Vatikanbank: Rücktritt wegen Investmentfonds in Luxemburg?

Der frühere Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, Clemens Boersig
verlässt die Führung der Vatikan-Bank im Streit. Er habe ebenso wie sein italienischer Vorstandskollege Carlo Salvatori wegen unterschiedlicher Ansichten über die Führung des Instituts seinen Posten geräumt, teilte der Vatikan an diesem Mittwoch mit.

Der Präsident der Kardinalskommission für das IOR, Santos Abril y Castello, den Amtsverzicht an. Turnusgemäß hätte Börsigs Mandat bis 2019 gedauert. Der Schritt erfolge „im Rahmen legitimer Überlegungen und Meinungen über die Führung des Instituts mit einer derart speziellen Zielsetzung wie das IOR“, heißt es dazu in der Mitteilung. Börsig habe in „einer für die Stabilität und Integrität des IOR wichtigen Phase“ einen „kompetenten und qualifizierten Beitrag“ geleistet. Außer Börsig legte auch der italienische Banker Carlo Salvatori sein Aufsichtsratsmandat nieder.

Rücktritt wegen Investmentfonds in Luxemburg?
Nach einem Bericht des Internetportals „Vatican Insider“ sollen die Rücktritte Börsigs und Salvatoris im Zusammenhang mit einem päpstlichen Veto gegen die Einrichtung eines Investmentsfonds in Luxemburg durch das IOR im Mai 2015 stehen. Der Aufsichtsrat habe das Projekt zuvor befürwortet. Börsig und Salvatori hätten sich demnach nicht mit der Linie des Papstes identifizieren können, der das IOR in erster Linie als Finanzdienstleister für Orden und kirchliche Einrichtungen sehe.

Börsig gehört dem Aufsichtsrat des IOR seit Juli 2014 an. Damals war das sechs Mitglieder umfassende Gremium komplett erneuert worden. Zuvor war er von 2006 bis 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank.

Seit 2013 Transparenz-Standards
Die Vatikanbank, die in der Vergangenheit aufgrund fehlender Transparenz regelmäßig mit Schwarzgeld in Verbindung gebracht wurde, hat seit 2013 internationale Transparenz-Standards eingeführt. Seither wurden rund 5.000 der vormals 19.000 Konten geschlossen. Das „Istituto per le Opere di Religione“ verwaltet Fremdkapital in Höhe von 6,3 Milliarden Euro. Das Geld stammt vor allem von kirchlichen Einrichtungen. Hinzu kommen 800 Millionen Euro des Heiligen Stuhls.

Der frühere Vatikan-Bank-Chef Ettore Gotti Tedeschi musste wegen verdächtiger Millionen-Transfers seinen Hut nehmen. Papst Franziskus hatte eine Schließung des Geldhauses erwogen, sich dann jedoch für Reformen entschieden. Der „Consiglio di Sovrintendenza“ des IOR ist anders als ein deutscher Aufsichtsrat nicht nur ein Kontrollgremium, sondern lenkt auch das operative Geschäft des Geldinstituts. An seiner Spitze steht seit Juli 2014 der Franzose Jean-Baptiste Douville de Franssu. Der Präsident des Aufsichtsrats wird gemeinhin als Vatikanbank-Chef bezeichnet.
Katholisch.de

Korruptionsvorwürfe belasten Vatikanbank. www.paolo-calleri.de

Korruptionsvorwürfe belasten Vatikanbank.
www.paolo-calleri.de

Frauen und Kinder leiden unter Korruption

Weihnachts- und Urlaubsgeld sind zum Lohn dazuzählen

Ob Weihnachts- und Urlaubsgeld zum Lohn dazuzählen. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Sie zählen in der Regel dazu. Das Urteil ist ein Stück weit Selbstverständlichkeit und nicht etwa ein Persilschein für gemeine Tricks der Arbeitgeber.

Weihnachtsgeld ist Lohn
Können Weihnachts- und Urlaubsgeld auf den gesetzlichen Mindestlohn angerechnet werden, wenn jeweils ein Zwölftel davon pro Monat ausbezahlt wird? Das Bundesarbeitsgericht befasste sich erstmals mit etwaigen Tricks um den Mindestlohn. Die Tochterfirma eines Städtischen Klinikums hatte ihrer Mitarbeiterin besagte Sonderzahlungen in zwölf monatlichen Raten ausgezahlt, um so den Vorschriften des gesetzlichen Mindestlohns zu entsprechen. Ohne diese Zahlungen beliefe sich der Stundenlohn der Mitarbeiterin auf 8,03 Euro. Die vorhergehenden Instanzen erlaubten diese Praxis, da der Arbeitgeber das Urlaubsgeld unabhängig davon ausbezahlte, ob die Angestellten tatsächlich in Urlaub fuhren oder nur einen Teil des Jahres angestellt waren. Zudem gab es eine entsprechende Vereinbarung mit dem Betriebsrat. Die Klägerin argumentiert hingegen, dass das Urlaubsgeld zusätzlich zum Lohn vereinbart sei und das Weihnachtsgeld die Betriebstreue belohne. Sie fordert eine Grundvergütung über 1.473 Euro (entsprechende 8,50 Euro pro Stunde).
Erfuellung des gesetzlichen MindestlohnsBundesarbeitsgericht

Geschäftspotenzial im Weltraum?

Bergbau der Zukunft: Luxemburg will Rohstoffe im Weltall abbauen

Luxemburg plant, gemeinsam mit dem US-Unternehmen Deep Space Industries Rohstoffe auf Asteroiden abzubauen. Die Regierung des EU-Landes wird dazu Entwicklung und Start der ersten Rakete mitfinanzieren. Mit dem Bergbau im Weltall will Luxemburg langfristig neue Geldquellen erschließen – einige Asteroiden bestehen aus wertvollen Metallen und sind potentiell Billionen Dollar wert. Spaceresources.public.lu

Unsere gegenwärtige Zeit ist durch eine Vielzahl von Konflikten spannungsgeladen. In der medialen Berichterstattung dominieren vor allem Konflikte, die terroristische Hintergründe haben. Dass dabei aber weitaus mehr Konfliktpotentiale auf der Welt existieren als berichtet wird, liegt auf der Hand.

So spielen exterritoriale Räume, also Gebiete, die keiner staatlichen Hoheitskontrolle unterliegen, eine weitgehend unbedeutende Rolle – noch – denn das wird sich wahrscheinlich in ferner Zukunft ändern.

Warum aber wird diese neue Konflikt-Dimension eine noch stärkere Rolle in den internationalen Beziehungen spielen? Die Antwort darauf ist aus staatlicher Perspektive recht simpel: zunächst werden Ressourcen knapper, gleichzeitig nimmt der Ressourcenverbrauch aber zu, da sich Staaten wie China und Indien zu mächtigen Akteuren entfalten.

Außerdem steigen die technologischen Entwicklungen an und damit stellt sich schließlich die Frage über die territoriale Erstreckung staatlicher Souveränität neu, wie es beispielsweise momentan im Chinesischen Meer beobachtet wird. Wenn also ein Staat die technischen Anforderungen erfüllt und die entsprechende Macht besitzt, um beispielsweise an vorher nie zugänglich gewesene Ressourcen zu gelangen oder tiefer in das Weltall zu dringen, so wird er das mit gewisser Wahrscheinlichkeit tun.

Die Rechtslage im Weltraum ist noch weitgehend ungeklärt
Neben verschiedenen Mineralien könnte dabei langfristig auch die Erschließung von Frischwasserreserven von Interesse sein. Wem allerdings die Rohstoffe im Weltall tatsächlich gehören, ist rechtlich noch umstritten. Eine international verbindliche Einigung konnte bei diesem Thema bisher nicht erreicht werden. Der internationale Weltraumvertrag aus dem Jahr 1967 untersagt allerdings ausdrücklich die Inbesitznahme von Himmelskörpern. Der US-Senat verabschiedete im vergangenen Jahr daher ein Gesetz, das den Besitz der im Weltall vorhandenen Rohstoffe regeln soll. Demnach können Privatunternehmen Anspruch auf den Besitz von im Weltraum abgebauten Rohstoffen erheben. Bisher gilt diese Rechtslage allerdings nur für US-Unternehmen.

artmaja.at

artmaja.at

Überkapazitäten von Geldhäuser in der Eurozone?

EZB-Bankenaufsicht Daniele NouyBankenaufseherin Nouy auf der Frühjahrstagung
der Großbankenlobby IIF in Madrid 2016.

Die EZB will Banken unter die Arme greifen. Europas oberste Bankenaufseherin warnt vor Überkapazitäten und will eines der größten Probleme der Finanzbranche in der Eurozone angehen…

Aber zumindest in einem Punkt will die EZB den Banken offenbar helfen. Laut Nouy arbeitet die Notenbank an Vorschlägen zu einem Abbau der Problemkredite in den Bilanzen vieler Geldhäuser. Der hohe Bestand an notleidenden Darlehen stelle eines der größten Probleme für die Wirtschaft der Euro-Zone dar. Banken in der Währungsunion sitzen derzeit auf faulen Kreditvolumen von rund 900 Milliarden Euro. Wie genau die EZB die Institute unterstützen will, ließ die Aufseherin allerdings offen…Handelsblatt
Meliá Castilla in Madrid, Spain

Geldwäscheskandal: Schweizer Privatbank verliert Lizenz

Verfahren gegen BSI – Bank wird aufgelöst. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Finanzskandals um den malaysischen Staatsfonds gegen die Tessiner Bank. Dies veranlasst den Banken-Chef zum Rücktritt.

Der Schweizer Privatbank BSI wurde die Banklizenz entzogen. Es sei der „schlimmste Fall mangelhafter Kontrolle und groben Fehlverhaltens“ im Finanzsektor Singapurs, sagen die Behörden. Es ist das erste Mal in den letzten 32 Jahren, dass das Land derartige Maßnahmen gegen eine Bank ergreift. Zugleich hat die Schweizer Bundesanwaltschaft BA ein Strafverfahren gegen die Bank eröffnet. er Grund ist derselbe: Schwerwiegende Verletzung der Geldwäscherei-Bestimmungen.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma zieht „den ungerechtfertigt erzielten Gewinn“ in der Höhe von 95 Millionen Franken ein. BSI-Chef Stefano Coduri und andere Top-Manager müssen ihren Hut nehmen. Neuer Chef wird Roberto Isolani. Er ist derzeit Mitglied des Verwaltungsrates der Bank. Er werde eine reibungslose Integration der BSI in EFG International gewährleisten, teilte die Bank mit.

Das Strafverfahren gegen die BSI sei am 23. Mai aufgrund von Erkenntnissen aus dem Strafverfahren der Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit 1MDB sowie aufgrund des Entscheids der Finanzmarktaufsicht (Finma) eröffnet worden, heisst es in einer Mitteilung der BA. Straftaten hätten verhindert werden können.

Korruptionsskandal um malaysischen Staatsfonds
In der Mitteilung von Singapurs Aufsichtsbehörde MAS ist von einer „unakzeptablen Risikokultur“, regulatorischen Fehlern und grobem Fehlverhalten einiger BSI-Mitarbeiter die Rede. Gleichzeitig teilte MAS mit, dass sie auch die Transaktionen anderer Banken in Singapur untersuche. „BSI ist der schlimmste Fall mangelhafter Kontrolle und groben Fehlverhaltens, den wir im Singapurer Finanzsektor gesehen haben“, sagt MAS-Chef Ravi Menon.

Die Aufsichtsbehörde nannte in ihrer Mitteilung nicht explizit Malaysias Staatsfonds 1MDB. Allerdings informierte die Schweizer Finma, dass die BSI im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal um den Staatsfonds die Geldwäschereibestimmungen schwerwiegend verletzt habe. Der Fonds, der 2009 durch den malaysischen Premierminister Najib Razak kurz nach dessen Amtsantritt gegründet worden war, steht seit längerem im Fokus von Geldwäschereiuntersuchungen in mindestens sechs Ländern. Schweizer Ermittler vermuten früheren Angaben zufolge, dass bei dem Fonds 1MDB Gelder von bis zu vier Milliarden Dollar veruntreut wurden.

Obwohl die Behörde bereits Ende 2013 deutlich auf die Risiken dieser Kundenbeziehungen hingewiesen hatte, sprachen sich der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung wiederholt für die Weiterführung dieser lukrativen Kundenbeziehungen aus, ohne dass die zahlreichen und deutlichen Hinweise auf Probleme angemessen abgeklärt worden seien.

„Schuss vor den Bug der Branche“
Die Maßnahme der Singapurer Zentralbank sei „ein Schuss vor den Bug der Branche“,
sagte Chris Wilson, Partner und Geldwäscherei-Experte beim Wirtschaftsprüfer PwC. „Dies schickt ein starkes Signal an die Geschäftsleitung jeder Institution da draußen, dass dies auch sie treffen könnte“, sagte Wilson. Er fügt an, dass Regulatoren in anderen Ländern nun ihre Regeln überarbeiten oder deren Durchsetzung forcieren könnten..
Annual Report 2015 BSI

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen www.harmbengen.de

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen
www.harmbengen.de

Frauen und Kinder leiden unter Korruption

Stellschrauben für die Renten

Die Stellschrauben der zweiten Säule – verständlich erklärt.

Mit einem Video über die möglichen Stellschrauben in der zweiten Säule erklärt der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP für die Notwendigkeit einer Reform der Altersvorsorge.

Je kürzer der Sparprozess, je geringer die erzielte Rendite, je früher das Renteneintrittsalter und je höher die Lebenserwartung, desto schlechter ist die Finanzierbarkeit der Renten in der zweiten Säule. Das Video erklärt diese Zusammenhänge und die möglichen Stellschrauben eindrücklich und verständlich.

Darüber hinaus wird die Bedeutung des Kollektivsparens erklärt, wie es zur ungewünschten Quersubventionierung der Rentner durch die beitragszahlende, arbeitende Bevölkerung kommt und warum der Umwandlungssatz gesenkt werden muss, um das System wieder neu zu justieren.

Zum Schluss plädiert der Verband der paritätisch geführten Pensionskassen für gemeinsame Anstrengungen zugunsten der anstehenden Reformen.

„Wir können uns ein Scheitern dieser Reform nicht leisten, denn wenn es dieses Mal nicht klappt, wird es beim nächsten Mal umso härtere Massnahmen brauchen, um das System wieder ins Lot zu bringen“.
Schweizer Pensionskassenstudie 2016
Rentenexpertin Lilah-Stellschrauben

Männer, die Geld bewegen

Das US-Magazin „Forbes“ hat ein weiteres seiner beliebten Rankings erstellt. Thema diesmal: die einflussreichsten Leute an den Finanzmärkten. Aufgenommen wurden nach Angaben der Redaktion Männer und Frauen aus allen möglichen Bereichen des Finanzgeschäfts, sei es von Hedgefonds, Private-Equity-Firmen oder Großbanken. Entscheidend: Das persönliche Vermögen, das verwaltete Finanzvermögen, der Track-Record sowie der Einfluss auf die Märkte….Manager Magazin

Auf Platz zehn landete Altmeister George Soros, 85 Jahre alt und rund 25 Milliarden Dollar schwer, dessen Einschätzungen zur Weltwirtschaft unter Investoren nach wie vor Gewicht haben.
US-Magazin Forbes
Maenner, die Geld bewegen

Automatisierung der Megatrend

Auf den Siegeszug der Roboter setzenDie Euphorie für Roboter kennt kaum Grenzen. Den involvierten Unternehmen winken hohe Wachstumsraten und Gewinne. Für Anleger ist es aber nicht ganz einfach, daran zu partizipieren.

Was sich vor einigen Jahren noch wie ein Science-Fiction-Roman anhörte, ist heute bereits vielerorts Realität: Roboter bauen, schweißen, tauchen, helfen, pflegen, kicken – und werden dabei dem Menschen immer ähnlicher. Die Maschinenwesen haben sich ihren Platz in Industrie und Handwerk ebenso erobert wie in Medizin und Altenpflege.

Es ist nur einige Tage her, dass ein Operationsroboter selbständig eine Darmwunde vernäht hat.  Der Roboter absolvierte die als sehr anspruchsvoll geltende Aufgabe besser als erfahrene menschliche Operateure. Vor wenigen Wochen besiegte dann ein Computer den südkoreanischen Meister des äusserst komplexen asiatischen Brettspiels Go, Lee Sedol. Ähnlich wie die legendären Duelle des damaligen russischen Schachweltmeisters Garri Kasparow gegen die IBM-Computer Deep Thought und Deep Blue Mitte der neunziger Jahre werden die Erfolge von Alphago als Indikator für den Entwicklungsstand der künstlichen Intelligenz angesehen.

Es sind vor allem die Fortschritte in diesem Feld, die Robotern einen weiteren Schub gegeben haben, was Experten dazu bewegt, von einer neuen Generation zu sprechen, der inzwischen dritten. Arbeiteten die Maschinen zunächst stationär, wurden sie mit der Zeit mobil. Heute sind sie in der Lage, gemeinsam mit Menschen an einem Produkt zu werkeln, weshalb dieser Typ «collaborative robot» oder «cobot» genannt wird. Zudem sind Roboter inzwischen in der Lage, voneinander zu lernen.
Auf den Siegeszug der Roboter setzen

Roboter

Demografische Zeitbombe

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“. Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Herri.

Wir präsentieren das Konzept der Alterspyramide und zeigen, wie sich diese aufgrund der weltweit steigenden Lebenserwartung und den abnehmenden Geburtenzahlen bis ins Jahr 2050 verändert. Diese Veränderungen können nicht ohne Auswirkungen bleiben.

Meine Damen und Herren, die demografische Entwicklung – ich nenne sie eine demografische Zeitbombe -, ist in aller Leute Mund. Ich möchte Ihnen heute zeigen, wie man sie darstellen kann. Ich beginne mit der Grafik der sogenannten Alterspyramide. Ich habe die Darstellung vom ECONOMIST übernommen. Kurz und bündig: hier oben befinden sich die älteren Alterskohorten, hier die Alterskohorten von 0-4, 5-9, 10-15 Jahren und hier oben dann die Älteren. In der Mitte zwischen 15 und 65 findet sich die sogenannte „aktive Bevölkerung“. Auf der linken Seite der männliche und auf der rechten die weibliche Teil der Bevölkerung. Üblicherweise geht man davon aus, dass die aktive Bevölkerung auf der einen Seite die Kinder und auf der anderen Seite die oberen Alterskohorten unterstützt. Das ist insofern kein Problem, als das hier oben relativ klein und das hier unten relativ gross ist.

Jetzt schauen wir uns einmal einzelne Jahre an. Hier die weltweite Alterspyramide im Jahr 1970. Hier sehen Sie die sogenannten geburtenstarken Jahrgänge – die „Baby-Boomer“. Wir wollen einmal schauen, wie sich die Baby-Boomer-Generation nach oben verschiebt. Wenn Sie sich das Jahr 2015 ansehen – das Gelbe ist die heutige Altersstruktur -, und das vergleichen mit der Alterspyramide im Jahre 1970, dann haben sich die geburtenstarken Jahrgänge nach oben bewegt. Ganz oben hat das noch keine Auswirkungen gehabt, aber hier unten fehlen jetzt offensichtlich eine Reihe von Jahrgängen: Die Jungen. Das muss per se noch kein Problem sein. Wenn das hier oben relativ gering bleibt, ist das leicht zu finanzieren. Nun spielen hier aber eine Reihe von anderen Elementen zunehmend eine Rolle: Hier z.B. die globale Entwicklung der Lebenserwartung von Männern (bei Frauen sieht das ähnlich aus, einfach auf einem etwas höheren Niveau). I

n den 50er und 60er Jahren hatten wir in Asien eine durchschnittliche Lebenserwartung der Männer von 40-45 Jahren. In Europa hatten wir damals eine Lebenserwartung von etwa 65 Jahren. Wenn wir jetzt in Richtung 2015 und darüber bis 2050 gehen, dann können wir relativ einfach prognostizieren, dass wir irgendwo zwischen 70 und 80 Jahren landen. Auch das muss noch nicht wirklich ein Problem sein, wir müssen einfach viele kleine Kinderlein produzieren, die den unteren Teil der Alterspyramide auffüllen. Aber auch hier habe ich keine gute Nachricht. Das ist eine Grafik der Anzahl Geburten pro Frau beginnend 1970 und hingehend bis 2010/2015. Während im Jahre 1970 eine Frau im globalen Durchschnitt noch knapp 5 Kinder hatte, liegen wir heute noch gerade bei 2.5 Kindern pro Frau. Es ist offensichtlich, dass diese zusätzlichen Elemente Konsequenzen für die Alterspyramide haben werden. Und konkret sieht dies dann wie folgt aus: Wir rechnen damit, dass wir in den Jahren um 2050 oder 2060 keine Alters „Pyramide“ mehr haben werden, sondern eher so etwas wie einen Bienenkorb. Es liegt auf der Hand, dass dies nicht ohne Auswirkungen für die soziale und sozialpolitische Situation sein kann. Und hier noch einmal der Vergleich mit dem Jahre 1970: Fehlender Nachwuchs und die oberen Kohorten werden immer zahlreicher und älter. Das wird Konsequenzen haben.

Ich fasse zusammen: Zeitbombe? Vielleicht ein bisschen ein martialischer Ausdruck. Fakt ist aber: In 20 oder 30 Jahren kann die aktive Bevölkerung denn Lebensstandard der oberen Kohorten der Alterspyramide kaum noch finanzieren. Das wird wirtschaftliche und sozialpolitische Auswirkungen haben. Viele der heutigen Zuschauer werden dann zumal zu den Alten zu gehören. Sie brauchen nicht beleidigt zu sein, meine Damen und Herren, ich gehöre auch dazu. Wir werden dann zu den Alten gehören. Wie sieht es für die Jüngeren aus? Keine Entwarnung: auch in 40 oder 50 Jahren ist die Situation noch nicht besser. Auch unsere Nachkommen werden das gleiche Problem haben.

Was heisst das für uns alle konkret? Das heisst, dass die staatlichen Systeme die uns heute unterstützen und in vielen Ländern als 3-Säulen-System aufgebaut sind, dann nicht mehr in der Art und Weise funktionieren wie heute. Die Lehre daraus? Sorgen Sie vor. Heute schon. Wenn nicht Sie für sich vorsorgen, um Gottes willen, wer soll dann für Sie sorgen? Und auf welche Weise sorgen Sie am besten vor? Fintool und der lange Horizont werden Ihnen helfen. Sie müssen einfach regelmässig vorbeikommen.
Zeitbombe

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Stagnation, Rechtspopulismus und eine Krise der Eliten

Thomas Seifert berichtet: Der weltweit renommierte „Financial Times“-Wirtschaftskommentator Martin Wolf sieht Wutbürger und Rechtspopulisten als Resultat des Endes des sozialpartnerschaftlichen Nachkriegskonsenses. Der Aufstieg von Donald Trump in den USA, die Erfolge von Rechtspopulisten in Frankreich, Großbritannien und Österreich und das Auftreten der Wutbürger sind Folgen eines immer tieferen Misstrauens der Bürger den wirtschaftlichen und politischen Eliten gegenüber, sagt Martin Wolf im Interview mit Thomas Seifert.

„Wiener Zeitung„: Gibt gibt es einen Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und der ansteigenden sozialen Ungleichheit?

„Viele Bürger hegen das Gefühl, dass die Vertreter der Eliten Gauner sind“, gibt Martin Wolf zu bedenken.

Martin Wolf: Ja, den gibt es. In Europa gab es in den vergangenen Jahrhunderten ein Ringen darum, eine stabile Form der demokratischen Politik für industrialisierte Gesellschaften zu schaffen. In der gesamten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sahen wir das „Demokratische Zeitalter“, wie es der französische Politiker Alexis de Tocqueville genannt hat, vor unseren Augen entstehen. Und das umfasste den Wandel von absoluten Monarchien zu Staaten, in denen ein größerer Teil der Menschen Teilhabe am politischen Prozess hat. Diese Entwicklung war eine Folge von Industrialisierung und Urbanisierung, denn die Bewohner der Städte waren ein wichtiger Teil des politischen Lebens, wie es die Bauern zuvor nie gewesen waren. Aber das war ein sehr schmerzhafter Prozess, begleitet von Kriegen, massiven sozialen Verwerfungen, dem Aufstieg der Kommunisten und Nazis. Eine halbwegs befriedigende Antwort war dann mit den verschiedenen Varianten von Sozialdemokratie und der Nachkriegssynthese gefunden. Ökonomisch war das sehr erfolgreich. Das erste Mal seit dem Beginn der Industrialisierung wurden die Früchte des Wachstums ziemlich breit verteilt. Einerseits durch steigende Löhne und andererseits durch den Wohlfahrtsstaat. Der Deal lautete: soziale Sicherheit gegen hohe Steuern. Aber es war – wie sich heute zeigt – ein fragiler Deal. Warum?… Wienerzeitung

© Luzia Puiu

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