Weltbank prognostiziert Ölpreis-Kollaps wegen Atomabkommen mit Iran

Zehn Dollar pro Fass: Die Preise für Rohstoffe wie Rohöl stehen weltweit weiterhin kräftig unter Druck. Der Ölpreis beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung wie kaum ein anderer Rohstoff. Und auch die Verbraucher bemerken Veränderungen deutlich beim Tanken und bei ihrer Energierechnung. Der Ticker informiert über die aktuelle Entwicklung.

Sebastian Widmann berichtet: Die geplante Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen den Iran im Zuge des Atomabkommens wird nach Einschätzung der Weltbank zu einem deutlichen weiteren Rückgang des Ölpreises führen. Durch eine „vollständige Rückkehr des Iran auf den Weltmarkt“ würden täglich eine Millionen Barrel Öl zusätzlich auf den Markt kommen, heißt es in einem Weltbank-Bericht, der am Montag in Washington veröffentlicht wurde.

Dadurch werde der Ölpreis kommendes Jahr um zehn Dollar (9,12 Euro) pro Fass sinken. Tritt die Vorhersage ein, würde dies einen Rückgang um 21 Prozent im Vergleich zum derzeitigen Preis bedeuten. Der Ölpreis ist derzeit wegen des großen Angebots bereits ohnehin niedrig.

Bereits am Dienstag reagieren die Preise. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September 50,16 US-Dollar. Das waren 25 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 33 Cent auf 44,63 Dollar.

Händler erklärten den Rückgang der Ölpreise mit einer deutlichen Abwertung der chinesischen Währung Yuan. Die Zentralbank in Peking hatte den Mittelkurs des Yuan im Vergleich zum US-Dollar um 1,9 Prozent herabgesetzt – so stark wie noch nie an einem einzelnen Handelstag zuvor. Der Yuan wird nicht frei wie andere Währungen gehandelt, weshalb der täglich festgelegte Mittelwert von großer Bedeutung ist.

Mit der Maßnahme sollen die zuletzt schwachen Exporte des Landes wieder angekurbelt werden. Gleichzeitig verteuert die Abwertung aber den Import von Rohstoffen und bremst damit die Nachfrage nach Rohöl in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

'Look, a dollar! Pick it up so we can scoop up that blob of oil!'

‚Look, a dollar! Pick it up so we can scoop up that blob of oil!‘

Kommt das chinesische Jahrhundert?

China baut die eigene Währung als ernstzunehmende Alternative zum Dollar auf. Das weltweite Yuan-Handelsnetzwerk entsteht unter Ausschluss der USA. Nun müsse China Institutionen nach US-Vorbild schaffen, um das Vertrauen der Investoren zu stärken, so der Economist. Mit dem Aufbau eines eigenes Zahlungssystems und einer asiatischen Entwicklungsbank sind die ersten Schritte getan.

Bedrohung für das Währungsmonopol: China macht ernst und positioniert den Yuan als mögliche Weltwährung gegen den Dollar. Vor sechs Jahren begann Chinas Regierung mit der Internationalisierung des Yuan. Seitdem vollzog die chinesische Währung einen steilen Aufstieg. Der weltweite grenzüberschreitende Handel in Yuan stieg von 0 Prozent im Jahr 2009 auf 22 Prozent im Jahr 2014. Inzwischen gehört der Yuan zu den Top-5-Währungen der Welt, hinter Dollar, Euro, Pfund und Yen. Zentralbanken aus 50 Staaten haben bereits in den Yuan investiert und der Internationale Währungsfonds (IWF) erwägt die Vergabe des Reservestatus an die chinesische Währung. Dennoch hat der Yuan noch einen weiten Weg vor sich, wenn er die Dollar-Hegemonie brechen will. Während ausländische Investoren nur rund 200 Milliarden Dollar in chinesische Aktien investiert haben, halten sie etwa 16 Billionen Dollar an US-Wertpapieren.

Die Zentralbanken der Welt halten etwa 60 Prozent ihrer Währungsreserven in Dollar. Diese starke Nachfrage erlaubt es den USA, Anleihen zu höheren Preisen zu begeben und Geld zu günstigeren Konditionen zu leihen. Dies habe dazu geführt, dass Zinsen auf zehnjährige US-Staatsanleihen um die Jahrtausendwende herum rund einen Prozentpunkt unter Marktniveau lagen, schreibt der Economist unter Bezug auf wissenschaftliche Untersuchungen.
Kommt das chinesische Jahrhundert
China positioniert den Yuan als moegliche Weltwaehrung gegen den Dollar

„Ano odos“ heißt auf griechisch ja auch „nach oben“

Private Investoren sollen Athens Börse retten. In Griechenland hofft man auf eine Einigung mit den Gläubigern. Vor der Börse liegt so oder so ein mühsamer Weg. Erste Investoren werben jetzt dafür, in griechische Aktien zu investieren.

Man reibt sich ungläubig die Augen. Aber es ist wahr. „Griechenland ist zurück“, steht in großen Lettern auf der Homepage, mit einem dicken Ausrufezeichen dahinter. Die Staatsfinanzen seien wohl problematisch, das schon. Die Wirtschaft des Landes aber stehe vor dem Aufschwung. „Für Anleger ist Griechenland eine riesige Chance“, folgert der Text, um gleich darunter aufzuzeigen, mit welchem Instrument man diese Gelegenheit am besten nutzt: mit dem Hellas Opportunities Fonds.
Private Investoren sollen Athens Boerse retten

Athena, she is wise and generous of spirit

Athena, she is wise and generous of spirit

 

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Steigende Selektivität am Aktienmarkt. In den USA stützen immer weniger Einzeltitel die grossen Indizes, dazu gehören Amazon, Facebook, Google und Disney. Vorauslaufende Sektoren zeigen bereits Schwäche, und Anleger sind verunsichert.

Michael Rasch berichtet: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – das gilt derzeit für viele Aktienindizes in den USA und in Europa. Der zähe Seitwärtstrend der letzten Monate hält weiter an, wenngleich in der Schweiz das Leitbarometer Swiss-Market-Index (SMI) in der vergangenen Woche beinahe auf ein «Allzeithoch» gestiegen wäre. Am Mittwoch fehlten einmal mehr nur ganz wenige Punkte, bevor der Index am Donnerstag wieder gen Süden drehte. In den USA kippt derweil der Dow Jones immer mehr nach unten ab. Er hat den seit März bestandenen engen Seitwärtstrend zwischen 17 500 und 18 400 Punkten inzwischen nach unten verlassen, liegt aber noch immer in der etwas breiteren Seitwärtsspanne, die bis 17 000 Punkte hinabreicht. Dabei hat der US-Leitindex inzwischen sowohl die 200- als auch die 250-Tage-Linie, also den gleitenden Durchschnitt über 200 Handelstage bzw. ein Handelsjahr, unterboten.
Amazon, Facebook, Google Co. stuetzen US-Boerse
Talfahrt an der US Börse

Warum zeigen sich Steuerhinterzieher immer noch an?

Die milderen Regeln für reuige Steuerhinterzieher wurden Anfang des Jahres abgeschafft – doch von dem erwarteten Rückgang bei den Selbstanzeigen fehlt jede Spur. Der Grund sind findige Finanzminister.

Martin Greive Redakteur: Die Angst deutscher Steuerhinterzieher, entdeckt zu werden, ist weiterhin überraschend groß. In den ersten sechs Monaten haben sich 10.512 Deutsche, die Schwarzgeld im Ausland hatten, selbst beim Finanzamt angezeigt. Dies ergab eine Umfrage unter den 16 Landesfinanzministerien. Wir werden erleben, dass Steuerhinterzieher, die aufgrund von Steuer-CDs entdeckt wurden, ihre Banken anschwärzen werden. Das lässt sich schon jetzt beobachten

Bis Ende des Jahres könnte die Zahl der reuigen Steuersünder damit wieder auf über 20.000 steigen. „Das ist viel – und viel mehr, als zu erwarten war“, sagte der Vorsitzende der Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler. Zwar gab es im Rekordjahr 2014 insgesamt rund 40.000 Selbstanzeigen. Zu Jahresbeginn hatten Bund und Länder die Regeln für den Steuer-Ablasshandel mit dem Staat allerdings verschärft. Experten hatten deshalb nach dem Run auf die Finanzämter in 2014 für dieses Jahr einen viel deutlicheren Rückgang der Selbstanzeigen erwartet – einige hatten sogar einen Rückgang auf nahe null prognostiziert.
Steuerhinterzieher zeigen sich reihenweise selbst an

Nel / Ioan Cozacu www.w-t-w.org/en/nel-ioan-cozacu/

Nel / Ioan Cozacu
www.w-t-w.org/en/nel-ioan-cozacu/

 

Was habe Orangen, Eier und Kardamom mit Geldanlagen zu tun?

Orangen stehen unter besonderer Beobachtung, Orangen Orangensaft
da die Ernte schlechter als in den Vorjahren ausfallen soll.

Warenterminbörsen: Unter Exoten. Kupfer, Erdöl, Weizen und Co. sind hinlänglich bekannte Terminkontrakte. Aber wer hat schon vom Eier- oder vom Kardamom-Future gehört?

Heidi Gmür berichtet: Es ist einer der ungewöhnlicheren Terminkontrakte im Rohwarenmarkt: Der Eier-Future. Lange gibt es ihn auch noch nicht. Die grösste chinesische Warenbörse Dailan hat ihn erst im November 2013 eingeführt, wobei ein Kontrakt 5000 kg «frische Hühnereier» umfasst. Um Qualität und Homogenität der Ware sicherzustellen, sind Toleranzwerte festgelegt: Unter anderem sollten jeweils mehr als 80% der Eier innerhalb einer der fünf Gewichtsklassen – von S bis XXL – liegen; nicht toleriert werden müssen zudem Lieferungen, bei denen über 5% der Eier Risse in den Schalen oder andere Defekte aufweisen. Turbulente Zeiten für Eier….

Fast kein Bereich der Finanzmärkte ist so vorurteilsbelastet wie der Handel mit und die Investition in Rohwaren. Dabei erfüllen die Spekulanten vitale Funktionen, die es den kommerziellen Marktteilnehmern erst erlauben, sich abzusichern. Preistreibende Effekte durch die Spekulation lassen sich kaum nachweisen.
Unter Exoten
Eier wir brauchen Eier

Schwellenländer kämpfen ums Überleben ihrer Währungen

Schwellenländer wie Malaysia pumpen Milliarden Dollar in den Markt, um den Verfall ihrer Währungen zu stoppen. Doch es hilft nichts. Inzwischen droht manchen bald das Geld auszugehen.

Frank Stocker berichtet: Zeti Akhtar Aziz hat ein Problem. Das ist nicht einmal so sehr das immer wieder aufflammende Gerücht um ihre angeblich bevorstehende Absetzung. Die Chefin der malaysischen Notenbank kämpft derzeit vielmehr verzweifelt gegen die Abwertung der Währung des Landes.

Fünf Milliarden Dollar hat sie allein in den ersten beiden Juliwochen auf den Markt geworfen, um den Ringgit zu stützen. Doch es bringt nichts. Der Ringgit sinkt weiter im Wert, und die Währungsreserven schmelzen wie Butter in der Sonne dahin…

Manche fürchten schon eine Krise wie 1997

Andere Länder wie Indien oder Indonesien hätten dagegen in den vergangenen Monaten wichtige wirtschaftliche Reformen in Gang gesetzt, die ihnen nun ein wenig Schutz böten…
Schwellenländer kämpfen ums Ueberleben ihrer Waehrungen
Cartoon running coins

Malaysias Ringgit in der Krise

RinggitVon der Staats- zur Währungskrise: Malaysias Ringgit bleibt unter Druck.  Die Wertverluste des Ringgit führten zum tiefsten Stand seit siebzehn Jahren und werden mit einer Kehrtwende der Zentralbank begründet: Die Bank Negara scheint auf Stützungskäufe zu verzichten.

Die malaysische Währung ist in der vergangenen Handelswoche unter Druck geblieben. Nachdem der Ringgit zum US-Dollar schon am Montag die Marke von Rin. 3.85 durchbrochen hatte, schwächte er sich bis Freitag bis auf Rin. 3.92 ab. Gegenüber dem Greenback hat der Ringgit in den vergangenen 18 Monaten damit bereits rund einen Fünftel seines Werts eingebüsst. Bei Kuala Lumpurs Geldwechslern hat sich inzwischen eine Knappheit an US- sowie Singapur-Dollars eingestellt.

Notenbankpolitik unklar
Die politischen Wirren in Kuala Lumpur, die nachgebenden Rohwarenpreise, die wirtschaftliche Abschwächung und die Aussicht auf eine Zinserhöhung in den USA lassen nach Einschätzung von Händlern vermuten, dass die schwächelnde Valuta bis auf weiteres unter der psychologisch wichtigen Marke von Rin. 3.80 bleiben wird. Auf diesem Niveau wurde seinerzeit der Untergrenze gegenüber dem Dollar festgelegt, die zusammen mit Kapitalverkehrskontrollen 1998 dem Sturzflug der Währung Einhalt geboten hatte.

Die neuerlichen Wertverluste führten zum tiefsten Stand seit siebzehn Jahren und werden unter anderem mit einer Kehrtwende der Zentralbank begründet: Die Bank Negara, die zu Beginn der Vorwoche noch mit Dollarverkäufen eingegriffen hatte, scheint jetzt auf Stützungsmassnahmen zu verzichten. Ihre Politik bleibt undurchsichtig. Seit dem Ausbruch der Krise rund um den notleidenden Staatsfonds und den Korruptionsvorwürfen gegenüber Ministerpräsident Najib Razak hat sich Notenbankchefin Zeti Akhbar Aziz noch nicht zu Wort gemeldet. Über ihren Verbleib wird in Kuala Lumpur derzeit gerätselt.

Sie ist insofern exponiert, als sie einem Untersuchungsausschuss angehört, der die dubiosen Finanztransaktionen des in Schieflage geratenen Staatsfonds sowie die Millionen-Überweisungen auf das persönliche Konto von Najib ausleuchten soll.

Zwei Milliarden verschollen
Najib geht seit der Veröffentlichung belastender Dokumente resolut gegen Kritiker aus seiner Partei und gegen die Medien vor. Derweil bleiben zentrale Fragen über den Verbleib von umgerechnet 2 Mrd. $ unbeantwortet; über die genaue Herkunft und den Verwendungszweck von umgerechnet 700 Mio. $, die 2014 auf sein Privatkonto überwiesen worden waren, schweigt Najib. Aus Kreisen der Opposition heisst es, dass ein Misstrauensvotum gegen Najib im Parlament in Erwägung gezogen werde.

Notenbankchefin Zeti Akhbar Aziz

Zeti Akhtar Aziz

 

Korruptionsskandale um Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff

Dilma RousseffPolitische Krise in Brasilien
Die Schlinge um Rousseffs Hals

Eine wirtschaftliche und eine politische Krise bringen Präsidentin Rousseff in ernsthafte Bedrängnis. Szenarien für einen ausserordentlichen Regierungswechsel werden immer offener diskutiert.

Tjerk Brühwiller berichtet:  Die Kapitänin eines leckgeschlagenen Schiffes mit brennenden Segeln und einer meuternden Mannschaft – ungefähr so dramatisch könnte man die Situation beschreiben, in der sich Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff befindet.

Die Krise Brasiliens ist einerseits wirtschaftlicher Natur. Eine Generation junger Brasilianer, denen es in den vergangenen zwei Jahrzehnten ständig besser ging, sieht sich plötzlich mit einer Rezession, mit steigender Arbeitslosigkeit und Ungewissheit konfrontiert. Der Pessimismus hat ein Niveau erreicht, das erstaunlich ist für ein Land, das trotz allem zu den grössten Volkswirtschaften gehört und genügend Potenzial besitzt, um eine wirtschaftliche Krise zu meistern…

Koalition der Korruption

Die Baukonzerne profitierten über Jahre von der Korruption um Petrobras. Sie hatten Aufträge des Erdölkonzerns untereinander abgesprochen, überteuert und dabei Milliarden abgezweigt, von denen ein Teil an Politiker und Parteien zurückfloss, hauptsächlich jene der Regierungskoalition. Die Aussagen eines ehemaligen Petrobras-Direktors und eines Mittelmanns brachten den Skandal ins Rollen, dessen Ausmass weiterhin schwierig einzuschätzen ist. Nicht nur bei Aufträgen von Petrobras soll systematisch Geld abgezweigt worden sein, sondern auch bei Projekten des staatlichen Stromproduzenten Eletrobras.
Die Schlinge um Rousseffs Hals

dragancastellon.wordpress.com

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Mafia, Korruption und versickerte Fördermilliarden „Italiens Süden stirbt“

Für Sizilien ist selbst Griechenland ein Vorbild. Bestseller-Autor Roberto Saviano warnt in einem offenen Brief: „Italiens Süden stirbt“. Schuld sind Korruption, die Mafia, versickerte Fördermilliarden – und eine gnadenlos versagende Verwaltung.

Dirk Schümer berichtet: : Die Existenzkrise des Mezzogiorno – und damit auch ganz Italiens – liegt zuvörderst an den Süditalienern selbst, von denen es sich ein erklecklicher Teil in ihrem Mittelmeerparadies der Subventionen, der Steuervermeidung, der organisierten Ineffizienz und effizienten Kriminalität bequem gemacht hat. Im Mezzogiorno können Italiener mit masochistischem Vergnügen immer neue Monstrositäten des geplanten Staatsversagens finden, und die Medien füttern diese Horrorliste mit stetiger Frequenz.

Da gibt es in Sizilien teuer ausgebaute Zugstrecken, die nie befahren werden. Oder jahrelang geschlossene Museen mit achtzig, hundert Festangestellten. In vielen Rathäusern lost man zum Monatsbeginn aus, welcher Pechvogel für die glücklichen Kollegen die Stechuhr betätigen muss. In Messina braucht es ein Vierteljahrhundert zum Eintreiben von Schulden nach einem Konkurs. Und in Neapel sind viermal so viele Müllmänner angestellt wie in Mailand, doch der Müll wird nur sehr sporadisch abgeholt und hinterher meist in illegalen und krebserregenden Kippen vor der Stadt von der Camorra verbrannt. Diese Liste aus einem Staatswesen, wo einzig Verwandtschaft und Klientelwesen zu Stellen im Öffentlichen Dienst bevorrechtigen, ließe sich nach Belieben fortsetzen.

Offenbar haben sich Millionen von Süditalienern ihre staatsferne Nische gesucht, kommen mit Schutzgeld an die – ordnungspolitisch durchaus effektive – Mafia, mit niedrigen Steuern, Schwarzarbeit und einem pharaonisch ausufernden Behördenstaat ganz gut über die Runden. Öffentlicher Bankrott und unfähige Verwaltung schließen auch in Süditalien privaten Wohlstand ganz und gar nicht aus. Deshalb ist auch den grauenvollen Statistiken, die Saviano anführt, nicht unbedingt zu trauen; sie geben nur die offiziell gemessene Misere kund. Vielleicht auch das war der Grund für Premierminister Renzi, seine Landsleute im Süden mit ihrem „Gejammer“ ausnahmsweise zu kritisieren und zu fordern, man möge endlich die Ärmel hochkrempeln…
Für Sizilien ist selbst Griechenland ein Vorbild

Modica-Sicily-Italy

Siehe hierzu auch:
Verbrechen ermöglichen ein behördlich geschütztes Schweizer Geschäftsmodell
Frauen und Kinder leiden überproportional durch Korruption