Massenproteste in Ungarn wegen Korruption

Mehr als 10.000 Menschen haben vor dem Parlament in Budapest gegen die rechts-konservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban demonstriert. Zum „Tag der allgemeinen Empörung“ hatten Initiativen in sozialen Netzwerken aufgerufen. Redner prangerten bei der Kundgebung am Montagabend die Korruption unter der Regierung Orban an und verlangten den Rücktritt der Chefin der Steuerbehörde, Ildiko Vida. Die oberste Finanzbeamtin des Landes war von den USA wegen Korruptionsverdachts mit einem Einreiseverbot belegt worden.

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Wegen Korruption und Russlandnähe
Massenproteste in Ungarn- Zehntausend gegen Viktor Orban
Korruption

Mark Carney spricht von einem Wendepunkt

Mark Carney, der Vorsitzende des Financial Stability Board FSB, sieht bei der Reform des Finanzsystems einen Wendepunkt erreicht. Für weiteren Diskussionsstoff sorgen die Schattenbanken.
Der Financial Stability Board (FSB) erachtet den Reformprozess zur Korrektur der Verwerfungen der Finanzmärkte, welche vor mehr als sechs Jahren die Finanzkrise provoziert hatten, als weitgehend abgeschlossen; wobei aber noch nicht alle vereinbarten Regulierungen vollständig umgesetzt sind. Dies hält Mark Carney, FSB-Vorsitzender und Gouverneur der britischen Notenbank, in einem Bericht zuhanden der Gruppe der zwanzig grössten Wirtschaftsnationen (G-20) fest, die sich dieses Wochenende in Brisbane trifft.

Als Wendepunkt bezeichnet Carney die erwartete Zustimmung der Staatschefs der G-20 zum Vorschlag , den 30 global systemrelevanten Grossbanken einen zusätzlichen Kapitalpuffer von 16 bis 20% vorzuschreiben, um das Problem von «too big to fail» zu lösen; ein Vorschlag, dem die G-20 aber erst im Grundsatz zustimmen muss, bevor er anschliessend in eine öffentliche Konsultation geschickt wird.

Interessant wird sein, wie sich die G-20 am Sonntag zur Regulierung von Schattenbanken – der Kreditvermittlung ausserhalb des regulierten Bankensektors – stellen wird. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel etwa pocht auf weitergehende Schritte. Im August meinte sie , es sei ein Bereich, der regulatorisch nach wie vor ziemlich nackt dastehe. Auch Carney verweist in seinem Bericht auf die Notwendigkeit weiterer Schritte, die auf den bisherigen Arbeiten aufbauen. Der australische Finanzminister Joe Hockey scheint darauf nicht sehr erpicht zu sein – so hatte er am Donnerstag seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, man könne an diesem Wochenende einen Schlussstrich unter die «konstante Umschreibung» der Regulierungen des globalen Finanzsystems ziehen.

Nach wie vor erst ungenügend umgesetzt sind die vereinbarten Standards für Over-the-Counter-Derivate (OTC) , strukturierte Finanzprodukte, die ausserhalb der regulierten Börsen – «über den Tresen» – gehandelt werden. Carney erwartet von den G-20-Staatschefs, dass sie sich weiterhin für eine konsistente und grenzüberschreitende Umsetzung der OTC-Regeln einsetzen.

Schliesslich kündigt er im Bericht den Beginn einer neuen Phase an, in der der FSB den Fokus auf die konsequente Umsetzung bereits beschlossener Massnahmen sowie auf sich neu entwickelnde Risiken richten werde. Eine stärkere Stimme im FSB, in dem die wichtigsten Notenbanken und Finanzmarktaufsichtsbehörden vertreten sind, sollen künftig zudem die Schwellen- und Entwicklungsländer haben.

Mark Carney

Gefahr für Whistleblower: Tor-Netzwerk fürchtet um Anonymität im Netz

Die Geheimdienste sind möglicherweise in der Lage, die anonyme Kommunikation über das Tor-Netzwerk zu knacken. Dies halten die Macher des Tor-Projekts selbst für möglich, nachdem die Behörden aus 17 Staaten bei einer gemeinsamen Razzia mehr als 50 im Dark Web versteckte Seiten vom Netz genommen haben. Das Risiko für Whistle-Blower und Regierungsgegner ist offenbar höher als bisher angenommen.
Gefahr für Whistleblower- Tor-Netzwerk fuerchtet um Anonymitaet im Netz  Whistleblower

Barrieren werden leicht Renditekiller

Mit tiefen Zinsen und Staatsausgaben auf Kredit wollen Regierungen und Zentralbanken angeblich die Welt vor dem «deflationären Untergang» retten. Faktisch enteignen sie die Anleger mit unglaublich tiefen Zinsen und zwingen sie auf ihrer verzweifelten Suche nach Rendite zu riskanten Manövern.

Dieses Umfeld hat dazu beigetragen, dass Banken und sonstige Anbieter von Finanzprodukten seit der Krise immer mehr strukturierte Anlageinstrumente zur «Renditeoptimierung» auf den Markt bringen. Dazu zählen etwa Discount-Zertifikate, Barrier-Discount-Zertifikate, sogenannte Reverse-Convertibles, Barrier-Reverse-Convertibles und schliesslich gar Multi-Barrier-Reverse-Convertibles. Was sich anhört wie eine Aufzählung mit dramatisierender Klimax, ist es auch. Denn bestand die Grundidee solcher Produkte darin, Anlegern mit der verbrieften Kombination von festverzinslichen Anlagen und dem Verkauf von Volatilität im Rahmen eines halbwegs berechenbaren Rahmens eine «attraktive» Rendite anzubieten, so ist der Ansatz durch die tiefen Zinsen und die geringen Kursschwankungen pervertiert worden.

Da normale Aktienanleihen oder Discount-Zertifikate im Verhältnis zu den asymmetrischen Verlustrisiken, die ihr Kauf ohnehin mit sich bringt, keine «reizvollen» Renditen mehr bieten können, entwickelten die Anbieter «innovative Variationen». Der inzwischen erreichte Höhepunkt wird am besten durch Multi-Barrier-Reverse-Convertibles demonstriert, die sich nicht auf zwei oder drei, sondern sogar auf vier oder gar mehr Aktien beziehen. Fällt der Kurs eines dieser Wertpapiere unter einen vordefinierten Wert, erhält der Anleger am Ende der Laufzeit des Produkts nicht das eingesetzte Geld und den versprochenen Coupon zurück, sondern ihm wird die schwächste Aktie aus dem Korb gutgeschrieben.

Das Resultat lässt sich am Multi-Barrier-Reverse-Convertible auf Holcim, SGS und Syngenta recht gut beschreiben (vgl. Grafik). Bevor das Produkt am 5. 11. ausgelaufen ist, war der Kurs der Syngenta-Aktie im Rahmen eines kurzfristigen Abwärtstrends und einer auffällig grossen Tagesbewegung am 16. 10. unter die im Zertifikateprospekt definierte kritische Marke von Fr. 275.25 gefallen. Das führt dazu, dass einem Anleger, der bei der Ausgabe ein Zertifikat im Wert von 1000 Fr. gezeichnet hatte, zwei Syngenta-Papiere und eine Barauszahlung im Gesamtwert von Fr. 806.81 gutgeschrieben werden. Selbst bei Berücksichtigung eines Coupons von gut 7% hat er über 12% auf das eingesetzte Kapital verloren.

Gewöhnlich erwünschte Diversifikation wird hier zum Problem

Das Problem ist, dass bei der Schaffung solcher Produkte Aktienkörbe mit zum Teil abstrusen Eigenschaften zusammengestellt werden. Je tiefer die Korrelation zwischen den Basiswerten sei, desto attraktiver sehe zwar das Produkt optisch aus, desto grösser werde aber auch das Risiko eines Barriere-Bruchs, sagt Christian König. Der Autor des Blogs finanzprodukt.ch befürchtet, die Investoren seien nicht einmal über die vergangenheitsorientierten Korrelationen der verschiedenen Basiswerte informiert, und weist den Emittenten eine entsprechende Bringschuld zu. Er rät Anlegern zudem, sich mit der Qualität der Basiswerte zu beschäftigen und misstrauisch zu werden, wenn die angebotenen Coupons sehr hoch und entsprechend verlockend seien.

Simon Ullrich vom Berliner Unternehmen SmartTrade denkt, bei der Beurteilung von Multi-Barrier-Produkten müsse der Anleger neben den klassischen Risikofaktoren wie dem Preis und der Volatilität der Basiswerte auch die erwartete Korrelation innerhalb des zugrunde liegenden Aktienkorbs berücksichtigen. Die Attraktivität eines bestimmten Produkts hänge von der Abweichung des fairen Wertes vom Verkaufspreis zum Zeitpunkt des Kaufs ab. Ohne die notwendigen Fachkenntnisse und ohne eine solide IT-Infrastruktur habe ein Anleger praktisch keine Möglichkeit, den fairen Wert eines Multi-Barrier-Produkts zu bestimmen. In Unkenntnis dessen sei aber auch keine belastbare Abschätzung möglich, wie das Verhältnis von Chance zu Risiko sei. Die Würdigungen aus berufenem Mund sprechen für sich selbst.

Renitekiller

Russland und Katar spielen Fussball

Der amerikanische Chefermittler der Fifa-Ethikkommission, Michael Garcia, ist nicht einverstanden mit Teilen des Berichts des Untersuchungsrichters Hans-Joachim Eckert. Er kündigt an, zu rekurrieren.

Die Fifa hatte sich gefreut, als der Untersuchungsrichter Hans-Joachim Eckert heute Donnerstagmorgen einen Bericht veröffentlichte, in dem er schrieb, dass die Ethikkommission keine Beweise für gravierende Bestechungen in der WM-Vergabe 2018 und 2022 gefunden habe. Russland und Katar sollen die Fussball-Weltmeisterschafbehalten können, eine Wiederholung der Wahl sei nicht nötig, obwohl mehrere Vorkommnisse bei fast allen Kandidaturen Hinweise stattgefunden haben, die das Ethik-Reglement der Fifa ritzten. Insgesamt hat Eckert den Ablauf der Wahl aber nicht in Frage gestellt.

Der vom Verband beauftragte Ermittler Michael Garcia allerdings widerspricht Darstellungen Eckerts. In einem Statement sagte er, der Bericht enthalte «zahlreiche unvollständige und fehlerhafte Darstellungen der Tatsachen und Schlussfolgerungen». Damit setzt sich Garcia in offenen Widerspruch zum Untersuchungsrichter Eckert. Er kündigte an, gegen Feststellungen des Berichts bei der Fifa Berufungsinstanz zu rekurrieren. Garcia hatte schon vor mehreren Wochen darauf bestanden, seine 430-seitige Untersuchung zu veröffentlichen. Eckert hatte dies jedoch abgelehnt.

Junkers Steueroase Luxemburg

Kommentar zu Junckers Steuerproblem: Wegducken geht nicht mehr.

Darf ein Mann die EU-Kommission führen, der sein eigenes Land in eine Steueroase verwandelt hat? Die Debatte ist überfällig – und Jean-Claude Juncker sollte nicht länger so tun, als seien Nachfragen Majestätsbeleidigung.

Europa hat ein Problem, ein sehr ernstes sogar. Vordergründig geht es um die Frage, welche Steuersparmodelle in Luxemburg in der Amtszeit von Ex-Premier Jean-Claude Juncker eingefädelt wurden, und wie viele Milliarden anderen EU-Staaten dadurch entgingen. Das eigentliche Problem dieser Affäre liegt tiefer, es lautet: Nehmen wir die neue europäische Demokratie, von der auch Juncker gerne redet, wirklich ernst?
Der Luxemburger verweist stolz darauf, Europas erster „Spitzenkandidat“ gewesen zu sein, von den Bürgern gleichsam direkt zum Chef EU-Kommission gewählt.
Als Geburtsstunde von mehr Demokratie innerhalb der Gemeinschaft feierten viele diesen Moment. Leider haben diese Optimisten eins vergessen: So richtig ernst haben Europas Politiker es mit der schönen neuen Demokratie wohl nie gemeint.
Denn dass die EU-Bürger ihre Kandidaten wirklich kennen lernen sollen, längst selbstverständlich in den USA, ist in Europa nicht vorgesehen. Deshalb kann es Juncker nach wie vor doppelt geben – als (ehrlich) überzeugten Europäer, aber auch als listigen Ex-Regierungschef, der einst aus Luxemburger Eigeninteresse schärfere Steuerabkommen blockierte.

Wie das zusammenpassen soll, hat er im Wahlkampf nie schlüssig erklärt.
Das musste er auch nicht. Seine politischen Gegner wie SPD-Herausforderer Martin Schulz schielten früh auf ein Bündnis mit Juncker und stellten ihm aus Machtkalkül keine allzu unbequemen Fragen.
Junckers Steuerproblem
tagesschau.de/wirtschaft/luxemburg-steuern

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen www.harmbengen.de

Harm Bengen

Plus der argentinischen Börse

Hitliste der Finanzmärkte:  Argentiniens Börse überrascht

Schwellenländer-Märkte dominieren die Listen mit den zehn besten und den zehn schlechtesten Börsen im bisherigen Verlauf des Jahres 2014.

Viele Anleger sehen Schwellenländer-Börsen als homogene Gruppe. Wie ein Blick auf die Tabelle der Börsen mit der besten und der schlechtesten Entwicklung im Jahr 2014 zeigt, sieht die Realität anders aus. In ihr sind auch Industrieländer-Märkte enthalten, Indizes von Emerging-Markets dominieren sie aber . Mit Anlagen in manche Schwellenländer-Aktienindizes haben Investoren in diesem Jahr viel Geld verdient, mit anderen viel verloren – die Spanne reicht von dem 68%igen Plus des argentinischen Merval-Indexes bis zum Minus von 22,8%, das der russische RTS-Index verbucht hat. Die Entwicklung ist jeweils in Franken gerechnet.

Aus Sicht von Nanette Hechler Fayd’herbe von der Credit Suisse (CS) sind vor allem zwei Faktoren für die unterschiedliche Entwicklung der Schwellenländer-Börsen verantwortlich. Erstens sei es wichtig, ob ein Land netto ein Rohwaren-Exporteur oder -Importeur sei. Die Märkte der Länder, die netto Rohstoffe importieren, hätten in diesem Jahr von fallenden Preisen profitiert – etwa beim Erdölpreis. Im Gegenzug habe diese Entwicklung negative Folgen für die Börsen «rohstofflastiger» Länder gehabt. Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Euro-Schuldenkrise. Die Börsen von wirtschaftlich eng mit der schwächelnden Euro-Zone verbundenen Ländern hatten in diesem Jahr Nachteile, wie das Beispiel Ungarn zeigt. Sehr schlecht entwickelten sich auch die Leitindizes in den zur Euro-Zone gehörenden Krisenländern Portugal (–22,4%) und Griechenland (–18,7%). Die Börsen der Euro-Länder Malta und Lettland verbuchten mit –11,8% bzw. –10,6% ebenfalls deutliche Verluste.
Argentiniens Boerse ueberrascht
Stock Market

Wie werden angeblich kostenlosen Dienste bezahlt?

Währung: Information: Wer viel über uns weiß, hat auch Macht über uns und unser Leben.Final
Die Währung in der digitalen Welt sind Informationen über die Nutzer

Iris Braun berichtet:  Das Internet scheint längst zu einem unkontrollierbaren Kosmos geworden zu sein, der alles zur Schau stellt – und nichts vergisst. In ihrem Buch „Datenfresser“ zeigen die beiden Sprecher des Chaos Computer Clubs, wer von den persönlichen Spuren im Netz wirtschaftlich profitiert.

Freunde treffen, Fotos tauschen, Straßen finden – die digitalen Dienstleister Google, Facebook und Co machen das Leben leichter. Ganz klar. Und dafür bezahlen wir noch nicht einmal Geld. Denn die Währung in dieser digitalen Welt sind Informationen über uns, die Nutzer. Wie das genau funktioniert und zu einem Milliardengeschäft geworden ist, beleuchten Constanze Kurz und Frank Rieger in ihrem Buch „Die Datenfresser“. Dafür stellen die beiden Sprecher vom Chaos Computer Club verschiedene Geschäftsmodelle vor und blicken hinter die Kulissen der blinkenden Oberflächen. Denn auch wenn vieles im Netz als kostenlos beworben wird – der Kommunismus ist dort keinesfalls ausgebrochen:

Wenige wissen, wie sich die Anbieter der digitalen Annehmlichkeiten finanzieren. Womit bezahlen wir die angeblich kostenlosen Dienste? Denn eine Gratis-Ökonomie ist es mitnichten. Wie funktioniert die magische Umwandlung von Klicks und Teilnehmerzahlen, von Freunden und hochgeladenen Bildern in Geld? Die meisten Nutzer haben eine vage Ahnung, dass sich das alles über Werbung finanziert, aber kaum jemand mag sich richtig mit den Details befassen. Constanze Kurz und Frank Rieger: „Die Datenfresser“
Währung- Information

Sanierungsplan nach der Pleite

Richter Steven Rhodes genehmigte am Freitag einen Sanierungsplan, nachdem Vertreter der Stadt sich mit Pensionären und anderen wichtigen Gläubigern geeinigt hatten.
Rhodes nannte das Konzept der „Detroit Free Press“ zufolge „fair und vernünftig“. Insolvenzverwalter Kevyn Orr sprach von einer „historischen Entscheidung“. Detroit bewege sich auf einem Weg hin zu finanzieller Stabilität. Allerdings wird ein vom Staat Michigan eingesetztes Komitee mindestens ein Jahrzehnt lang überwachen, wie die Stadt mit ihren Finanzen umgeht.
Neuanfang für Pleitestadt Detroit – Richter genehmigt Sanierungsplan
Detroit