Bund kassiert 600 Millionen Euro Zinsen auf Steuernachforderungen

Dank Steuernachzahlungen macht Staat Hunderte Millionen Euro – dank horrendem Zinssatz

Viele Sparer ärgern sich über extrem niedrige Zinsen. Die Finanzämter hingegen kalkulieren bei Nachzahlungen mit einem Zinssatz von vor 50 Jahren – und der liegt bei satten sechs Prozent. Doch ist das überhaupt verfassungsgemäß?

Bei dieser Zahl handelt es sich um den Saldo sowohl der Erstattungs- als auch der Nachzahlungszinsen. Denn sowohl für Steuernachforderungen durch den Fiskus als auch für Erstattungen des Finanzamtes fallen Zinsen von 0,5 Prozent pro Monat an. Vom Finanzamt erhaltene Zinsen sind steuerpflichtig, gezahlte Zinsen dagegen können nicht abgesetzt werden. Wegen dieser Ungleichbehandlung ist nach Darstellung des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine auch eine Verfassungsbeschwerde anhängig (Az. 2 BvR 1711/15).

Obwohl die Zinsen am Markt extrem niedrig sind kassiert der deutsche Staat weiter kräftig aus Zuschlägen auf Steuernachforderungen. Im vergangenen Jahr nahm der Fiskus so unterm Strich und per Saldo gut 670,5 Millionen Euro Zinsen ein. Die Zahl berechnet sich aus den Einnahmen durch Nachzahlungszinsen abzüglich der Zinsen auf Erstattungen, die die Finanzämter für zu viel gezahlte Steuern zurück überwiesen haben.
Besteuerung von Erstattungszinsen und Nichtabziehbarkeit von Nachzahlungszinsen

VINZENZ SCHÜLLER
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Risiko tiefer sozioökonomischer Status

Ein Killer namens Armut. Ein tiefer sozioökonomischer Status reduziert die Lebenserwartung und sollte daher in der Gesundheitspolitik berücksichtigt werden.

Dass Armut ein wichtiges Gesundheitsrisiko darstellt, ist bekannt. Nun haben Forscher berechnet, wie sich das auf die Lebenserwartung auswirkt.

Alan Niederer berichtet: Den Begriff «sozioökonomischer Status» habe ich zum ersten Mal im Studium gehört. Das war vor knapp dreissig Jahren. Wir lernten damals, dass Krankheiten nicht nur chemisch-physikalische Ursachen haben, sondern auch psychische und soziale. So ernähren sich einsame Senioren oftmals einseitig und gehen zu wenig an die frische Luft. Das macht sie anfällig für viele Krankheiten.

Im Durchschnitt verkürzt sich das Leben der unterprivilegierten Personen um gut zwei Jahre. Damit ist der Effekt eines tiefen sozioökonomischen Status vergleichbar mit jenen anderer wichtiger Risikofaktoren, die im WHO-Aktionsplan angesprochen werden: körperliche Inaktivität (sie verkürzt das Leben laut «Lancet»-Studie um 2,4 Jahre), Bluthochdruck (minus 1,6 Jahre), Übergewicht (minus 0,7 Jahre) und ein hoher Alkoholkonsum (minus 0,5 Jahre). Einzig das Rauchen verschlang mit 4,8 Jahren bei den Männern und 3,9 Jahren bei den Frauen deutlich mehr Lebensjahre.

Damit ist mit neuen Zahlen unterlegt, was wir alle längst wissen: dass Armut ein grausamer Killer ist…Lancet Glob Health 2017

Frauenquote für Lego-Männchen

In Schweden nimmt man Anstoß an der Dominanz der kantigen Plastikkerlchen. Vermittelt der dänische Spielzeugkonzern ein antiquiertes Frauenbild?

Männer, so weit das Auge reicht – als Ritter stürzen sie sich wagemutig in jede Schlacht gegen ihresgleichen, als Astronauten ist ihnen kein Planet zu weit entfernt oder zu unbekannt, um furchtlos angesteuert zu werden, und als Rennfahrer holen sie aus ihren kräftigen Sportwagen alles raus. Keine Frage, die Welt des dänischen Spielzeugriesen Lego ist männlich. Der Großteil der Figuren ist maskulin, entsprechend sind auch die Berufe, die sie ausüben.

Nasa-Frauen als Spielfiguren
Jetzt will Lego die Frauenquote verbessern unter den Plasticfiguren. Der Bauklötzchen-Hersteller will offenbar etwas für die Frauenquote unter den Plasticfiguren tun: Er plant eine Serie mit berühmten Astronautinnen und Forscherinnen der Nasa. Berühmte Frauen in der Geschichte der Nasa kommen als Lego-Figuren auf den Markt. Der dänische Spielwarenhersteller will Astronautinnen und Forscherinnen, die die amerikanische Raumfahrtbehörde geprägt haben, mit einem eigenen Baukasten würdigen. Die Idee für das Set hatte ein Fan, der damit auf der Online-Plattform «Lego Ideas» 10 000 Stimmen sammelte. Das ist die Voraussetzung dafür, dass der Spielwarenbauer die Fanvorschläge prüft. Lego wählte das Nasa-Set aus zwölf Modellen aus, mit denen Amateur-Designer von Mai bis September die nötigen Stimmen sammeln können.

Der Bauklötzchenriese begründete seine Wahl damit, dass das Set inspirieren könne und gleichzeitig eine wertvolle Spielerfahrung biete. Unter den vorgeschlagenen Lego-Figuren sind etwa die Nasa-Forscherin Katherine Johnson und die Astronautin Sally Ride. Bis Anfang 2018 will Lego über das endgültige Design und den Preis des Sets entschieden haben, bevor es in den Regalen landen kann. Auf die Geschichte der Forscherin Johnson geht auch der in diesem Jahr für einen Oscar nominierte Film «Hidden Figures» ein.

Erfolgreiche Beteiligungsgesellschaften

Weit stärker als Berkshire Hathaway

Warren Buffetts mag als Unternehmer und Investor eines der wertvollsten Beteiligungsunternehmen der Welt mit einem Marktwert von derzeit 423 Mrd. Fr. aufgebaut haben, und der Aktienkurs dieses Vehikels mit dem Namen Berkshire Hathaway mag mit einem durchschnittlichen Kursgewinn von 15% in den vergangenen dreissig Jahren den breiten Aktienmarkt weit hinter sich gelassen haben.

Doch im Vergleich mit den Gebrüdern Steven und Mitchell Rales von der Beteiligungsgesellschaft Danaher war das wenig. Denn deren Aktien haben sich in den vergangenen dreissig Jahren dreimal so gut entwickelt und den Inhabern eine durchschnittliche Jahresrendite in gut 20% erbracht. Das Industriekonglomerat Danaher segelt gewissermassen im Schatten der Publizität bekannterer Firmen, dabei hat es heute einen Börsenwert von etwa 60 Mrd. Fr.

Wer vor dreissig Jahren 1000 $ in Papiere von Danaher investiert hätte, sässe heute auf einem Aktiendepot im Wert von gut 240 000 $, während Berkshire-Hathaway-Anteile zu einem Vermögen von nur gut 66 000 $ geführt hätten…..Erfolgreiche Beteiligungsgesellschaften

London und Frankfurt- Börsenfusion vor dem Aus

Die geplante Fusion von Deutscher Börse und der London Stock Exchange (LSE) ist in ernsthafter Gefahr. Die LSE teilte am Sonntagabend mit, dass die EU-Kommission von ihr den Verkauf weiterer Geschäftsbereiche gefordert habe, um grünes Licht für den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss zu geben. Das Unternehmen sei dazu jedoch nicht innerhalb der von der EU gesetzten Frist in der Lage. „Basierend auf der aktuellen Position der Kommission geht die LSE davon aus, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Kommission die Fusion genehmigen wird.“ Von der Deutschen Börse war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Es geht um das italienische Clearinghaus MTS. Die LSE ist zwar im Prinzip bereits zu verkaufen, jedoch nicht unter dem von der EU aufgebauten Zeitdruck.

In der Stellungnahme teilt die LSE mit, dass sie die Fusion mit der Deutschen Börse unverändert für sinnvoll hält.

Nach dem Brexit haben sich jedoch auf beiden Seiten die Gegner des Mergers formiert: Die Franzosen wollen keine enge Verflechtung zwischen Frankfurt und London. In Großbritannien gibt es Stimmen, die der Meinung sind, dass die LSE als unabhängiger Player eine bessere Rolle im globalen Handel spielen könnte.

Damit würde der fünfte Versuch scheitern, beide Unternehmen zu verschmelzen. Zwei mal waren Sondierungsgespräche bereits beendet worden, bevor sie öffentlich bekanntwurden. Die Deutsche Börse wurde von der LSE-Entscheidung Insidern zufolge überrascht. „Damit ist das Ding wahrscheinlich gegessen“, sagte eine mit der Fusion vertraute Person.

Beide Unternehmen hatten vor einem Jahr nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt, dass sie über einen Zusammenschluss verhandeln. Damit wollten sie einen europäischen Champion schaffen, der den großen US-Rivalen CME und ICE das Wasser reichen kann. In Deutschland gab es jedoch von Anfang an Kritik an dem Deal, weil die Holdinggesellschaft der Mega-Börse in London angesiedelt werden sollte. Nach dem Brexit-Votum nahm der Gegenwind für beide Unternehmen zu. Das Land Hessen machte deutlich, dass der Holdingsitz nun von London nach Frankfurt verlagert werden müsse. Die hessische Börsenaufsicht hätte nach der EU ebenfalls noch grünes Licht für den Deal geben müssen.

Dass der Zusammenschluss nun vermutlich schon am Veto aus Brüssel scheitert, kommt für viele Experten überraschend. Die LSE hatte bereits vor einiger Zeit angeboten, ihr Abwicklungshaus Clearnet SA im Falle einer Fusion für 510 Millionen Euro an die in Paris beheimatete Mehrländerbörse Euronext zu verkaufen. Die EU teilte der LSE nach einer Befragung von Marktteilnehmern kürzlich zwar mit, dass der Verkauf von Clearnet nicht ausreicht und forderte weitere Zugeständnisse. In Frankfurt und Brüssel waren viele mit der Fusion vertraute Personen jedoch davon ausgegangen, dass die LSE dazu bereit sei.

Die EU-Kommission habe die LSE aufgefordert, ihre Mehrheitsbeteiligung an der italienischen Handelsplattform MTS aufzugeben, die im Geschäft mit europäischen Staatsanleihen und anderen Bonds aktiv ist, wie die Londoner mitteilten. MTS für sich trage zwar nicht wesentlich zu den Erträgen der LSE bei, das gesamte italienische Geschäft aber sehr wohl. Zudem habe die LSE große Zweifel, dass die Behörden in Italien einen MTS-Verkauf genehmigen würden. „Die LSE-Spitze ist davon überzeugt, dass ein solches Zugeständnis das wichtige Verhältnis mit den Behörden und das Geschäft in Italien und der gesamten Gruppe beschädigen würde.“ Deshalb werde die Londoner Börse die Frist der EU-Kommission zur Einreichung weiter Zugeständnisse am Montag verstreichen lassen und keinen MTS-Verkauf anbieten.

Die Deutsche Börse bestätigte in einer Mitteilung die Entscheidung der LSE, MTS nicht zu verkaufen. Die Fusionspartner würden nun abwarten, wie die EU-Kommission die Situation bewerte. Mit einer Entscheidung sei bis Ende März zu rechnen. Die EU-Kommission äußerte sich zunächst nicht.,..NZZ

FOTO: Radowski

Steuerprogression

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“. Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Was ist der Unterschied zwischen einer stark und einer weniger stark progressiven Steuer?

Weitere Arbeiten zum gleichen Thema:
Wenn Sie lieber Texterklärungen haben, z.B. hier.
Die Grenzsteuersätze in den unterschiedlichen Kantonen finden Sie hier.

Rudolf Schuppler
www.w-t-w.org/en/cartoon/rudolf-schuppler
www.grafik-schuppler.at

Weitere Lernvideos Finanzkompetenz

Sohn einer Fussballlegende wegen Geldwäsche verurteilt

Pelés Sohn muss über 12 Jahre ins Gefängnis.

Der Sohn von Fußball-Legende Pelé, Edson Cholbi do Nascimento, muss ins Gefängnis, um eine über zwölfjährige Haftstrafe zu verbüßen. Der 46-jährige frühere Profitorwart wurde der Geldwäsche im Zusammenhang mit Drogengeschäften für schuldig befunden. Das urteilte ein Gericht im brasilianischen São Paulo. Er war dafür bereits 2014 verurteilt worden, damals sogar zu 33 Jahren. Nach einer Revision war er bis zur Entscheidung aber auf freiem Fuß. Nun wurde die Strafe auf 12 Jahre und 10 Monate reduziert….tagesanzeiger.ch

Kostas Koufogiorgos

Frauen im Machtzentrum der arabischen Finanzwelt

Saudi-Arabien. Frauen greifen am Golf nach der Macht.
Mathias Brüggmann berichtet: Der radikale Umbau Saudi-Arabiens schreitet voran – und Frauen werden immer wichtiger dabei. Obwohl sie außerhalb des riesigen Firmencampus des Ölgiganten Saudi Aramco bis heute nicht Autofahren dürfen, obwohl sie ohne männliche Begleitung oft nicht mal auf die Straße dürfen – jetzt treten sie in der Unternehmenswelt ins Rampenlicht. Mit Sara al-Suhaimi überwacht künftig erstmals eine Frau die saudische Börse. Mit Rania Nashar tritt als Chefin der Samba Financial Group erstmals eine Frau den CEO-Posten einer Bank in Saudi-Arabien an….
Saudi Arabien Frauen greifen am Golf nach der Macht
Saudi Women in Top Financial Jobs

Die erste weibliche Superheldin aus Saudi-Arabien heißt Latifa. Kreiert hat sie das Unternehmen „Saudi Girls Revolution“. (Foto: AP)

Geldwäsche – das lautlose Gift in den Adern der Gesellschaft

Geldwäsche: Eine Pressemitteilung von Fabio De Masi

„Schäuble schützt weiter die Trickser bei Geldwäsche und Steuerflucht. Der Kabinettsentwurf der Bundesregierung verhindert Transparenz bei Briefkastenfirmen. Wer Geld im Dunkeln lässt, begünstigt Steuerflucht, Korruption und auch Terrorfinanzierung“, kommentiert der Europaabgeordnete Fabio De Masi (DIE LINKE.) den heute im Kabinett der Bundesregierung diskutierten Entwurf des Gesetzes zur Umsetzung der Vierten EU-Geldwäscherichtlinie.

Der stellvertretende Vorsitzende des Panama Papers Untersuchungsausschusses des Europäischen Parlaments zu Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung (PANA) weiter: „Die EU-Kommission hat nach den Panama Papers – trotz verbleibender Schlupflöcher für Scheindirektoren von Briefkastenfirmen – geliefert. Auch einige Mitgliedstaaten gehen beim Unternehmensregister in die richtige Richtung und machen diese öffentlich zugänglich – sogar Großbritannien. Auch der Referentenentwurf des Finanzministeriums sah ursprünglich ein öffentliches Register gegen Briefkastenfirmen vor. Nun ist die Bundesregierung eingeknickt und erschwert den Zugang zu Informationen selbst für Journalisten und Forscher.“

De Masi weiter: „Gegen Steuerflucht und Geldwäsche brauchen wir echte Transparenz bei den Eigentümern von Briefkastenfirmen und Trusts. Schattenfinanzplätze und Steuerparadiese kosten uns hunderte Milliarden jährlich und ermöglichen Kriminalität bis hin zur Terrorfinanzierung. Es ist beschämend, dass die Bundesregierung unter Druck von Finanzminister Schäuble immer noch die nötigen Reformen verweigert.“

De Masi abschließend: „Im Europaparlament zahlt sich unser Druck aus. Dort werden wir nächste Woche komplett öffentliche Register für Briefkastenfirmen beschließen und müssen diese dann gegen die Regierungen im Rat verteidigen. Auch die Ablehnung der zahnlosen schwarzen Liste der Geldwäscheparadiese durch das Parlament auf Linke Initiative war ein Erfolg. Wir müssen den Steuersumpf endlich trocken legen, auch durch strengere Regeln für Banken und Kanzleien wie Mossack Fonseca, denen die Geschäftslizenz entzogen werden muss, wenn sie wiederholt Beihilfe zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung leisten.“

Geschätzt 100 Milliarden € werden jährlich in Deutschland kriminell erwirtschaftet und potentiell gewaschen. Die Einflüsse auf das Finanzsystem und die Wirtschaft sind enorm. Die staatlichen Strafverfolgungsbehörden bekommen nicht einmal ein halbes Prozent dieses schmutzigen Geldes in die Finger.

Lohnt sich also Verbrechen in Deutschland? Wer trägt die Verantwortung und was ist zu tun? Bundesfinanzministerium

Das lautlose Gift in den Adern der Gesellschaft

Artikelserie: Frauen und Kinder leiden unter Korruption