Was Frauen mit Panama am Hut haben?

Geschlechterspezifische Auswirkungen lassen sich auch im Fall der globalen Steuerflucht festmachen. Alternative ökonomische Ansätze finden kaum Gehör

Es ist das größte Daten-Leak, mit dem JournalistInnen bisher gearbeitet haben: Die sogenannten Panama-Papers bieten Einblick in ein globales System von Kapitalflucht, Steuerhinterziehung und Geldwäsche, verwaltet von der Kanzlei Mossack Fonseca. Unter den prominenten Namen, die bisher von der „Süddeutschen Zeitung“ und dem JournalistInnen-Netzwerk ICIJ in den über elf Millionen Dokumenten aufgefunden wurden, finden sich überwiegend mächtige Männer – Politiker, aber auch bekannte Persönlichkeiten aus Sport und Kultur (es gilt die Unschuldsvermutung).

Feministische Ökonomie
Brigitte Theiß berichtet: Würden sich solche Geschichten anders schreiben, säßen an den Schaltzentralen der Macht Frauen statt Krawattenträger? „If Lehman Brothers had been Lehman Sisters, run by women instead of men, would the credit crunch have happened?“, so formulierte es Ruth Sunderland 2009 in einem Artikel im „Guardian“. Auch wenn diese Frage seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, die 2007 in den USA ihren Ausgang nahm, zumindest medial immer wieder gestellt wird – für die feministische Ökonomie ist sie in dieser Form nicht von Relevanz. „Wir arbeiten nicht mit biologistischen Zuschreibungen oder Mutmaßungen, ob Frauen weniger risikofreudig oder mitfühlender als Männer sind. Es geht vielmehr um eine kritische Analyse struktureller Fragen“, sagt Katharina Mader, Wissenschafterin am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien.

Globale Ungleichheit
Geschlechterspezifische Auswirkungen lassen sich jedoch auch im Fall der globalen Steuerflucht festmachen, die aktuell im Scheinwerferlicht steht. Martina Neuwirth, entwicklungspolitische Expertin am Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit, legt dies am Beispiel von Ländern des Globalen Südens dar. „Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass ärmere Entwicklungsländer überproportional stark betroffen sind, wenn es um Kapitalflucht, um Steuerflucht, Korruption und Steuervermeidung geht“, sagt die Ökonomin.

Diese Staaten seien zudem gegenüber Unternehmen, die Investitionen tätigen und im Gegenzug Steuervergünstigungen fordern, in einer besonders schwachen Verhandlungsposition. „Das hat dann Auswirkungen auf die Finanzierung des öffentlichen Sektors und in weiterer Folge auf Frauen, weil diese in einem höheren Ausmaß von einem funktionierenden Sozialsystem, vom Bildungs- und Gesundheitssystem abhängig sind“, so Neuwirth.

Unfaires Finanzsystem
Ökonomische Ungleichheit verläuft auch beim Vermögen – neben weiteren Faktoren – entlang einer Geschlechter- und einer Nord-Süd-Achse: Die internationale Hilfsorganisation Oxfam legte Anfang des Jahres einen Bericht vor, wonach die 62 reichsten Menschen der Erde (53 davon Männer) so viel Vermögen besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. In der Studie appellierte Oxfam an Regierende sowie an Unternehmen, die Gewinne in Steueroasen verschieben, Verantwortung zu übernehmen und ein faires Wirtschafts- und Finanzsystem zu schaffen. Bereits erfolgte Maßnahmen wie ein automatischer Austausch von Steuerinformationen innerhalb, aber auch außerhalb Europas erschweren Steuerhinterziehung zwar zusehends, nationale Interessen würden aber immer wieder gut gemeinte Reformansätze verwässern, sagt Martina Neuwirth: „Der britische Premier Cameron hat zum Beispiel immer darauf geschaut, dass Trusts nicht angetastet werden, Österreich hat sehr lange mit der Berufung auf die Wettbewerbsfähigkeit am Bankgeheimnis festgehalten – jede Regierung versucht also, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.“

Zahlen und Formeln
Auch Brigitte Young, emeritierte Professorin für internationale politische Ökonomie an der Universität Münster, pocht auf die Notwendigkeit gemeinsamer, globaler Regelungen. Young ist eine der wenigen feministischen Ökonominnen, die sich auf Finanzmarktpolitik spezialisiert haben. Auf großen ökonomischen Konferenzen sei sie oft die einzige Teilnehmerin, die einen Vortrag zu einem feministischen Thema hält – auch weil sich Genderforscherinnen zu wenig für die Finanzwirtschaft interessieren würden, kritisiert Young. Eine genderspezifische Erforschung der Finanzmärkte werde unter anderem von den mangelnden Daten erschwert, den Blick auf ihr Forschungsgebiet beschreibt die in den USA ausgebildete Ökonomin ähnlich wie ihre Wiener Kollegin Katharina Mader: „Es geht nicht darum, ob Finanzmärkte männlich sind, es geht um die dahinterliegenden Modelle.“ In der gegenwärtigen Ökonomie, die überwiegend auf mathematischen Modellen aufbaue, bleibe die Realität außen vor. „Die Finanzmärkte müssen wieder der Realökonomie dienen – und das tun sie trotz Finanzmarktreformen nicht“, sagt Young.

Karrierekiller Feminismus
Obwohl die Kritik am neoliberalen Kapitalismus spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise und einer breiten Klimawandeldebatte eine Popularisierung erfahren hat, ist die heterodoxe Ökonomie – also Theorien, die sich außerhalb des neoklassischen Mainstreams verorten – an deutschsprachigen Universitäten alles andere als fest verankert. Die Wiener Wirtschaftsuniversität stellt trotz der Einsparung der ordentlichen Professur mit ihrem eigenen Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie einen Ausnahmefall dar.

„Wir können uns glücklich schätzen, aber es ist ein ständiger Kampf ums Weiterbestehen“, sagt Mader. Die feministische Ökonomie als Teil der heterodoxen Ökonomie hänge wiederum an engagierten Einzelpersonen – denn einer wissenschaftlichen Karriere, die auf zahlreichen Publikationen in renommierten wissenschaftlichen Journals fußt, stehe sie oftmals im Weg. Selbst innerhalb alternativer ökonomischer Schulen müsse eine feministische Perspektive immer wieder hineinreklamiert werden. „Das Thema Ungleichheit hat in den vergangenen Jahren sehr wohl breitere Beachtung gefunden, etwa durch die Publikationen von Piketty oder Stiglitz, aber Geschlechterverhältnisse bleiben auch bei den großen Autoren außen vor“, sagt Mader.

Verdrängte Geschlechterfragen
Doch Kritik an einer einseitigen Ausrichtung der Lehre in der Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre kommt mittlerweile auch von Studierenden. Aus einem Prostest an der Pariser Sorbonne entwickelte sich ein internationales Netzwerk für plurale Ökonomik. „Die fehlende intellektuelle Vielfalt beschränkt nicht nur Lehre und Forschung, sie behindert uns im Umgang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – von Finanzmarktstabilität über Ernährungssicherheit bis hin zum Klimawandel“, ist in einer Erklärung zu lesen. Sowohl Brigitte Young als auch Katharina Mader sehen hier einen wichtigen Hebel für Veränderungen – die sie sowohl im Wissenschaftsbetrieb als auch in wirtschaftspolitischen Debatten vermissen. „Die Wirtschaftskrise hat vielfach als Ausrede gedient, um sich Gleichstellungsfragen nicht widmen zu müssen – weil es ja wichtigere Dinge gebe“, sagt Katharina Mader.

Gender Budgeting
So seien in Österreich etwa trotz der rechtlichen Verankerung von Gender Budgeting die geschlechterspezifischen Auswirkungen von Konjunktur- und Sparpakten nicht untersucht worden. Und dass, obwohl Österreich zu einem der ungleichsten Länder in der EU gehöre, streicht Martina Neuwirth hervor. Frauen verfügen in Österreich über weit weniger Vermögen – hinzu komme ein nicht besonders progressives Steuersystem: Progressive Lohnsteuersätze stehen einer regressiven Umsatzsteuer und Kapitalbesteuerung gegenüber. Die fehlende Öffnung für Ideen der alternativen bzw. feministischen Ökonomie laufe letztendlich immer auf dieselbe Frage hinaus, sagt Brigitte Young: „Wer profitiert vom derzeitigen Finanzwesen?“

 Original von Dieter Huthmacher www.w-t-w.org/en/dieter-huthmacher


Original von
Dieter Huthmacher
www.w-t-w.org/en/dieter-huthmacher

Frauen und Kinder leiden unter Korruption

Unkonventionelle Geldpolitik

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“. Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Herri.

Seit der Finanzkrise befinden sich verschiedene Zentralbanken auf einem „interessanten“ geldpolitischen Pfad. An verschiedenen Orten betreiben die Zentralbanken eher Fiskal- als Geldpolitik. Wir sind nicht die Einzigen, die das kritisieren.
GeldVideos Kategorie Finanzkompetenz

Geldverdienen mit sauberer Luft?

Diese genialen Quadrat-Bäume sollen Smog wegfilternCityTree

Dreckige Luft ist ein globales Problem, Smog kostet Milliarden. Mit klugen Ideen für saubere Luft lässt sich viel Geld verdienen. Das geniale Konzept einer deutschen Firma steht vor dem Durchbruch.

Die Erfinder nennen die quadratischen Gebilde CityTrees, Stadtbäume. Denn die High-Tech-Elemente erfüllen genau den Zweck von Bäumen. Sie binden Schadstoffe – und reduzieren die Luftverschmutzung.

Die gut vier Meter hohen CityTrees sind mit einem speziellen Moos verkleidet, das dreckige Luft extrem gut absorbiert – einer der künstlichen Bäume leistet angeblich so viel wie 275 echte Bäume. Die Erfinder der eckigen Moos-Bäume stammen aus Deutschland, die Firma hat ihren Sitz in Dresden.

Ihre erste große Asien Premiere aber haben die CityTrees nun Tausende Kilometer weiter östlich, in Hongkong. Die ehemalige britische Kronkolonie ist vom Smog ebenso geplagt wie ganz China. Dort sollen nun Quadrat-Bäume aufgestellt werden…
Quadratisch, praktisch, gute Luft
Moos

Böse Kursverluste bei den Großen

Der «60 Milliarden Dollar»-Freitag. Das Rally der Alphabet-Aktien wurde am Freitag jäh unterbrochen. Die Quartalszahlen legen nahe, dass das Wachstum immer teurer erkauft werden muss.

Zu Wochenbeginn hatte die EU-Kommission angekündigt, dass sie ihre Gangart im vor rund einem Jahr eröffneten Wettbewerbsverfahren gegen Google verschärfen wird. Für Alphabet hätte die Woche kaum unangenehmer enden können. Die am Donnerstag nach New Yorker Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen legten nahe, dass das Wachstum des unangefochtenen Marktführers im digitalen Werbemarkt an Grenzen zu stossen scheint. So konnte das Tochterunternehmen Google zwar weiterhin seine im boomenden mobilen Markt erzielten Umsätze steigern, musste dafür aber deutlich mehr aufwenden, als das in der Vorjahresperiode der Fall gewesen war.

Damit ging für Alphabet die Woche so zu Ende, wie sie angefangen hatte: mit schlechten Nachrichten. Zu Wochenbeginn hatte die EU-Kommission angekündigt, dass sie ihre Gangart im vor rund einem Jahr eröffneten Wettbewerbsverfahren gegen Google verschärfen wird. Die in den letzten zwölf Monaten um 45% gestiegenen Aktien tauchten am Freitag ab und gingen mit einem Minus von 5,5% aus dem Markt. Auch die Aktien des IT-Konzerns Microsoft schlossen am Freitag nach der Präsentation der Quartalszahlen , die unter den Erwartungen ausgefallen waren, um 7,2% tiefer; die Ausrichtung des noch immer stark vom PC abhängigen Konzerns auf das Cloud-Geschäft verläuft offenbar harziger als angenommen.

Zusammen verloren die beiden Konzerne am Freitag zeitweilig mehr als 60 Mrd. $ ihres Börsenwertes. Und als ob das für die Technologieanleger nicht schon genug der schlechten Nachrichten gewesen wären, mussten sie auch noch mit ansehen, wie das Börsendebüt der ausgegliederten Dell-Tochter SecureWorks – es ist der erste Börsengang eines Technologieunternehmens in diesem Jahr – zur Zitterpartie wurde: Die Aktien eröffneten den Handel unterhalb des Ausgabepreises, schlossen dann aber mit einem kleinen Plus von 0,1%. Der IPO-Markt an der Wall Street steht seit Jahresbeginn quasi still. Der Börsengang war nicht zuletzt auch ein Test des Risikoappetits der Anleger.
Lilah prüft Microsoft-vs-Google

Niedergang des Bitcoins?

Der Bitcoin sollte eine neue Ära des Geldes einleiten. Doch sieben Jahre nach ihrer Einführung steckt die Kryptowährung in einer Krise. Denn ihr haftet ein Makel an, der sich nicht wegwischen lässt.

Überall an den Läden prangt der orangefarbene Aufkleber mit dem doppelt durchgestrichenen B. „Bitcoins accepted!“ steht daran. Die junge Frau am Marktstand zückt nur schnell ihr Smartphone, um eine Tüte Bioäpfel zu kaufen. Und hinter ihr sieht man die mit Zeitungsseiten verklebten Scheiben einer Bankfiliale: „Geschlossen.“ Überflüssig, die braucht heute niemand mehr, sagt jemand, der sich gerade sein repariertes Fahrrad abgeholt und das, klar, mit Bitcoins bezahlt hat.

So oder so ähnlich hatten sich die Bitcoin-Apologeten den Aufstieg der digitalen Währung vorgestellt. Die ebenso virtuellen wie fälschungssicheren Münzen aus dem Internet, die sich in Sekundenschnelle transferieren lassen, sollten die gesetzlichen Zahlungsmittel überflüssig machen. Euro, Dollar und Schweizer Franken würden bald ganz alt aussehen. Doch die Realität des Jahres 2016 ist eine andere. Maue Stimmung im Berliner Bitcoin-Kiez, einem Modellprojekt von Einzelhändlern, Gastronomen und Gewerbetreibenden, das beweisen sollte, dass Online-Geld auch in der Offline-Welt funktioniert…
Der unaufhaltsame Niedergang des Bitcoin
Bitcoin

Milliarde Euro für die Quantentechnologie

EU will eine Milliarde Euro für Quantentechnologie ausgeben. Die Revolution wird im Nebensatz angekündigt: Eine Milliarde Euro solle in den nächsten Jahren in ein Mega-Forschungsprojekt zur Quantentechnologie gesteckt werden, verkündet die EU-Kommission.

Kai Kupferschmidt berichtet: Das Flaggschiff-Projekt soll Europas Beitrag zur „zweiten Quantenrevolution“ sein, die eines Tages etwa Quantencomputer hervorbringen könnte, heißt es aus der Kommission. Das Dokument war bereits am Dienstag veröffentlicht worden, aber erst ein Bericht des Fachblatts Nature hatte für Aufmerksamkeit gesorgt.

Wie genau das Projekt aussehen soll, ist noch unklar. Die Europäische Kommission bereite die Initiative zurzeit vor und plane einen Start 2018, sagt eine Sprecherin. Forscher aus der ganzen EU sollen daran zusammenarbeiten. Ein Teil des Geldes wird voraussichtlich von der EU-Kommission kommen, ein Teil von Mitgliedsländern und Industriepartnern.

Kritik am bestehenden „Human Brain Project“

Die leise Ankündigung steht in krassem Kontrast zu dem Wirbel, der um die beiden bereits laufenden Flaggschiff-Projekte gemacht wurde. 2014 waren aus Dutzenden Bewerbungen zwei Milliarden-Euro-Projekte ausgewählt worden: Eines erforscht das vor wenigen Jahren entdeckte Material Graphen, das aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen besteht und etwa als Energiespeicher oder im Flugzeugbau Anwendung finden könnte. Das andere, das Human Brain Project, war angetreten, das menschliche Gehirn im Computer zu simulieren und hatte unter anderem damit geworben bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen Alzheimer und andere Leiden helfen zu können. Human Brain Project – Harte Landung auf dem Weg zur Weltspitze..
EU will eine Milliarde Euro fuer Quantentechnologie ausgeben
Nachwuchs-Physikerinnen sind Spitze

Schema einer linearen Ionenfalle. Eine Kette von Ionen wird von elektrischen Wechselfeldern und den Feldern der Endringe festgehalten, ähnlich wie in einer Paul-Falle. Die Ionen können einzeln mit Lasern manipuliert werden und wechselwirken untereinander aufgrund ihrer gegenseitigen elektrostatischen Abstoßung. In dieser Darstellung wurde eine echte Messung von gefangenen Kalziumionen – stark vergrößert – in das Schema der Falle kopiert. Quelle: F. Schmidt-Kaler und R. Blatt/Universität Innsbruck

Schema einer linearen Ionenfalle. Eine Kette von Ionen wird von elektrischen Wechselfeldern und den Feldern der Endringe festgehalten, ähnlich wie in einer Paul-Falle. Die Ionen können einzeln mit Lasern manipuliert werden und wechselwirken untereinander aufgrund ihrer gegenseitigen elektrostatischen Abstoßung. In dieser Darstellung wurde eine echte Messung von gefangenen Kalziumionen – stark vergrößert – in das Schema der Falle kopiert.
Quelle: F. Schmidt-Kaler und R. Blatt/Universität Innsbruck

Die Rückkehr Argentiniens an den Kapitalmarkt

Die Rückkehr Argentiniens an den Kapitalmarkt war ein voller Erfolg. Mauricio Macri
Neue und alte Risiken wurden ausgeblendet. Argentiniens erfolgreiche Bond-Emission. Zu schön, um wahr zu sein?

Die Rückkehr Argentiniens an den Kapitalmarkt war ein Paukenschlag. Das südamerikanische Land konnte an diesem Dienstag problemlos 16,5 Mrd. $ einsammeln – die Gebote waren sogar deutlich höher. Auch die verlangte Verzinsung liegt unter dem Durchschnitt von Schwellenländer-Emittenten mit vergleichbaren Bonitätsnoten. Laut Analytikern der Credit Suisse spiegelt das grosse Interesse der Anleger deren erneut zunehmende Risikobereitschaft auf der Suche nach höheren Renditen. Das zeige sich derzeit besonders bei Investitionen in den so genannten Emerging Markets. Die durchschnittlichen Renditen für Schwellenländer-Anleihen sind in den vergangenen Wochen auf die niedrigsten Werte seit rund drei Jahren gefallen.

Marktbeobachter befürchten, Anleger könnten dabei die potenziellen Risiken dieser Investments unterschätzen. Trotz den bereits erfolgreich durchgeführten Reformen bleibt die Liste der ungelösten Probleme in Argentinien lang – allen voran die nach wie vor hohe Inflation von 25%, die einen guten Teil der Währungsabwertung wieder zunichtemacht. Es überrascht zudem, dass sich Anleger nicht von der Geschichte Argentiniens, die von regelmässig wiederkehrenden Zahlungsausfällen gekennzeichnet ist, abschrecken lassen. Zuletzt wurde das Land 2014 faktisch zahlungsunfähig.

Von Investoren werden vor allem die marktfreundliche Haltung von Präsident Mauricio Macri und die attraktiven Renditen als Argumente für eine Investition in Argentinien-Bonds genannt. Das höchste Volumen, in Höhe von 6,5 Mrd. $, wurde mit der Placierung 10-jähriger Papiere erzielt. Die Rendite dieser Anleihen liegt bei 7,5%. Griechische Staatsanleihen mit dieser Laufzeit werden derzeit zu 8,5% gehandelt. Die hohe Nachfrage der Investoren nach den Zinspapieren des argentinischen Staates hat den Weg geebnet für die Provinzen, Städte und Firmen des Landes, die mit Placierungen neuer Obligationen in den kommenden Monaten einen Teil dieser Nachfrage abschöpfen werden.

www.taylorjonescartoonist.com

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Rentenkrise nicht nur in Deutschland

Renten-Krise: US-Pensionsfonds muss Auszahlungen kürzenPension

Ein großer amerikanischer Rentenfonds hat um die Erlaubnis gebeten, die Auszahlungen an seine Kunden zu kürzen. Zudem gab der Fonds bekannt, dass man unter den gegebenen Umständen im Jahr 2025 bankrott wäre. Hilfe vom staatlichen Sicherungssystem ist nicht zu erwarten: auch dieses gab inzwischen an, dem Bankrott entgegen zu gehen…
US-Pensionsfonds muss Auszahlungen kuerzen

Renten-Krise: Deutsche sollen länger arbeiten
Die CDU erwartet, dass das Renten-System nur finanzierbar bleibt, wie der Renten-Eintritt verschoben wird. Die Rente mit 70 könnte schon in wenigen Jahren zum Normalfall werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble spricht sich angesichts der Alterung der Gesellschaft für einen späteren Rentenbeginn in Deutschland aus. Er glaube, es mache relativ viel Sinn, die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einen fast automatischen Zusammenhang auch in der Rentenformel zu bringen, so Schäuble. Die Altersgrenze sollte auch stärker flexibilisiert werden. Auch müsse das Erwerbspotenzial in Deutschland erhöht werden…..
Deutsche sollen laenger arbeiten

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen www.harmbengen.de

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Zwanzig-Dollarschein mit dem Porträt einer schwarzer Frau

Bislang zeigten US-Geldscheine fast ausnahmslos die Konterfeis weißer Männer. Nun hat das Finanzministerium entschieden: Eine berühmte Schwarze soll die Zwanzig-Dollarnote zieren.

Der neue 20-Dollar-Schein birgt eine ÜberraschungHarriet Tubman
Die US-Regierung will drei Dollarnoten multikulturell
umdesignen. Mehr Frauen und mehr Schwarze sollen darauf künftig zu sehen sein. Doch ein altbekanntes Porträt darf bleiben – wegen eines Musicals.

Mit der Nominierung von Harriet Tubman als Porträt für die neue 20-Dollar-Note kommt der US-Finanzminister Forderungen aus der Bevölkerung nach

Ein Musical hat am Ende einen der amerikanischen Gründerväter gerettet. Eigentlich wollte Finanzminister Jack Lew seinen Ur-Vorgänger Alexander Hamilton von der Zehn-Dollar-Note schmeißen und durch eine Frau ersetzen, um in den amerikanischen Portemonnaies mehr Geschlechtergerechtigkeit herzustellen. Doch dann feierte das Historien-Musical „Hamilton“ einen der größten Erfolge am Broadway in den vergangenen Jahren. Und plötzlich sah sich der Finanzminister enormem Druck ausgesetzt, Verfassungsvater Hamilton dort zu lassen, wo er war.

Nun muss eben der Herr auf dem 20-Dollar-Schein dran glauben. Wie am Mittwoch bekannt wurde, will das Finanzministerium den siebten Präsidenten und Gründer der demokratischen Partei, Andrew Jackson, auf die Rückseite der Note verbannen. Jackson war der erste „Populist“ unter den US-Präsidenten und der erste, der nicht aus der Patrizierschicht stammte. Er war aber in letzter Zeit immer mehr in die Kritik geraten, weil er als Indianerhasser gilt, der für mehrere expansive Feldzüge gegen Indianerstämme verantwortlich war.
Der neue 20-Dollar-Schein birgt eine Ueberraschung
Harriet Tubman als Portraet fuer die neue 20-Dollar-Note

Kranke Banken?

Finanzsektor unter Druck: Europas Bankenbranche geht es schlecht. Nur die konsequente Neuaufstellung von Aufsicht und Abwicklung kann den Sektor von Grund auf erneuern und Europa vor finanzieller Stagnation bewahren.

Claudia Aebersold berichtet: In Europa lässt die dringend notwendige Flurbereinigung auch acht Jahre nach der Krise noch immer auf sich warten Das Vertrauen in Europas Bankensystem ist schwer angeschlagen. Das schwache Wachstum und die Altlasten aus der Ära vor der jüngsten Finanzkrise machen es verletzlich. (Verweis) Das Zusammenspiel aus strukturellen Problemen im Finanzsystem und zyklischer Konjunkturschwäche in der Euro-Zone ist ein giftiges Gebräu, das die Bankenbranche der Währungsunion mächtig unter Druck setzt. Wie stark, war zu Jahresbeginn ersichtlich, als die Aktien der Grossbanken innert kürzester Zeit einen Fünftel ihres Wertes verloren. Der Internationale Währungsfonds (IMF) warnt denn auch in seinem neusten (Verweis) Bericht zur Finanzstabilität vor den Schwachstellen im Euro-Bankensystem, die er mit den Begriffen Überkapazität, notleidende Kredite sowie veraltete Geschäftsmodelle umschreibt.

Die amerikanischen Banken stehen heute viel besser da als die europäische Konkurrenz, und dies nicht nur, weil die US-Wirtschaft im Konjunkturzyklus weiter fortgeschritten ist und eine Normalisierung der Geldpolitik in den USA eher in Reichweite ist. Amerika hat auch schneller und beherzter auf die Finanzkrise reagiert. Die amerikanische Aufsicht etwa hat nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers die Strukturbereinigung im Bankensektor dezidiert vorangetrieben. In Europa lässt die dringend notwendige Flurbereinigung hingegen auch acht Jahre nach der Krise noch immer auf sich warten. Die Zahl der Banken in der Euro-Zone hat sich seit 2007 nur halb so stark verringert wie jene in den USA (vgl. Grafik). So werden die Aktien europäischer Geldhäuser heute an der Börse zu einem rekordhohen Bewertungsabschlag gegenüber jenen amerikanischer Wettbewerber gehandelt – der Markt traut den europäischen Banken nicht. Besonders jenen nicht, die am stärksten unter den genannten Krankheiten leiden: die griechischen, die italienischen und die portugiesischen Institute sowie die deutschen Grossbanken. Auch bei den «schlechten» Aktiva wie illiquiden Positionen oder notleidenden Krediten haben die Europäer bisher zu wenig auf das Tempo gedrückt.

Der IMF schätzt, dass die Euro-Banken heute notleidende Kredite in der Höhe von 900 Mrd. € in den Büchern halten. Viele Euro-Banken haben das Zeitfenster für den Verkauf illiquider Aktiva, das sich nach dem Lehman-Kollaps durchaus geöffnet hatte, schlicht nicht genutzt. Heute sitzen sie nicht nur auf diesen toxischen Altlasten, sondern auch auf einem Berg an Problemkrediten, der in der gegenwärtigen Konjunkturlage anwächst statt kleiner wird. In einzelnen Fällen, wie in Deutschland, wiegen auch Rechtsrisiken aus der Vorkrisenzeit schwer. Politischer Filz als Erblast…
Die Bank ist krank

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen www.harmbengen.de

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