Hat der Kreml die Modernisierung verpasst?

Wirtschaftsliberaler Rhetorik hat der Kreml zu selten Taten folgen lassen. Sollte Putin jetzt die neue nationalistische und protektionistische Wortwahl in eine entsprechende Politik umsetzen lassen, potenziert das den Schaden für das eigene Land.

Da ist es wieder gewesen, das russische Verständnis von Politik als Konfrontation und Nullsummenspiel um Macht und Einfluss. Präsident Wladimir Putin, vor wenigen Tagen gefragt nach seiner Meinung über die jüngst verschärften Sanktionen von USA und EU wegen der Kreml-Politik in der Ukraine-Krise, gab sich kämpferisch: Die Regierung erarbeite Gegenmassnahmen, und auch wenn er diese noch nicht umzusetzen wünsche, so müsse man doch anschauen, «wer was in verschiedenen Sektoren der russischen Wirtschaft tut, auch im Energiesektor». Diese Drohung gegen ausländische Firmen reiht sich ein in die seit Wochen wachsende Phalanx protektionistischer Rhetorik aus allen Ecken des politischen Lagers. Von Enteignungen bis hin zur Zwangsschliessung aller McDonald’s-Filialen reichen die Vorschläge. Vor einem Jahr hätte noch kaum jemand solche Wortmeldungen ernst genommen. Jetzt lehrt der Ukraine-Konflikt Unternehmen und Analytiker, dass dem Kreml offenbar nur noch selten zu trauen ist.
Was ist noch sicher?
Putins wirtschaftlicher Verrat am eigenen Volk

Pawel, ein Wirtschaftsstudent, macht sich jedoch grosse Sorgen: Die drohende wirtschaftliche und politische Isolation habe desaströse Konsequenzen: «Russland hat keine Verbündeten mehr. Zwanzig Jahre Diplomatie werden durch den Abfluss gespült!», klagt er.

Arend van Dam www.w-t-w.org/en/arend-van-dam www.arendvandam.com

Arend van Dam

EZB lässt den Leitzins im Euroraum bei 0,25 Prozent

Trotz Mini-Inflation EZB belässt Leitzins bei 0,25 Prozent

Trotz der nach wie vor sehr niedrigen Inflation hält die Europäische Zentralbank den Leitzins im Euroraum bei 0,25 Prozent. Eine weitere Zinssetzung ist damit aber noch nicht vom Tisch.

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner auswärtigen Sitzung am Donnerstag in Brüssel, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.

Im April war die Jahresteuerung im Euroraum von 0,5 Prozent im Vormonat auf 0,7 Prozent gestiegen. Daher hatten Experten mit einer Verlängerung der Zinspause gerechnet. Allerdings liegt die Inflation weiterhin deutlich unterhalb der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent. Die Notenbanker warten die nächsten Wachstums- und Inflationsprognosen im Juni ab.

ezb

Die EZB schafft weiter Fakten

Die große Umverteilung: Mario Draghi ordnet die Banken in Europa neuEZB-Chef Mario Draghi entscheidet mit Hilfe eines US-Beraters

Die EZB beginnt, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, mit der Neuordnung der europäischen Bankenlandschaft: Unter der Leitung der umstrittenen US-Finanzfirma Oliver Wyman werden alle Banken zum Striptease gezwungen. Die nationalen Parlamente haben keine Kontrolle über die bevorstehenden Umwälzungen. Hedge Fonds und Investmentbanken reiben sich schon die Hände. Steuerzahler und Sparer werden bluten.

Den Vertreter der Bundesbank kann Draghi bequem überstimmen oder isolieren. Unter den Vorstandsmitgliedern, die zum festen Personal der EZB gehören, ist Deutschland mit Sabine Lautenschläger derzeit nur noch durch ein in der Geldpolitik ziemlich unerfahrenes „Leichtgewicht“ vertreten. Ihre Vorgänger Jürgen Stark und Jörg Asmussen hatten entweder das Handtuch geworfen (Stark) oder waren direkt in die Politik gewechselt (Asmussen). Mit Benoît Cœuré steht Draghi dagegen an führender Stelle ein ausgefuchster Franzose zur Seite, der aus der französischen Regierung kommt und mit dieser engsten Kontakt hält.

Die beiden Frauen an der Spitze der neuen EZB-Bankenaufsicht, nämlich Mme. Nouy aus Frankreich und Frau Lautenschläger aus Deutschland, haben sich übrigens in ihren früheren Tätigkeiten in der nationalen Bankenaufsicht nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Nouy hat mit ihrer Aufsicht das enorm kostenträchtige Dexia-Debakel nicht verhindert. Lautenschläger trägt in Deutschland Mitverantwortung für die Pleiten von IKB, Hypo Real Estate, Sachsen LB und Commerzbank, ebenfalls für den Steuerzahler sehr teuere Vorgänge. Klaus Engelen weist darauf in seinem sehr lesenswerten Aufsatz „Draghi‘s German Nightmare“ in Banking-Union-Watch hin.
Die große Umverteilung Mario Draghi ordnet die Banken in Europa neu
EZB-Rat tagt in Brüssel – und hält wohl weiter still

EZB

Gelder in Höhe von 15 Millionen Dollar veruntreut ?

Korruption

Haftbefehl gegen El Salvadors Ex-Präsidenten

Während seiner Amtszeit hat er sich offenbar die Taschen gefüllt. Jetzt ist der ehemalige Staatschef von El Salvador, Flores, auf der Flucht vor der Justiz.

San Salvador -Wegen Vorwürfen der illegalen Bereicherung Francisco Flores
in Millionenhöhe hat die Justiz in El Salvador Haftbefehl gegen Ex-Präsident Francisco Flores erlassen. Eine Richterin in der Hauptstadt San Salvador habe ihm mitgeteilt, dass sein Mandant nun offiziell von den Behörden gesucht werde, sagte Anwalt Edgar Morales.

Die salvadorianische Regierung hatte am Montag mitgeteilt, Flores habe sich vermutlich bereits ins Ausland abgesetzt.

Flores war zwischen 1999 und 2004 El Salvadors Präsident. Währenddessen soll er 15 Millionen Dollar (10,8 Millionen Euro) von der taiwanischen Regierung erhalten haben. Flores räumte ein, dass er das Geld bekommen habe. Er bestritt aber, es veruntreut und sich illegal bereichert zu haben.

Justizminister Ricardo Perdomo hatte am Montag gesagt, Flores habe sei wahrscheinlich mit einer Jacht oder einem Privatflugzeug nach Panama geflohen. Anwalt Morales sagte nun, auch er wisse nicht, wo sich sein Mandant aufhalte. Er sei von Flores‘ Frau beauftragt worden, den Ex-Präsidenten zu verteidigen.

Munguia

Munguia

bbc.com/news/world-latin-america

Hilft die Eurozone der globaler Wirtschaft auf Sprünge?

Die Industrieländer stehen „endlich“ vor einem Aufschwung, rechnen die Pariser Ökonomen vor.

Lukas Sustala berichtet:  Paris – Die Weltwirtschaft steht vor einer nachhaltigen Trendwende, erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). „Die großen Industrienationen kommen endlich in Fahrt“, rechnet Rintaro Tamaki, der OECD-Chefökonom im aktuellen Wirtschaftsausblick. Das gilt vor allem für die Eurozone. Für den Währungsraum wurde der Wachstumsausblick seit der vergangenen Prognose im November leicht angehoben, auf 1,2 Prozent 2014 und 1,7 Prozent 2015.

Allerdings wird das schwache erste Quartal die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, etwas bremsen, erwartet die OECD. Die USA werden 2014 mit 2,6 Prozent wachsen statt mit den bisher prognostizierten 2,9 Prozent. Dennoch steigt der Anteil der OECD-Länder am Weltwirtschaftswachstum zwischen 2013 und 2015 stetig von 22,7 auf 29,8 Prozent. Die Schwellenländer tragen zur etwas stärkeren Wirtschaftsdynamik hingegen weniger bei.
Vier Grafiken zur Lage der Weltwirtschaft

www.rabe-karikatur.de

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Kommen wir hoch, oder fallen wir tief?

Komplizierte Zukunftsperspektiven
Der Donbass sucht sein Heil im Osten

Rudolf Hermann berichtet: Für das Industriegebiet des Donbass, einst der Stolz der Sowjetunion, steht ein schmerzhafter Strukturwandel am Horizont. Die Politik kann diesen verzögern, aber nicht aufhalten. In jedem Integrationsszenario kommt die Schwerindustrie unter Druck.

«Wo sollen wir hin? Nach rechts, zu Russland, oder nach links, zur EU? So stellt sich die Frage nicht. Sondern: Kommen wir hoch, oder fallen wir tief?», sagt in entschiedenem Sprachduktus eine sonore Stimme. Sie gehört zu Serhi Tihipko, einem Politiker und früheren Bankfachmann, der Präsident der Ukraine werden möchte und in Radio- und Fernsehspots für seine Sache Werbung macht.

Gretchenfrage Integration

Tihipko war lange Zeit ein Spitzenvertreter der namentlich in der industriellen Ostukraine stark verankerten Partei der Regionen, dem einstigen politischen Vehikel des nun entmachteten Präsidenten Janukowitsch. Für die Wahlen kandidiert er nach einem Zwist mit seiner Partei als Unabhängiger, aber mit starkem Fokus auf deren Stammgebiet im Osten des Landes. Dass er in seinem Wahlkampfspot der integrationspolitischen Gretchenfrage elegant aus dem Weg zu gehen sucht, hat deshalb seine Logik. Denn daran kann er sich höchstens die Finger verbrennen.
Der Donbass sucht sein Heil im Osten
Saving you from Drowning

Warnsignal für erfahrene Anleger

Übernahmespekulationen sorgen für gute Stimmung an den internationalen Börsen und treiben die Aktienkurse. Aber wenn die Käufer mit Aktien statt in „Cash“ bezahlen ist Vorsicht angebracht.

Insgesamt wurden in diesem Jahr laut dem Wirtschaftsdienst Bloomberg bisher Übernahmen und Fusionen im Wert von 1,3 Billionen US-Dollar verhandelt. Das ist ein Volumenanstieg
von 42 Prozent gegenüber 2013 und der höchste Wert für das erste Jahresdrittel seit 2007.

Für erfahrene Anlagestrategen ist das ein Warnsignal: In der Vergangenheit war es oft so, dass Wendepunkte gegen Ende von Überhitzungsphasen an den Börsen durch Übernahmewellen gekennzeichnet waren. Vor allem wenn der Käufer einen Großteil mit eigenen Aktien bezahlt ist Vorsicht angebracht. So wie derzeit.
Während laut Angaben der DZ-Bank 2007 noch zwei Drittel aller Übernahmen in „Cash“ bezahlt worden sind, finden in diesem Jahr Übernahmen gegen Bares nur noch bei jeder zweiten Transaktion statt. Damit ist die Quote der Übernahmen sprunghaft angestiegen, bei denen mit eigenen Aktien bezahlt wird. Und das kann ein Hinweis darauf sein, dass schon die
Anteilsscheine des übernehmenden Unternehmens zu hoch bewertet sind.
Warnsignal fuer erfahrene Anleger

Stock Market2

Woodstock für Kapitalisten

Buffett-Manie in Omaha
Berkshire Hathaway-Hauptversammlung
Astrid Dörner berichtet: Seit 50 Jahren steht Warren Buffett an der Spitze von Berkshire Hathaway. Zum jährlichen Treffen mit der Anleger-Legende

38.000  Menschen sind am ersten Mai-Wochenende in seine Heimatstadt im Bundesstaat Nebraska gepilgert. Die verschlafene Stadt im Mittleren Westen ist im Ausnahmezustand. Die Hauptversammlung des Konglomerates Berkshire hat der Chef selbst scherzhaft das „Woodstock für Kapitalisten“ getauft.

Es ist die große Show von Warren Buffett und seinem Vice-Chairman Charlie Munger. Fünf Stunden lang sitzen sie auf der Bühne der Messehalle und beantworten Fragen – von Aktionären, von Journalisten und von Analysten. Danach mischt sich Buffett unters Volk. Er spielt Bridge mit den Aktionären und verkauft Schmuck des konzerneigenen Juweliers.

Buffett hat viele Menschen reich gemacht. Die Investorenlegende hat mit seinem außergewöhnlichen Riecher für gute Geschäfte das frühere Textilunternehmen in einen Konzern verwandelt, der an der Börse 317 Milliarden Dollar wert ist –  das nach Börsenkapitalisierung fünftgrößte Unternehmen der USA.
Buffett-Manie in Omaha

Warren Buffett und Charlie Munger, die Chefs der legendären US-Investmentfirma Berkshire Hathaway als Gummienten

Banken haben aber keinen Grund, Besseres zu bieten

Julia Rotenberger berichtet: Niedrige Leitzinsen lassen Sparern beim Festgeld schon seit Monaten kaum Hoffnung. Auch seitens der Banken werden gute Angebote immer seltener. Wann sich Festgeld dennoch lohnen kann.

Die Bigbank ist eigentlich nicht für schlechte Zinskonditionen bekannt. Seit sich das estnische Geldinstitut mit dem Logo des grauen Elefanten 2009 am deutschen Markt etabliert hat, wurde es bereits mehrfach ausgezeichnet. Beim Zinsaward der Max-Herbst-Finanzberatung belegte die Bank 2013 den zweiten Platz in der Kategorie Festgeld. Bei den dreijährigen Sparbriefen lag die Bank sogar auf dem ersten Platz.

Doch inzwischen hat Bigbank – zumindest bei den kurzfristigen Festgeldanlagen – nicht mehr die Nase vorn. Im Handelsblatt-Online Festgeld-Vergleich kommt sie auf gerade einmal 1,3 Prozent Zinsen auf Einlagen für zwei Jahre. Noch mauer sieht es bei einjährigem Festgeld aus: Gerade einmal ein Prozent Zinsen gibt es da. Vorstandsmitglied Kaido Saar, erklärte Anfang April im Handelsblatt-Interview: „Bessere Konditionen braucht es derzeit gar nicht, denn wir wollen unser Geschäftsvolumen in Deutschland für den Moment stabil halten.“

So legen die Deutschen ihr Geld an

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Mit dieser Einstellung ist die Bank nicht allein. Sparer, die nach guten Konditionen beim Festgeld suchen, dürften enttäuscht sein, denn wirklich lohnende Bedingungen bietet derzeit kaum eine Bank in Deutschland.
Kein Grund, besser zu werden

Banken haben aber  keinen Grund, Besseres zu bieten