Finanzamt darf Internet-Domain pfänden

Bei Steuerrückstand: Zahlen Bürger ihre Steuern nicht, schickt das Finanzamt Beamte zur Vollstreckung. Dabei dürfen sie auch Internet-Domains beschlagnahmen, entschied das Finanzgericht Münster. Nun könnte eine Pfändungswelle folgen.

Klingeln, Klopfen und Kassieren. Nicht nur Wertgegenstände, auch Webseiten können die Vollstreckungsbeamten des Finanzamts künftig pfänden.

Steuerrückstände einzutreiben, darf ein Finanzamt auch die Ansprüche beschlagnahmen, die aus dem Vertrag über eine Internet-Domain entstehen. Das hat der 7. Senat des Finanzgerichts Münster in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil entschieden
Finanzgericht Münster, 7 K 781:14 AO. Geklagt hatte eine Genossenschaft, die Internet-Domains verwaltet und betreibt. Dort war auch ein Online-Shop für Unterhaltungselektronik registriert. In dem Vertrag mit dem Unternehmen hatte sich die Genossenschaft unter anderem dazu verpflichtet, die Domain zur Verfügung zu stellen und zu unterhalten.

Als der Besitzer des Online-Shops mit Steuern in den Rückstand geriet, pfändete das Finanzamt die Domain der Firma und sicherte sich damit die Ansprüche des Unternehmers aus dem Registrierungsvertrag mit der Genossenschaft. Dass für die Genossenschaft durch eine zunehmende Zahl solcher Pfändungen künftig ein erheblicher Arbeits- und Verwaltungsaufwand ausgelöst werden könne, sei unerheblich, stellte das Gericht fest. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtsfrage ließ das Gericht eine Revision zum Bundesfinanzhof zu.
Finanzamt darf Internet-Domain pfaenden

Heinrich Schwarze-Blanke www.w-t-w.org/en/heinz-schwarze-blanke/

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Wenn man die besten Jahre verpasst

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Was passiert mit einem langfristig ausgerichteten Buy-and-Hold Aktienportfolio, wenn Sie – whatever the reasons – ab und zu „aussteigen“ und dadurch ein paar gute Jahre verpassen? Wundern sie sich.

Rudolf Schuppler www.w-t-w.org/en/cartoon/rudolf-schuppler

Rudolf Schuppler
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Abflauende Weltwirtschaft?

Der nächste Schock: Die einstigen Superstars China und Brasilien schwächeln. Noch spürt Deutschland wenig davon. Doch wenn es einmal knallt, dann knallt’s von allen Seiten – auch bei uns.

Wolfgang Münchau berichtet: Angela Merkel und ihre Flüchtlinge sind das große politische Thema und Volkswagen das große wirtschaftliche. Die Kapazitätsgrenze unserer Aufmerksamkeit scheint erschöpft. Doch wenn man in diesen Tagen über den nationalen Tellerrand hinausschaut, sieht man weiteres Ungemach am Horizont auftauchen: die Verlangsamung der Weltwirtschaft, bedingt durch einen radikalen Strukturwandel in China. Deutschland war bislang der große Nutznießer. Aber eine Umschichtung von Investitionen hin zu privatem Konsum ist längst überfällig, denn China leidet schon seit Jahren an einer staatlichen verordneten Überinvestition im Immobilienbereich und vor allem in der Infrastruktur. Diese Investitionen wurden durch Billigzinsen finanziert, die wiederum zu Lasten der Sparer gingen – eine durch die Zentralregierung bewusst betriebene Fehlallokation.
Abflauende Weltwirtschaft
Global Economy

Mit kleinen Linsen grosses Geld machen

Rohstoff Linsen. Der Linsen-Markt-König aus Kanada. Saskatchewan hat sich in 15 Jahren zum wichtigsten Produzenten von Linsen entwickelt. Das kanadisch-türkische Unternehmen

AGT spielte dabei eine wichtige Rolle.
Allana Koch ist zufrieden. Vor 15 Jahren seien Linsen in Kanada noch ein exotisches Produkt gewesen, erklärt die stellvertretende Agrarministerin von Saskatchewan bei einem Gespräch in der Provinzhauptstadt Regina. Inzwischen sei Kanada zum weltweit führenden Produzenten und Exporteur der Hülsenfrüchte avanciert. Die entsprechenden Exporteinnahmen beliefen sich auf über 1,5 Mrd. $. Selbst Indien, lange Zeit der grösste Produzent und Konsument, importiere Linsen aus Kanada, da die eigene Produktion nicht für den heimischen Konsum ausreiche. 2015 werden etwa 3 der 5 Mio. t grüner und roter Linsen, die weltweit produziert werden, aus Kanada stammen, der grösste Teil davon wiederum aus Saskatchewan. Im vergangenen Jahr waren 65% aller weltweit exportierten Linsen in Saskatchewan angebaut worden.
Der Linsen-Markt-Koenig aus Kanada/ NZZ
Lentil

Schweben einige Lebensversicherer in Lebensgefahr?

Wollen die Lebensversicherer ihre Kunden mit den guten Verträgen nur loswerden oder sind garantierte Zinszahlungen ein grosses Risiko für Lebensversicherer?  Lebensversicherungen

Hohe Zinsversprechen in Deutschland. Die Rating-Unternehmen A. M. Best und Moody’s weisen auf Gefahren hin, welchen vor allem Lebensversicherer ausgesetzt sind. Die hartnäckig niedrigen Zinsen sind unangenehm.

Werner Enz berichtet: Mit der näher rückenden Umstellung europäischer Aufsichtssysteme von einer statischen auf eine marktnahe und dynamische Methodik gewinnt die Bewertung von Verbindlichkeiten zu realistischeren Konditionen im Versicherungssektor an Bedeutung. Für Anfang 2016 steht in Europa die Einführung der «EU Solvency II» an, wobei in erster Linie Ausstände von Lebensversicherern wegen deren hoher Kapitalintensität die Fachwelt, die Unternehmen, aber auch die Kunden beschäftigen.

Es drohen japanische Zustände
Wird die Lebensversicherung X ihre abgegebenen Versprechen bis ganz zuletzt erfüllen können? So lautet die zentrale Frage. Studien von A. M. Best und Moody’s, die jüngst publiziert wurden, gelangen übereinstimmend zur Schlussfolgerung, dass vor allem Anbieter, die einen sehr hohen Prozentsatz an konventionellen Lebensversicherungen – in Deutschland werden sie Kapitalversicherungen genannt – ausstehend haben, verletzlich sind. Länder, die zinsmässig seit Jahren in einer Tiefdruckzone stecken, leiden immer stärker.
Einige Lebensversicherer schweben in Lebensgefahr
Lebensversicherung

VW – Die Lehren

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Als Anleger am Aktienmarkt hält der „Fall VW“ durchaus einige Lehrstücke bereit. Der Fall selber ist aus anlegetechnischer Sicht nicht unbedingt einzigartig. Er bestätigt einfach eine Reihe interessanter Grundsätze.

Silvan Wegmann www.w-t-w.org/en/silvan-wegmann www.swen.ch/

Silvan Wegmann
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Turbulente Zeiten für japanische Broker

Japan:  Liquiditäts-EngpassTurbulente Zeiten für japanische Broker-Foto- dpa
Weltgrößter Fonds setzt Handel aus. Der japanische Broker Nomura setzt überraschend Zeichnungen für den weltgrößten ETF aus. Begründet wird dies mit einem „Liquiditäts-Engpass“. Der Fonds sei zu groß geworden, so Nomura.

Der weltweit größte börsengehandelte Fonds verkündet eine „vorübergehende Aussetzung“ der Auftragseingänge für drei ETFs. Der japanische Broker Nomura Asset Management begründet den Handels-Stopp in einer Mitteilung folgendermaßen:
„Die vorübergehende Aussetzung wurde unter Berücksichtigung der aktuellen Situation des Fondsmanagements einschließlich der Liquidität der zugrunde liegenden Nikkei 225 Futures und die Summe der verwalteten Vermögen von drei ETFs getroffen.“ Die ETFs bleiben an der Börse in Tokio kotiert, die Anleger können damit auch handeln, nur Nomura nimmt vorerst keine Zeichnungen vor.

Der EFT ist zu groß geworden für den Markt, für den er entwickelt wurde. Der Vermögensverwalter, der auf dem Futures-Markt beruht, verspricht, das Zweifache des täglichen Returns von Japans bekanntesten Aktienindex zu liefern. Doch die Liquidität ist nicht stark genug, um sicherzustellen, dass dieses Ziel zu erfüllen ist.
„Die Liquidität zu den Futures bleibt gleich, aber unsere Fonds wurden immer größer“, zitiert Bloomberg Kazumasa Hironaka, ein Sprecher von Nomura Asset. „Wenn der Fonds nicht zu dem Preis kaufen kann, zu dem er will, und zu dem Preis verkaufen kann, zu dem er will, kommt es zu einer Schräglage.“

Vor kurzem kommentierte Bloomberg die Fonds von Nomara vernichtend: Das Geld wird mit einer beispiellosen Geschwindigkeit in einem aufgemotzten ETF, der an Japans bekanntesten Aktienindex gebunden ist, geschreddert.
Weltgroeßter Fonds setzt Handel aus
Japan

Walmart Verlust 20 Milliarden in 20 Minuten

Aktienkurs von Walmart bricht ein. Dem weltgrössten Detailhändler laufen derzeit die Aktionäre davon. Sie zweifeln daran, dass Walmart in der neuen Welt des Online-Handels seine Stellung wird halten können.

Christiane Henkel berichtet: Die Aktien des amerikanischen Konzerns Walmart sind am Mittwoch innert kurzer Zeit um bis zu 10% eingebrochen. Der Marktwert (200 Mrd. $) des weltgrössten Detailhändlers verlor innert 20 Minuten rund 20 Mrd. $. Das Unternehmen aus Bentonville, Arkansas, hatte die Aktionäre mit der Ankündigung überrascht, dass der Gewinn je Titel im Geschäftsjahr 2016 (ab Februar) um 6% und im Jahr 2017 um 12% fallen werde. Im laufenden Geschäftsjahr werde der Umsatz stagnieren und nicht, wie bis anhin prognostiziert, um 1% bis 2% wachsen.

Hinter dem starken Gewinnrückgang stünden die jüngst bekanntgegebenen Lohnerhöhungen und die steigenden Investitionen in das Online-Geschäft, erklärte der Finanzchef Charles Holley an einem Treffen mit Analytikern in New York. Rund drei Viertel des Gewinnrückgangs seien auf die Erhöhung der Löhne zurückzuführen. Seit April liegt der Mindestlohn bei 9 $ pro Stunde; im Februar wird er auf 10 $ angehoben. Zudem sollen im nächsten Geschäftsjahr 1,1 Mrd. $ in das Online-Geschäft investiert werden.
20 Milliarden in 20 Minuten
Wal-Mart

Peru untersucht Rolle von Militär im Drogenhandel

Korruptionsverdacht: Militaer
Peru hat mit Ermittlungen zur enthüllten Korruption unter Militärvertretern im Drogen-handel begonnen. Verteidigungsminister Jakke Valakivi sagte am Mittwoch, der General-inspektor des Militärs werde die Untersuchung leiten. Verteidigungsministerium und Streitkräfte würden bei der Überprüfung eng zusammenarbeiten.

Vorangegangen war dem Schritt eine Enthüllung der Nachrichtenagentur AP, die herausgefunden hatte, dass Streitkräfte dabei scheiterten, den Schmuggel von täglich mehr als einer Tonne Kokain mit Kleinfliegern in Richtung Bolivien zu verhindern. Staatsanwälte, die Drogenpolizei und frühere Militärangestellte sowie ehemalige und aktive amerikanische Drogenfahnder hatten der AP gesagt, dass peruanische Militärs bei dem Drogenhandel ein Auge zugedrückt hätten.
Peru

Diskriminiert Maschinenindustrie Frauen?

Gemäss einer Erhebung des Bundes werden Frauen in der Maschinenbranche lohnmässig diskriminiert. Der Schluss sei völlig falsch, kritisiert Kareen Vaisbrot, Geschäftsleitungsmitglied beim Verband Swissmem. Es gebe keine Diskriminierung in der Branche.

Frauen verdienen im Schnitt immer noch deutlich weniger als Männer. Doch nicht jeder Lohnunterschied ist eine Diskriminierung. Die Lohnungleichheit lässt sich teilweise durch strukturelle Faktoren wie Unterschiede im Bildungsstand, Anzahl Dienstjahre oder ausgeübte Kaderfunktion erklären. Das Bundesamt für Statistik (BfS) hat in einer Studie die objektiv unerklärbaren Lohnunterschiede herausgefiltert und kommt zum Schluss dass die unerklärte Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen in der Privatwirtschaft durchschnittlich 678 Fr. pro Monat ausmacht. Besonders ausgeprägt ist der diskriminierende Unterschied gemäss der Studie in der Maschinenindustrie. In dieser Branche verdienten Frauen monatlich unerklärte 972 Franken weniger als Männer.

Den Vorwurf der Diskriminierung weist Kareen Vaisbrot, Geschäftsleitungsmitglied und Leiterin Arbeitgeberpolitik beim Maschinenindustrieverband Swissmem, zurück. Die Statistik des BfS sei untauglich, hält sie im Video-Interview der NZZ-Serie «Wirtschaft im Fokus» fest. Es fehlten wichtige Kriterien. Zudem würden Äpfel mit Birnen verglichen.

Die Maschinenbranche lasse seit über 10 Jahren die Saläre vergleichen. In diesem Vergleich würden 86’000 Saläre mit über 270 Funktionsbeschreibungen und 26 Kriterien für die Lohnfindung berücksichtigt. Der Schluss dieser eigenen, umfangreichen Untersuchung sei klar: «Frauen werden in der Maschinenindustrie nicht diskriminiert», hält Vaisbrot fest.
Maschinenindustrie diskriminiert Frauen nicht
Gleicher Lohn