US Wohlfühlklima für Superreiche

Wer an diskrete Briefkastenfirmen kommen und nahezu steuerfrei bleiben will, braucht das als Amerikaner nicht in exotischen Gefilden wie Panama zu versuchen.

Heike Buchter berichtet: US-Bundesstaaten wie Delaware, Nevada, South Dakota oder Wyoming bieten viele dieser Vorteile ebenfalls. Allein in Delaware sind über eine Million Firmen registriert – mehr, als der Staat Einwohner hat.

Über 60 Prozent der 500 größten US-Unternehmen haben ihre juristische Heimat in dem Bundesstaat, der gezielt um ihr Kapital wirbt. Dabei liefert Delaware sich mit anderen Bundesstaaten einen Wettbewerb darum, wer die einladendsten Bestimmungen hat. Das spärlich besiedelte South Dakota etwa hat in den vergangenen Jahren immer mehr Vermögende aus dem In- und Ausland angezogen, nicht nur wegen der strengen Geheimhaltungsregeln, sondern auch, weil der Staat weder persönliche Einkommensteuer noch Körperschaftsteuer erhebt.
Steueroasen- Besser als Panama

Silvan Wegmann www.w-t-w.org/en/silvan-wegmann www.swen.ch/

Silvan Wegmann
www.w-t-w.org/en/silvan-wegmann
www.swen.ch/

Frauen und Kinder leiden unter Korruption

Hoffnungsschimmer für die Weltwirtschaft?

Das Klima in der Weltwirtschaft hat sich leicht verbessert. Der ifo Index stieg im zweiten Quartal von 87,8 auf 90,5 Punkte und näherte sich damit seinem langfristigen Durchschnitt von 96,0 Punkten. Zwar verschlechterten sich die Beurteilungen der Experten zur Lage leicht. Doch ihre Erwartungen waren positiver als im Vorquartal. Die Experten gehen in diesem Jahr für die Welt von 2,0 Prozent Wirtschaftswachstum aus. Die weltwirtschaftliche Erholung bleibt also moderat.

Nach Ansicht der Experten werden sowohl die kurz- als auch die langfristigen Zinsen in den kommenden sechs Monaten in den USA steigen. In Europa werden sie demnach weitgehend stabil bleiben und in Asien, insbesondere in China, Japan und Indien, sinken. Der Kurs des US-Dollar dürfte im nächsten halben Jahr steigen.
WEC World 16.de

Waldemar Mandzel www.w-t-w.org/en/waldemar-mandzel/

Waldemar Mandzel www.w-t-w.org/en/waldemar-mandzel/

Staat muss haushalten

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“. Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Herri.

Ein Blick auf die Verschuldungsquoten der Internationalen Staatengemeinschaft lässt Böses erahnen … aber so lange die Sachen finanziert werden. Wundern sie sich mit uns.
Videos Kategorie Finanzkompetenz

www.w-t-w.org/en/isabell-hemming

www.w-t-w.org/en/isabell-hemming

Sind Banken und Sparkassen kriminelle Vereinigungen?

Sind Banken und Sparkassen also doch eine kriminelle Vereinigung? Die Jahrespressekonferenz der BaFin war über weite Strecken geeignet, diesen Eindruck zu erwecken.

Kommentar von Bernd Wittkowski:  Briefkästen in Panama, Cum-ex- und Cum-cum-Geschäfte oder das bislang höchste Bußgeld seit Bestehen der deutschen Finanzaufsicht – sage und schreibe fast 40 Mill. Euro in Sachen Geldwäsche – bestimmten gefühlt eine Halbzeit der zweistündigen Veranstaltung. Das Medieninteresse an diesen Themen ist weitaus größer als jenes an SREP-Kapitalaufschlägen oder Risiken von Bonitätsanleihen. Und wenn die BaFin dann noch herausfinden will, „ob Banken und Sparkassen systematisch Kunden benachteiligen“, indem sie bei Verbraucherkrediten Zinsänderungen mit ungerechtfertigter Verzögerung weitergeben – die Fragestellung klingt nicht gänzlich vorurteilsfrei -, ist das (Straf-) Maß aus Sicht des Stammtischs und nicht zuletzt vieler Politiker, die einen Watschenmann ja immer gut gebrauchen können, voll und das Klischee vom Bankster wieder mal bestätigt…
Sind Banken und Sparkassen also doch eine kriminelle Vereinigung

Fun Finance™ Expert Lilah führt Aufsicht www.w-t-w.org/de/fun-finance/

Fun Finance™ Expert Lilah führt Aufsicht
www.w-t-w.org/de/fun-finance/

W-T-W Women and Finance hat ja schon oft, kritisch über die Aufsicht (Lilah mit geschlossenen Augen) der Bafin -Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht- berichtet.  (Siehe Suchen Bafin).

Daten der Panama Papers

Die Panama Papers enthüllen, wie Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen über Briefkastenfirmen verstecken. Jetzt kann jeder die Rohdaten online einsehen.

Fünf Wochen nach den ersten Berichten über die Panama Papers hat das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten ICIJ die Rohdaten über Hunderttausende Briefkastenfirmen veröffentlicht.

 Die Gruppe stellte am Montagabend eine interaktive Datenbank mit Informationen über Firmen, Treuhandfonds und Stiftungen in 21 Steueroasen online. Der Server war daraufhin zeitweise überlastet und nicht zu erreichen.

„Es ist wahrscheinlich die größte Datenbank über geheime Offshorefirmen und die Hintermänner, die je veröffentlicht wurde“, teilte das ICIJ mit.

Der Spiegel: Steueroasen und Briefkastenfirmen – das sind die Fakten
Was sind die Panama Papers?
Wie kam es zu den Enthüllungen?
Wer ist davon betroffen?
Welche Betroffenen gibt es in Deutschland?
Warum kommen die USA nicht vor?
Wie funktioniert eine Briefkastenfirma?
Sind Briefkastenfirmen schädlich oder gar illegal?
Welche Folgen hatten die Enthüllungen bislang?
Oh wie schön

Freude am Sparen?

Die Deutschen lassen sich von niedrigen
Zinsen Sparendas Sparen nicht vermiesen:
90 Prozent der Bundesbürger legen Geld zurück, jeder Zweite monatlich. Die Sparquote beträgt nach eigenen Angaben durchschnittlich 10,6 Prozent. „Sparen ist kein Auslaufmodell. Die Deutschen sparen regelmäßig auf gleichbleibendem Niveau“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Wesentliche Motive dabei: das Bedürfnis nach mehr Sicherheit und ein größeres Maß finanzieller Freiheit. „Das Thema Sparen ist positiv besetzt. Es geht um das Gefühl, sich Handlungsfähigkeit für die Zukunft zu erhalten“, so Reinke. Nur ein kleiner Anteil von 10,4 Prozent verzichtet ganz aufs Sparen. 51 Prozent von ihnen fehlt nach eigenen Angaben der finanzielle Spielraum. Dabei fällt auf, dass offensichtlich viele ihre Möglichkeiten unterschätzen. Beim Sparen generell ist die Finanzbildung ein entscheidender Faktor. Je höher Menschen ihr Wissen in der Geldanlage einschätzen, umso regelmäßiger und mit mehr Freude sparen sie. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts Elbe 19 im Auftrag von Union Investment.

In zinslosen Zeiten fehlt der Anreiz, Geld zurückzulegen, und die Konsumlaune steigt. Stimmt das? Ist Sparen nur noch was für Spießer? Diese und andere Fragen waren Ausgangspunkt einer Befragung von mehr als 8000 Bundesbürgern. Das Ergebnis: Die Deutschen sparen trotz der niedrigen Zinsen weiter auf hohem Niveau. Neun von zehn Befragten halten es weder für altmodisch noch für spießig. Das Sparschwein als Auslaufmodell zu bezeichnen, davon kann keine Rede sein. Dabei zeigt sich, dass die Sparquote von 10,6 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens auch über verschiedene Altersgruppen hinweg konstant geblieben ist.

Das Thema Sparen ist positiv besetzt. Für 73 Prozent der Befragten bedeuten finanzielle Rücklagen, jetzt und künftig handlungsfähig zu sein, womit auch ein Zugewinn an persönlicher Freiheit verbunden ist. „Nicht zu sparen bereitet vielen ein ungutes Gefühl“, sagt Reinke. „Wer spart, dessen Wohlfühlfaktor steigt, auch wenn es nur rein rational um das Halten oder Steigern des Lebensstandards geht.“ Dabei zeigt sich, dass die Freude am Sparen mit der Art und Weise der Anlage zusammenhängt. Moderne Sparer, die Wertpapiere und Fonds besitzen, kommen auf einen Sparlaune-Index von 64 auf einer Skala von 0 bis 100. Die traditionellen Sparer, die nur auf die Klassiker wie Tagesgeld und Sparbuch setzen, liegen mit 59 Punkten dahinter zurück. Die Zahlen zeigen: Die Freude am Sparen steigt mit dem Besitz von chancenreicheren Anlageformen. Nichtsparer unterschätzen ihre Möglichkeiten….
Union_Investment_Sparstudie
Sparerin

Griechenland und seine Schuldenkrise

Griechenland: Parlament in Athen stimmt für neue Sparmaßnahmen
Proteste gegen Sparpaket. Die Renten sollen weiter gekürzt, die Steuern erhöht werden: Das griechische Parlament hat ein umstrittenes Sparprogramm beschlossen. Es ist Voraussetzung für weitere internationale Finanzhilfen.

Es geht um Griechenlands umstrittene Rettungspakete.Die ersten Hilfsprogramme für Griechenland dienten der Rettung von Banken. Das dritte Paket finanziert Rückzahlungen an öffentliche Gläubiger.

Wie kam es überhaupt zur griechischen Schuldenkrise?
Spiegel: Antworten zur Krise in Griechenland

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen www.harmbengen.de

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen
www.harmbengen.de

Und wenn alle indexieren

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“. Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Herri.

Passive Anlageprodukte sind seit Jahren im Vormarsch. Es gibt gute Gründe dafür. Aber was ist eigentlich wenn alle indexieren würden? Eine gute Frage.

Meine Damen und Herren, Sie haben schon bemerkt, dass wir bei Fintool Fans sind von passiven Anlagen, vom Indexieren. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass in vielen Fällen ein aktiver Fond sicher mehr kostet, als ein passives Instrument aber nur selten eine bessere Performance abliefert. Die Frage stellt sich dann, was eigentlich passiert würde, wenn plötzlich alle indexieren? Hier kommt eine Grafik, die Ihnen aufzeigt wie sich die Anteile von Indexanlagen gegenüber aktiven Anlagen in den letzten Jahren entwickelt haben. Von den 70er Jahren bis heute, in den USA, Aktienindexfonds. Hier die Entwicklung der Marktanteile der passiven Aktienfonds. Bis Mitte der 80er Jahre ist da nicht viel passiert. Dann plötzlich sind die Anteile relativ stark angestiegen und machen inzwischen einen Drittel der gesamten Aktienanlagen aus. Überlegen wir einmal, warum eigentlich ein aktiver Fonds im Zweifelsfall ein passives Produkt nicht outperformed? Warum schlagen aktive Manager den Index nicht? Sie sehen hier die einfache Entwicklung eines Aktienkurses, der Aktie irgendeiner Unternehmung. Nehmen wir einmal an, gerade jetzt käme irgendwelche neue Information zur Unternehmung über den Ticker. Irgendein für die Unternehmung relevanter Index, der sich nicht gut entwickelt oder ein Kostenblock oder ein neuer CEO – was auch immer. Es kommt also neue überraschende Information. Die Information wird sofort von allen analysiert, Research setzt, die Medien beginnen zu berichten, Online wird das alles zusammengetragen und es entsteht eine Riesenstory. Der Aktienhandel, der Trading-Floor reagiert sofort, Asset Management beginnt ebenfalls zu handeln. Und vielleicht auch Sie und ich. Und was ist die Konsequenz? Wenn wir, bzw. da wir alle die neue Information gleichzeitig bekommen, wird sich der Kurs sofort verändern. Hier jetzt im Sinne einer negativen Nachricht. Der Kurs wird sich also sofort verändern, wenn die neue Information kommt. Das heisst wir können damit rechnen, dass wir eine sofortige Kursreaktion bekommen. Vollständig und ohne Verzögerung.

Da aber andererseits neue Information selbst nur zufällig eintreffen kann – wenn sie nicht zufällig wäre, hätte sie sich ja bereits im Preis niedergeschlagen-, wird auch die kurzfristige Kursentwicklung genau gleich zufällig. Warum schlagen also die aktiven Manager den Index nicht? Nicht weil irgendwelche Leute dämlich sind oder irgendwas liegenlassen. Ganz im Gegenteil: Ein ausgesprochen intelligenter und effizienter Prozess der Informationsverarbeitung führt dazu, dass sich die Kurse genau gleich verhalten wie die Information: zufällig. Und wenn deswegen nun alle nur noch indexieren? Überlegen Sie: Wenn Sie die Begründung für den zufälligen Kursverlauf verstanden haben, dann wissen sie, dass sie genau jetzt etwas anderes tun müssen als indexieren. Wenn alle indexieren, gibt es nämlich keine Analysen mehr, und die Information wird nicht mehr systematisch verarbeitet. Der Info-Prozess kommt zum Erliegen, die Kurse reflektieren die relevante Information nicht mehr und die Märkte sind nicht mehr effizient. Die Konsequenz ist klar: Es werden nie alle indexieren. Es wird immer irgendwo, irgendwelche Fenster geben – auch wenn es oft nur Hoffnungen sind -, bei denen es sich lohnt, zusätzliche Informationen zu verarbeiten.
Aber, meine Damen und Herren, Sie und ich, Mr. und Mrs. Everybody gehen sinnvoller Weise davon aus, dass die Märkte relativ effizient sind und alle Informationen bereits in den Kursen enthalten sind. Konsequenz? Keine heissen Wetten eingehen, keinen heissen Tipps folgen. Ausser: Sie haben irgendwelches Spielgeld mit dem Sie spekulieren wollen, das ist auch ok. Wenn Ihnen das Spielgeld aber fehlt, meine Damen und Herren, dann lassen Sie die Finger von solchen Sachen.
Price Index
Videos Kategorie Finanzkompetenz

TTIP TTIP TTIP

Es gibt einen neuen Prügelknabe namens Freihandel. In den USA punktet Donald Trump mit Angriffen auf Importe aus China. In Europa wächst die Ablehnung gegen TTIP*. Dabei bietet der Freihandel Chancen. Wenn man sich den Freihandel als einen Boxer vorstellt, wäre er in der vergangenen Woche zweimal windelweich geprügelt worden. Der linke Haken kam aus Europa, der rechte aus den USA.

USA planen mit TTIP Frontal-Angriff auf Gerichte in Europa

Das Drängen der Amerikaner auf den TTIP-Abschluss hat handfeste Gründe: US-Banken fürchten, von europäischen Gerichten wegen der Schulden-Krise belangt zu werden. Sie haben vielen europäischen Kommunen und Unternehmen dubiose Spekulationsgeschäfte angedreht. Nun klagen viele Europäer – und die Amerikaner setzen zum Frontalangriff auf
das europäische Rechtssystem an. In Italien hat der amerikanische Botschafter – wohl unabsichtlich – die Katze aus dem Sack gelassen.

Offenbar wissen die Amerikaner, dass es zu ernsten Problemen mit den EU-Staaten schon in nächster Zeit kommen könnte. Der Grund ist die Schuldenkrise. In den vergangenen Jahren haben amerikanische Banken europäischen Kommunen und Unternehmen im großen Stil Finanzprodukte verkauft und Kredite gewährt – mit dem Hinweis, dass man das Kleingedruckte nicht genau zu lesen brauche. Die klammen europäischen Kommunen und die naiven Unternehmen haben das Geld gerne genommen, um ihren Wählern Geschenke zu machen oder ihre Marktanteile zu sichern.

Doch nun kommt an vielen Stellen das böse Erwachen. Daher ist es im Zuge des Katers nach dem Crash zu einer regelrechten Klagewelle gekommen. Ein Beispiel: Erst vor wenigen Jahren hatte die Stadt Pforzheim JP Morgan verklagt. Die Bank hatte den Kämmerern ein undurchsichtiges Produkt angedreht. 2011 urteilte der BGH, dass die Beratungsanforderung bei komplexen Produkten besonders hoch sei. Ein Mittelständler hatte gegen ein Bank geklagt, die ihm eine hochspekulative Zinswette verkauft hatte. Der BGH gab dem Unternehmen Recht und kam zu dem Urteil: „Bei einem so hochkomplex strukturierten und riskanten Produkt wie dem CMS-Spread-Ladder-Swap-Vertrag sind hinsichtlich der Risikodarstellung des Anlageprodukts hohe Anforderungen an die beratende Bank zu stellen.“

Die Stadt Pforzheim berief sich auf das Urteil – und forderte von JP Morgan 57 Millionen Euro. Der Oberbürgermeister: „Dieser Ansatz – Verletzung der Beratungspflichten oder nicht – ist vollumfänglich auf uns anwendbar. Hinzu kommt, dass wir eine Kommune sind und für Kommunen gilt ein Spekulationsverbot. In dem Verfahren jetzt ging es ja um ein Unternehmen, das, wenn Sie sich das BGH-Urteil ansehen, ganz anders zu behandeln ist. Deshalb sind wir nun sehr guten Mutes, dass wir obsiegen werden.“ Und weiter: „Da halte ich es mit Margret Thatcher, der früheren britischen Premierministerin, die den Satz prägte: ,I want my money back.‘ Die 57 Millionen Euro fordern wir von JP Morgan.“..
USA planen mit TTIP Frontal-Angriff auf Gerichte in Europa
TTIP*Transatlantische Freihandelsabkommen
Transatlantic Trade and Investment Partnership

Politisches Risiko Türkei

Visa-Liberalisierung für Türkei. Die EU-Kommission empfiehlt die umstrittene Aufhebung der Visumpflicht für türkische Staatsbürger ab Ende Juni – wenn Ankara bis dahin noch fehlende Voraussetzungen erfüllt. Doch die Kritik im Europaparlament ist massiv. Währenddessen wirft der Rücktritt des türkischen Ministerpräsidenten Davutoglu neue Fragen über die Nachhaltigkeit des Flüchtlingsabkommens auf.

Jetzt sind Türkei-Investments nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Die Finanzmärkte reagieren sensibel auf das Risiko erratischer politischer Entscheidungen. Neuerdings sorgen politische Risiken für Unruhe. Tatsächlich hat die Börse mit Kursverlusten von bis zu 8% auf die sich inzwischen bestätigte Erwartung reagiert, Regierungschef Ahmet Davutoglu werde zurücktreten und damit die Konsequenzen aus einem länger schwelenden Machtkampf mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan ziehen. Dieser arbeitet so intensiv daran, die Türkei von einer parlamentarischen Demokratie in ein Präsidialsystem umzubauen, in dem er das Sagen hätte, dass Sorgen über absolutistische Tendenzen aufgekommen sind. Solche haben längst auch die Währung des Landes belastet, die in den vergangenen Tagen im Verhältnis zum Schweizerfranken bis zu 6,5% ihres Wertes verloren hat. Am Mittwoch waren im Tagestief gerade noch Fr. 0.3231 nötig, um eine Einheit der türkischen Währung erwerben zu können. Damit lag der Kurs nur noch knapp über dem Allzeittief des vergangenen Jahres, von dem er sich kaum hatte erholen können.

In der Visa-Frage setzt die EU auf die Notfallbremse. Denn der Beschluss, den Deutschland und Frankreich vorgeschlagen hatten, würde eine schnelle Rücknahme der Visa-Freiheit ermöglichen, sollte es zu vielen Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht kommen.

Sollte Erdogan seine Macht ausbauen können, könnte das die Ausgleichsmechanismen zwischen den demokratischen Machtzentren stören und zu erratischen Entscheidungen führen. Das ist etwas, was die Finanzmärkte überhaupt nicht mögen – kurzfristig wenigstens.

Nel Ioan Cozacu www.w-t-w.org/en/nel-ioan-cozacu www.nelcartoons.de

Nel Ioan Cozacu
www.w-t-w.org/en/nel-ioan-cozacu
www.nelcartoons.de