Haftstrafen für alle Oppenheim-Banker

Urteil in Köln Vier Oppenheim-Banker verurteilt, einer muss ins Gefängnis

Im Strafprozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim sind alle vier angeklagten Ex-Chefs wegen Untreue zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Nur Ex-Manager Friedrich Carl Janssen muss aber ins Gefängnis.

Im Strafprozess um den Niedergang der Privatbank Sal. Oppenheim hat die 16. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts nach mehr als zwei Jahren und 128 Verhandlungstagen das Urteil gesprochen und vier ehemalige Bankgesellschafter zu Haftstrafen wegen Untreue verurteilt.

Ex-Banksprecher Matthias Graf von Krockow (66) hat eine Haftstrafe von zwei Jahren erhalten. Christopher Freiherr von Oppenheim (49) wurde zu einem Jahr und elf Monaten verurteilt. Für den ehemaligen Risikomanager Friedrich Carl Janssen (71) lautet das Urteil auf zwei Jahre und zehn Monate. Der für das Investmentbanking zuständige Ex-Banker Dieter Pfundt (62) erhielt auch zwei Jahre. Die Strafen gegen Krockow, Baron Oppenheim und Pfundt wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Ex-Banker bei der missglückten Rettung des Arcandor-Konzerns im Herbst 2008 und der Rückabwicklung eines Oppenheim-Esch-Fonds zum Erwerb und der Sanierung einer Immobilie im Frankfurter Bankenviertel einen Schaden in Millionenhöhe angerichtet haben.

Der Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch wurde wegen des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz zu einer Geldstrafe von knapp 500.000 Euro verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker wird das Urteil im Laufe des Tages ausführlich begründen. Das soll bis zu sechs Stunden dauern.Off to jail.

Zünglein an der Waage für Griechenland

EZB verliert bei Notkrediten die Geduld. Bank of Greece auf dem Weg zur Bankbesitzerin

Ohne Notkredite funktionieren die griechischen Banken nicht, ohne Banken funktioniert das ganze Land nicht. Die Europäische Zentralbank ist zum Zünglein an der Waage geworden.

Claudia Aebersold Szalay berichtet: In die Verhandlungen zur Lösung der Griechenland-Krise ist Tempo gekommen, seitdem die europäischen Spitzenpolitiker Athen unverblümt eine Frist gesetzt haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist womöglich nicht ganz unschuldig daran, dass es nun zu einer Art Ultimatum gekommen ist. Die Tatsache, dass EZB-Präsident Mario Draghi ohne eine baldige politische Lösung des Konflikts zwischen Athen und seinen Gläubigern die Notkredite der griechischen Zentralbank an das griechische Bankensystem nicht mehr weiter zulassen will, stellt eine glaubwürdige Drohkulisse dar.
Druck aus Frankfurt.

Die Notkredite, für die allein Griechenland haftet und nicht die anderen Euro-Staaten, sind zum Schlüsselfaktor in der Krise geworden, denn ohne sie überleben die griechischen Banken nicht. Da sich die EZB, die die Nothilfe der griechischen Notenbank bewilligen muss, seit gut zehn Tagen weigert, das bisherige Volumen von knapp 90 Mrd. € weiter zu erhöhen, können die griechischen Banken ihre Schalter nicht eröffnen. Um funktionstüchtig zu sein, wären deutlich höhere Liquiditätshilfen nötig. Die Währungshüter in Frankfurt hatten die Notkredite bisher aber lediglich gutgeheissen, weil sie eine politischen Lösung zwischen Athen und seinen internationalen Geldgebern nicht verunmöglichen wollten.
Das Referendums-Nein der griechischen Bevölkerung hat die Wahrscheinlichkeit einer Einigung verringert, weshalb die EZB nun nicht mehr länger stillhalten will. Am Montag hatte sie bereits die Sicherheitsanforderungen für die Kredite erhöht, was zwar keine unmittelbaren Folgen für das griechische Bankensystem hatte, aber ein deutliches Signal war, dass sie eine härtere Gangart einschlagen würde. Nun mahnt sie auch in Brüssel zur Eile, denn die Liquiditätslage griechischer Banken ist mittlerweile so miserabel, dass die Barbestände trotz geschlossenen Schaltern bald aufgebraucht sein dürften.
Achillesferse Banken

Was aber, wenn die Forderung Draghis nach einer Lösung ungehört bleibt? Sollte sich bis Sonntag keine gemeinsame Linie zwischen Athen und seinen Gläubigern andeuten, die eine Einigung in absehbarer Zeit realistisch erscheinen lässt, würde die EZB wohl die Notkredite (Emergency Liquidity Assistance, ELA) untersagen. Das Szenario eines Stopps der Nothilfe ist für das griechische Finanzsystem und letztlich für die gesamte griechische Wirtschaft verheerend…..

Die griechischen Banken sind im Fall eines ELA-Stopps nicht mehr in der Lage, ihren Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen. Das nicht funktionierende Finanzsystem Griechenlands ist zur Achillesferse des Landes geworden. Ohne Einigung mit den Geldgebern wären wohl die Banken das schwächste Glied in der Kette, das einen Grexit erzwingen würde, auch wenn er politisch nicht gewollt wäre.
EZB verliert bei Notkrediten die Geduld
Ancient Greece Bank

Lieben Fondsanbieter unerfahrene Sparer?

Welweites FondvermoegenWeltweit verwaltet die Fondsindustrie 74 Billionen Dollar – nie war es mehr. Teure Fonds werden vor allem an Kleinsparer verkauft. Mit Profis verdient die Branche dagegen weniger.

Karsten Seibel berichtet: Abgesehen von einer Delle zur Lehman-Krise 2008 steigt das weltweite Fondsvermögen seit 2002 – und hat nun einen Rekordwert erreicht .

Christian Sewing will in den rund 700 Filialen der Deutschen Bank in Zukunft vor allem mehr Fonds verkaufen. „Bereits in den vergangenen zwölf Monaten sahen wir einen enormen Anstieg bei den Investmentprodukten“, sagte der 45-Jährige vergangene Woche auf einer Branchenkonferenz.

Sewing ist der neue Vorstand für das Privatkundengeschäft des größten deutschen Bankhauses. Von höheren Verkaufszahlen würde nicht nur sein Bereich profitieren, sondern auch die hauseigene Fondsfabrik der Deutschen Bank. Wie wichtig Kleinsparer für die Fondsindustrie sind, zeigt eine nun vorgestellte Studie der Boston Consulting Group (BCG). Demnach verdient die Branche an jedem weiteren Privatkunden, der ein paar Tausend Euro in Fonds investiert, mehr Geld, der Gewinn für die Anbieter steigt.
Bei großen Pensionskassen und Versicherungen, die Millionen verwalten lassen, ist das nicht sicher. Die Profis achten stark auf die Kosten und entscheiden sich mehr denn je für Produkte mit niedrigeren Gebühren.

Der Unterschied ist in Deutschland besonders groß. Ein Fondsanbieter verdient hierzulande an Privatkunden durschnittlich Gebühren in Höhe von 0,62 Prozent.
Mehr Gewinn mit Privatkunden Institutionelle Investoren sind dagegen lediglich bereit, 0,15 Prozent zu zahlen – also gerade einmal ein Viertel. In Gesamteuropa ist der Unterschied nicht ganz so eklatant. Hier stehen den 0,15 Prozent der Profis im Durchschnitt 0,51 Prozent der Masse gegenüber.

„Anbieter, die sich auf Privatkunden konzentrieren, haben ein höheres Wachstum bei den Mitteln und dem Gewinn verzeichnet“, heißt es in der BCG-Studie. Insgesamt verwaltete die Branche Ende des vergangenen Jahres 74 Billionen Dollar und damit fünf Billionen Dollar mehr als ein Jahr zuvor, der Gewinn der Fondsindustrie lag bei 102 Milliarden Dollar.
Der entscheidende Punkt ist: Der Wert des Vermögens in Publikumsfonds hat sich um zwölf Prozent erhöht, der Gewinn für die Anbieter um elf Prozent. Fonds für institutionelle Anleger erhöhten ihr Volumen um acht Prozent, der Gewinn aus dieser Quelle schrumpfte allerdings um ein Prozent.

Hier zeigt sich nicht nur die größere Verhandlungsmacht der Profis. Es wirkt sich auch das andere Anlageverhalten aus. ETFs werden nicht offensiv angeboten
Statt bei den teuren aktiv gemanagten Fonds greifen Versicherungen und Pensionskassen längst sehr viel stärker bei den günstigeren passiven Fondsvarianten zu, sprich bei jenen Produkten, die einen Index oder Markt eins zu eins abbilden und damit zwar nie besser als der Durchschnitt sein können, aber auch kaum schlechter. Gemeinhin laufen diese Fonds unter dem Kürzel ETF für Exchange Traded Funds.

Das unterschiedliche Anlageverhalten überrascht nicht. ETFs werden von Filialbanken und anderen Finanzvertrieben nicht offensiv angeboten, da sie nur mit dem Verkauf aktiv gemanagter Fonds hohe Provisionen kassieren können.
Zusätzlich nutzen die Vertriebe aus, dass kaum ein Sparer von sich aus nach den günstigeren und nicht selten auch besseren Produkten fragt. Ausnahmen sind jene Kleinanleger, die ohnehin ihr Depot bei einer Direktbank haben und damit selbst über Kauf und Verkauf der Investmentfonds entscheiden.

Ja, es gibt viele Sterne, Sohn. Nicht so viele wie Aktienfonds, aber trotzdem recht viele.

Ja, es gibt viele Sterne, Sohn. Nicht so viele wie Aktienfonds, aber trotzdem recht viele.

Chinas junge Börsengeschichte

Der Rettungsschlag lässt auf sich wartenAchterbahnfahrt an Chinas Boersen
Am Montag verabschiedete sich der Shanghai Composite Index dank einem Schlussspurt mit einem Plus aus dem Handel. Es gibt jedoch Gerüchte, dass der Staat weitere Massnahmen plant.

Matthias Müller berichtet: Wie weit Europa nicht nur geografisch oft vom Reich der Mitte entfernt ist, haben die Interessen der Chinesen am Montag nach dem Referendum in Griechenland gezeigt. Thema des Tages war allein die Entwicklung an den chinesischen Börsen, nachdem diese in den vergangenen drei Wochen kräftig Federn hatten lassen müssen und die Regierung am Wochenende mit diversen Massnahmen versuchte, die Märkte wieder zu beruhigen. Dieses Vorhaben ist ihr aber nur zum Teil geglückt und dürfte nicht den Erwartungen entsprochen haben.

Der Leitindex in Schanghai, der Shanghai Composite Index, legte gleich nach Eröffnung der Börse zwar um 7,8% zu, sackte dann aber wieder ab und rettete sich in den letzten 30 Handelsminuten noch über den Schlusswert vom vergangenen Freitag: Er schloss mit einem Plus von 2,4%. Schlechter erging es dem Shenzhen Composite Index (–2,7%), an dem wie in Schanghai A-Aktien gehandelt werden, sowie dem Wachstumssegment Chinext (–4,3%).

Zu den Gewinnern unter den A-Aktien zählten die Titel von Banken und Versicherern, wobei die Valoren der Bank of China um fast 10% zulegten. Mit den Werten von Chinas grösstem Erdölkonzern, Petrochina, gewann ein weiteres Schwergewicht 10%, weshalb der Shanghai Composite Index gegenüber Freitag mit Gewinn schloss. Deutlich schlechter erging es den Titeln von Telekom- und Internetfirmen, die im Durchschnitt rund 6% einbüssten. Ein Blick auf die Börsen in Schanghai und Shenzhen zeigt, dass mehr als 900 Aktien im Tagesverlauf mindestens 10% verloren; nur die Valoren von 55 Firmen legten um 10% und mehr zu.

Spekulationen über weitere Massnahmen der Regierung liessen denn nicht lange auf sich warten. Zuvor war am Wochenende bekannt geworden, dass 21 Brokerfirmen einen Fonds äufnen und die China Securities Finance Corporation zusätzliches Kapital erhalten sollte, um im Notfall zu intervenieren. Und entgegen den ursprünglichen Plänen des Regulators untersagte die Regierung von Li Keqiang alle geplanten Börsengänge (IPO), um die Nachfrage nach bestehenden Aktien nicht weiter zu schwächen. Allein im Juli waren 28 IPO geplant. Über die Dauer der Sistierung ist nichts bekannt. In Chinas noch junger Börsengeschichte gab es bisher acht solche Fälle. Besonders kurz war das IPO-Verbot 2001 mit drei Monaten; länger fiel es 2012 und 2013 aus, als es 13 Monate lang keinen Börsenneuling gab.
Share Price

Tsakalotos löst Varoufakis als griechischer Finanzminister ab

Tsakalotos wird griechischer Finanzminister Varoufakis‘ rechte Hand soll es richtenDer Alte und der Neue

Tsakalotos – Spross einer reichen Familie – wurde 1960 in Rotterdam geboren. 1965 zog seine Familie nach England. Tsakalotos besuchte die Universität Oxford. Seitdem spricht er ein feines Oxford-English.

Griechenland bekommt einen neuen Finanzminister: den bisherigen Vize-Außenminister Tsakalotos. Er dürfte einen stressigen Start haben. Denn die Euro-Gruppe und Kanzlerin Merkel machen Druck. Alle wollen nun schnell konkrete Pläne sehen.
„Ich hoffe, es ist Euklid“: Mit dieser Empfehlung für seine Nachfolge verließ der scheidende griechische Finanzminister Yanis Varoufakis am Mittag sein Ministerium. Mit Euklid meinte Varoufakis Euklid Tsakalotos, den bisherigen stellvertretenden Außenminister Griechenlands. Und tatsächlich: Am frühen Abend wurde der Wirtschaftsprofessor zum neuen Finanzminister auserkoren und sollte offenbar noch am gleichen Tag vereidigt werden.

Wenige Stunden zuvor hatte Varoufakis überraschend seinen Rücktritt verkündet. In einer kurzen Stellungnahme teilte er mit, einige Mitglieder der Euro-Gruppe hätten ihm klargemacht, dass sie es vorziehen würden, wenn er nicht mehr an ihren Treffen teilnehmen werde. Sein Abschied sei von Ministerpräsident Alexis Tsipras als „potenziell hilfreich“ betrachtet worden, weshalb er heute das Finanzministerium verlasse.
Tsakalotos wird griechischer Finanzminister
Greek Financial Crisis

Reaktionen auf das Nein der Griechen

Merkel will vorerst nicht verhandeln
Für die deutsche Regierung fehlt nach der Absage der Griechen an ein Sparprogramm die Basis für neue Verhandlungen. Weitere internationale politische Reaktionen und Pressekommentare im Überblick.

Die chinesische Führung hofft nun auf Bemühungen «von allen Beteiligten». Die Krise Griechenlands werde «nicht nur die EU, sondern die gesamte Weltwirtschaft beeinflussen», sagte Chinas stellvertretender Aussenminister Cheng Guoping am Montag vor Journalisten in Peking. China sieht Griechenland als wichtiges «Tor nach Europa», um seine Waren absetzen zu können. Die chinesische Staatsreederei Cosco hat bereits grosse Teile des grössten Hafen des Landes in Piräus gepachtet und ist an dessen Erwerb interessiert.
Verständnis in Südamerika

Die Präsidenten Argentiniens und Boliviens begrüssten den Volksentscheid in Griechenland. Der linke bolivianische Präsident Evo Morales bezeichnete das Nein der Griechen zu den Gläubiger-Vorschlägen als Niederlage für den europäischen Imperialismus und den Kapitalismus.

Die baltischen Regierungschefs fordern Griechenland dazu auf, nun entschlossen von sich aus zu handeln. Estlands Regierungschefs Taavi Rõivas sagte mit Blick auf die Finanzmärkte, dass die Unsicherheit durch den Entscheid stark zugenommen habe. Der lettische Finanzminister Janis Reirs sieht das Referendum als Beispiel, wie man «durch eine Abstimmung auf demokratische Weise ein Land ruinieren kann». Auch Litauens Aussenminister reagierte ähnlich, er interpretiert die Entscheidung der Griechen als komplette Absage an die internationale Hilfe.
Stimmen aus Zeitungen in Europa

Die Kommentare in europäischen Tageszeitungen reichen von Zustimmung bis zur kompetten Verurteilung des Votums der Griechen.

Die britische Zeitung «Guardian» schreibt, dass das griechische Volk von seinen Politikern zu einem Sprung ins Ungewisse angetrieben worden sei. Der Kommentator führt weiter aus: «Unmittelbar müssen die Politiker so ehrlich sein und zugeben, dass die Schulden der Griechen nicht vollständig zurückgezahlt werden. Sie müssen jetzt die Bereitschaft zeigen, eine realistische Vereinbarung auszuhandeln.»

Die Römer Zeitung «La Repubblica» sieht die Zukunft Griechenlands und der EU in den Händen der Regierungschefs in Berlin und Paris. Nach den Ergebnissen des Referendums werde es nicht einfach sein, Griechenland in der Eurozone zu halten. «Es könnte sich sogar nach verschiedenen Gesichtspunkten als falsch herausstellen.»

Die französische Zeitung «La Liberation» glaubt sogar ganz Europa vor einer ungewissen Zukunft. Die Zeitung konstatiert, kurz vor dem Bruch zwischen Griechenland und der Europäischen Union seien die Positionen nicht so weit voneinander entfernt gewesen. Dagegen sieht «Le Figaro» Griechenland auf den Euro-Austritt zusteuern – «nicht weil die Europäer das gewollt haben, denn sie haben alles unternommen, um den Grexit zu verhindern, sondern weil die Wahl des griechischen Volkes eine Dynamik in Gang gesetzt hat, die wohl nicht aufzuhalten ist.»

Der niederländische «De Telegraaf» bezeichnet das Referendum als Wendepunkt portiert den Austritt bereits als bestes Szenario. Der Prozess des Austretens muss dennoch so flexibel gestaltet werden, dass Griechenland Teil Europas bleibe und nicht anderen Mächten in die Arme getrieben werde. «Ruhe an Europas Ostgrenze ist ein wichtiges Gut», schreibt die Zeitung aus Amsterdam mit Blick auf die Ukraine-Krise und Russland. Die belgische Zeitung «De Standaard» äussert sich ebenfalls sehr pessimistisch. Tsipras habe sein gewagtes Spiel gewonnen, der Preis dafür sei aber schrecklich hoch. «Wenn ein Mitgliedstaat lieber untergeht, als sich einer Politik zu beugen, die er als aussichtslos erachtet, wird dem europäischen Projekt damit das moralische Fundament entzogen.»

Die Zeitung «Die Presse» aus Wien resümiert, man müsse den Entscheid akzeptieren. Wenn Griechenland nun aber nicht selber Lösungen zur Restrukturierung umsetze könne die Eurozone nur noch Schadensminimierung betreiben. Ähnlich sieht es «Spiegel online», der konstatiert, dass sich Deutschland und die EU «nicht unter Druck setzen lassen».
Griechenland

Will Bitcoin Wirtschaft und Finanzen erorbern?

Innovationen bei Kryptowährungen. Auf der Suche nach der «Killer-App»
Bitcoin-Enthusiasten wollen mit technologischen Innovationen die Welt von Wirtschaft und Finanzen erobern. Die Realität ist aber noch eher ernüchternd, während attraktivere Konzepte aufkommen.

Christof Leisinger berichtet: Bitcoin sorgt zwar immer wieder für Schlagzeilen, meist allerdings aus dem falschen Grund. Das zeigt sich in diesen Tagen, in welchen kolportiert wird, griechische Anleger versuchten die Kapitalverkehrskontrollen im eigenen Land zu umgehen, indem sie ihre Spargelder in Bitcoins umwandelten. So liessen sich die Ersparnisse vor dem drohenden Wechsel in eine neue Schwach-Währung oder vor einem «Banken-Bail-in» retten, ist die Logik. Solche Berichte sind aber oft stark übertrieben, und die Volumina sind gering.

Zudem behandeln sie primär einen Aspekt des Phänomens: Bitcoin gilt in libertären Kreisen als ideale Parallelwährung zu den etablierten, die unabhängig von einer politisch beeinflussten Notenbank auf Basis energieaufwendiger kryptografischer Verfahren in begrenzter Menge geschaffen, dezentral verwaltet und deswegen wertstabil bleiben werde. Leider ist das begrenzte Geldangebot ein Problem, weil es in einer dynamischen Volkswirtschaft womöglich zu deflationären Effekten und zum Horten der Währungseinheiten führt. Folglich hat Bitcoin als Währung nach Ansicht vieler Ökonomen wegen konzeptioneller Mängel keine Zukunft….
Innovationen bei Kryptowaehrungen

Freie Fahrt haben künftig nur noch jene, die ihre Raten für den Autokredit pünktlich zahlen.
Auto Illustration

Ausgabenfetischismus durch aufgeblähten Verfassung?

Märkte und Meinungen
Ausgabenfetischismus führt in die Überschuldung
In Griechenland fordern viele einen Schuldenschnitt und frische Stimulierungsmassnahmen auf Kredit. Wer sich aber an der aufgeblähten Verfassung des Landes vor der Krise orientiert, irrt.

Christof Leisinger berichtet: «Gute Medizin schmeckt bitter», heisst ein bekanntes Sprichwort. Das gilt nicht nur für das allgemeine Wohlbefinden, sondern es lässt sich ohne weiteres auf die wirtschaftlichen Belange übertragen. Während sich die Menschen früher alleine schon aufgrund der Gegebenheiten vielseitig ernährten und auch an bitterstoffhaltige Gemüse und Wildpflanzen gewöhnt waren, hat sich der Geschmackssinn des modernen Menschen im Laufe der Zeit von den «Lockstoffen» der Lebensmittelindustrie beeinflussen lassen. Heute wissen viele nicht mehr, welche Aromen die einzelnen Nahrungsmittelbestandteile in ihrer natürlichen Form haben. Die «herzhaft-pikante» Note der in Fertiggerichten verwendeten Geschmacksverstärker hat sie desorientiert. Das Künstliche ist heute für sie das Normale.
Ausgabenfetischismus

arm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen/

Harm Bengen
www.w-t-w.org/en/harm-bengen/

Geld wird in der Liebe immer zum Thema

Sie will wirklich nur sein Geld

Nicola Erdmann berichtet: In jeder Beziehung wird die Finanzfrage irgendwann zum Problem. Eine neue Umfrage legt den unromantischen Schluss nahe: Männer wollen Liebe, Frauen nur Geld.
Sarah und Felix sind seit drei Jahren ein Paar. Seit zwei Jahren ist Felix Mitglied in einem Fitnessstudio. Er ist höchstens drei Mal dort gewesen. In den gesamten zwei Jahren. Bei einer Monatsgebühr von zwanzig Euro macht das etwa 160 Euro pro Besuch. Sarah findet das finanziell nicht ganz so sinnvoll. Sie würde sich wünschen, dass er entweder regelmäßig zum Sport geht – oder den Vertrag kündigt.

Zwanzig Euro im Monat wären aber doch nicht viel, findet Felix. Und wenn er vielleicht mal wieder hingehen möchte, dann könne er das auch. Man könnte das Geld auch für den Tierschutz spenden, statt an ein Fitnessstudio, findet Sarah.

Geld wird in der Liebe immer irgendwann und irgendwie zum Thema – sei es schon beim ersten Date, wenn es um die Frage geht, wer was bezahlt, sei es erst, wenn man zusammenzieht und es um die unglaublich schwierige Frage vom gemeinsamen Konto geht (übrigens: bloß nicht!). Die Online-Partnervermittlung eDarling hat sich nun auch mal dieses ewigen Problems angenommen – und in einer großen Umfrage bestätigt, was man leider so schon vermutet hatte.

Er muss mehr verdienen als sie

Frauen geht es ums Geld, und zwar um seines, Emanzipation und allem zum Trotz. 70 Prozent der befragten Single-Damen gaben nämlich an, das Einkommen eines potenziellen Partners sei ihnen wichtig, es müsse „gleich oder höher sein“. Bei den Männern hingegen sagen 80 Prozent, es sei ihnen „nicht wichtig“. Interessant: 19 Prozent wünschen sich sogar, dass sie weniger verdiene.

Auch sagen 56 Prozent der Frauen knallhart, dass sie durchaus Bedingungen daran knüpfen würden, wenn sie ihrem Partner finanziell aushelfen. 81 Prozent der Männer verneinen das. Und als attraktivste Aussage zum Umgang des Partners mit Geld nennt sie: „Lässt mich niemals zahlen.“

eDarling fasst das ganz unromantisch so zusammen: „Männer suchen die Liebe, Frauen nur das Geld.“ Klingt zwar ziemlich hart, ist aber vielleicht in der Beziehung gar kein so großes Problem. Denn: Für Männer ist „Sie ist sehr sparsam im Umgang mit Geld“ die attraktivste Aussage im Geld-Liebe-Kontext. Dann kann sie also ihr eigenes Geld sparen und stattdessen seines ausgeben. Und Felix sich über Sarah freuen, die sogar Sorge um sein Geld hat – und bald heimlich seinen Vertrag kündigen wird. Er will es doch auch.
Liebe

Yukos-Chefkläger treibt 50 Milliarden Dollar ein?

Yukos-Chefkläger Tim Osborne im GesprächGML-Chef Tim Osborne gibt sich kämpferisch: Auch Vermögen von Gazprom oder Rosneft ist nicht tabu.
«Wir starten mit einfachen Zielen»

Der russische Staat muss Yukos-Altaktionären 50 Milliarden Dollar Entschädigung zahlen. Weil Moskau das nicht will, greifen die Kläger zur Selbsthilfe. Aber wie treibt man 50 Milliarden Dollar ein?

Die Überraschung ist gross gewesen, die Verwirrung auch. Mitte Juni wurden in Belgien und Frankreich russische Konten eingefroren. Beantragt hatten das ehemalige Aktionäre des vor rund einer Dekade zerschlagenen russischen Erdölkonzerns Yukos. Unter diesen blockierten Konten waren kurzzeitig auch solche diplomatischer Einrichtungen, was Moskaus Reaktion nicht eben milderte. Schnell wurden die diplomatischen Konten entsperrt. Ein Versehen steckte aber nicht hinter dem Hin und Her. Das sei eben die Art, wie das Verfahren laufe, sagt Tim Osborne im Gespräch. Osborne ist Direktor von GML, einem Vehikel der Yukos-Altaktionäre; er hat die Sperrungen veranlasst.

Konfiszierungen in Europa
Yukos-Chefkläger Tim Osborne im Gespräch
Yukos