Buchbesprechung: Die Mafia in Deutschland

David Schraven, Maik Meuser u.a.: Die Mafia in Deutschland. Kronzeugin Maria G. packt aus. Econ März 2017

Das Buch mehrerer Autoren schildert die Lebensgeschichte einer jungen Kalabresin, Maria G., einer Kronzeugin, die in Deutschland (Backnang bei Stuttgart) geboren wurde, und die als Kind zwischen Baden-Württemberg und Rossano, Kalabrien lebte. Sie wurde von den Eltern gezwungen, einen Mafioso der `Ndrangheta zu heiraten und musste dann sozusagen ein Leben im Gefängnis führen, ein Gefängnis, dessen Mauern aus Einschüchterungen, Drohungen, körperlicher Gewalt und Verrat bestanden (Maria wird unzählige Male von ihren Eltern an ihren Mafia-Ehemann verraten). Schließlich wurde sie auch noch zur Komplizen-schaft gezwungen (z.B. als Drogenkurier).

Das Buch schildert über Marias Lebensgeschichte auch die Mentalität der Mafia.

Der Vater z.B. will verhindern, dass seine Kinder andere Kulturen, und damit andere Denkweisen, kennen lernen: Also zwingt er die Familie zum Umzug nach Kalabrien, wo er sicher sein kann, dass die Kinder das Umfeld der Mafia-Denkweise nicht verlassen, ein anderes Mal werden sie und ihre ältere Schwester, im Alter von 12 und 16 Jahren, in Deutschland nicht zur Schule geschickt, sondern in eine Fabrik, wo sie am Band arbeiten müssen. Maria konnte also nie Deutsch lernen.

Jetzt hat Maria G., unterstützt von den Journalisten und der Kriminalpolizei, den Sprung in die Öffentlichkeit gewagt. „Die wissen, wo ich bin“ sagt sie – ein außerordentlich mutiger Schritt, den zwei andere `Ndrangheta-Aussteigerinnen mit dem Leben bezahlt haben.

Sehr informativ sind auch die Kapitel, in denen die persönliche Lebensgeschichte Marias durch Aspekte des Mafia-Problems ergänzt werden: z.B. Die Geschichte von Mario L. und Günther Oettinger (Stuttgart), die Baumafia in NRW, Mafia am Bodensee, Stimmenkauf und Wahlbetrug in Fellbach – u.a.m.

Ein Extrakapitel beschreibt den Frust der Ermittler, ein Thema, das sich eigentlich durch das ganze Buch hindurch zieht: Immer wieder stoßen sie bei der Strafverfolgung an die Grenzen nicht vorhandener Antimafia-Gesetze in Deutschland. Bei uns könnten sich Mafiosi als Verein organisieren, mit Vereinslokal und Mitgliedsausweis – alles nicht strafbar. Die zweite höchst ärgerliche Grenze ist das Problem der sog. „Beweislastumkehr“: In Deutschland dürfen Ermittler, denen auffällt, dass ein Pizzabäcker als monatlichen Verdienst 1000 Euro angibt, nicht nach der Herkunft der Gelder fragen, mit denen dieser zahlreiche Immobilien erworben hat.

Das Buch schließt mit der Beschreibung von 52 in Deutschland ansässigen `Ndrangheta-Clans, die auch deren jeweilige Aktivitäten auflistet.

Insgesamt müssen die Autoren Zigtausend Seiten Ermittlungsakten studiert haben, sie führten auch zahlreiche Interviews in Deutschland und Italien, so dass man das Buch auch lesen sollte, wenn man sich für die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei interessiert.

Zum Buch gibt es die Filmdokumentation (RTL Extra), und begleitend sind Berichte auf dem Mafia-Blog des Recherchezentrums Correctiv, im „Stern“ und z.B. in der „Stuttgarter Zeitung“ erschienen. Correctiv.org

Die Filmdoku:

Stern.de/Mafia Kronzeugin

 

Geldwäsche, Geldwäsche

Die russische Geldwaschmaschine OCCRP/Laundromat

Das nationale Antikorruptionszentrum der Republik Moldau ermittelt: Bestochene Richter, korrumpierte Banken und undurchsichtige Briefkastenfirmen – wie mutmaßliches Schwarzgeld aus Russland in die Bücher deutscher Firmen kam.

Hannes Munzinger berichte: Vier Zahlungen waren es. Zusammen eine sechsstellige Summe für Herren- und Damenbekleidung. Ein russischer Kunde. Eigentlich keine Besonderheit bei Bogner, der Münchner Modefirma.

Die Luxus-Skihosen, Lederjacken oder Handtaschen haben ihren Preis. Da sieht man es Kunden schon mal nach, wenn sie beim Überweisen etwas schlampig sind, die Rechnungsnummer vergessen oder sogar den Namen.

Trotzdem wurde die Rechnung irgendwie bearbeitet. Und da ist es dann vielleicht nicht weiter auffällig, wenn nicht der Kunde selbst bezahlt, sondern eine Firma mit Sitz in London, von einem Konto in Lettland. Die Buchhalter bei Bogner machte das jedenfalls offenbar nicht stutzig.

Das Geldwäschegesetz verpflichtet nur ausgewählte Branchen zu besonderer Sorgfalt. Zum Beispiel Finanzdienstleister, Anwälte oder Juweliere. Modeunternehmen hingegen nicht. Die vier Überweisungen an Bogner, weiß man aber heute, waren offenbar russisches Schwarzgeld. Und jetzt war das Geld gewaschen und im Umlauf. Im November 2013 war das…..Geldwäsche die russische Geldwaschmaschine

Erklär-Video So funktioniert das Geldwäsche-System.
Geldwäsche betrifft uns Alle! Frauen und Kinder leiden unter Korruption
Laundered Russian Cash Went Through Big Bank

Boomender Cannabis-Handel

Über den Balkan, auf Booten und in Kleinflugzeugen liefert Albaniens Mafia Marihuana nach Westeuropa. Die Politik handelt nur auf Druck der EU und mischt teilweise selbst im Milliardengeschäft mit.

Elvis Nabolli  berichtet:  Der König von Albanien.
Mit hereinbrechender Dämmerung wird der Weg durch die Berge immer tückischer. Gjergji führt die Gruppe hinunter in einen Buchenwald bis zu mehreren kleinen Lichtungen, wo die ersten grünen Triebe einer Cannabiszucht aus der Erde ragen. Die Plantage liegt in der Nähe eines leeren Hauses, das seiner Familie gehört, inmitten der Wildnis von Albaniens Alpen, nahe der Stadt Shkoder. Damit er sich um sie kümmern kann, liess der 21-Jährige seinen Hochschulabschluss sausen. «Diese Pflanzen brauchen viel Pflege. Aber wenn wir es bis zur Ernte schaffen, verdienen wir gutes Geld», ist er überzeugt. Damit will er sein Haus renovieren und dann nach England gehen.

Gjergji holt leere Fünf-Liter-Flaschen aus einem Versteck in den Büschen und füllt sie mit Regenwasser aus den Pfützen auf dem Waldboden. Er giesst damit die Marihuanapflanzen. «Mehr junge Menschen sind hier oben in den Bergen und kümmern sich um Cannabisplantagen als unten in der Stadt», erzählt er. Der Erfolg hänge jedoch von einem Faktor ab: guten Beziehungen zur Polizei. Die korrupten Beamten warnen die Bauern vor Razzien, beanspruchen aber als Gegenleistung ein Zehntel der Pflanzen. Damit verdienen sie gut.

Die Macht der Mafia
Der Anbau von Cannabis ist in Albanien eine milliardenschwere Industrie. Die Voraussetzungen dafür sind ideal, ist das Land doch mit durchschnittlich 218 Sonnentagen im Jahr und einer ausreichenden Wasserversorgung aus den Bergen gesegnet. Genaue Zahlen fehlen, doch laut Uno ist Albaniens Cannabis  eine der wichtigsten Quellen für den Weltmarkt. Die wirtschaftlichen Grundlagen dafür wurden in kommunistischer Zeit geschaffen…..Boomender Cannabis Handel

Eva Schlunke
www.w-t-w.org/en/cartoon/eva-schlunke/

Frauen und Kinder leiden unter Korruption

Freihandel ausgesetzt?

US-Finanzminister Steven Mnuchin machte deutlich: : Die USA tragen den bisherigen Konsens in den G20 nicht mehr mit. 

„Wir arbeiten daran, den Beitrag des Handels für unsere Volkswirtschaften zu stärken“, heißt es in der Abschlusserklärung der Finanzminister und Notenbankchefs aus den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20). Das aber kann alles und nichts heißen – und selbst die von US-Präsident Donald Trump angedrohten protektionistischen Maßnahmen wären wohl von diesem Satz aus seiner Sicht gedeckt.

Aber nicht nur die Frage, was im Kommuniqué steht, ist wichtig. Entscheidender ist, was nicht mehr auftaucht. Das traditionelle G20-Bekenntnis, „Protektionismus zu widerstehen“ hat es nicht in die Erklärung geschafft. Genauso wenig das Versprechen, in der Handelspolitik zusammenzuarbeiten und sich an Regeln der Welthandelsorganisation zu halten. Das hat US-Finanzminister Steven Mnuchin verhindert.

Bei ihrem Treffen in Baden-Baden können sich die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer nicht mehr auf ein Bekenntnis zum Freihandel einigen. Dafür hat die US-Regierung gesorgt.

Versicherte chancenlos

Eine Kanzlei prägt das Versicherungsrecht mehr als alle anderen – davon profitieren Allianz und Co.  Wenn Bürger gegen ihre Versicherung klagen, sind sie oft hoffnungslos unterlegen. Häufig lassen sich die Konzerne von der Kölner Kanzlei Bach Langheid Dallmayr (BLD) vertreten. Deren Juristen sind hoch spezialisiert, schreiben an den massgeblichen Kommentaren mit und kennen sich im Versicherungsrecht oft besser aus als Richter. Kritiker befürchten, dass die Kanzlei ein ganzes Rechtsgebiet beeinflusst – zum Nachteil von Verbrauchern.

Daniel Drepper, Tania Röttger, Justus von Daniels und Stefan Wehrmeyer berichten: Rund 120 Anwälte, auf ein Thema spezialisiert – so groß ist keine andere deutsche Kanzlei für Versicherungsrecht. „Bach Langheid Dallmayr“ (BLD) ist die Nummer eins, wenn Versicherungen die Ansprüche von Bürgern abwehren wollen. Die Kanzlei ist sehr erfolgreich. Weil sich die BLD-Juristen noch in den entferntesten Winkeln des Versicherungsrechts bestens auskennen. Weil sie vor Gericht schon mal „mit harten Bandagen kämpfen“, wie es ein Anwalt ausdrückt, der BLD oft vor Gericht erlebt.

Hinzu kommt: Die BLD-Juristen haben Beziehungen bis hoch zum Bundesgerichtshof. Sie prägen das Rechtsverständnis mit. Das zeigen Recherchen von CORRECTIV: Wenn Bürger gegen ihre Versicherung klagen..
GRATULIERE SIE SIND VOLL ARBEITSFÄHIG!!

Igor Kravarik

Versicherungen zahlen nicht

Großaktionär aus China erhält Aufsichtsratsposten bei der Deutschen Bank

Chinesen rücken in Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Der chinesische Mischkonzern HNA, seit kurzem Großaktionär, entsendet einen Vertreter. Auch der Sicherheitschef von Google rückt in das Gremium ein.

Das größte deutsche Geldhaus tauscht Teile seines Aufsichtsrats aus. Erstmals mit dabei ein Vertreter eines chinesischer Großinvestors – und ein wichtiger Mitarbeiter von Google.
Die Deutsche Bank will Teile ihres Aufsichtsrats neu besetzen. Zum einen wurde das Geldhaus im Silicon Valley fündig: Gerhard Eschelbeck, Sicherheitschef von Google, soll in das Aufsichtsgremium einziehen. Außerdem soll Alexander Schütz ein Vertreter des neuen chinesischen Großaktionärs HNA in den Rat einrücken. „Wir freuen uns, dass ein weiterer Ankerinvestor auf den langfristigen Erfolg der Deutschen Bank setzt“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner.

Achleitner selbst wurde wie erwartet vom Aufsichtsrat für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren nominiert. Er war 2012 parallel zur einstigen Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen oberster Kontrolleur der Deutschen Bank geworden.

Schütz ist Gründer und Vorstand des Vermögensverwalters C-Quadrat. C-Quadrat verwaltet die Deutsche-Bank-Aktien der HNA-Gruppe. Der chinesische Mischkonzern war Mitte Februar bei der Deutschen Bank mit gut drei Prozent als neuer Großaktionär eingestiegen – und hat eine moderate Erhöhung der Anteile nicht ausgeschlossen. Schütz soll den ehemaligen Haniel-Vorstand Klaus Rüdiger Trützschler ersetzen.

Der aus Österreich stammende IT-Experte Eschelbeck soll nach dem Willen des Aufsichtsrats die Nachfolge des ausscheidenden Ex-Siemens-Chefs Peter Löscher antreten. Dieser steht auf der Hauptversammlung am 18. Mai nicht für eine Wiederwahl bereit. Dort müssen alle Personalien noch per Wahl bestätigt werden.

Neben den zwei Veränderungen soll es auch im kommenden Jahr mindestens eine neue Personalie im Aufsichtsrat geben: Der bis 2018 gewählte frühere SAP-Chef Henning Kagermann will nicht für eine weitere Amtszeit in dem Kontrollgremium kandidieren.  Der Aufsichtsrat sei sich bereits jetzt einig, der Hauptversammlung 2018 den Deutschland-Chef der Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, Norbert Winkeljohann, als Kagermanns Nachfolger vorzuschlagen.
Handelsblatt.com

Markus Grolik
www.w-t-w.org/en/markus-grolik

 

Lux-Leaks-Whistleblower verurteilt

Luxemburg-Leaks Ärger im Steuer-Märchenland. Gericht bestätigt Urteil gegen Lux-Leaks-Whistleblower

Ein Berufungsgericht hat die beiden Lux-Leaks-Whistleblower Antoine Deltour und Raphaël Halet erneut verurteilt, jedoch zu geringeren Strafen als in erster Instanz.Der Journalist Perrin wurde von den Richtern auch in zweiter Instanz freigesprochen.

Die beiden Hauptangeklagten im Lux-Leaks-Prozess, Antoine Deltour und Raphaël Halet, sind von einem Berufungsgericht erneut verurteilt worden. Ihre Strafen fallen jedoch geringer aus als im ersten Prozess. Die Richter verurteilten Antoine Deltour zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldbuße von 1000 Euro. In erster Instanz war er zu zwölf Monaten Haft und 1500 Euro verurteilt worden. Sein Kollege Raphaël Halet muss ebenfalls eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro zahlen. Das Haftstrafe auf Bewährung, die in erster Instanz gegen ihn verhängt worden war, haben die Richter nicht bestätigt.

Die Whistleblower und ehemaligen Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) wurden im vergangenen Sommer zu Haftstrafen auf Bewährung und einer Strafzahlung verurteilt, weil sie brisante Steuer-Dokumente an den Journalisten Edouard Perrin weitergegeben haben. Beide Whistleblower hatten stets betont, dass sie Missstände öffentlich machen wollten. Dies sei ihre Motivation gewesen. Um Geld sei es ihnen nicht gegangen.

Ärger im Steuer-Märchenland
Die Luxemburger Behörden sind wohlwollend. Und eine ganze Heerschar findiger Berater steht bereit, um die Abgabenlast für Konzerne durch umstrittene Steuermodelle kleinzurechnen – nicht selten auf weniger als ein Prozent. Von Bastian Brinkmann, Christoph Giesen, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer und Klaus Ott mehr … Analyse

Der Journalist Perrin war in erster Instanz freigesprochen worden. Doch dagegen hatte die Luxemburger Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Ankläger hatten eine Geldstrafe von ihm gefordert. Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen hatte das Vorgehen der Justiz gegen den TV-Reporter scharf kritisiert. Auch das Berufungsgerich hat Perrin nun freigesprochen.

Die Dokumente offenbarten Deals zwischen Luxemburg und internationalen Konzernen, die ihre Steuerlast so gegen Null drücken konnten. Die Süddeutsche Zeitung und internationale Medien hatten 2014 darüber berichtet. Wegen der Lux-Leaks-Affäre haben die EU-Staaten den Kampf gegen Steuerflucht und Steuervermeidung verschärft. Sie löste außerdem eine Debatte aus, ob Whistleblower in Europa nicht besser vor Strafverfolgung geschützt werden sollten.
Finanzkontrolle auf luxemburgisch

Fed-Entscheid sorgt für Auftrieb an US-Börsen

US-Notenbank erhöht Leitzins um 0,25 Prozent. Leittragende der eher gemäßigten Erklärung sind Finanztitel. Auch der Dollar büßt ein. US-Präsident Trump dürfte die Zins-Entscheidung nicht freuen.

Sie will damit die Inflation kontrollieren.
Ganz im Gegensatz zur ultra-lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zieht die Federal Reserve (Fed) die Zügel weiter an: Der Zinssatz, zu dem sich US-Banken gegenseitig Geld leihen, steigt um 0,25 Punkte auf ein Niveau von 0,75 bis 1,0 Prozent, wie die US-Notenbank in Washington mitteilte.

Die Zinsanhebung kommt nicht überraschend – sie war von Notenbankchefin Janet Yellen im Vorfeld angedeutet und von den Finanzmärkten erwartet worden. Die Fed begründete ihn mit der anhaltend guten Situation auf dem US-Arbeitsmarkt sowie der anziehenden Inflation. „Wir erwarten, dass die Arbeitslosenquote weiter sinkt und sie für weitere Jahre niedrig bleibt“, sagte Yellen. „Die ganz einfache Botschaft ist: Der Wirtschaft geht es gut.“

Die Fed deutete an, dass im laufenden Jahr bei anhaltend positiver Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage bis zu drei weitere Zinsschritte möglich seien. Die Notenbank geht davon aus, dass die Leitzinsen bis zum Jahresende auf bis zu 1,6 Prozent und bis Ende 2019 auf 3,0 Prozent steigen werden. Yellen legte jedoch Wert auf die Feststellung, dass die Fed weiterhin um eine moderate Politik bemüht ist: „Ob es am Ende eine Erhöhung mehr oder weniger ist, ändert nichts an der moderaten Ausrichtung“, sagte sie.

Welche Geldpolitik will Trump?
Den Plänen von US-Präsident Donald Trump kämen niedrige Zinsen gelegener: Ist der Dollar schwach, können US-Firmen billiger exportieren – und die von Trump ungeliebten Importe würden tendenziell teurer. Trump will außerdem das immense Handelsdefizit der USA vor allem gegenüber China, aber auch Ländern wie Japan und Deutschland, dezimieren. Die Zinserhöhung könnte den US-Dollar nun jedoch im Vergleich zu anderen Währungen wie etwa dem Euro weiter stärken und US-Exporte auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig machen.

Durch die Entscheidung der Fed geht die Zinsschere zwischen den USA und der Eurozone noch weiter auseinander. Die Europäische Zentralbank hatte vergangene Woche noch erklärt, ihr Programm von Anleihekäufen fortzusetzen. Damit wird die Geldpolitik weiter gelockert.

Schuldenobergrenze ist erreicht
Die Zinserhöhung in den USA könnte auch das Wachstum der derzeit florierenden US-Wirtschaft bremsen – das wäre vor allem für die Bewältigung des immensen Schuldenproblems ein Rückschlag. Die USA erreichen am Donnerstag ihre Schuldenobergrenze und müssen vorübergehend wohl mit Hilfe besonderer Maßnahmen des Finanzministeriums wirtschaften.

Trump will die US-Wirtschaft mit massiven Steuererleichterungen und einem gigantischen Infrastrukturprogramm ankurbeln, was potenzielle inflationäre Risiken birgt. Der Fed-Offenmarktausschuss kündigte lediglich an, die Entwicklung der Inflationsrate sorgfältig im Auge zu behalten. Derzeit nähere sich die US-Inflation dem Niveau von zwei Prozent an. Die Fed sieht in dieser Marke den besten Wert für Preisstabilität und eine gesunde Arbeitsmarktsituation. Die Zinssteigerung ist das Instrument der Notenbanken, um den Inflationsanstieg abzubremsen.

Politik durch die Hintertür?
Offiziell ist die Federal Reserve unabhängig und trifft ihre Entscheidungen ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten – nicht nach politischen. Andererseits: Viele Experten gehen davon aus, dass Yellen, die von Trumps Vorgänger Barack Obama eingesetzt worden war, keine weitere Amtszeit vergönnt sein wird. Ihr Vertrag läuft 2018 aus. Dann könnte Trump jemanden ins Amt holen, auf den er zumindest hinter den Kulissen mehr Einflussmöglichkeiten besitzt.

Aufsehenerregende Antimafia-Kampagne in Mailand

Seit einigen Tagen hängen in den Straßen Mailands 80 große Plakatwände. Auf je 6×3 Metern sind die Namen der zehn wichtigsten Mafiabosse von Cosa Nostra und `Ndrangheta genannt, die alle im Raum Mailand leben.

Die Kampagne ist Werk des Journalisten und Massenmedienforschers Klaus Davi und entstand in Zusammenarbeit mit der Omnicom Media Group Mailand. Die Plakate zeigen die Spitze des Mailänder Doms, an Stelle der Madonnina krönt sie eine Pistole und eine Blume. Der Text: „Die `Ndrangheta ruft – Mailand antwortet: Hier die Namen der 10 größten Mafiabosse, die in unserer Stadt leben, die mit ihnen Geschäfte macht.“ Es folgen die Namen der Bosse und ganz unten der Titel einer Serie von Reportagen über die `Ndrangheta von Davi: „Gli intoccabili“ – Die Unberührbaren. Dies ist laut Homepage „die erste Docureality über die organisierte Kriminalität“, die auch den unglaublichen Einsatz von Justiz und Polizei würdigen soll. Dieses Format ist seit Mai 2016 wöchentlich auf LaC Canale 19 oder auf Youtube anzusehen.

Flankiert wird die Plakat-Kampagne von Video-Reportagen über die Bosse; die erste Folge für die Lombardei ist dem `Nrangheta-Boss Giuseppe Calabrò, „das Phantom“ aus San Luca gewidmet. Ilda Boccassini, bekannte Mailänder Antimafia-Staatsanwältin, hat 2016 die Ermittlungen gegen ihn aufgenommen. Er soll Besitzer der Apotheke „Caiazzo“ im Zentrum sein, die er mit den aus Drogen- und Waffenhandel gewaschenen Geldern seines Onkels erworben habe. (Übrigens: der Kaufpreis, 220 000 Euro, wurde bar überreicht).

Die Mailänder Staatsanwaltschaft bemerkt schon seit langem, dass Söhne und Töchter von bekannten Mafiabossen samt und sonders Pharmazie studieren und dass in zahlreichen Mailänder Apotheken Mitarbeiter aus Kalabrien die Kunden bedienen. Interessant erscheint diese Tatsache, weil die Staatsanwaltschaften im Süden schon seit vielen Jahren die Unterwanderung des Gesundheitssektors durch die Mafien untersuchen.

Auch die Nationale Antimafiakommission konzentriert sich seit längerem auf Ärzte, Krankenhäuser, Privatkliniken, Apotheken und das Gesundheitssystem insgesamt.

Aber weshalb sind Apotheken für die Mafien interessant? ,„Apotheke bedeutet Geld, Arbeitsplätze und Ansehen in der Gesellschaft“ erläutert der Mailänder Staatsanwalt Paolo Storari. Von Apotheken aus gelange man aber auch leicht in andere, für die Mafia interessante Bereiche, z.B. in die öffentliche Verwaltung, wie die Festnahme des Direktors der ASL von Pavia (lokales Gesundheitszentrum und Notfallambulanz des italienischen Staates) im letzten Jahr belegt. Der `Ndranghetaboss Francesco Pelle konnte sich anschließend mit falschen Papieren in der Klinik „Maugeri von Pavia operieren lassen. Dies zeigt, dass die bestehenden Abhängigkeiten von entscheidendem Interesse vor allem für untergetauchte Bosse sein können. Und über die persönlichen Beziehungen der Pharmazeuten und Mediziner lasse sich der Einfluss der Mafia in den Universitätsbereich ausdehnen, vor allem aber öffne sich der Weg in die Politik. Außerdem hätten die Mafien das Gesundheitswesen als Sektor entdeckt, der sich wunderbar für Geldwäsche eigne.
Arzneimittel – ihre Nebenwirkungen: Der Tod!