Ein Shootingstar betritt die europäische Bühne

Renzi will Führungsrolle in der EU

Niklaus Nuspliger berichtet: Unter Matteo Renzi will Italien in Europa und gegenüber Deutschland selbstbewusster auftreten. Unter Matteo Renzi will Italien in Europa und gegenüber Deutschland selbstbewusster auftreten.
Renzi nutzt die Bühne der italienischen EU-Präsidentschaft, um in der Debatte um Stabilität und Wirtschaftswachstum Forderungen zu stellen.

Matteo Renzi hat Charisma. An einem Auftritt von aus Brüssel angereisten EU-Korrespondenten in Rom am Freitag wirkt der neue italienische Ministerpräsident locker und gewinnend – dass neben ihm der abtretende EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso auf dem Podium steht, lässt den 39-Jährigen umso frischer erscheinen. Matteo Renzi ist auch ein guter Kommunikator. Auf komplexe Fragen antwortet er auch im kleinen Kreis im Stile kurzer und prägnanter Twitter-Botschaften. Mangelt es an Präzision und Tiefgang, so kompensiert er dies mit Witz und der Ankündigung ebenso grosser wie vager Reformvorhaben für sein Land und für die EU, deren sechsmonatige Präsidentschaft Italien per Juli übernommen hat.
Debatte um Haushaltspolitik
Ein Shootingstar betritt die europaeische Buehne
Matteo Renzi

Was ist ein Index?

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Erwin W. Heri

SMI, DAX, Dow Jones… – Indizes gehören zu den Standardwerkzeugen der Finanzwelt.  Bei ihrer Verwendung sollte man sich aber der Stolpersteine bewusst sein. Das Video fasst einige wichtige Punkte zusammen.
Index

 

Klage gegen Männer-Klub bei Goldman Sachs

Ex-Mitarbeiterinnen fühlen sich diskriminiert

Tina Kaiser berichtet:  Cristina Chen-Osters Probleme bei Goldman Sachs begannen an einem späten Abend im Jahr 1997. Einer ihrer Kollegen hatte in die New Yorker Striptease-Bar Scores geladen, um seine Beförderung zu feiern. Obwohl es Chen-Oster unangenehm war, ging sie hin. Am Ende des Abends bestand ein verheirateter Kollegen darauf, sie nach Hause zu begleiten. Vor ihrem Apartment drückte er sie gegen eine Wand, küsste und begrapschte sie. So steht es zumindest in der Klage, die Chen-Oster gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber eingereicht hat. „Hätte ich mich nicht zur Wehr gesetzt, hätte er mich wohl vergewaltigt“, schreibt sie dort. Nun beschuldigt Chen-Oster gemeinsam mit ihrer ehemaligen Kollegin Shanna Orlich die Investmentbank Goldman Sachs der Geschlechter-Diskriminierung. Goldman habe die Benachteiligung von Mitarbeiterinnen nicht nur zugelassen, sondern sogar eine „Männer-Klub“-Atmosphäre gefördert, die Besäufnisse und Abstecher in Strip-Lokale beinhaltet habe.

Die beiden Frauen stellten bei einer Richterin in New York den Antrag, Goldman Sachs stellvertretend für aktuelle und frühere Mitarbeiterinnen im Rang von Vice Presidents und Associates verklagen zu dürfen. Die Sammelklage hatten die ehemaligen Goldman-Mitarbeiterinnen bereits vor vier Jahren eingereicht. Weil der Fall so komplex ist, kommt der Prozess aber erst jetzt in Gang. Chen-Oster arbeitet inzwischen bei der Deutschen Bank. Goldman Sachs hatte die Vorwürfe der Klägerinnen stets abgestritten und als „haltlos“ bezeichnet. In einem Statement sagte die Bank, der neue Antrag sei „ein normaler und erwartetet Prozessschritt für eine beantragte Sammelklage und ändert nichts daran, dass der Fall keine Grundlage hat.“ Chen-Oster und Orlich sehen das anders. Sie werfen Goldman vor, der Finanzkonzern behandele Frauen wie Mitarbeiter zweiter Klasse und lasse eine Kultur der Angst und der Vergeltung zu. Frauen im Rang eines Vice President hätten 21 Prozent weniger verdient als Männer, behaupteten die ehemaligen Mitarbeiterinnen. Eine der Stellungnahmen stammt von Denise Shelley, die als Vice President bei Goldman arbeitete und die Bank 2009 verließ. Sie schreibt, männlichen Kollegen hätten Frauen als „Bimbos“ bezeichnet.
boysclub

Im ersten Semester war nichts so wie erwartet

SMI schaut übers Meer

NZZ berichtet:   Die erfreuliche Entwicklung überdeckt das Unerfreuliche. Alle wichtigen globalen Indizes erzielten im zweiten Quartal eine positive Performance. Der MSCI-World-Index legte 4,5% zu. Am besten schnitten Schwellenländer, Japan und die USA ab. Das vielbeachtete US-Aktienbarometer Dow Jones Industrial hat am Donnerstag die 17 000-Punkte-Marke geknackt. Für den Sprung von 16 000 auf 17 000 brauchte der Dow weniger als vier Monate. Zu Beginn des Jahres war der Konsens, das kommende Jahr werde von höherem Wirtschaftswachstum, höheren Renditen, einem stärkeren Dollar und einem weiteren Absturz der Schwellenländer geprägt.

Das erste Semester zeigte jedoch ein sinkendes Wachstum, fallende Renditen, eine Dollarschwäche und eine Wiedererstarkung der Schwellenländer. Die Aktienkäufer stützen sich weniger auf Fundamentaldaten, sondern auf eine weiterhin sehr expansive Geldpolitik der Notenbanken.

Weiterhin ist der amerikanische Markt tonangebend, obwohl die Abkoppelung der europäischen Börsen von jenen in den USA schon oft beschworen wurde. Ein Händler bezeichnete den Markt am Freitag «nicht nur als dürftig, sondern als tot». Sowohl der englische als auch der US-Markt hätten bereits am Donnerstag in der zweiten Tageshälfte ihren Betrieb grösstenteils eingestellt. Wegen des sogenannten «Programmhandels» rückten die Märkte in den USA und Europa aber immer näher zusammen, erklärte ein Marktteilnehmer. Wenn ein Sektor in den USA leer verkauft werde, kaufe man oft den gleichen Sektor in Europa. Auch die Tätigkeit von Hedge-Funds und Hochfrequenzhändlern verbinde die Märkte. Wenn die Börse in den USA geschlossen ist, kommt der Handel auch auf dem alten Kontinent ins Stocken. Zudem schürt der andauernde Höhenflug auch die Angst vor einem baldigen Rückschlag. Einzelne Investoren begännen in diesem Umfeld bei den Nebenwerten nach attraktiven Anlagechancen Ausschau zu halten, meinte ein Händler. Dabei brauche es wegen der geringen Liquidität viel Zeit, um eine Position auf- oder abzubauen. Deshalb hielten sich auch viele institutionelle Anleger von diesem Segment fern.

Der Swiss-Market-Index schloss die Handelswoche mit einem Plus von 1,4%, wobei am Freitag ein leichtes Minus zu verzeichnen war. 17 Titel der 20 SMI-Titel schlossen auf Wochensicht in positivem Terrain. Dabei wiesen die Aktien von Holcim, CS und Givaudan ein Plus von mehr als 3% auf. Die Titel von Givaudan profitierten von den Gerüchten bezüglich eines Übernahmeangebots von 2,5 Mrd. € durch Archer Daniels für den Konkurrenten Wild Flavors, der seinen Firmensitz in Zug hat.
Erstsemetser

Deutsche Industrie mit grossem Auftragsrückgang

Überraschung :  Böse Überraschung für Deutschlands Industrie: Die Bestellungen sanken markant und erwischten die Prognostiker auf dem falschen Fuss.

Die deutsche Industrie hat im Mai beim Neugeschäft stärker Federn lassen müssen als erwartet. Die Bestellungen sanken um 1,7 Prozent zum Vormonat und damit fast doppelt so deutlich wie von Fachleuten erwartet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet dennoch im gesamten zweiten Quartal mit einem Auftragsplus. «Gegenwärtig ist allerdings wohl aufgrund der gestiegenen geopolitischen Risiken eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten», betonte das Ministerium. Deshalb dürfte sich der Aufschwung in der Industrie insgesamt eher moderat fortsetzen.

Ukraine und Irak drücken

Damit mehren sich die Zeichen, dass die Unternehmen zunehmend mit Vorsicht auf Krisen wie in der Ukraine und im Irak reagieren. Dies hatte jüngst auch das Ifo-Barometer für das Geschäftsklima gezeigt. Die monatliche Auftragsdaten schwanken allerdings oft. So hatte es im April mit plus 3,4 Prozent noch den stärksten Anstieg seit Mitte 2013 gegeben. Ökonomen warnten davor, den jüngsten Rückgang überzubewerten. «Der Aufwärtstrend bei den Aufträgen bleibt intakt», sagte Unicredit-Volkswirt Andreas Rees. «Für die Konjunktur zeigt der Daumen weiter nach oben», ergänzte Stefan Kipar von der BayernLB.

Als erfreulich bezeichneten die Experten, dass die Nachfrage aus den Euro-Ländern dank Grossaufträgen mit 5,7 Prozent kräftig anzog. «Da belebt sich offenbar wirklich die Konjunktur», sagte Kipar. Davon könnten die deutschen Firmen 2014 weiter profitieren.

Die gesamte Auslandsnachfrage sank um 1,2 Prozent, die Inlandsaufträge fielen um 2,5 Prozent. Die Nachfrage nach Konsumgütern sank um 1,2 Prozent. Bei den Investitionsgütern, zu denen Maschinen und Fahrzeuge gehören, gab es ein Minus von 0,7 Prozent. Am deutlichsten fiel die Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien – und zwar um 3,4 Prozent. Insgesamt gab es laut Ministerium überdurchschnittlich viele Grossaufträge. Ohne diese hätte es sogar ein Auftragsminus von 3,7 Prozent gegeben.

Dr. Jan Tomaschoff / Slovakia www.w-t-w.org/en/dr-jan-tomaschoff www.cartoongallery.eu

Dr. Jan Tomaschoff / Slovakia

Europäische Zentralbank mehr Fed, weniger EZB

EZB-Chef Mario Draghi und sein Stellvertreter Vitor Constancio sind sich einig: Die Währungshüter pumpen neues billiges Geld in den Markt.

Mario Draghi geht neue Wege – und gleicht seinen Kurs immer mehr dem der US-Zentralbank an: Die Währungshüter tagen nur noch alle sechs Wochen, machen ihre Protokolle öffentlich und fluten den Markt mit noch mehr Geld
Europäische Zentralbank Mehr Fed, weniger EZB

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen www.harmbengen.de

Harm Bengen

Fed-Chefin sieht Grenzen der Geldpolitik

Zentralbanken
Fed-Chefin sieht Grenzen der Geldpolitikyellen

Die Geld- und Zinspolitik ist nach Einschätzung von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen kein geeignetes Instrument zur Stabilisierung der Finanzmärkte – dazu seien stattdessen klare Regeln nötig.

„Die Geldpolitik hat enge Grenzen, um Finanzstabilität zu gewährleisten“, sagte Yellen in Washington. Die Zinspolitik solle nicht wegen Stabilitätsrisiken geändert werden. Eine verbesserte Gesamtüberwachung sei notwendig, um Stabilitätsrisiken frühzeitig zu erkennen. Um beispielsweise einer Überhitzung an bestimmten Märkten entgegen zu wirken, seien regulatorische Instrumente zu bevorzugen.

Yellen räumte jedoch ein, dass diese Instrumente noch nicht ausreichend erforscht seien und man noch „viel zu lernen“ habe. Zinserhöhungen seien hingegen ein sehr grobes Instrument. Eine negative Nebenwirkung könnten etwa steigende Arbeitslosenzahlen sein. Eine ähnliche Position wie die Fed vertritt auch die Bank of England. Die britische Notenbank hatte in der vergangenen Woche eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um einer Überhitzung am Immobilienmarkt entgegen zu treten.

Wegen der ultralockeren Geldpolitik der Fed haben die Aktien- und Anleihenmärkte in jüngster Zeit starke Gewinne verzeichnet. Experten warnen deswegen vor neuen Blasen. Yellen sieht diese Gefahr offensichtlich nicht: Die Währungshüter sollten sich weiter darauf konzentrieren, für Geldwertstabilität und Vollbeschäftigung zu sorgen, sagte sie.
Fed-Chefin sieht Grenzen der Geldpolitik

Aufgeblähtes EU-Bankensystem

Hohes Verschuldungsniveau

Die hohe Verschuldung als «Achillesferse» der Finanzhäuser.

Europas Banken stecken weiterhin im Umbruch. Das Aufräumen in den Bilanzen der Finanzinstitute geht weiter. Das Bankensystem gilt derweil als aufgebläht.
Der europäische Bankensektor kämpft auch fast sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise mit deren Konsequenzen. Dies zeigen die jüngsten Warnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die in ihrem am Wochenende publizierten Jahresbericht die hohe Verschuldung der Banken als deren «Achillesferse» bezeichnet. Finanzhäuser, die die nötigen Anpassungen nach der Krise versäumt hätten, hätten weiterhin Schwachstellen in ihren Bilanzen – zum einen direkt durch übermässig verschuldete Kreditnehmer, zum anderen infolge des Schuldenüberhangs, der die wirtschaftliche Erholung bremse.

Drohende Bussen
Für besonders gravierend halten die BIZ-Ökonomen die Lage in Europa, auch wenn die Banken im vergangenen Jahr ihre Bemühungen verstärkt hätten. Gemäss einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg dürften die Banken in der EU seit September 2013 hartes Eigenkapital in Höhe von 25 Mrd. € aufgenommen haben. Zudem gewinnt auch nachrangiges Kapital wie «Contingent Convertibles» (Coco) an Bedeutung. Um das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen, müssen die Banken in einer Reihe von krisengeschüttelten Ländern gemäss BIZ aber ihre Bilanzen weiter sanieren, indem sie Abschreibungen vornehmen und ihr Eigenkapital aufstocken.
Aufgeblaehtes EU-Bankensystem
Banken

Plünderung der Ukraine

Die Ukraine wurde geplündert – mit westlicher Hilfe.

Geldwäsche untergräbt die Entwicklung demokratischer Staaten. Gerhard Schick fordert Konsequenzen aus der Veruntreuung staatlicher Mittel, die über internationale Finanzströme organisiert wird.

Die Ukraine steht vor der Pleite. 14 bis 18 Milliarden Euro hat der IWF in Aussicht gestellt. Ein kleiner Betrag angesichts der Summen, die in den vergangenen Jahren veruntreut wurden. Die abgesetzte Regierung habe es ermöglicht, dass dutzende Milliarden Euro ins Ausland geschafft wurden. So beschrieb es Arsenij Jazenjuk, der Ministerpräsident der Übergangsregierung, vor dem Ukrainischen Parlament.

Geldwäsche als destabilisierender Faktor
„Es waren Europas Banken, die es der Familie Janukowitsch leicht gemacht haben, Gelder zu waschen“, sagt Daria Kaleniuk, eine Aktivistin der ukrainischen Nichtregierungsorganisation Anti-Corrupt Action in Kiew. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, mit der All-Ukranian Bank of Development bei Geschäften im Euro- und Dollar-Raum kooperiert zu haben. Direkte Verbindungen zu der Bank, die vom Präsidentensohn Alexander Janukowitsch geführt wurde, bestreitet man in Frankfurt. Der Verdacht, dass in der Geschäftsbeziehung einfach eine weitere Bank zwischengeschaltet wurde, ist nicht dementiert worden. In der Schweiz ist ein Geldwäscheverfahren gegen Alexander Janukowitsch eingeleitet worden, der dort eine Firma für Rohstoffhandel besitzt, die in kürzester Zeit ein Vermögen von einer halben Milliarde Euro bilden konnte.

Im Falle des Janukowitsch-Clans geht es nicht nur um Einnahmen aus Rohstoffoligopolen, sondern in erheblichem Umfang um Staatsgelder, die über verschiedene Kanäle abgeflossen sind, gewaschen wurden und nun in Privatbesitz sind. Neben der maroden Wirtschaft hat die Korruption zu einem Ausbluten der Ukraine geführt. Dabei geht es nicht nur um Janukowitsch. Ähnliche Vorwürfe trafen auch befreundete Oligarchen und die Oppositionspolitikerin Julija Tymoschenko sieht sich seit Jahren Vorwürfen der Veruntreuung von Steuergeldern und Vorteilsnahmen ausgesetzt.
Als die westlichen Staaten in der zweiten Stufe der Sanktionen im Krim-Konflikt mit Russland Konten einzelner Personen eingefroren haben, wurde bezweifelt, ob auf diesen Konten überhaupt noch relevante Beträge vorhanden waren. Es sollte uns Grünen darum gehen, langfristig und nachhaltig dafür zu sorgen, dass kriminell erwirtschaftetes Vermögen erkannt, festgestellt und eingezogen wird – egal ob es aus der Veruntreuung von Steuergeldern, aus Wirtschaftskriminalität oder organisierter Kriminalität stammt.

Geldwäschebekämpfung – ein vernachlässigtes Instrument
Diejenigen, die weltweit auf illegalem Wege zu Geld kommen, sind darauf angewiesen, an vermeintlich sauberen Finanz- und Wirtschaftsstandorten mit hohen Vermögenswerten wie Deutschland das Geld zu waschen und in legale Investments umzuwandeln. Wenn wir in Deutschland an dieser Stelle weiter nachlässig bleiben, sind wir verantwortlich dafür, dass die demokratische Entwicklung anderer Länder untergraben wird, sowohl in Staat, als auch in Gesellschaft und Wirtschaft. Langfristig entsteht übrigens auch in Deutschland ein hoher Schaden, wenn aus illegal erworbenen Vermögen „legale“ wirtschaftliche Macht wird. Wer Geld waschen will ist bereit deutliche Abschläge in Kauf zu nehmen. Diese sind aber für fair agierende Mitbewerber nicht zu leisten – die Märkte verlieren ihre Funktionsfähigkeit.

Deutschland und die Europäische Union steuern regelmäßig bei ihrer Geldwäschegesetzgebung nach, der Vollzug der Gesetze kommt dagegen nur schleppend voran. Deutschland hatte bis zu einem Vertragsverletzungsverfahren nicht einmal alle Aufsichtsbehörden benannt. Bei der letzten Novellierung des Geldwäschegesetzes räumten die Länder offen ein, dass sie die Umsetzung alleine nicht leisten können. Dass am Ende der Anteil des gewaschenen Geldes, der tatsächlich eingezogen wird, weiterhin bei einem Promilleanteil von dem liegt, was nach Expertenschätzungen jedes Jahr gewaschen wird, ist dann auch wenig überraschend. Deutschland gilt unter ExpertInnen als Geldwäsche-Paradies.

Die Bundesregierung nimmt beim Thema Geldwäsche auf europäischer Ebene leider keine aktive Rolle ein. So setzt sie sich gegen die vom Europäischen Parlament geforderte Einführung eines sogenannten „Registers der wirtschaftlich Berechtigten“ ein, obwohl sie sich richtigerweise im Rahmen einer G8-Erklärung dazu bekannt hatte. Ohne ein solches Register wird es jedoch weiterhin schwierig bleiben, Transparenz in undurchsichtige Geschäfte zu bringen, in denen Geldwäscher ihr Unwesen treiben.

Der Immobilienhandel ist im Nicht-Finanzsektor das Sorgenkind in der deutschen Geldwäschebekämpfung. Baden-Baden hat sich beispielsweise einen zweifelhaften Ruf als Kaufparadies für ansprechende Domizile erworben, in dem die Kauf-Finanzierung eine untergeordnete Rolle spielt. Das BKA hat in einer Studie die Anfälligkeit des Immobiliensektors für Geldwäsche dargelegt. Passiert ist seit dem nichts.

Dass die All-Ukranian Bank of Development ihre Geschäfte so problemlos abwickeln konnte zeigt, dass auch der Finanzsektor weiterhin ein Einfallstor für Geldwäsche ist – aus dem Finanzsektor kommen praktisch alle Verdachtsanzeigen auf Geldwäsche. Es braucht eine schonungslose Analyse, über welche Kanäle Vermögen verschoben und gewaschen wurden. Es muss dringend umgesteuert werden, die Bundesregierung und ihre Behörden stehen hier in der Pflicht.

Es ist an der Zeit zu handeln
Die Gesetzgebung stützt sich im Wesentlichen auf die Empfehlungen der Financial Action Task Force. Es entsteht der Eindruck, dass sich der Kampf Deutschlands und der EU gegen Geldwäsche auf die Umformulierung der Empfehlungen in Gesetze erschöpft. Nötig wäre aber ein eigener Ehrgeiz, auf Basis ordentlicher Gesetze den kriminellen Akteuren das Handwerk zu legen. Im Moment ist kein Paradigmenwechsel oder gar Durchbruch im Kampf gegen die Geldwäsche in Sicht, es fehlt an scharfen und wirksamen Instrumenten, die ad-hoc zur Verfügung stehen. Hier rächt sich das jahrelang mangelhafte Engagement in Deutschland und in der EU. Wir sollten darauf aktiv und nicht mit Ohnmacht reagieren.
Grüne mögen befürchten, dass es hier um eine massive Ausweitung der gesetzlichen Möglichkeiten für die Sicherheitsbehörden geht. Das ist aber gar nicht der Fall. Entscheidend ist, die bisherigen Normen effektiv umzusetzen und illegales Vermögen konsequent einzuziehen. Dafür nötig ist eine gemeinsame Bund-Länder-Strategie, mit der das Ziel einer wirksamen Geldwäsche-Prävention gemeinsam vorangetrieben wird…..
Die Ukraine wurde gepluendert – mit westlicher Hilfe.
Grüne

Wenigstens bekommt man sein Geld zurück

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Erwin W. Heri

Bei einer (mündelsicheren) Staatsanleihe mit Laufzeit von 10 Jahren erhält man nach 10 Jahren sein Geld wieder zurück – deswegen ist sie vermeintlich risikolos. Wie riskant waren in der Vergangenheit aber Aktien, wenn man sie a priori 10 Jahre hat halten wollen?
Kein Risiko eingehen