Trumps Begründung für den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen

Kosten des Klimaabkommens für die US-Wirtschaft
 

Präsident Donald Trump begründet den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen mit den «drakonischen» Lasten, die der US-Wirtschaft auferlegt würden. Er zitierte dazu die Studie eines Wirtschaftsberatungsbüros, die im Weissen Haus ein dankbares Publikum gefunden hat. Eine Wirtschaftsstudie macht Karriere.

Ein Washingtoner Think Tank, der industrienahe American Council for Capital Formation Center for Policy Research, hatte die Studie in Auftrag gegeben. Der Council beschreibt sich als parteiunabhängig. Als Sponsor der Nera-Studie wird auch das mit der US-Handelskammer verbundene Institute for 21st Century Energy aufgeführt. Die US-Handelskammer (Chamber of Commerce) ist der grösste amerikanische Wirtschaftsverband und setzt sich stark für Trumps Deregulierungsagenda ein…
NZZ/ Wirtschaft/Kosten des Klimaabkommens

Im Widerspruch zur: OECD-Studie: Klimaschutz bringt Wachstumsschub für alle G20-Staaten. Investionen in Klimaschutz zahlen sich aus

Als Ablenkung von der Russland-Affäre: So schadet Donald Trump dem Weltklima

Christiane Lokar
www.kittihawk.de

Deutsche Wirtschaft profitiert von EU-Abkommen mit Indien

Der indische Premier kommt nach Berlin. Das könnte Gesprächen über ein Freihandelsabkommen mit der EU neues Leben einhauchen. So ein Abkommen würde sich laut einer Untersuchung für die deutsche Wirtschaft als Ganzes lohnen – es gäbe aber auch Verlierer.

Ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU könnte die deutsche Wirtschaft einer aktuellen Studie zufolge anschieben.Deutschland könne in diesem Fall mit einem um jährlich 4,6 Milliarden Euro höherem Bruttoinlandsprodukt kalkulieren, berechnete das
Ifo-Institut im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Besonders Hersteller von Kraftfahrzeugen, Maschinen und Ausrüstung dürften profitieren. Verlierer auf deutscher Seite seien Dienstleiter sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie.

Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ist jedoch noch lange nicht in Sicht. An diesem Dienstag (30.05.) trifft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin mit dem indischen Premierminister Narendra Modi im Rahmen der Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen, die seit 2011 alle zwei Jahre stattfinden.

Ein Abkommen habe nicht nur ökonomische Vorteile für beide Seiten, sondern würde grundsätzlich ein wichtiges Zeichen für den Freihandel setzen, sagte Bertelsmann-Asienexpertin Cora Jungbluth. Angesichts von Abschottungstendenzen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump und des geplanten Brexits werben globale Konzerne sowie die EU für Globalisierung. Zudem könnte das Abkommen dazu beitragen, den Wachstumsmarkt Indien besser für europäische Unternehmen zu erschließen, sagte Jungbluth.

Der Handel zwischen Indien und der EU könne in den nächsten fünf Jahren hundert Milliarden Euro erreichen, sagte Handelsminister Sharma. Im Krisenjahr 2009 lagen lagen die Ausfuhren der EU Richtung Indien bei 27,6 Milliarden Euro, während die Einfuhren einen Wert von 25,3 Milliarden Euro hatten. Vom Beginn des Jahrtausends hat sich der Warenverkehr mehr als verdoppelt. Das Schwellenland mit seiner rasanten Entwicklung ist der neuntwichtigste EU-Handelspartner. ..Freihandelsabkommen rückt näher

Europe and India Relaunching a Troubled Trade Relationship

Der US Aktienmarkt erklimmt immer neue Höhen

Die glorreichen Sechs Facebook, Apple, Netflix und Google (bzw. deren Mutter Alphabet) sowie Amazon und Microsoft verhelfen US-Aktien zum Plus. Der US-Aktienmarkt erklimmt immer neue Höhen. Ohne einige wenige Titel wären die Rekorde jedoch nicht möglich. Für manchen Beobachter ist das ein Warnsignal.

Schier unaufhaltsam strebt der amerikanische Aktienmarkt neuen Höhen entgegen. Am Donnerstag war es wieder so weit: Der S&P-500-Index, der die Kursentwicklung der 500 teuersten US-Unternehmen abbildet, erklomm ein neues Rekordhoch. Das «alte» hatte er nicht einmal zwei Wochen vorher erreicht. Noch vor der Jahresmitte hat der S&P 500 damit im Jahr 2017 schon um rund 8% zugelegt. Zum satten Plus haben jedoch bei weitem nicht alle Aktien beigetragen. Dies hat sich in den vergangenen Wochen noch einmal zugespitzt, was so manchen Beobachter beunruhigt. ..Wird die Kursrally langsam unheimlich?

Die glorreichen Sechs

China erstmals seit 1989 abgestuft von Moody’s

Die US-Ratingagentur Moody’s hat China zum ersten Mal seit 1989 abgestuft.  Moody’s warnt vor stark steigenden Schulden in China – und senkt erstmals seit fast drei Jahrzehnten Pekings Kreditwürdigkeit. Die kommunistische Führung reagiert pikiert.

Wie die amerikanischen Bonitätsprüfer mitteilten, sinkt die Bewertung um eine Stufe auf A1. In der Skala von Moody’s ist das die fünftbeste Note. Es ist die erste Abstufung seit 1989. Zugleich wurde der Ausblick von negativ auf stabil gesetzt, weshalb eine weitere Abstufung zunächst nicht zu erwarten ist. Die chinesische Führung wehrte sich gegen das aus ihrer Sicht unangebrachte Urteil.

Kritisch sehen die Analysten von Moody’s vor allem die Schuldensituation Chinas. Sie erwarten, dass die landesweite Verschuldung in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Die geplanten Wirtschaftsreformen dürften diesen Prozess zwar verlangsamen, nicht aber aufhalten. Weil die politische Führung hohen Wert auf ein starkes Wirtschaftswachstum lege, werde sie weiterhin konjunkturstützende Maßnahmen ergreifen. Dies bringe eine höhere Verschuldung mit sich.

Das Finanzministerium in Peking warf Moody’s eine verfehlte Methodik vor, bei der ein «pro-zyklischer Ansatz» verfolgt werde. Zudem unterschätze die Ratingagentur die Fähigkeit Chinas, wirtschaftliche Strukturreformen durchzuführen. Derartige Reformen, die auch der Öffnung der chinesischen Wirtschaft zugute kommen können, erachten Ökonomen als mitentscheidend für das künftige Wachstumspotenzial.

Das Finanzministerium sieht zudem keine nennenswerte Änderung in seiner Risikoeinschätzung der Schuldenlage. Das sieht Moody’s anders: Die Ratingagentur erwartet, dass die staatliche Schuldenquote, also die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum, bis zum Ende des Jahrzehnts graduell ansteigen werde.

Mit 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) werde die direkte Staatsverschuldung dann auf dem Niveau anderer Länder liegen, die ähnlich wie China bewertet sind. Auch die indirekte Staatsverschuldung, etwa über die Lokalregierungen, sowie die Verschuldung der Haushalte und der staatseigenen Betriebe werde weiter steigen. Die Gesamtverschuldung Chinas beträgt schon jetzt rund 250 Prozent des BIP.

Positiv verweist die Ratingagentur dagegen zum einen auf die schiere Größe und das schnelle Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft. Zum anderen werden die hohen Ersparnisse der Haushalte und der immer noch riesige Devisenberg des Landes genannt. Dieser ist seit Mitte 2014 zwar um eine Billion US-Dollar geschrumpft, beträgt aber immer noch rund drei Billionen Dollar. Dies gebe der Notenbank reichlich Spielraum zur Stabilisierung der Landeswährung und zur Vermeidung von Kapitalflucht.

Die Reaktion an den Finanzmärkten auf die Ratingentscheidung hielt sich in Grenzen. Am chinesischen Aktienmarkt stabilisierten sich die Kurse nach einem Minus zu Handelsbeginn wieder. Chinas Landeswährung Yuan, die in Grenzen durch den Staat kontrolliert wird, fiel ebenfalls nur zeitweise zurück.

Chinas Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren an Schwung verloren, wenngleich sich zuletzt eine Stabilisierung abzeichnete und das Wachstum zum Jahresstart positiv überraschte. Von den zweistelligen Wachstumsraten, die jahrelang verzeichnet wurden, ist aber nichts mehr zu sehen. Chinas Wirtschaft soll nach Regierungswillen umgebaut und nachhaltiger aufgestellt werden, weg von einer starken Exportorientierung, hin zu mehr Binnennachfrage. Dieser Prozess ist jedoch in letzter Zeit ins Stocken geraten, weil die Regierung damit beschäftigt war, das rückläufige Wirtschaftswachstum zu stabilisieren.

Immer mehr Frauen erobern die Schweizer Chefetage

Die Liste der Frauen, die auf den obersten Hierarchiestufen in Schweizer Unternehmen stehen, ist zwar noch kurz. Doch der Frauenanteil ist in der Schweiz im letzten Jahr stark angestiegen. Gerade mal vier Konzernchefinnen und zwei Verwaltungsratspräsidentinnen listet eine Studie bei den rund hundert grössten Unternehmen in der Schweiz auf.   Schillingreport 2017

Silvan Wegmann
www.w-t-w.org/en/silvan-wegmann

São Paulo: Präsident Temer soll Schmiergeldzahlungen gebilligt haben

Im brasilianischen Petrobras-Skandal belasten Tonaufnahmen Präsident Temer. Er soll der Zahlung von Schweigegeld an einen früheren Vertrauten zugestimmt haben.

Die Börse in São Paulo hat den jüngsten Skandal um Präsident Michel Temer schlecht verdaut. Die Affäre stellt die Wirtschaftserholung infrage. Nach Kursverlusten von über 10 Prozent wurde der Handel ausgesetzt.

Neue Ermittlungen im brasilianischen Korruptionsskandal um den Präsidenten Michel Temer haben den Börsenhandel in São Paulo gestern vorübergehend gestoppt. Nachdem der Index nach Börsenbeginn mehr als 10% verloren hatte, aktivierte die Aufsicht den Wellenbrecher. Damit wird der Handel ausgesetzt, um einen panikartigen Crash zu vermeiden, wenn die Kurse stark fallen.

Zuletzt setzte die Börsenaufsicht den Wellenbrecher im Verlauf der Finanzkrise 2008 ein. Die Erschütterungen sind diesmal jedoch politisch ausgelöst: Ton- und Filmaufnahmen belasten den brasilianischen Präsidenten und könnten seinen baldigen Abtritt bewirken.

Nach einem Bericht des Medienunternehmens Globo soll Präsident Temer unterstützt haben, dass der in Untersuchungshaft sitzende ehemalige Präsident des Abgeordnetenhauses mit Schmiergeld zum Schweigen angehalten wird. Das sollen Aufzeichnungen belegen, die ein Unternehmer von dem Gespräch gemacht hat. Während des Treffens habe er den Präsidenten darüber informiert, dass er den einsitzenden Politiker für sein Schweigen bezahle.

Völlig unklar ist die Nachfolge Temers. Nach der Verfassung kämen nach einem Abtritt oder einer Absetzung Temers erst der Präsident des Abgeordnetenhauses und danach der des Senats an die Reihe. Beide sind jedoch ebenfalls in Korruptionsskandale verwickelt. Nur die Nachfolgekandidatin Nummer 3, Carmen Lúcia, die Präsidentin des Obersten Gerichtshofes, gilt als integer. Manager-Magazin

Finanzwissen: Private Banking ohne Berater?

Was wissen die Schweizer über ihr Geld?

Junge Menschen in der Schweiz wissen am wenigsten über Finanzen. Sie würden für eine Verbesserung ihrer Kenntnisse sogar etwas bezahlen. Bankberater bleiben mit Abstand die wichtigste Informationsquelle.

Claudia Gabriel berichtet: Dass Obligationenfonds auch Anleihefonds heissen können, wissen zwar 54% der Schweizer nicht. Fast genauso viele glauben zudem, dass man bei einem Investment in Fonds am Ende sein Geld sicher vollständig zurückbekommt. Cracks in Finanzfragen sind Herr und Frau Schweizer also noch lange nicht. Doch immerhin 45% von ihnen haben mittlerweile ein gutes Verständnis. Ihr Anteil wächst seit zehn Jahren zwar langsam, aber stetig. Und wie viel Geld man heute hätte, wenn man vor zehn Jahren 10 000 Fr. in einen Aktienfonds investiert hätte, das wissen sie sogar haargenau: nämlich rund 24 600 Fr.

Denn je älter und je vermögender die Befragten, desto besser ist im Durchschnitt ihr Wissen, und desto eher investieren sie auch in Fonds – dabei wurde der Fonds ursprünglich nicht zuletzt als Investment für Kleinanleger konzipiert……Umfrage zum Fondswissen

Langjährige Überlegenheit der US-Börsen vorbei?

Sind europäische Aktien nun entfesselt? Europäische Aktien haben jahrelang vergleichsweise magere Renditen abgeworfen. Nun ist die Hoffnung gross, dass die Aufholjagd auf die US-Titel begonnen hat. Ob es dazu kommt, ist aber fraglich.

Die Bullen sind los. Spätestens seit den französischen Wahlen stehen europäische Titel wieder hoch im Kurs. Markiert der Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich eine Wende an den Aktienmärkten? Lange Zeit schienen die bevorstehenden Wahlen in den Niederlanden und Frankreich wie Mühlsteine an den europäischen Börsen zu hängen. Nachdem sowohl der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders und vor wenigen Tagen auch seine französische Gesinnungsgenossin Marine Le Pen als Verlierer aus den Abstimmungen gingen, haben sich zahlreiche Sorgenfalten bei den Marktteilnehmern verflüchtigt. Vor allem nach dem Sieg des proeuropäisch eingestellten Emmanuel Macron im Hexagon stellt sich die Frage, ob nun die europäischen Aktienmärkte von ihren Fesseln befreit sind…Verbesserte Aussichten?

Frankreich, die Stärken von Europas drittgrößter Volkswirtschaft

Der deutsche Mittelstand im Nachbarland. Frankreichs Wirtschaft ist besser als ihr Ruf. Die Stärken von Europas drittgrößter Volkswirtschaft.

Deutschlands größter Exportmarkt sind zwar die USA, doch auf Platz zwei kommt schon der große Nachbar im Westen: Nach Frankreich führten deutsche Unternehmen 2016 Waren im Wert von 101,4 Milliarden Euro aus.

Für die Parlamentswahlen in Frankreich nominiert Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron Hunderte Polit-Neulinge. Macron will sich bei den Parlamentswahlen eine eigene Hausmacht sichern. Die meisten Kandidaten seiner Bewegung hatten noch nie ein politisches Amt.

„Frankreichs Wirtschaft ist besser als ihr Ruf“

IWF beklagt Ungerechtigkeit in Deutschland

Einkommensverteilung: In Deutschland sind die Einkommen so ungerecht verteilt wie vor 100 Jahren. Die Regierung kümmert das nicht, sie schützt die Spitzenverdiener.

Ökonomen weltweit haben in der vergangenen Jahren immer neue Kanäle aufgezeigt, wie wachsende Einkommens- und Vermögenskonzentration zu schweren gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen führen kann: Von stagnierendem Wirtschaftswachstum bis zu größeren Schwankungen an den Aktienmärkten gehen die plausiblen Folgen der Ansammlung großer Vermögen und Einkommen in den Händen einer kleinen Oberschicht.

Was ist aber mit der These, die Leistungsträger würden einfach weniger arbeiten, wenn die Steuern höher seien? Während in Deutschland dieses Mantra weiter hochgehalten wird, sind im Ausland selbst die Reichen davon nicht mehr überzeugt.

Der IWF moniert in seinem Bericht vor allem die zu hohe Belastung unterer Einkommen – unerwartete Schützenhilfe für Martin Schulz, der für mehr Gerechtigkeit eintritt. Doch nicht alle Vorschläge dürften der SPD gefallen.Über mehr Umverteilung zu diskutieren ist in Deutschland immer noch ein Tabu. Gut sichtbar wurde dies an der Debatte um den Umgang mit den prognostizierten Steuermehreinnahmen in den vergangenen Wochen.

Wie immer fordern Konservative und Wirtschaftsverbände Steuersenkungen, links der Mitte wird verhalten nach etwas mehr Geld für Infrastruktur und Bildung gefragt.

US-Gewerkschafter beklagen die in ihrem Land immer weiter auseinandergehende Einkommensschere. Die Chefs der 500 größten Unternehmen sollen fast das dreihundertfünfzigfache des normalen Arbeitnehmers verdienen.
Redistribution, Inequality, and Growth

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen
www.harmbengen.de