Big Short – Ein „Muss“ für jede Frau

Video-Filmkritik Kernschmelze auf dem Konto

The Big Short“ mit Ryan Gosling: All das hässliche Geld

Ein Film witzig und wütend zugleich und wie auch der Film Wolf of Wall Street ein unbedingtes „Muss“ für jede Frau. Die *Exzesse des internationalen Finanzsystems gehen uns alle an.

Hannah Pilarczyk berichtet: Gleich in der ersten Szene stellt sich Goslings Figur Jared Vennett direkt dem Publikum vor. (Es ist nicht das einzige Mal, dass „The Big Short“ die sogenannte vierte Wand durchbricht. Und es wird jedes Mal lustiger.) Vennett ist einer der wenigen Finanz-Manager, die bereits 2005 ahnen, dass der US-Immobilienmarkt auf hochriskanten Hypotheken beruht und sein Kollaps mittelbar die Weltwirtschaft bedroht. Welche Rolle Vennett im Vorfeld der globalen Finanzkrise von 2008 spielt, zeigt sich jedoch erst später. Denn zunächst nimmt „The Big Short“ Michael Burry (gespielt von Christian Bale) in den Fokus.Burry ist ein tatsächlich existierender Hedgefonds-Manager, der als einer der Ersten auf den Kollaps des Immobilienmarktes wettete (auf Englisch: to short) und damit Gewinne von rund 100 Millionen US-Dollar für sich und rund 700 Millionen für seine Investoren einfuhr.Während die meisten Figuren in „The Big Short“ auf realen Vorbildern basieren, ist Burry der einzige, dessen Name unverändert geblieben ist. Das hindert Christian Bale jedoch nicht daran, Burry als grandios irritierenden Einzelgänger mit Asperger-Syndrom zu spielen, der ebenso gnadenlos auf sein Schlagzeug eindrischt wie er sich Details über die Zusammensetzung von Collateralized Debt Obligations (CDOs) reinzieht.Wenn Sie jetzt nicht mehr wissen, was CDO sind, ist das nicht schlimm. Zum einen wird das im Film erklärt, zum anderen gehört es zum Erzählprinzip von „The Big Short“, seine Zuschauer lieber mit zu viel als zu wenig Details über die Ursachen der Krise zu versorgen. Basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von Michael Lewis haben Regisseur Adam McKay und sein Co-Autor Charles Randolph weder auf die technische Sprache noch auf das Geflecht an Figuren aus der Vorlage verzichtet. So stoßen neben Christian Bale und Ryan Gosling bald noch Steve Carell und Brad Pitt als Hedgefonds-Manager mit jeweils einem Trupp an Finanz-Minions in hellblauen Hemden zum Ensemble hinzu.„Triple A“ noch für den größten Schrott

Unter der verblüffend souveränen Regie von McKay, der bislang für absurde Komödien wie „Anchorman“ oder „Stepbrothers“ bekannt war, und mithilfe der furiosen Schnittkunst von Hank Corwin wird es jedoch nie unübersichtlich, wenn die vier verschiedenen Teams unabhängig voneinander beginnen, sich einen Überblick über die nahende Katastrophe auf dem Immobilienmarkt zu beschaffen. Eine Reise führt den Trupp um Steve Carells Mark Baum nach Florida, wo sie feststellen müssen, in welchem Ausmaß hier Hypotheken verschleudert werden: Sogar die Stripperin, die Baum einen Lapdance angedeihen lässt, kann sich mehrere Häuser leisten. Mit der entsetzlichen Gewissheit, dass man wahrlich vor dem Abgrund steht, kehrt Baum nach New York zurück.Er ist in mancherlei Hinsicht das emotionale Zentrum eines Films, der ohne klassische Identifikationsfiguren auskommen muss. Schließlich wollen hier alle ausnahmslos das große Geld machen (und sehen dabei auch noch richtig mies aus). Doch Baum kommen – ebenso wie zwei Trader-Rookies unter der Ägide von Börsenguru Ben Rickert (Brad Pitt, dessen Firma Plan B den Film produziert hat) – Zweifel, ob man ein so krankes, aber auch ein so dummes System ausschlachten darf. Fast beleidigt reagieren sie, als sie feststellen müssen, dass die Ratingagenturen auch dem größten Schrott eine „Triple A“-Bewertung hinterherschmeißen. So einfach darf Betrug doch nicht sein.

In solchen Momenten des Mit-Wissens um die Fehler im System fühlt man mit den Hauptfiguren von „The Big Short“ durchaus mit. Dennoch baut McKay sie nie zu falschen Helden auf, im Gegensatz zu Martin Scorseses „Wolf of Wall Street“ hält er stets Distanz. Wo Scorsese die ekstatische Gier seiner Hauptfigur im inszenatorischen Exzess doppelte und sich so mit ihr gemein machte, verweigert sich McKay dem vermeintlichen Sog der Ereignisse. Nach anderthalb Stunden sagt Mark Baum lapidar „It’s happening“ – die Lehman Brothers gehen pleite, der Kollaps beginnt. Die Finanzkrise fällt jedoch nicht in eins mit der dramaturgischen Krise, die Katharsis bleibt aus, die Empörung, die sich in einem als Zuschauerin angestaut hat, bleibt ohne Ventil. Mit der unbändigen Energie (oder ist es Wut?), mit der einen „The Big Short“ durch die Geschichte der Finanzkrise gefegt hat, scheucht er einen auch wieder aus dem Kino raus.

Was man im Jahr acht nach der Krise vom Finanzsystem und seiner derzeitigen Regulierung zu halten hat? „The Big Short“ vertraut darauf, dass sein Publikum schon die richtigen Antworten darauf finden wird.

„The Big Short“ und Wolf of Wall Street sind Filme die jede Frau kennen sollte. Den die Exzesse des internationalen Finanzsystems gehen uns alle an.

*Frauen und Kinder leiden unter Korruption

Die Lehre aus dem Wolf von der Wall Street
Geldgier und ihr Lohn

Nach Köln – Rechtsstaat am Limit?

PHOENIX-Talk über innere Sicherheit, nach den Gewaltexzessen in Köln.

Durch die Sendung führt Ina Baltes mit ihren Gästen Necla Kelek (Migrationsforscherin) und Sebastian Fiedler (Bund Deutscher Kriminalbeamter).

Besonders Interessant die Anmerkungen von Herrn Fiedler:
Täter bleiben im Besitz ihrer Beute, ihres illegalen Vermögens. Weniger als 1% aller Erlöse der 50 Milliarden jährlich kriminell erwirtschafteten Gelder werden konfisziert. Die zuständigen Ministerien stellen nicht die notwendige Mittel bereit, um die organisierte Kriminalität ernsthaft zu bekämpfen.

Tacitus

Aus Dummheit Pleite?

Je dümmer die Regierung, desto näher der BankrottPleitewahrscheinlichkeit-Saudi

Saudi-Arabiens Finanzstärke bröckelt. Grund ist neben dem niedrigen Ölpreis auch das unkluge Handeln der Regierung. Zur Gruppe der „gefährlichen Dummen“ gehören auch zwei andere bekannte Staatschefs.

Stefan Beutelsbacher und Holger Zschäpitz berichten:  An den Finanzmärkten der Welt lässt sich alles messen. Sogar die Dummheit. Wenigstens die politische. Herrscher, die unberechenbar sind, die sinnlos Gewalt anwenden, die sich nicht von staatspolitischer Vernunft leiten lassen, sondern von ihrem Ego, die also äußerst unklug handeln – solche Herrscher bestrafen die Investoren. Wie das aussehen kann, ist gerade in Saudi-Arabien zu besichtigen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Saudi-Arabien pleitegeht, ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen. Vor dem Jahreswechsel betrug sie 9,5 Prozent – nun sehen Analysten sie bei fast zwölf Prozent. Liegt es am niedrigen Ölpreis, der das Land, den größten Förderer der Welt, zu ruinieren droht? Oder an den Staatsschulden, die gerade explodieren?

Investoren verabscheuen erratische* Politiker (*verirrt ; ~er Block aus der Eiszeit )

Kaum. Der Ölpreis fiel vor dem Wochenende zwar wieder deutlich, doch die Pleitewahrscheinlichkeit schnellte schon in den Tagen zuvor in die Höhe, als die Notierungen nur unschlüssig hin und her schwankten. Und der neue Haushalt des Königreiches enthält harte Sparmaßnahmen – ein Schritt, den Investoren durch die Bank gutheißen.

Die Experten haben nur eine Erklärung für den plötzlichen Anstieg der Pleitekurve: unberechenbares, gewalttätiges, vernunftfreies Staatshandeln…

Zur Gruppe der „gefährlichen Dummen“ gehören auch zwei andere bekannte Staatschefs.
Auch Putin und Erdogan sind gefährlich…….

Je duemmer die Regierung, desto naeher der Bankrott

Arend van Dam www.w-t-w.org/en/arend-van-dam/
Arend van Dam
www.w-t-w.org/en/arend-van-dam/

Schlägt Geld Menschenrechte?

Der kleine Wüstenstaat Katar hat die große Fußballwelt fest im Griff. Selbst stolze Klubs wie der FC Bayern München verneigen sich vor den reichen Scheichs – und das immer wieder. So unpassend das auch ist.

Thomas Schmitt berichtet:  Katar hat es in den letzten Jahren geschafft, die wichtigen Figuren der Sportwelt gnädig für eigene Interessen zu stimmen. Wie die Scheichs das im Einzelfall hinbekommen haben, ist nicht bekannt. Doch die Ergebnisse ihrer Bemühungen sprechen für sich. Immer mehr wichtige und große Sportveranstaltungen werden in Katar abgehalten. Die wichtigste davon wird die WM 2022 sein.

Wenn die interessanten Vorgänge rund um Katar eines beweisen, dann dies: Geld schlägt Menschenrechte. Natürlich: Fußball ist ein gewaltiges Geschäft. Wer oben bleiben will, braucht jeden Euro und jeden potenten Helfer. Dennoch dürfen die Macher in Verbänden und Klubs nicht vergessen, wem sie ihren Reichtum am Ende wirklich verdanken: Millionen Menschen, die nicht nur den Fußball lieben, sondern auch an Fairness und Gerechtigkeit glauben….
Geld schlaegt Menschenrechte
Fussball WM in Katar

Eine starke und mutige Frau nach Amtsantritt ermordet

Drogenkrieg in Mexiko. Einen Tag nach ihrem Amtsantritt ist die Bürgermeisterin der Stadt Temixco in Mexiko getötet worden. Die Täter erschossen Gisela Mota am Samstag in ihrem Haus.

Gisela Mota beim Ablegen des Amtseides.Gisela Mota beim Ablegen des Amtseides
Die neue Bürgermeisterin von Temixco wurde am 2. Januar Opfer eines Gewaltverbrechens im Zusammenhang mit der anhaltenden Gewalt zwischen Regierung und Drogenkartellen.

Weniger als einen Tag nach ihrem Amtsantritt ist die Bürgermeisterin einer mexikanischen Stadt erschossen worden. Die bewaffneten Attentäter seien am Samstag in das Haus von Gisela Mota in der Stadt Temixco eingedrungen und hätten sie getötet, teilte die Regierung des Bundesstaates Morelos mit.Zwei mutmaßliche Angreifer seien getötet und drei weitere nach einer Verfolgungsjagd festgenommen worden, sagte der Sicherheitsbeauftragte von Morelos, Jésus Alberto Capella. Die Verdächtigen hätten während der Verfolgung aus einem Geländewagen heraus auf Polizisten und Soldaten geschossen. Die Festgenommenen konnten auch mit anderen Straftaten in Verbindung gebracht werden, wie Morelos‘ Generalstaatsanwalt Javier Pérez sagte.

Gouverneur Graco Ramírez schrieb die Tat auf Twitter dem organisierten Verbrechen zu. Ein bestimmtes Drogenkartell oder eine Bande nannte er aber nicht als Verdächtige. Kartelle, die die Kontrolle über mexikanische Gemeinden und Städte an sich reißen wollen, haben in der Vergangenheit schon öfters städtische Vertreter und Bürgermeister ins Visier genommen.

Mota war erst am Neujahrstag vereidigt worden. Sie war Mitglied der linken Demokratischen Revolutionspartei und saß als Abgeordnete im mexikanischen Parlament. Temixco zählt rund 100 000 Einwohner und leidet unter der organisierten Kriminalität. Es gibt immer wieder Entführungen und Erpressungsfälle. Motas Partei beschrieb die Getötete in einer Erklärung als „eine starke und mutige Frau, die beim Amtsantritt als Bürgermeisterin erklärt hat, der Kampf gegen Kriminalität werde frontal und direkt sein“. Gouverneur Ramírez versprach, die Täter würden nicht ungestraft davonkommen. Die staatliche Regierung werde im Konflikt mit dem organisierten Verbrechen nicht aufgeben.
Bürgermeisterin nach einem Tag im Amt ermordet
Mexico Drug War

Zollfreilager Freeport Singapore – unsichtbar, effizient, legal

Zollfreilager: Der Tresor der wirklich Reichen. Wer viel besitzt, kauft gern Kunst, Edelmetall oder Bordeaux.

Gerhard Mack berichtet: Tony Reynard redet sich in Rage: «Ich habe gerade in Genf an einer Tagung zu Zollfreilagern gesprochen und treffe immer auf die gleichen Vorurteile. Wir bauen jetzt das Zollfreilager dort nach den neuen Gesetzen um, aber ändern wird sich gar nichts. Der Zoll kann bereits jetzt kontrollieren, was er will.» Der durchtrainierte Waadtländer in Jeans und T-Shirt ist Verwaltungsratspräsident der Firma Le Freeport in Singapur, die der Schweizer Spediteur und Kunsthändler Yves Bouvier gegründet hat. Er findet es unverständlich, dass die Schweiz an den Pranger gestellt wird, wenn die USA und viele andere Länder Zollfreilager bauen: «Wenn einer Geld waschen will, macht er das doch nicht über Kunst, dann investiert er in Gebäude oder gründet Firmen. Das sind so Kino-Ideen.»

Yves Bouvier, der 1963 geborene Genfer gilt als König der Zollfreilager. Seine Firma Natural Le Coultre ist einer der grössten Kunstspediteure. Bouvier ist Mehrheitseigner der Firma Le Freeport, die Zollfreilager in Singapur und Luxemburg hat. Wegen Kunstverkäufen liegt er im Rechtsstreit mit dem russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew.
James Bond fällt einem aber ein, wenn man vor dem Zaun steht, der einen Bau mit brauner Fassade umfängt. Wer von der Strasse kommt, könnte in der Kiste irgendeine Firma aus der Internetbranche vermuten. Doch dann stehen die Sicherheitsvorkehrungen wohl selbst Fort Knox kaum nach. Das Drehkreuz im Zaun öffnet sich nur mit Karte und Code. Ohne Anmeldung kommt hier keiner durch. Kameras sind ohnehin überall. Wer das Gebäude betritt, gibt erst einmal seinen Pass ab und durchläuft ein Prozedere wie an Flughäfen, Ganzkörperscanner inklusive. Nur steht hier noch ein bewaffneter Sicherheitsmann daneben. «Schweizer Präzision, Sicherheit aus Singapur» lautet ein Slogan auf der Website. Showrooms für die Kunden…
Im Tresor der wirklich Reichen
Concerning warehouses for the ultra-rich

Wie verdienen Internetgiganten Geld?

Internetgiganten außer Kontrolle
Die Kartellbehörden ignorieren die Macht des Datenbesitzes. Das muss sich ändern.

Gastbeitrag von Anton Hofreiter und Katharina Dröge: Stellen wir uns vor, Facebook würde mit der Kreditauskunftei Schufa fusionieren. Die Kartellbehörden hätten vermutlich nichts dagegen. Ihren vergangenen Entscheidungen folgend, würden die Wettbewerbshüter wahrscheinlich sagen: Die beiden Unternehmen agieren auf unterschiedlichen Märkten, weshalb der Wettbewerb nicht in Gefahr ist – und Konkurrenten und Kunden keine Nachteile zu fürchten haben.

Natürlich wäre nach einer Fusion zweier so mächtiger Datenkonzerne nichts in Ordnung. Vielmehr nimmt sich das Wettbewerbsrecht der Marktmacht durch Daten nicht ausreichend an.
Dabei stellen sich wegen des wachsenden Datenaustauschs zwischen Konzernen viele Fragen. Die Beispiele Facebook und Schufa sind nicht aus der Luft gegriffen. Bereits 2012 versuchte die Schufa, Facebook-Daten zu analysieren, und Facebook sicherte sich kürzlich ein Patent, mit dem das Unternehmen Nutzerdaten für Kreditauskünfte verwenden will.
Kombinationen von Facebook- und Schufa-Daten würden unsere Interessen und Namen unserer Freunde, unsere finanzielle Situation und unsere Zahlungsmoral miteinander verbinden. Dadurch wären präzise Rückschlüsse auf unsere Kreditwürdigkeit und unser Konsumverhalten möglich. Beides ist Gold wert für Datenkonzerne….
Internetgiganten außer Kontrolle

Dieter Huthmacher www.w-t-w.org/en/dieter-huthmacher
Dieter Huthmacher
www.w-t-w.org/en/dieter-huthmacher

IWF-Chefin Christine Lagarde muss vor Gericht

Frankreich: Die Chefin des IWF, Christine Lagarde, muss nun doch wegen des Vorwurfs des sorglosen Umgangs mit Steuergeldern vor Gericht. Das höchste Pariser Gericht ordnete den Prozess an, den die politisch geführte Staatsanwaltschaft bereits hatte fallen gelassen.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, soll wegen einer Finanzaffäre in Frankreich vor Gericht gestellt werden. Der ehemaligen französischen Finanzministerin soll wegen einer umstrittenen Millionen-Entschädigungszahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie der Prozess gemacht werden, wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Justizkreisen erfuhr. Der Gerichtshof der Republik, der für Verfehlungen von Ministern im Amt zuständig ist, habe dies angeordnet, sagte Lagardes Anwalt am Donnerstag. Lagarde kündigte umgehend Rechtsmittel an, während der IWF ihr sein Vertrauen aussprach.

Die IWF-Chefin war in der Affäre im August 2014 formell beschuldigt worden. Die Ermittler werfen ihr Nachlässigkeit im Umgang mit öffentlichen Geldern vor. Ein von der damaligen französischen Finanzministerin angerufenes privates Schiedsgericht hatte Tapie 2008 nach dem Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas staatlichen Schadenersatz in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro zugesprochen. Es besteht der Verdacht, dass Tapie wegen seiner Nähe zum damaligen konservativen Staatschef Nicolas Sarkozy eine Vorzugsbehandlung erhielt. Gegen Tapie und mehrere weitere Verdächtige laufen inzwischen Ermittlungen wegen Betruges.

Die Ermittler nahmen zudem sowohl Lagardes Entscheidung unter die Lupe, ein privates Schiedsgericht anzurufen, als auch ihren Beschluss, den Schiedsspruch nicht anzufechten. Lagarde hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe stets abgestritten und die Entscheidung verteidigt, den jahrelangen Rechtsstreit mit Tapie durch ein Schiedsgericht klären zu lassen.

Am Donnerstag bezeichnete es Lagarde als „schwer nachvollziehbare Entscheidung“, dass ihr der Prozess gemacht werden solle. Sie habe „in dieser Angelegenheit immer im Interesse des Staates und in Achtung vor dem Gesetz gehandelt“. Lagarde will nun Frankreichs obersten Gerichtshof anrufen, um einen Prozess noch abzuwenden.

Tatsächlich hatte der zuständige Staatsanwalt im September eine Einstellung des Verfahrens gegen die IWF-Generaldirektorin beantragt. Die Ermittlungskammer des Gerichtshofs der Republik folgte diesem Antrag aber nicht und ordnete einen Prozess gegen Lagarde an. Der Gerichtshof der Republik ist das einzige Gericht in Frankreich, das über mögliche Vergehen von Ministern bei ihrer Amtsausübung urteilen kann.

Der IWF stellte sich am Donnerstag hinter seine Generaldirektorin. Die internationale Finanzinstitution habe „Vertrauen“, dass Lagarde ihre Aufgaben an der Spitze des IWF ausüben könne, erklärte ein Sprecher. Der französische Finanzminister Michel Sapin sagte, auch für Lagarde gelte die Unschuldsvermutung. Sie könne daher an der IWF-Spitze bleiben. Lagarde war 2011 zur IWF-Chefin gewählt worden. Sie folgte auf ihren Landsmann Dominique Strauss-Kahn, der nach einer Sex-Affäre in New York zurücktreten musste.

Ausgangspunkt der Tapie-Affäre ist der Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas durch seinen damaligen Besitzer Tapie im Jahr 1993. Der schillernde Geschäftsmann verkaufte Adidas für umgerechnet 316 Millionen Euro an eine Investorengruppe, an der auch die damals staatliche Bank Crédit Lyonnais beteiligt war. Schon im folgenden Jahr aber wurde Adidas weiterverkauft – für umgerechnet rund 700 Millionen Euro an den Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus. Tapie fühlt sich von der Bank hintergangen und um Adidas‘ wahren Mehrwert betrogen.

Der 2008 gefällte Schiedsspruch zugunsten Tapies wurde im Februar dieses Jahres vom Pariser Berufungsgericht wegen der Betrugsvorwürfe gekippt. Anfang Dezember verurteilte das Gericht Tapie dann dazu, die mehr als 400 Millionen Euro zurückzuzahlen.
Franzoesisches Gericht will IWF-Chefin Lagarde anklagen
Christine Lagarde

Hawala-Finanzsystem Geld von Mensch zu Mensch

So funktioniert der geheimste Geldtransfer der Welt. Hawala-Geldtransfer
Mit einem uralten System verschieben muslimische Mittelsmänner Milliarden um die Welt. Ihr Geschäftsmodell: Vertrauen und Verschwiegenheit. IS und al-Qaida lieben es – weil Kontrolle kaum möglich ist.

Paul Nehf berichtet:  Es gilt als das geheimste Geldtransfer-System der Welt: Hawala. Es basiert auf Vertrauen – und modernen Kommunikationsmedien. Wie täglich auf diese Art rund vier Milliarden Dollar verschickt werden, sehen sie hier.

Ein wenig erinnert Mohammed an den britischen Schauspieler Jason Statham in seiner Paraderolle als der „Transporter“. Statham spielt in dem gleichnamigen Film den Ex-Soldaten Frank Martin, einen Postboten der besonderen Art: Er liefert Pakete von A nach B; diskret, schnell und zuverlässig. Ein Mann klarer Regeln. Und sein oberstes Gebot lautet: Stelle keine Fragen. Was er ausliefert, weiß er nicht.

Mohammed ist auch so ein Transporter. Nur dass er weiß, mit welcher Ware er es zu tun hat: Bargeld. Vor allem US-Dollar, saudische Riyal, syrische Pfund und jordanische Dinar. Mohammed verschickt Geld, er kennt den Betrag und den Empfänger. Mehr will er nicht wissen. Zu viele Informationen, das weiß Mohammed wie Frank Martin, können gefährlich sein…
So funktioniert der geheimste Geldtransfer der Welt
Es gilt als das geheimste Geldtransfer-System der Welt: Hawala. Es basiert auf Vertrauen – und modernen Kommunikationsmedien. Wie täglich auf diese Art rund vier Milliarden Dollar verschickt werden
Hawala Money

Geldwäsche bei der WM-Vergabe 2018 und 2022

Der suspendierte Fifa-Praesident Joseph Blatter (r.) und Scheich Mohammed bin Hamad al-Thani, Vorsitzender des Organisationskomitees der WM in Katar 2022, beim Handshake in Doha 2013Die Bundesanwaltschaft hat ihre Ermittlungen rund um die Vergabe der Fussballweltmeisterschaften an Russland und Katar ausgeweitet. Bei der Behörde sind mittlerweile 133 Verdachtsfälle auf Geldwäsche eingegangen.

Seit den ersten Verhaftungen von hochrangigen Fifa-Funktionären in Zürich Ende Mai haben Schweizer Finanzinstitute insgesamt 133 Verdachtsmeldungen an die Geldwäscherei-Meldestelle MROS übermittelt. Damit ist die Zahl der Verdachtsfälle gegenüber dem August nochmals um 30 gestiegen. Die Bundesanwaltschaft bestätigte heute Montag einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Strafuntersuchung der Bundesanwaltschaft richtete sich nach deren Angaben gegen Unbekannt. Es bestehe der Verdacht, dass es bei den Vergaben für die Fifa-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar zu «Unregelmässigkeiten» gekommen sei. Zudem geht die Bundesanwaltschaft davon aus, dass Gelder via Schweizer Banken gewaschen wurden. Russland und Katar bestreiten die Vorwürfe.
Zum laufenden Strafverfahren wollte sich die Bundesanwaltschaft am Montag nicht äussern.

Kostas Koufogiorgos

Kostas Koufogiorgos