Die nicht so heile Welt des «fairen Handels»

Rohwarenmärkte: Gerald Hosp berichtet: Nicht immer sind die Vereinbarungen mit einer Fair-Trade-Organisation für die Kleinbauern nur von Vorteil. Die Idee des «fairen Handels» ist, dass arme Kleinbauern höhere Preise für ihre Produkte erhalten sollen. Der Mechanismus wirkt nur bedingt.

Was ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich Ostern nähert? Hilfswerke verschicken gehäuft Mitteilungen, in denen es um Schoggi geht. Die österliche Zeit, in der viele zartschmelzende Hasen und Nougateier verschlungen werden, ist besonders dazu geeignet, um auf die Konsequenzen des Konsumverhaltens hinzuweisen – und um die Spendentätigkeit anzuregen. Dabei ist laut der Max-Havelaar-Stiftung die Schweiz mit einem Pro-Kopf-Konsum im Gegenwert von 53 Fr. jährlich bereits Fair-Trade-Weltmeister. Am Schweizer Markt sind mehr als 2100 Produkte mit dem internationalen Fair-Trade-Gütesiegel von Max-Havelaar verfügbar. Daneben gibt es noch weitere Nachhaltigkeits-Zertifikate anderer Anbieter.
Die nicht so heile Welt des fairen Handels
What is fair trade?

Wirkt die Geldschwemme wirklich?

Geldpolitik: Die Direktorin der Europäischen Zentralbank, Sabine Lautenschläger, zweifelt an der Wirkung der Anleihenkäufe. Die Notenbank will ihr Programm umsetzen. An der Börse haben alle darauf gewartet. Doch die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank EZB hat nicht überall ihre Befürworter – auch in den eigenen Reihen gibt es Kritik.

Zuletzt äußerte EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger Bedenken, ob das umfangreiche Ankaufprogramm wirkt. „Bei den niedrigen Zinsen in der Eurozone habe ich Zweifel, ob die konjunkturellen Effekte des Kaufprogramms die gewünschte Größenordnung erreichen können“, sagt die Deutsche in einem Interview. Ziel der Währungshüter ist es, die Wirtschaft der Eurozone anzukurbeln und die Inflation in Richtung des Ziels von zwei Prozent zu hieven. Zuletzt war die Teuerung negativ.

Die EZB interveniert seit Mitte März dieses Jahres im Umfang von 60 Mrd. Euro auf dem europäischen Staatsanleihenmarkt. Die Banken sollen aus den Papieren gedrängt und zur Vergabe von Krediten bewegt werden. Doch die Zinsen waren vorher schon niedrig, daran scheiterte es also nicht. Eher ließ die Nachfrage zu wünschen übrig, die Unsicherheit war oder ist zu groß. Die Erfahrungen der USA würden zeigen, dass Bondkäufe umso stärker wirkten, je höher die betreffenden Renditen seien, sagte Lautenschläger.
Wirkt die Geldschwemme wirklich
Frau Sabine Lautenschläger

Das Märchen vom Steuerparadies Schweiz

In den letzten zehn Jahren sind manchenorts Steuersätze für Firmen und Private deutlich gefallen. Unternehmenssteuerreform und internationale Entwicklungen verstärken den Druck auf die Schweiz, die keineswegs mehr überall steuerlich attraktiv ist.

Peter A. Fischer berichtet: In der Schweiz hat sich auf das Steuerjahr 2015 hin wenig bewegt, und dennoch ist einiges im Tun. Im Hintergrund wird intensiv um die Ausgestaltung der Reform der Unternehmensbesteuerung gerungen. Diese wird mit der Abschaffung der Sondersteuern für Spezialgesellschaften aller Voraussicht nach den Wettbewerb der ordentlichen Steuersätze verschärfen. Bis dahin scheinen sich aber die Kantone möglichst wenig regen zu wollen. Gleichzeitig ist das internationale Umfeld in Bewegung geraten, wie der Vergleich zeigt, den die am Mittwoch veröffentlichten, jährlich aufdatierten Steuerdaten der Buchprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG ermöglichen.

Immer weniger Ausnahmen

Die ordentliche Besteuerung von Unternehmen hat im Schweizer Durchschnitt zwischen 2006 und 2012 von 21,2% auf 18,1% abgenommen und ist seither fast konstant geblieben. Im internationalen Vergleich wirken vor allem die Innerschweizer Kantone und die beiden Appenzell mit ordentlichen Steuersätzen von zwischen 12% und 15% attraktiv. Hauptkonkurrent bleibt für sie Irland. Doch auch Konkurrenzstandorte wie Singapur, Hongkong und sogar Grossbritannien bieten inzwischen günstigere Steuersätze an als viele Kantone.

Der Vergleich der ordentlichen Steuersätze zeichnet allerdings ein sehr unvollständiges Internationaler SteuerwettbewerbBild, weil sich viele Steuerbehörden bei der Bemessung der Steuergrundlage sehr flexibel zeigen oder Ausnahmeregeln für bestimmte Arten von Firmen und Einkünfte kennen. So dürften etwa die wenigsten Firmen, die ihr Steuerdomizil nach Luxemburg verlagert haben, dort effektiv der offiziellen Steuerbelastung von 29,6% unterliegen. Auch in der Schweiz sind bisher für knapp die Hälfte aller Gewinnsteuereinnahmen des Bundes Konzerne mit steuerlichem Sonderstatus verantwortlich. Mit der Unternehmenssteuerreform III soll dies geändert werden. Aber auch international schränken die Bestrebungen der OECD, der G-20 und der EU sowie die immer grösser werdende Transparenz die Möglichkeiten für Sonderregeln immer stärker ein. Mittelfristig dürfte dies den Wettbewerb über die ordentlichen Steuersätze wieder verschärfen. Peter Uebelhart, Leiter Steuern bei KPMG, glaubt, dass sich das zugunsten der Schweiz auswirken könnte, weil Schweizer Kantone in der Lage seien, ihre Steuersätze auf ein attraktives Niveau zu reduzieren. Vor allem in der Süd- und Westschweiz, aber auch in Basel und Zürich müssten sie dazu aber wohl noch substanziell fallen.

An der Spitze wird es teuer

Viel unschöner als oft kolportiert präsentiert sich das Bild bei der Belastung natürlicher Personen durch Einkommenssteuern. Die Schweiz pflegt bei der Bundessteuer eine sehr progressive Besteuerung (die höchsten 5% der Einkommen tragen 70% der Steuerlast, die tieferen 50% bloss 1%). Deshalb werden insbesondere höhere Einkommen von Fachleuten ohne Kinder in vielen Kantonen auch im internationalen Vergleich hoch besteuert. Russland, Litauen, Estland, aber auch Hongkong oder Singapur bieten teilweise mit Einheitssteuersätzen tiefere Steuersätze als selbst der Kanton Zug. Zürich, Bern und Basel bitten zur Kasse wie Italien, und der Hochsteuerkanton Genf bewegt sich in denselben Sphären wie Frankreich oder Deutschland. Berücksichtigt man dann noch, dass Sozialversicherungen, Altersvorsorge und medizinische Versorgung in der Schweiz zu einem grossen Teil nicht über Einkommenssteuern finanziert werden, wird der Mythos vom Steuerparadies Schweiz erst recht zur Mär. Will man künftig (auch für Unternehmen) attraktiv bleiben, müsste das Gebot der Stunde «Sparen bei den Ausgaben» heissen.

Isabell Hemming www.w-t-w.org/en/isabell-hemming/

Isabell Hemming
www.w-t-w.org/en/isabell-hemming/

Siehe hierzu auch: Frauen und Kinder leiden überproportional unter Korruption/ Folge 5 Geldwäsche und schwere Steuerhinterziehung.

Deutschland und Frankreich wollen Terror-Finanzierung in EU erschweren

Christian Grimm und Harriet Torry berichten: Deutschland und Frankreich drängen die EU-Kommission, härter gegen die Finanzierung des internationalen Terrorismus vorzugehen. Das geht aus einem offiziellen Brief hervor, in den Dow Jones Newswires Einblick hatte.

Drei Monate nach den tödlichen Angriffen auf das Satireblatt Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris fordern die politischen Schwergewichte des Kontinents europaweite Gesetze gegen die Finanzierung von Terroristen. Die Vermögen von Terrorgruppen und ihnen nahe stehenden Organisationen sollen konsequent eingefroren werden.

„Die jüngsten Ereignisse unterstreichen die Notwendigkeit, unsere Systeme und Regeln den Veränderung der Bedrohung anzupassen, damit wir auch künftig die Sicherheit der Europäischen Bürger gewähren können“, heißt es in dem Schreiben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seinem französischen Amtskollegen Michel Sapin an die Brüsseler Behörde. Beide Politiker plädieren darin für das Einfrieren von Vermögen in Europa lebender Terroristen. Wegen des gemeinsamen Binnenmarktes sei es derzeit zu leicht, die bestehenden Gesetze in den einzelnen EU-Ländern zu umgehen.

Die Minister wollen auch, dass die Behörden genauer hinsehen wenn Gold, Edelsteine und virtuelle Währungen den Besitzer wechseln. Damit sich Terrorgruppen nicht durch den Schmuggel und illegalen Verkauf von geraubten Kulturgütern und Schätzen finanzieren können, soll die Dokumentationspflicht über die Herkunft verschärft werden. Eine Einnahmequelle für islamische Terroristen ist der illegale Handel mit antiker Kunst aus dem Zweistromland und dem Nahen Osten. Um dem Problem besser Herr zu werden, schlagen Schäuble und Sapin außerdem vor, dass die Bezahlung dieser Artefakte mit Bargeld verboten wird.
lee-lorenz-how-often-have-you-asked-yourselves-who-would-pay-the-ransom-if-i-were-k-new-yorker-cartoonHoffentlich ist diese Meldung kein April Scherz, da Bundesfinanzminister Schäuble wie im Kapitel 21 seiner Biographie zu lesen, Geldwäsche als Petitesse einstuft. Terrorfinanzierung durch Verkauf von Antiquitäten bedeutet Geldwäsche. Die illegal erworbenen Gelder müssen in den Finanzkreislauf zurückgeschleust werden, um für die Terrorfinanzierung zur Verfügung zu stehen.

*Petitesse ist ein von Willy Brandt gebrauchtes Wort gegenüber Journalisten und war seinerzeit scherzhaft zu verstehen als „Kleinigkeit“ , „Unwichtigkeit“ .

Siehe hierzu auch: Warum sind Frauen und Kinder von Geldwäsche betroffen.

Dax-Aktionäre verdienen fast 250 Milliarden Euro

Rekordquartal: Noch nie konnten sich Aktienanleger in Deutschland in einem Quartal über solch gewaltige Gewinne freuen. Es könnte sogar noch mehr werden. Doch das meiste davon kommt ausländischen Investoren zugute.

Frank Stocker berichtet: Knapp 300 Milliarden Euro gibt der deutsche Staat in diesem Jahr aus, innerhalb von zwölf Monaten. Doch darüber können Aktienanleger nur lachen: Denn sie haben allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres mit den 30 Dax-Aktien fast 250 Milliarden Euro gewonnen. Das ist absoluter Rekord. Noch nie in der Geschichte des deutschen Aktienmarktes verdienten Investoren in einem einzigen Quartal mehr.
Dax-Aktionaere verdienen fast 250 Milliarden Euro
Aktionärinnen

Österreich garantiert die Sparguthaben nicht mehr

Es wird ernst: Wird die Abschaffung der Einlagensicherung ein Modell für Europa?

In Österreich wird die staatliche Einlagensicherung abgeschafft: Damit haften künftig nur noch die Banken für die Guthaben der Sparer. Österreich agiert wegen des Banken-Krachs als EU-Vorreiter. Die EU hat dieses Vorgehen in einer Richtlinie beschlossen. Daher werden sich über kurz oder lang alle Staaten als Garanten der Sparguthaben verabschieden.
Interessanter Weise verstärken die Regierung aktuell offenbar ihre Bemühungen, über Maßnahmen der Risiko-Abwälzung und der finanziellen Repression die öffentlichen Schulden abzubauen: Australien hat soeben als erstes Land gekanntgegeben, eine Steuer auf Bankguthaben einzuführen. Dies wurde von IWF und G20 stets als Lösung der Schuldenkrise gepriesen. Der australische Vorstoß ist in diesem Zusammenhang als globaler Testballon zu sehen, andere Staaten dürften folgen, wenn der Widerstand bei den Sparern nicht zu groß ist.
Republik haftet kuenftig nicht mehr fuer Erspartes.

http://cartoongrolik.blogspot.de/

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Was ist ein Haus wert?

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Die Bewertung von Immobilien basiert grundsätzlich auf gleichen Überlegungen, wie die Bewertung anderer Vermögenswerte. In Anlehnung an frühere Bewertungsvideos, wird das Prozedere der Diskontierung hier auf eine Renditeliegenschaft angewendet.
Was ist ein Haus wert?

Chinas digitales Geld, Bitcoins

Die Krypto-Währung mag eine amerikanische Erfindung sein, an der auch die US-Börsen interessiert sind. Doch in China ist die Währung bereits etabliert. Chinesen schaffen zunehmend Kapital in den virtuellen Raum.

Einer der Gründe für die Gier nach Bitcoin sind vor allem die chinesischen Kapitalkontrollen. Für reiche Chinesen ist es schwer, ihr Vermögen außer Landes zu schaffen. Bitcoin bieten sich hier als Lösung an: Ein dezentraler Wertspeicher, den die Behörden nicht regulieren können. Millionenbeträge lassen sich auf einem USB-Stick transportieren oder über das Netz versenden.
China und das digitale Geld
Bitcoin

Wenn (griechische) Banken wanken

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Aus (hoffentlich nicht!) „aktuellem Anlass“: Das Video zeigt anhand einer einfachen Bankbilanz auf, was unter einem Bank-Run zu verstehen ist, unter welchen Bedingungen so etwas entstehen kann und welches die Konsequenzen sein können.
Wenn (griechische) Banken wanken

Chinas Entwicklungsbank-Projekt stösst auf Interesse

Mit einer Entwicklungsbank und einer „Neuen Seidenstraße“ will China die Weltordnung aktiv mitgestalten. Unter Einheimischen ist die Handelsroute zum chinesischen Grenzposten als „Plastik-Straße“ bekannt – für viele ist sie zur Straße der Hoffnung geworden.

Russland will sich an an der neuen chinesischen Entwicklungsbank AIIB beteiligen. Die AIIB gilt als Gegenstück zur Weltbank und dem IWF und soll den Einfluss der USA im asiatisch-pazifischen zurückdrängen. Sehr zum Ärger der Amerikaner haben sich auch die Verbündeten Australien und Südkorea der neuen Allianz angeschlossen.

Die AIIB geht auf eine Initiative des früheren chinesischen Präsidenten Xi Jinping zurück. China will mit der Bank seinen internationalen Einfluss ausbauen. Die Chinesen, deren globale Politik weniger auf militärische Aktionen, sondern viel stärker auf regen Handel setzt, versuchen seit geraumer Zeit, den Yuan als alternative Weltwährung zu positionieren. Die AIIB wird als Konkurrent der Weltbank gehandelt. In den vergangenen Jahren kam internationale Kritik über die Weltbank und den IWF auf. Ihnen wird vorgeworfen, ihre Politik nach den Vorgaben der US-Außenpolitik auszurichten. Die USA sehen die AIIB als eine große Herausforderung und bringen ihren engsten Alliierten Japan auf Linie. Die Regierung in Tokio hatte zuvor mitgeteilt, dass sie keinesfalls an der AIIB-Initiative teilnehmen werde. Die USA und China kämpfen seit geraumer Zeit um die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft im asiatisch-pazifischen Raum.
Chinas Entwicklungsbank-Projekt stoesst auf reges Interesse
Die Sonnenblumen sind gemalt das Geld sind echte Yuan-Buendel