2016 Asien die reichste Region der Welt

Lange war der Trend absehbar, doch jetzt hat Asien Europa endgültig abgehängt. Erstmals in der Geschichte der Neuzeit haben die Asiaten mehr Geld als die Europäer. Im Wettbewerb um die Region mit den meisten Reichen und Superreichen verliert das alte Europa damit weiter an Bedeutung.

Tina Kaiser berichtet:  Mit einem akkumulierten Privatvermögen von 42,5 Billionen Dollar (37,8 Billionen Euro) lag Europa im vergangenen Jahr nur noch auf Platz drei der reichsten Gegenden der Erde. Der asiatische Raum (ohne Japan) landete mit 47,4 Billionen Dollar auf Platz zwei. Platz eins verteidigt weiterhin Nordamerika mit 50,8 Billionen Dollar.

Das ergab die Studie „Wealth-Report-2015„, in der das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) alljährlich die Welt der Reichen und Superreichen untersucht. Dafür befragen die Berater Vermögensverwalter nach dem Vermögen ihrer Kunden. Es werden jedoch nur Finanzvermögen vom Tagesgeldkonto bis zum Investmentfonds berücksichtigt, nicht aber etwa Immobilien, Firmenvermögen oder Kunst. Die Untersuchung gibt deshalb nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Vermögensverhältnisse der Haushalte weltweit wieder.

Glaubt man den Berechnungen der BCG-Analysten, wird Asien schon im kommenden Jahr auch Nordamerika abhängen – und damit endgültig zur reichsten Region des Erdballs aufsteigen. Für das Jahr 2016 prognostiziert die Beratungsfirma ein Privatvermögen von 57 Billionen Dollar für Asien und 56 Billionen Dollar für Nordamerika. 2019 könnten asiatische Haushalte schon ein Drittel des globalen Reichtums besitzen.
Asien wird 2016 die reichste Region der Welt sein
Global Wealth Report 2015

Vergebliche Investition?

Fossile Brennstoffe als Anlegerrisiken. Um eine übermässige Erwärmung der Erdatmosphäre zu vermeiden, darf ein grosser Teil der bekannten fossilen Energiereserven nicht verbrannt werden. Das wird Wertverluste zur Folge haben.

Eugen Stamm berichtet: Studenten in Jeans und Turnschuhen, manche mit selbstgemalten Plakaten in der Hand, demonstrieren gegen die Anlagestrategie ihrer Universität. Das ist ein Bild, das sich dieses Jahr unter anderem in Harvard, Oxford und Edinburgh gezeigt hat. Das Ziel der Proteste war, den Ausstieg aus Geldanlagen in fossilen Energieträgern zu erreichen. Begründet wird die geforderte Devestition damit, dass der Welt eine Klimaerwärmung droht und es darum notwendig ist, Aktien von Firmen zu verkaufen, die Erdöl, Erdgas oder Kohle fördern.

Bewegte Bankiers
Die Aktivisten erhalten Sukkurs von Finanzfachleuten in dunklen Anzügen, die mittels Powerpoint-Präsentationen und Research-Berichten die gleiche Botschaft verbreiten. Sie verhallt nicht ungehört. Eine Plattform von institutionellen Investoren, die sich für den Klimaschutz einsetzen (IIGCC), zählt bereits über 400 Mitglieder, die Vermögen von insgesamt 24 000 Mrd. $. verwalten. Die Ankündigungen von konkreten Devestitionen häufen sich in der jüngsten Vergangenheit: Die Versicherungsgruppe Axa beispielsweise wird Anlagen in einer Grösse von 500 Mio. € verkaufen, die einen Bezug zu Kohle aufweisen.
Im September gab der Rockefeller Brothers Fund bekannt, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden, ein Schritt von bedeutender Symbolik. Der Reichtum des Funds wurde vom gleichnamigen Gründer von Standard Oil geschaffen, dem lange Zeit grössten Ölkonzern der Welt. Es liegt auf der Hand, dass Devestitions-Entscheide von professionellen Anlegern nicht auf blindem Idealismus basieren…
Fossile Brennstoffe als Anlegerrisiken

© Thomas Plaßmann

© Thomas Plaßmann

 

Norwegens Sparschwein

Norwegens «Ölfonds» Oslos phänomenale SchatztruheNorwegen
Seit 1996 legt Norwegen die Einnahmen aus dem Ölgeschäft für künftige Generationen auf die Seite. Dieser Staatsfonds, der grösste seiner Art weltweit, ist zu einem schwergewichtigen Investor geworden.

Rudolf Hermann berichtet: Metallisch schimmernd, ohne Türgriffe, sich wie von Geisterhand bewegt öffnend und schliessend – ein bisschen sieht der Eingang des Gebäudes an der Adresse Bankplassen 2 in Oslo aus, wie wenn sich dahinter eine Schatzkammer versteckte. Was in gewisser Hinsicht ja auch stimmt. Denn hier sitzt nicht nur Norges Bank, die norwegische Zentralbank, sondern auch der von ihr verwaltete Government Pension Fund Global (GPFG), im Volksmund kurz «Oljefondet» (der Ölfonds) genannt. Ein gewaltiges Vermögen.
Oslos phaenomenale Schatztruhe
Norwegen

Eine emanzipierte Frau auf bulgarischen Geldschein?

Bulgarien präsentiert auf seinen Banknoten auschließlich Männer – mit einer Ausnahme. Kirche von BojanaAuf einem Schein von 1991 war das Porträt einer Frau zu sehen. Doch heute ist sie verschwunden.

Frank Stocker berichtet:  Die Emanzipation hat in den meisten Ländern der Welt längst auch auf Banknoten Einzug gehalten. Wenn darauf Persönlichkeiten abgebildet werden, so sind es längst nicht mehr nur Männer, sondern meist ebenso oft Frauen.
Ausnahmen sind einerseits viele muslimische Länder, andererseits die USA. Und Bulgarien. Das Land präsentiert auf seinen aktuellen Geldscheinen ausschließlich Männer. Und auch in früheren, kommunistischen Zeiten fanden Frauen nur in Form von Symbolgestalten den Weg auf einen Lew-Schein, als fleißige Bäuerinnen bei der Wein-, Tabak- oder Blumenernte.

Bekannte Bulgarinnen kamen und kommen nicht vor – mit einer einzigen Ausnahme. Doch diese umgibt gleichsam etwas Mysteriöses. Zu sehen war das Porträt auf dem 20-Lewa-Schein, der 1991, nach der Wende, herausgegeben wurde.
Wann lebte die Frau auf dem Schein?

Es zeigt eine junge Frau mit Krone, die jedoch selbst den meisten Bulgaren völlig unbekannt ist. Als Bezeichnung steht daneben: „Desislava Sevastokratoritsa Ktitoritsa“. Desislava ist ein alter bulgarischer Name, der wohl auf die altbulgairschen Wörter „desiti“ (erreichen) und „slava“ (Ruhm) zurückgeht.

Die „Ruhmreiche“ wurde als Ergänzung mit zwei Titeln bedacht. Ein Sevastokrator entsprach etwa einem Herzog, ein Ktitor ist ein Stifter. Desislava war offenbar eine Herzogin und Stifterin. Doch wann lebte sie, und was war ihr Verdienst? Die Rückseite des Scheins gibt darüber Aufschluss, denn dort ist die Kirche von Bojana zu sehen, die im gleichnamigen Sofioter Stadtteil steht. Sie wurde ab dem zehnten Jahrhundert erbaut und gehört heute zum Unesco-Weltkulturerbe, vor allem wegen der im 13. Jahrhundert entstandenen Fresken.

Auf einem dieser Fresken ist der Herzog von Sofia, der Sevastokrator Kalojan zu sehen, der die Kirche gestiftet haben soll. Und neben ihm steht seine Frau Desislava.
Kunsthistorisch gilt das Fresko vor allem deshalb als interessant, weil die Gesichter besonders lebendig und realistisch gemalt sind, was zur damaligen Zeit den Traditionen widersprach. Diese Darstellung Desislavas fand sich schließlich auch auf dem 20-Lewa-Schein wieder.
Die mysterioese Frau auf dem bulgarischen GeldscheinDesislava Sevastokratoritsa Ktitoritsa

Auf Pleite Athens eingestellt?

Der Druck auf Griechenland steigt: Der IWF bricht Gespräche vorzeitig ab, in Deutschland denkt man offenbar über Kapitalsverkehrskontrollen für den Fall eines Grexit nach.

Die deutsche Bundesregierung bereitet sich einem Medienbericht zufolge auf einen Staatsbankrott Griechenlands vor. Es gebe konkrete Beratungen, was im Fall einer Pleite Athens zu tun sei, berichtete die „Bild“-Zeitung vom Freitag unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen. Danach sei unter anderem im Gespräch, bei einer Staatspleite Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland einzuführen. Außerdem werde ein Schuldenschnitt für das Land diskutiert. Regierungsbeamte stünden darüber in einem engen Austausch auch mit Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank (EZB). Einen konkreten Plan, wie im Fall einer griechischen Staatspleite zu reagieren sei, habe Deutschland allerdings nicht. Vieles müsse ad hoc entschieden werden.

Tusk: Griechen sollen „Spielchen“ beenden
Am Donnerstag hatten die internationalen Geldgeber den Druck auf Athen erhöht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) zog überraschend sein Verhandlungsteam aus Brüssel ab und begründete das mit „großen Differenzen“ bei den Gesprächen. Der Fonds betonte aber, er bleibe „voll engagiert“. Ein IWF-Sprecher sagte, die griechische Regierung suche offenbar auf politischer Ebene nach einer Lösung mit den EU-Partnern. Zuvor hatten sich EU-Spitzenvertreter noch zuversichtlich gezeigt, dass eine Einigung erzielt werden kann. Ratspräsident Donald Tusk mahnte die griechische Regierung, ihre „Spielchen“ zu beenden.
Berlin stellt sich auf Pleite Athens ein

ww.marcus-gottfried.com

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Heuschrecken nach der Finanzkrise in Europa

Gehasst, geliebt, gezähmt
Die Welt der Hedge Funds ist nicht mehr dieselbe wie vor 2007. Ein Experten-Panel hat am jüngsten Branchen-Anlass «Friends of Funds» herausgearbeitet, wie heute in diese Vehikel investiert wird.Heuschrecke

Einst von Politikern als „Heuschrecken“ verschrien, dann reguliert: Hedge-Funds als sinnvolle Portfolio-Beigabe.

Claudia Gabriel berichtet: Welche Rolle können und sollen alternative Fonds wie Hedge-Funds im Nach-Finanzkrisen-Zeitalter in Portfolios spielen? Um diese und weitere Fragen drehte sich die Diskussion am jüngsten Fonds-Branchen-Anlass «Friends of Funds». Hedge-Funds sind seit kurzem in Europa nicht mehr unregulierte Instrumente. Das Fondsmanagement wird reguliert durch die Richtlinie AIFMD bzw. ihren Nachvollzug im Schweizer Kollektivanlagengesetz KAG, der Vertrieb teilweise durch die europäische Anlegerschutzrichtlinie Mifid II, die im Schweizer Fidleg nachvollzogen werden soll.
Für das allgemeine Publikum.

Sollen Hedge Funds in der EU noch an das allgemeine Publikum und nicht bloss an professionelle Grossanleger wie Versicherer und Pensionskassen vertrieben werden, müssen sie sich überdies den Produkte-Vorschriften der UCITS-Richtlinien unterwerfen, betonte Günther Debrauz von der Beratungs- und Revisionsfirma PwC. Dies hält viele US-Hedge-Funds aus Europa fern und hat die Kosten erhöht, worunter vor allem kleine Anbieter leiden.
Hedge Funds nach der Finanzkrise in Europa
Hedgefund

Gut gemischt… (in EURO)

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Risiko und Ertrag allein genügen nicht zur Beurteilung einer einzelnen Anlageklasse. Wir zeigen, was risiko-/ertragsmässig möglich ist, wenn man bereit ist, unterschiedliche Anlageklassen vernünftig zu mischen (Portfolio-Optimierung in EURO).

Rudolf Schuppler  www.w-t-w.org/en/cartoon/rudolf-schuppler

Rudolf Schuppler
www.w-t-w.org/en/cartoon/rudolf-schuppler

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Gute Gründe für Bargeld

Bargeld ist geprägte Freiheit, heisst es. Michael Rasch berichtet: Doch Münzen und Geldscheine haben neben Zahlungs- und Recheneinheits-Funktion viele weitere Vorteile. Es gibt 6 wichtige Gründe, die für Bargeld sprechen.

  • Schutz der finanziellen Privatsphäre
  • Schutz vor Exzessen der Geldpolitik
  • Schutz vor Risiken der Geschäftsbanken
  • Schutz von Minderheiten
  • Schutz vor übermässigem Konsum
  • Schutz vor Betrug

Dazu kommen noch zahlreiche weitere Gründe, die für Bargeld sprechen. So können Kinder mit Taschengeld beispielsweise spielerisch den Umgang mit Geld erlernen, was beim Einsatz von elektronischem Geld sehr viel weniger anschaulich wäre.
Bargeld

Weltbank positiv erwartet mehr Wachstum in Eurozone

Die Weltbank glaubt, dass sich der schwache Euro positiv auf die Exportwirtschaft
auswirkt

Die Wirtschaft in den Euro-Ländern läuft in diesem Jahr besser als erwartet. Die Weltbank sieht die Eurozone in ihrer Konjunkturprognose auf Wachstumskurs. Riskant könnte es hingegen für manche Schwellen- und Entwicklungsländer werden.

Sinkende Ölpreise und eine wahrscheinliche Zinserhöhung in den USA setzen nach Einschätzung der Weltbank viele Entwicklungsländer unter Druck. Die bisherigen Garanten für das Wachstum der globalen Konjunktur müssten sich mit Reformen und Investitionen auf schwierige Zeiten vorbereiten, warnt die Weltbank in ihrer neuen Konjunkturprognose.
Die Entwicklungsländer seien ein Motor des globalen Wachstums nach der Finanzkrise gewesen, aber jetzt müssten sie mit einem schwierigeren Umfeld zurechtkommen, sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim in einer Mitteilung. Ihr Wachstum falle dieses Jahr mit 4,4 Prozent um 0,4 Prozentpunkte niedriger als zuletzt geschätzt.
Für das von einem Korruptionsskandal erschütterte Brasilien korrigierte sie ihre Prognose um 2,3 Prozentpunkte nach unten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde dort um 1,3 Prozent sinken. Deutlich schlechter sehe es auch in Mexiko, Algerien und der Türkei aus. Für die kommenden beiden Jahre hält das Institut an seiner Prognose für die Entwicklungsländer von 5,2 und 5,4 Prozent Wachstum nahezu fest.

Die erwartete Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve „könnte den Kapitalfluss einschränken und die Kreditkosten erhöhen“, sagte der Weltbank-Chefökonom Kaushik Basu. Insgesamt könnte gemessen am BIP rund 1,8 Prozent weniger Investitionen in betroffene Staaten fließen. Vor allem Länder, die als Exporteure bereits unter den Niedrigpreisen für Rohstoffe wie Öl und Kohle litten, könnten weiter in Mitleidenschaft gezogen werden.

Niedriger Ölpreis begünstigt Wachstum
Besser gehe es hingegen rund sechs Jahre nach dem Ende der Krise wieder den großen Volkswirtschaften. Die Wirtschaft in der Eurozone etwa erholt sich nach Einschätzung der Weltbank schneller als erwartet. Das Wachstum werde in diesem Jahr 1,5 Prozent betragen, errechnete die UN-Organisation. Der schwache Euro helfe der Exportwirtschaft. Positiv wirke sich auch der sinkende Ölpreis aus, der zu mehr Konsumausgaben führe. Niedrige Leitzinsen und eine bessere Kreditvergabe durch Banken trügen ebenfalls zum Plus bei.

Zuletzt waren die Weltbank-Ökonomen noch von 1,1 Prozent Wachstum in diesem Jahr in der Eurozone ausgegangen. Im Vorjahr lag es bei 0,9 Prozent. Für 2016 rechnet die Weltbank mit einem Plus von 1,8 Prozent. 2017 soll es bei 1,6 Prozent liegen. Die Weltwirtschaft werde in diesem Jahr insgesamt um 2,8 Prozent zulegen, erklärte das Finanzinstitut weiter. Damit revidierte es seine letzte Schätzung vom Januar um 0,2 Prozentpunkte nach unten. Für 2016 und 2017 rechne es mit einem Plus von 3,3 sowie 3,2 Prozent.

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen/

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen/

Über Geld spricht man jetzt

Transparente Gehälter
Reden wir drüber. Der Kampf um transparente Gehälter geht in die zweite Runde. Noch in diesem Monat will die Familienministerin einen Referentenentwurf vorlegen, der die Gehaltstransparenz in deutschen Unternehmen verankern soll…

Transparenz total:
Was in Deutschland heiß diskutiert wird, ist in Schweden schon längst Wirklichkeit. Dort können sich die Bürger nicht nur über Gehaltsstufen in Ihrem Unternehmen informieren, sondern auch über die Einkünfte ihrer Nachbarn. Ein Anruf beim Finanzamt genügt, um Auskunft über die Finanzen der Mitbürger zu erhalten. Camilla Norström, Redaktionschefin des „Aftonbladet“ findet, „dass es einen investigativen und aufklärerischen Aspekt gibt“ und „dass die vielen Vergleiche zwischen Einkünften von Männern und Frauen auch der Gleichberechtigung dienen.

Über Geld spricht man jetzt
Gehalt