dem externen Schock der Finanzkrise entgegenzuwirken, entschied sich die Parteiführung 2009, ein groß angelegtes Investitionsprogramm aufzulegen. Das Wachstumsmodell Chinas ist nicht völlig singulär. Es schließt an ähnliche Erfahrungen in Asien an. Was China auszeichnet, ist die rigorose Steuerung dieses Modells durch die Wirtschaftspolitik. Die Banken steuern über ihre Kreditvergabe auch die sektorale und regionale Allokation der Ressourcen. In China gibt es kein kollektives System der Altersvorsorge.

In der Verarbeitenden Industrie dominiert hingegen der private Sektor. Dieses exportorientierte Wachstumsmodell hat sehr hohe Wachstumsraten über lange Zeiträume hinweg generiert, praktisch ohne größere Einbrüche. Es ist aber durch den spekulativen, durch eine exzessive Kreditvergabe getriebenen Immobilienboom inhärent instabil geworden. Das Land hat keine hohe Auslandverschuldung, sondern sehr hohe Devisenreserven von rund 3.500 Milliarden US-Dollar. Entscheidend in solcher Situation ist, ob eine zentralistische Führung koordiniert und zielbewusst agieren kann. Für Außenstehende ist dies sehr schwierig, zu beurteilen und vorauszusagen.

Der Glencore-Chef Iwan Glasenberg teilte diese Woche seinen Aktionären mit, dass China wirtschaftlich viel schwächer als wahrgenommen laufe. Der Kampf gegen die Korruption behindere die Aktivität. Was sich gar nicht gut anlässt, ist die Explosion ausgerechnet im strategisch wichtigen Hafen von Tianjin. Dies vermittelt den Eindruck einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Wachstumsökonomie. Die Aufgabe ist sehr schwierig, eine Blasenökonomie ohne Absturz zu stabilisieren. In einem hoch zentralistischen System spielt die Fähigkeit der Führung, koordiniert zu handeln, eine ausschlaggebende Rolle. Die Welt ist nicht vorbereitet auf einen Konjunktureinbruch Chinas. Kurzfristig die einzige Maßnahme ist das Verschieben der ersten Zinsschritte in den USA und im Vereinigten Königreich. Mehr wird zunächst nicht möglich sein.Im Westen hat die praktisch makellose Erfolgsbilanz Chinas der letzten 30 Jahre eine verblendete Wahrnehmung ausgelöst.
Kann China den Mega-Crash abwenden
China Crash

Braucht Wirtschaft Alphatiere?

Chefs müssen ihre Dominanz zeigen.  Allerdings sollten sie mit Statusgesten sparsam umgehen.  Interview: Sabine Hockling: Führungskräfte sollten mit Macht- und Unterwerfungsgesten gegenüber ihren Mitarbeitern vorsichtig sein.

ZEIT ONLINE: Frau Frieß, was ist ein Alphatier?

Marina Frieß: Laut Wikipedia ist ein Alphatier der Erste eines Rudels. Oftmals wird allerdings dieser Begriff negativ assoziiert, da einige sogenannte Alphatiere eher egozentrisch und laut sind. Das liegt daran, dass sie sehr zielstrebig sind und vor allem diese Ziele schnell erreichen wollen. Allerdings verändert sich dieses Bild der klassischen Führungskraft gerade. Denn solche Führungskräfte sind gar nicht mehr gefragt. Vielmehr wünschen sich Mitarbeiter Vorgesetzte, die sie und ihre Bedürfnisse im Blick haben. Sie wollen Chefs, die Rücksicht nehmen und ihr Team wertschätzend behandeln. Aber auch wenn menschenorientierte Führung gefragt ist, so braucht es doch Alphatiere, um ein Unternehmen voranzubringen. Nur dass die Entscheider von heute dies nicht mehr ganz allein, sondern gemeinsam mit ihrem Umfeld tun.

Chefsache: Wie geht gute Führung?

Wie gelingt gute Personalführung, was zeichnet einen fairen Chef aus, wie löst man Konflikte mit Mitarbeitern und was macht Führungskräfte erfolgreich?

Jede Woche, immer freitags, spricht die Journalistin und Unternehmerin Sabine Hockling in der Serie „Chefsache“ mit Managementexperten über Führungsfragen.

ZEIT ONLINE: Der Begriff Alphatier ist für viele negativ besetzt. Warum?

Frieß: Weil Führungskräfte in der Regel sehr starke Persönlichkeiten sind. Viele kennen Chefs, die ohne Rücksicht auf andere ihr Ding durchsetzen und ihre narzisstischen Züge stark ausleben. Solche Chefs treffen ihre Entscheidungen oft einsam und verhalten sich auch da kompromisslos, wo sie eigentlich Zugeständnisse machen könnten. Das erzeugt natürlich keine positive Resonanz. Führungskräfte müssen heute vor allem auf der kommunikativen Ebene agieren – und daher auch die leisen Töne beherrschen.

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie „Chefsache“. Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Frieß: Nein. Es gibt natürlich Führungspersönlichkeiten, die stark von sich und ihrem Handeln überzeugt sind und ihren Machtstatus deshalb offen zur Schau tragen – etwa durch Statussymbole, Gestik und Mimik. Sie lassen heraushängen, dass sie der Überlegene sind, der sagt, wo es langgeht. Viele wollen auf diese Weise selbstbewusst wirken. Mitarbeiter merken aber, wenn es dem Chef nur um eine Darstellung seiner Dominanz geht. Solche Chefs werden in der Regel nicht wirklich respektiert und Mitarbeiter vertrauen ihnen oft auch nicht.

Den Respekt und das Vertrauen der Mitarbeiter verdient man sich eher durch ein angemessenes und mitunter auch angepassteres Verhalten. Das heißt, man setzt beispielsweise Statusgesten so ein, dass eine grundlegende Vertrauensgrundlage nicht zerstört wird. Als Chef muss man immer mal wieder unpopuläre Entscheidungen treffen und dann muss man einen höheren Status einnehmen. Aber das fällt leichter, wenn man sich diesen höheren Status auch erarbeitet hat.
Marina Frieß

Marina Frieß hat sich mit ihrem Unternehmen Feminess auf die Weiterbildung von Frauen spezialisiert. In ihrem Buch Die Alpha-DNA entschlüsselt sie die DNA von Alphatieren.

ZEIT ONLINE: Ist der Status einer Person denn so entscheidend?

Frieß: Ja, denn wer einen höheren Status hat, ist aufgrund dessen überzeugender. Es heißt zwar immer, Gespräche sollten auf Augenhöhe geführt werden. Das ist grundsätzlich richtig, aber in der Praxis oft ein Kampf. Denn die ganze Wirtschaft funktioniert nach dem Gesetz des Stärkeren.

ZEIT ONLINE: Brauchen Unternehmen überhaupt Alphatiere?

Frieß: Definitiv. Ein Unternehmen braucht einerseits Mitarbeiter, die sich lieber im Hintergrund halten und dort hervorragende Arbeit leisten. Und es braucht andererseits Anführer, die gern in der ersten Reihe stehen und keine Angst vor auch schwierigen Entscheidungen und Verantwortung haben. Ein Unternehmen braucht diese Mischung, ansonsten würde die Wirtschaft nicht funktionieren.
Macht

Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Die Lohnschere zwischen Frau und Mann hält sich hartnäckig. Die dazu erhobenen Zahlen stossen jedoch auf Kritik. Umstritten ist, inwiefern es sich dabei tatsächlich um Lohndiskriminierung handelt.

In der klassischen Wirtschaftstheorie gibt es keine Lohndiskriminierung. Im Idealfall spiegeln Lohnunterschiede nämlich verschiedene Leistungen bzw. die Produktivität der Mitarbeiter. Wenn Frauen billiger wären als gleich gut qualifizierte Männer, wäre die Nachfrage nach ihnen so gross, dass sie schnell teurer würden – zumindest, solange die Arbeitsmärkte wettbewerblich organisiert sind. In der Praxis besteht allerdings zwischen Frauen- und Männerlöhnen eine nicht unerhebliche Kluft

Keine Zeit für Karriere
Einige Ökonomen gehen auch davon aus, dass Frauen bei der Arbeit weniger Energie in karriererelevante Aktivitäten (zum Beispiel Fortbildungen) investieren, da ihre Karrieren – familienbedingt – ohnehin weniger geradlinig und planbar verlaufen. Und vor allem: Frauen mit Kindern haben für solche Aktivitäten neben der regulären Arbeit, oft einfach keine Zeit.

Einig sind sich die meisten Sozialwissenschaftler, dass dies nicht den gesamten Unterschied erklärt. Das Statistische Bundesamt hat 2006 einen um die oben genannten Erklärungen „bereinigten“ Gender Pay Gap berechnet. Danach blieb noch ein Gehaltsunterschied von durchschnittlich 8,3 Prozent übrig.

Verhandeln Frauen schlechter?
Also verdienen Männer selbst bei weitestgehend gleichen Bedingungen noch mehr als Frauen.  Der Rest der Erklärung ist also da zu suchen, wo man mit Statistiken und ökonomischen Modellen nicht weiter kommt.

Möglicherweise laufen Gehaltsverhandlungen mit Frauen tatsächlich anders ab als solche mit Männern. Vielleicht bieten Personalverantwortliche Frauen tendenziell geringere Gehälter an. Aber das bedeutet nicht unbedingt, dass sie das tun, weil sie bewusst Frauen diskriminieren. Möglich wäre zum Beispiel auch, dass sie die Erfahrung gemacht haben, dass Frauen tendenziell schlechter verhandeln. Um diese Fragen zu beantworten, wäre eine große wissenschaftliche Studie mit einer Befragung von Personalverantwortlichen hilfreich. Doch darüber ist bislang nichts bekannt
Warum Frauen weniger verdienen als Maenner
Zusammenfassung Projektergebnisse
Frauen Männer Lohn

Warum der plötzliche Absturz der Weltbörsen?

An den Aktienmärkten beschleunigt sich der Ausverkauf. Auch der Dax kommt nicht ungeschoren davon. Die Börsen nähern sich gefährlich einem Punkt, an dem die Verluste sich verselbstständigen könnten.

Daniel Eckert berichtet: Mitten in der Ferienzeit glühen vielen Vermögensverwaltern und Investmentbanken plötzlich die Telefone. „Wie ernst ist es?“ lautet die Frage, die den Finanzprofis tausendfach gestellt wird. Mit „es“ meinen die besorgten Anrufer die um sich greifenden Kursverluste an den Aktienbörsen.

Was vor ein paar Wochen noch ein chinesischen Problem zu sein schien, hat inzwischen fast die ganze Welt erfasst. Minuszeichen längst nicht mehr nur an den Schwellenländerbörsen und an den Rohstoffmärkten, sondern auch bei uns in Europa. Die Börsen nähern sich dem Punkt, wo die Verluste sich verselbstständigen könnten.
Am Donnerstag verzeichnet der Deutsche Leitindex Dax einen weiteren Tagesverlust von am Ende 2,3 Prozent. Auch die Börsen in Paris und Mailand schlossen im Minus. Abwärts ging es auch in Asien und in den USA.

Plötzlich ist der Ertrag eines Börsenjahres vernichtet. Der Goldpreis schoss hingegen nach oben. China wackelt, Krise in Russland und Brasilien und Risiken für Exportnation Deutschland…..
Was hinter dem ploetzlichen Absturz der Weltboersen steckt

Rudolf Schuppler www.w-t-w.org/en/cartoon/rudolf-schuppler
Rudolf Schuppler
www.w-t-w.org/en/cartoon/rudolf-schuppler

Gläubiger fordern von Tsipras Einhaltung der Sparauflagen

Deutsche Politiker haben den zurückgetretenen Premier aufgefordert, trotz Neuwahlen nicht vom Sparkurs abzuweichen. Der linke Syriza-Flügel will sich abspalten.

Wenn Europa dennoch Geld überweist, ist die Währungsunion in der Liga des politischen Glücksspiels angekommen. Tsipras will bei den Neuwahlen wieder antreten und strebt nach eigenen Worten ein neues, „starkes“ Regierungsmandat an. Jetzt, wo das neue milliardenschwere Hilfspaket unter Dach und Fach sei, wolle er gestärkt mit den internationalen Geldgebern über eine Umstrukturierung des Schuldenbergs verhandeln, sagte er.

Führende Politiker haben den zurückgetretenen griechischen Regierungschef Alexis Tsipras aufgerufen, den zugesagten Reformkurs auch nach den Neuwahlen beizubehalten. Auch eine neue Regierung müsse alle Vereinbarungen mit den Geldgebern einhalten. Andernfalls werden die Kredite nicht ausbezahlt. An der engmaschigen Kontrolle ändere sich nichts.
Griechenland Glaeubiger fordern von Tsipras Einhaltung der Sparauflagen
Gläubiger fordern von Tsipras Einhaltung der Sparauflagen

Kasachstans Währung auf 17-Jahres-Tief

Kursfreigabe wegen Billig-Öl20140421190525

Als Reaktion auf den starken Ölpreisverfall und die Rezession im Nachbarland Russland hat Kasachstan am Donnerstag den Wechselkurs der Landeswährung freigegeben. Der Kurs des Tenge sackte daraufhin um 23 Prozent ab und damit auf den niedrigsten Stand seit 17 Jahren.

Ministerpräsident Karim Massimow kündigte an, dass die Regierung nicht mehr in den Devisenmarkt eingreifen und Währungsschwankungen eingrenzen werde, sondern den Wechselkurs freigebe. Dies sei eine Reaktion auf die düsteren Preisprognosen für Rohöl, Kasachstans wichtigstes Exportgut.

Notenbank und Regierung hätten beschlossen, mit sofortiger Wirkung eine neue Währungspolitik einzuführen, die die Inflation bekämpfen werde, sagte Massimow. Präsident Nursultan Nasarbajew begründete den Wechsel in der Währungspolitik mit Forderungen von Exporteuren und sprach bei einem Treffen mit Unternehmern in der Hauptstadt Astana von einem „notwendigen Wechsel“.

Schon am Mittwoch hatte Nasarbajew angekündigt, das Land müsse den Gürtel enger schnallen und sich auf einen Ölpreis zwischen 30 und 40 Dollar einstellen. Die zentralasiatische Republik Kasachstan galt wegen ihrer großen Öl- und Gasvorkommen lange als Erfolgsgeschichte im Gegensatz zu anderen ehemaligen Sowjetrepubliken.

Hohe Reserven und ein großes Angebot schicken derzeit die Ölpreise weiter auf Talfahrt: Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) erreichte am Donnerstag ein neues Sechseinhalb-Jahres-Tief und fiel auf 40,21 Dollar (35,89 Euro) pro Barrel, die Nordseesorte Brent rutschte weiter ab auf 46,31 Dollar pro Barrel.

Zum erneuten Preisrückgang trugen die überraschend hohen Reserven der USA bei, die nach Angaben des US-Energieministeriums in der vergangenen Woche gestiegen waren. Experten rechnen mit einem anhaltend schwachen Ölpreis – vermutlich sogar unter der 40-Dollar-Grenze. Gründe sind die nachlassende Nachfrage aus China und das hohe Angebot aus Erdöl exportierenden Ländern sowie das Atomabkommen des ölreichen Iran mit dem Westen.
Karim Massimow

 

Iran für Unternehmen nicht mehr tabu

Diese deutschen Unternehmen drängen in den Iran

Jahrelang war der iranische Markt für deutsche Unternehmen tabu. Mit der Atom-Einigung hat sich das geändert. Zahlreiche deutsche Konzerne wittern das große Geschäft.

Freude nach dem Atom-AbkommenIran
Die Erwartungen wachsen allerdings nicht in den Himmel: Vor den Sanktionen 2005 importierte der Iran Waren „Made in Germany“ im Wert von nur rund 4,4 Milliarden Euro. 2014 waren es weniger als 2,4 Milliarden – Rang 50 der deutschen Handelspartner. Am deutlichsten gelitten hätten vor allem Maschinen- und Fahrzeugexporte. Die Hoffnungen aber sind groß. Der Iran ist ein reiches Land, gemessen an der Kaufkraft lag die Wirtschaftsleistung 2014 hinter Spanien und der Türkei weltweit auf Rang 18. Das Land hat zudem laut US-Energieagentur die weltweit viertgrößten nachgewiesenen Erdölreserven.

Siemens: „Wir reden hier über 80 Millionen Menschen, die Energieversorgung benötigen, die natürlich auch Gesundheitsversorgung brauchen, die im Öl- und Gasgeschäft wieder auf die Beine kommen wollen“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Chancen habe der Elektrokonzern durchaus. Ab 2010 hatte Siemens keine neuen Aufträge aus dem Iran mehr angenommen – das Umsatzvolumen wurde damals auf rund eine halbe Milliarde Euro beziffert.

Die deutschen Autohersteller geben sich vorsichtig. Man sei erst am Anfang, heißt es bei BMW, bei VW werden erste Gespräche auf politischer Ebene geführt. Laut Daimler-Chef Dieter Zetsche sind die Nutzfahrzeuge der Stuttgarter im Land begehrt. Branchenkenner sind aber skeptisch, ob deutsche Oberklassewagen im Iran schnell viele Käufer finden.

Die deutsche Chemie bewertet die jüngste Entwicklung wohlwollend. Es könne sich „nur belebend“ auswirken, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann. Die Branche habe in der Region eine „lange Tradition“. Das gilt seit den 1970er-Jahren auch für den Konsumgüterkonzern Henkel. „Derzeit erwirtschaften wir in dem Land einen dreistelligen Millionenumsatz und sind zuversichtlich, dass wir dort auch weiter wachsen werden“, sagte Vorstandschef Kasper Rorsted. Henkel ist Rorsted zufolge im Iran führend bei Waschmitteln, aber auch gut im Rennen im Geschäft mit Klebstoffen. Auch Software Konzerne, Dienstleister und der Maschinenbau stehen in den Startlöchern.

Iran

Aktienmärkte im Griff der Bären

Die einst hochgelobten Schwellenländer haben bei Anlegern nicht mehr viele Symapthien. Schwache Währungen führen für Schweizer Anleger zu beachtlichen Wertverlusten.

An vielen Märkten stehen die Kurse unter Druck
Die einst hochgelobten Schwellenländer haben bei Anlegern nicht mehr viele Sympathien. Das lässt sich relativ leicht erklären. Denn während die Aktienmärkte in den Industriestaaten trotz allen nur denkbaren Wirren und technischen Warnzeichen bisher erstaunlich robust blieben, befinden sich einige Börsen in den an sich mit überhöhten Wachstumserwartungen konfrontierten Staaten im Griff der Bären – vor allem auch dann, wenn man Währungseffekte berücksichtigt.

Auf Sicht eines Jahres haben die Aktienmärkte in Kasachstan, Griechenland, Peru, Russland, Zypern, Nigeria und Kolumbien mit Kurseinbussen in lokalen Währungen zwischen 27% und 39% am stärksten unter den Konsequenzen nationaler Misswirtschaft oder problematischer äusserer Rahmenbedingungen gelitten. Bezieht man Wechselkursverluste im Verhältnis zum Schweizerfranken in die Betrachtung ein, so zählen die Aktienmärkte Kolumbiens, der Ukraine, Griechenlands, Brasiliens, Perus, Nigerias, Malaysias, Russland s und nicht zuletzt auch der Türkei zu den schwächsten. Der Rubel, der kolumbianische Peso, der brasilianische Real, die türkische Lira und sogar die norwegische Krone haben in den vergangenen 12 Monaten zum Franken zwischen 21% und 42% nachgegeben.

Dafür sind stark fallende Rohstoff- und Energiepreise verantwortlich, welche die Staatseinnahmen in den exportierenden Staaten schrumpfen lassen. Diese legen die Problematik der in der Vergangenheit überbordenden Staatsbudgets ebenso offen wie die strukturelle Misswirtschaft in Ländern wie Brasilien und Russland. Inflationär auftretende Berichte über Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern deuten darauf hin, dass sich inzwischen eine sehr schlechte Stimmung sowie eine Eigendynamik nach unten entwickelt haben. Ob diese antizyklisch agierenden Schnäppchenjägern bald günstige Einstiegschancen bietet oder die negative Stimmung bald auch auf die etablierten Märkte übergreifen wird, ist umstritten. Skeptiker halten sich bedeckt.

Aktienmärkte im Griff der Bären

Aktienmärkte im Griff der Bären

Droht eine globale Rezession?

Konjunkturabkühlung in China. Chinas-Slowdown
Die panisch anmutende Währungs-
abwertung in China sorgt an den Finanzmärkten für Nervosität. Die Konjunktur im Reich der Mitte harzt seit langem. Droht der Welt ein neuerlicher Konjunkturabschwung?

Michael Rasch berichtet: Als die amerikanische Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) ihre jeweilige Währung schwächten, indem sie die Zinsen senkten oder sogar die Notenpressen anwarfen, reagierten die Aktienmärkte jeweils mit einem starken Rally. In China war es nun genau umgekehrt: Statt dass es zu einem Kursaufschwung kam, gingen die führenden Leitindizes auf Talfahrt. Finanzmarktteilnehmer waren zwar überrascht von der Massnahme, jedoch keineswegs positiv beeindruckt. Einige reagierten sogar geschockt, vermutlich weil sie etwas anderes hinter der Abwertung vermuteten, als offiziell deklariert wurde.

Die weisungsgebundene People’s Bank of China verkaufte die Abwertung der Währung damit, dass sich die Preisfestsetzung des Wechselkurses stärker als bisher nach Angebot und Nachfrage richten solle. Dies wäre natürlich grundsätzlich zu begrüssen. An den Finanzmärkten befürchteten aber viele Ökonomen, dass es sich um eine Panikreaktion von Peking handeln könnte, weil jüngst etliche Konjunkturdaten alles andere als erfreulich ausfielen. So waren die Exporte im Juli im Jahresvergleich um 8,3% gesunken. Dies dürfte nicht nur mit der harzenden Konjunktur im Reich der Mitte zu tun haben, sondern auch damit, dass der Yuan seit 2012 um rund 60% gegenüber dem Yen gestiegen ist und um rund 24% gegenüber dem Euro.

Dies weckte darüber hinaus Ängste, dass nun auch China trotz gegenteiligen Bekundungen in den Abwertungswettlauf der führenden Währungen einsteigt. In den letzten Jahren hatten erst die USA, dann Japan und schliesslich auch die Euro-Zone durch eine Nullzinspolitik, laufende Notenpressen und durch eine entsprechende Rhetorik die eigene Währung stark geschwächt. Dies geschah natürlich immer unter dem Deckmantel von angeblich geldpolitisch notwendigen Massnahmen.

Marktteilnehmer stellen sich inzwischen die Frage, wie stark sich ein etwaiger Wirtschaftsabschwung in China auf die Konjunktur in den USA sowie in Europa auswirkt und ob der Weltwirtschaft eine Rezession droht. Trotz zwei Tagen mit deutlichen Verlusten in der vergangenen Woche hat sich am grossen Bild der führenden Indizes in den USA und Europa nicht viel geändert. Die Leitbarometer laufen seit vielen Monaten seitwärts. ….
Droht jetzt eine globale Rezession
Die Konjunkturabkühlung in China und gemischte Frühindikatoren werfen Fragen über die Entwicklung der Weltwirtschaft auf

Oligarchen Frauen

Die Lage der russischen Gesellschaft lässt sich wohl nirgends so gut ablesen wie in ihrer Keimzelle: der Familie. Filmemacher Alexander Gentelev schaut hinter die Fassade der Oligarchen-Ehe. Dabei gelang es ihm, die Ex-Frau von Wladimir Potanin, dem reichsten Mann Russlands, zu interviewen. Außerdem begegnete er jungen Russinnen, die alles daran setzen, einen Oligarchen zu heiraten.

Mascha Sobol ist 22 Jahre alt, diplomierte Juristin und hat einen großen Traum: in Moskau einen reichen Mann zu finden und mit ihm eine Familie zu gründen.

Natalia Potanina war mit so einem Mann verheiratet: Wladimir Potanin hat riesigen Einfluss im Land und ein ebensolches Vermögen. Auf der Forbes-Liste der reichsten Russen steht er an erster Stelle. Geschätztes Gesamtvermögen: 15,4 Milliarden Dollar. Nach 30 Ehejahren verließ der Oligarch seine Frau wegen einer Jüngeren – so weit, so banal. Doch mit welchen juristischen und persönlichen Mitteln fortan um die Aufteilung des gigantischen Vermögens gestritten wird, gibt einen interessanten Einblick in das Kampfgebaren russischer Oligarchen und zeigt, wie es um das Land bzw. seine Geld-Elite derzeit bestellt ist. Alena Nowa ist Besitzerin eines angesagten Clubs, in dem die reichen Moskauer feiern. Sie hat am eigenen Leib den „Abstieg“ in die Mittelschicht erlebt und weiß, dass frau in Russland gut daran tut, gegen den Ex-Mann, einen reichen FSB-Funktionär, kein Gerichtsverfahren anzustreben. Der Dokumentarfilm von Regisseur Alexander Gentelev verwebt die Geschichten dieser Frauen zu einer Parabel auf das Geschlechterverständnis und die Stellung der Frau in der modernen russischen Gesellschaft, auf die Bedeutung von Geld und Macht, und er zeichnet die gegenläufige Entwicklung des kometenhaften Aufstiegs russischer Oligarchen zum Verfall ihrer persönlichen Beziehungen als Kriegsschauplatz. Gentelev ist es gelungen, erstmalig und exklusiv Natalia Potanina zu interviewen, deren Ex-Mann einem der größten Wirtschaftsimperien vorsteht und aus dessen Privatleben bislang kaum etwas an die Öffentlichkeit gelang.
Arte.tv/Oligarchenfrauen