Google Werbeeinahmen bei 79 Milliarden

Google wächst stark und enttäuscht Anleger. Steuerbelastungen machen sich beim Gewinn bemerkbar, die Anleger reagieren verschnupft auf die Quartalszahlen von Konzernmutter Alphabet.

Die Konzernmutter Alphabet gab am Donnerstag einen überraschend deutlichen Umsatzanstieg im vergangenen Quartal bekannt. Weil der Gewinn wegen höherer Steuerbelastungen aber nicht so stark zulegte wie von Analysten erwartet, reagierten Anleger verschnupft: Die Alphabet-Aktie fiel im nachbörslichen Handel um 2,2 Prozent. Googles Kerngeschäft sind die Werbeeinnahmen, die im Schlussvierteljahr 2016 um 17,4 Prozent auf 22,4 Milliarden Dollar kletterten. Doch noch stärker wachsen neue Bereiche, zu denen Hardwareangebote, Apps und das Boomgeschäft mit IT-Diensten über das Internet (Cloud) zählen.

Insgesamt schossen hier die Erlöse um 62 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar in die Höhe. Zum Hardwaregeschäft gehören der Thermostat-Anbieter Nest, Pixel-Smartphones und das Angebot Google Home, eine Kombination aus Sprach-Fernbedienung und Lautsprecher. Im Konzern stieg der Umsatz um gut 22 Prozent auf mehr als 26 Milliarden Dollar und übertraf damit die Expertenschätzungen. Der Gewinn kletterte dagegen lediglich um acht Prozent auf 5,3 Milliarden. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag unter den Markterwartungen. Dazu trugen Belastungen durch eine höhere Steuerquote bei.

Google ist mit seiner Internetsuchmaschine für traditionelle PCs groß geworden. Heute konkurriert der Konzern vor allem mit dem führenden Internet-Netzwerk Facebook um die stark wachsende Werbung auf Smartphones und Tablets. Der Standard

Harm Bengen
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Korruptionswahrnehmungsindex 2016

Korruptionswahrnehmungsindex 2016: Deutschland weiterhin auf Platz 10
Sorgen um Integrität der deutschen Wirtschaft nehmen zu.

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hat den Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) veröffentlicht. Der Index misst die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption auf der Grundlage verschiedener Expertenbefragungen. In diesem Jahr wurden 176 Länder untersucht. Auf einer Skala von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption) erreicht Deutschland wie bereits im vergangenen Jahr 81 Punkte und rangiert damit neben Luxemburg und Großbritannien auf dem zehnten Platz. EU-weit ist Deutschland auf Platz fünf des Korruptionswahrnehmungsindexes.

Wasser auf die Mühlen von Populisten

Die ausufernde Korruption in vielen Ländern der Welt gibt nach Einschätzung von TI Populisten Rückenwind. „Die Menschen sind die zu vielen leeren Versprechungen der Politiker, etwas gegen die Korruption zu tun, leid und wenden sich populistischen Politikern zu, die einen Systemwandel versprechen“, schreibt die Organisation in ihrem Jahresbericht.

Diese Hoffnungen würden sich allerdings in der Regel nicht erfüllen. „Statt den Vetternwirtschafts-Kapitalismus anzugehen, errichten diese Führer oft noch schlimmere Formen korrupter Systeme“, sagt Transparency-Chef José Ugaz. Nur dort, wo es Meinungsfreiheit, Transparenz und starke demokratische Institutionen gebe, könne Korruption erfolgreich bekämpft werden….Spiegel.de

De-facto-Chef von Samsung unter Korruptionsverdacht

Lee Jae Yong, droht wegen Korruptionsvorwürfen die Verhaftung. Lee Jae Yong
Die Entscheidung über den Antrag werde voraussichtlich bis
Sonntag getroffen, teilte das Ermittlungsteam laut
südkoreanischen Sendern mit.

Der derzeitige Vize-Vorsitzende des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics hatte zuvor nach einer mehr als 22-stündigen Vernehmung das Büro des Sonderstaatsanwalts in Seoul verlassen. Lee habe einige der Vorwürfe zurückgewiesen und andere eingeräumt, sagte ein Sprecher der Sonderermittler, ohne jedoch Details zu nennen. Lee selbst äußerte sich nicht. Auch eine Sprecherin von Samsung lehnte einen Kommentar ab.

Südkoreas größter Konzern soll als erhalten haben. Parks langjährige Freundin Choi Soon Sil ist die Schlüsselfigur in dem Skandal, der Park das Amt kosten könnte. Choi soll unter anderem dank ihrer Beziehungen zu Park Sponsorengelder für ihre Stiftungen eingetrieben und sich persönlich bereichert haben.

Park selbst wird verdächtigt, auf den staatlichen Pensionsfonds eingewirkt zu haben, damit dieser die Übernahme des Bauunternehmens Samsung C&T durch Cheil Industries im Jahr 2015 bewilligte. Das Parlament leitete im Dezember ein Amtsenthebungsverfahren gegen Park ein. Das Verfassungsgericht muss nun über die Absetzung der Staatschefin entscheiden. Sie soll ihrer Freundin auch die Einmischung in die Regierungsarbeit erlaubt haben.

Lee soll Samsung eines Tages in dritter Generation führen. Sein Vater, Samsung-Chef Lee Kun Hee, ist seit einer Herzattacke im Jahr 2014 bettlägerig. /Reuters
Samsung

Schwellenländer im Auf und Ab

Die Schwellenländer gehörten 2016 zu den überraschenden Anlagekategorien. Sowohl Aktien als auch Anleihen der Schwellenländer fuhren im letzten Jahr eine Rendite von über 10% (in US-Dollar) ein. Im vierten Quartal zogen sich die Anleger jedoch allmählich aus der Region zurück. In den letzten drei Monaten des Jahres 2016 verzeichneten Schwellenmarktportfolios einen Kapitalabzug von insgesamt 38,4 Mrd. US-Dollar und damit den höchsten Quartalsabfluss seit 2009. Ursache der Kapitalabwanderung sind verschiedene Faktoren wie z. B. der stärkere US-Dollar, die Besorgnis um China und die Bedenken hinsichtlich des Welthandels, berichtet die Finanz und Wirtschaft / Schweiz.

Auf die globale Finanzkrise der Jahre 2008/09 haben mehrere grosse Schwellenländer wie Brasilien, China, die Türkei und Indonesien mit massiven geld- und fiskalpolitischen Stimuli reagiert. Dadurch erholten sich diese Volkswirtschaften sehr schnell, und die Rohstoffnotierungen stiegen wieder. Gleichzeitig wurde aber auch der Nährboden für Preisblasen an den Immobilienmärkten und eine höhere Inflation sowie eine Verschlechterung der Handels- und Leistungsbilanzen geschaffen.

China und Korea – in den vergangenen Jahren hohe Schuldenberge angehäuft haben. In China sind dafür vor allem das starke Wachstum des Schattenbankensystems, die grosszügige Kreditvergabe an Staatsunternehmen in der Schwerindustrie und die Auslandsverschuldung der chinesischen Firmen verantwortlich. Nach der Abschwächung des Renminbi seit August 2015 und angesichts der Überkapazitäten in Schwerindustrien wie Kohle und Stahl sind diese Kredite kaum noch sinnvoll. In einigen Fällen können die Auslandsschulden wohl zurückgezahlt werden, aber wegen der Inlandkredite an Staatsfirmen dürfte sich die Problematik der Kreditausfälle für Chinas Banken weiter verschärfen.

Durch die Globalisierung des Finanzsektors sind inzwischen mehr Länder in der Lage, Schuldtitel in ihrer eigenen Währung zu begeben. Insoweit ist das Risiko von «sudden stops» – plötzlichen Unterbrechungen des Kapitalzuflusses in Schwellenländer und einer dadurch ausgelösten tiefen Krise – etwas geringer geworden. Unsicher ist, wie sich der Welthandel unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump entwickelt.

Dr. Jan Tomaschoff www.w-t-w.org/en/dr-jan-tomaschoff/

Dr. Jan Tomaschoff
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Allianz und Zurich Versicherer kürzen Rentenzusagen

Inhaber fondsgebundener Rentenversicherung bekommen die Folgen der Niedrigzinsen zu spüren. Die beiden marktführenden Versicherer haben nun die Mindesthöhe für die zugesagte Rente gekürzt.

Auch die Inhaber fondsgebundener und anderer kapitalmarktnaher Lebensversicherungen bekommen nun die Folgen der niedrigen Zinsen zu spüren. Marktführer Allianz Leben und Zurich (früher Deutscher Herold) haben die Mindesthöhe der Renten gekürzt, die sie den Käufern dieser Policen in früheren Jahren versprochen hatten. Ein Allianz-Sprecher bestätigte am Dienstag einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass der Lebensversicherer nach der vorgeschriebenen Überprüfung durch einen Wirtschaftsprüfer als Treuhänder den sogenannten Rentenfaktor gekürzt habe. Er ist dafür maßgeblich, wie hoch die monatliche Rente mindestens ausfällt, wenn sich der Kunde am Ende der Ansparphase dafür und nicht für eine sofortige Auszahlung der Lebensversicherung entscheidet.

Die Kürzung betrifft bei der Allianz Verträge aus den Jahren 2001 bis 2011. Für sie gilt künftig ein Rentenfaktor von 1,75 Prozent, bisher hatte die Kennziffer bei 2,75 oder 2,25 Prozent gelegen. 2005 war sie schon einmal gesenkt worden. Erlaubt ist das nur, wenn die Versicherten im Schnitt unerwartet alt werden oder wenn die Zinsen dauerhaft niedrig sind. Die Finanzaufsicht BaFin muss darüber informiert werden, ein Treuhänder muss die Berechnungen prüfen. Der Rentenfaktor ist etwa mit dem Garantiezins bei klassischen Policen vergleichbar. Dieser war in den vergangenen Jahren nach und nach drastisch gesenkt worden. Seit 1. Januar liegt er nur noch bei 0,9 Prozent.

Die Allianz-Versicherung plant ein milliardenschwereres Rückkaufprogramm der eigenen Aktien. Der Konzern aus München möchte dafür bis zu drei Milliarden Euro ausgeben. Aktionäre dürften sich freuen. Der Rentenfaktor sei zum Jahreswechsel um 18 bis 25 Prozent gekürzt worden.

Bei der Allianz sind rund 700.000 Verträge von der Kürzung betroffen. „Wir rechnen aber nicht damit, dass das tatsächlich zu einer niedrigeren Rente führt“, sagte der Sprecher. Denn die Senkung der Mindestzusage führe dazu, dass der Versicherer die Beiträge weiterhin in Fonds oder andere Kapitalmarkt-Produkte stecken könne und sie nicht stattdessen in Staatsanleihen oder andere niedrig verzinste Anlagen investieren müsse. Seit einigen Jahren biete die Allianz wie die meisten Lebensversicherer keine Policen mit Rentenfaktor mehr an, sondern sage bei Fonds-Policen nur noch den Beitragserhalt zu.

Das Beispiel könnte Schule machen. Viele Lebensversicherer orientieren sich am Verhalten des Marktführers. Die BaFin teilte mit, mit der Senkung des Rentenfaktors sei keine Kürzung bereits zugesagter Garantien verbunden. Je höher der Rentenfaktor, desto niedriger sei tendenziell die Überschussbeteiligung, die der Lebensversicherer über die feste Zusage hinaus erwirtschaftet. /Reuters

Waldemar Mandzel www.w-t-w.org/en/waldemar-mandzel www.w-mandzel.de

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Verliert der Dollar unter Trump weiter an Bedeutung?

Der Dollar verliert an Bedeutung. Die Zentralbanken setzen nicht mehr ausschließlich auf den Dollar als Devisenreserve. Vor allem der kanadische und der australische Dollar rücken in den Fokus der Institute – denn die kleinen Staaten holen auf. Bei den Zentralbanken beschleunigt sich offenbar die Diversifizierung der Devisenreserven. Erstmals haben sie fast ebenso viele kanadische, australische Dollar und andere Währungen gekauft wie US-Dollar.

Vor einem Jahr hatte Chinas Notenbank die Wechselkurspolitik neu justiert. Neben dem Dollar berücksichtigt sie nun einen Währungskorb – den Kurswechsel ignoriert die Öffentlichkeit jedoch beharrlich.

Peking reformiert die Währungspolitik weiter. Hatte die People’s Bank of China PBoC im August und Dezember vergangenen Jahres noch für Turbulenzen an den Devisenmärkten gesorgt, weil sie die Liberalisierung der Wechselkurspolitik dilettantisch kommuniziert hatte, dürfte der neue Schritt für weniger Aufruhr sorgen – weil dieses Mal auch die Kommunikation in geordneten Bahnen verlief. Ab 1. Januar 2017 setzt sich der CFETS-RMB-Basket, an dem sich die chinesische Notenbank im Rahmen ihrer Wechselkurspolitik – neben dem Dollar – orientiert, nicht länger aus 13, sondern aus 24 Währungen zusammen. Als Folge sinken die Anteile der bisher in dem Korb enthaltenen Valuten; jener des Frankens verringert sich von 1,74 auf 1,5%. Neu hinzukommen unter anderem der koreanische Won, der südafrikanische Rand, der saudiarabische Riyal, der polnische Zloty, die türkische Lira sowie der ungarische Forint.

Die PBoC verfolgt eine zweigleisige Wechselkurspolitik. Stand bis Dezember vergangenen Jahres das Verhältnis gegenüber dem Dollar im Fokus der chinesischen Währungshüter, haben sie seitdem zusätzlich den CFETS-RMB-Basket im Blick, wobei die Abkürzung CFETS für China Foreign Exchange Trade System steht. Dieser Korb enthält die Währungen der wichtigsten Handelspartner Chinas. Die Erweiterung um 11 Länder ist folgerichtig, weil der Währungskorb künftig noch besser die Handelsverflechtungen des Reichs der Mitte abbildet. Als Schwergewicht kommt der koreanische Won hinzu. Gemessen am Handelsvolumen ist Südkorea der viertwichtigste Handelspartner Chinas. Entsprechend beläuft sich der Anteil des Won in dem Korb auf 10,77%. An Bedeutung verliert dagegen der Dollar, auch wenn er immer noch die wichtigste Währung bleibt: Sein Anteil sinkt um 4,2 Prozentpunkte auf 22,2%. Die USA sind der wichtigste Handelspartner Chinas. (the interaction between cfets-rmb-index and usdcny)

Gegenüber dem Dollar gibt der Yuan seit Monaten nach. So schwach war die chinesische Währung zuletzt vor acht Jahren. Dabei ist dies – nach Jahren, in denen der Yuan gegenüber dem Dollar kräftig zugelegt hatte – vor allem der derzeitigen Stärke des Greenback geschuldet. Die US-Notenbank hatte jüngst nicht nur den Leitzins erhöht, sondern eine weitere Normalisierung der Geldpolitik in Aussicht gestellt, was für einen noch stärkeren Dollar spricht. Auch die vom künftigen Präsidenten Donald Trump in Aussicht gestellte expansive Ausgabenpolitik wird dem Dollar zusätzlichen Aufschub verleihen.

Der Yuan – wie viele andere Währungen weltweit auch – schwächelt zwar gegenüber dem Dollar trotz umfangreichen Interventionen der PBoC an den Devisenmärkten. Allerdings hat Chinas Währung in den vergangenen Monaten gegenüber dem CFETS-Basket an Wert gewonnen. Es traf ein, was die chinesische Notenbank vor rund einem Jahr bei der Reform ihrer Wechselkurspolitik prognostiziert hatte. Gegenüber dem Dollar schwankt der Yuan stärker als im Verhältnis zum Währungskorb. Mitschuld daran hat Donald Trump.

Mit den neu hinzugekommenen Ländern im CFETS-RMB-Basket wird die Bedeutung des Dollars in der Währungspolitik der PBoC weiter abnehmen. Derzeit bestimmt sie bei der täglichen Fixierung des Dollar-Yuan-Referenzkurses, um den herum der Wechselkurs im Tagesverlauf um ±2% schwanken darf, den Schlusskurs des Vortages.

Es braucht wenig Phantasie für die Annahme, dass bei einem weiter gegenüber dem Dollar schwächelnden Yuan die Vorwürfe Trumps an die Adresse Pekings, China manipuliere den Wechselkurs, um sich Vorteile im Handel zu verschaffen, zu hören sein werden. Dass die PBoC dennoch an den Devisenmärkten interveniert, um den Yuan gegenüber dem Dollar zu stärken, verschweigt der künftige US-Präsident. Vielmehr trägt er mit seinen wirtschaftspolitischen Plänen an der derzeitigen Stärke der amerikanischen Währung Mitschuld.Yuan - Dollar

Finnland testet bedingungsloses Grundeinkommen

Was tun Arbeitslose, wenn sie Monat für Monat 560 Euro aufs Konto bekommen und dafür keinerlei Bedingungen erfüllen füllen? Finnland will das in einem großen Versuch herausfinden. Die Leiterin der Studie hat große Hoffnungen.

©dpa: Auch in Deutschland gibt es Befürworter des Grundeinkommens.
Finnland will herausfinden, ob ein Grundeinkommen das soziale System des Landes vereinfachen und mehr Menschen in Jobs bringen kann. 2000 zufällig ausgewählte Arbeitslose sollen von Januar an anstelle von Arbeitslosengeld 560 Euro im Monat bekommen, ohne dass daran Bedingungen geknüpft sind. Das Geld muss nicht versteuert werden und man kann ohne finanzielle Nachteile etwas dazuverdienen. Mit diesem Testballon auf nationaler Ebene sei Finnland weltweit das erste Land, das ein bedingungsloses Grundeinkommen auszahlt, sagt Marjukka Turunen vom finnischen Sozialversicherungsinstitut Kela, das das Experiment begleitet.

Die Probanden erfahren erst kurz vor Silvester, dass sie Teil des Tests sind. Ablehnen können sie nicht. Sie wurden unter allen Personen zwischen 25 und 58 Jahren, die im November 2016 Arbeitslosengeld oder -unterstützung bekommen haben, ausgelost.

Die große Hoffnung ist, dass die Menschen durch das Experiment zum Arbeiten motiviert werden. Viele Empfänger von Sozialleistungen nähmen keine kleinen Jobs an, weil sie dann nach Abzug der Steuern vielleicht schlechter dastehen, meint Turunen. Das Grundeinkommen müsse nicht versteuert werden, auch wenn man 4000 Euro im Monat dazu verdiene. „Wir denken, das könnte ein großer Anreiz sein, wenigstens einen Halbtagsjob anzunehmen“, sagt die Projektleiterin.
Hoffnung auf weniger Bürokratie

Außerdem solle mit dem Grundeinkommen Bürokratie abgebaut werden. Wer jetzt arbeitslos ist, müsse ständig Formulare ausfüllen und Anträge stellen. Das sei bei dem Grundeinkommen nicht notwendig. „Außerdem gibt es den Menschen finanzielle Sicherheit“, sagt Turunen. „Sie können sich darauf verlassen, dass das Geld pünktlich kommt. Was sie damit machen, ist ihre Sache.“ Die Behörden haben nicht vor, das Tun der Probanden zu überwachen. Das würde das Testergebnis beeinflussen.

Das Experiment ist zunächst auf zwei Jahre angesetzt. Nach dem Willen von Kela soll es nach einem Jahr auf mehr Personen ausgeweitet werden. Doch das Geld dafür ist noch nicht von der Regierung gebilligt.

Die Pläne waren vor einem Jahr erstmals publik geworden. Seinerzeit war noch von 800 Euro die Rede gewesen. Auch in anderen Ländern ist das bedingungslose Grundeinkommen ein Thema.

Im 2000-Einwohner-Dorf Otjivero in Namibia erhielten die Bewohner in den Jahren 2008 bis 2011 umgerechnet 5 bis 6 Euro Grundeinkommen, überwiegend aus deutschen Spendengeldern. Allerdings wurde der Erfolg des Projektes nicht systematisch gemessen.

Die Schweizer lehnten dagegen in einer Volksabstimmung die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens mit einer überwältigenden Mehrheit von 78 Prozent ab. Ein wichtiger Grund für die Ablehnung durch die Eidgenossen seien Unklarheiten und Zweifel an der Finanzierbarkeit gewesen.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dalia Research sollen hingegen 64 Prozent der EU-Bürger für ein solches Grundeinkommen sein.

Das World Economic Forum geht davon aus, dass bis 2020 mehr als fünf Millionen Jobs in den 15 wichtigsten Industrieländern verloren gehen könnten.
Zeit.de/Grundeinkommen
Bedingungsloses Grundeinkommen BGEBedingungsloses Grundeinkommen

Bankenrettung à la Brüssel

Brüsseler Schlupflöcher für Bankenrettung

Schneller als von allen Beteiligten gewünscht, steht die europäische Bankenunion vor ihrer ersten Bewährungsprobe. Die italienische Regierung hat genau das vor, was eigentlich nach der Finanz- und Eurokrise ausgeschlossen sein sollte: Sie will eine marode Bank mit Staatsgeld retten. Der 20-Milliarden-Euro-Fonds zur Rekapitalisierung von Banken ist für die Rettung des toskanischen Instituts Monte dei Paschi Di Siena MPS aktiviert worden, und er könnte auch für andere Institute genutzt werden. Ist das zentrale Ziel der Bankenunion also schon im ersten Anwendungsfall Makulatur? Erst seit Jahresbeginn ist die in der Eurokrise erarbeitete EU-Abwicklungsrichtlinie BRRD in Kraft. Ihr zentrales Ziel lautet, dass künftig taumelnde Banken nicht mehr mit Steuerzahlergeld gerettet werden sollen.

Die Richtlinie sieht vor, dass für die Kosten einer Sanierung oder Schließung einer maroden Bank an erster Stelle die Aktionäre und Gläubiger und nicht die Steuerzahler aufkommen sollen. Im Grundsatz gilt, dass ein Institut abgewickelt werden muss, wenn es öffentliche Hilfe benötigt – was nicht zwingend die Liquidation, aber doch eine Sanierung oder Veräußerung von Teilen bedeutet. Dabei müssen Ansprüche von Aktionären, Anleihegläubigern und Einlegern mit Guthaben über 100.000 Euro abgeschrieben oder in Eigenkapital umgewandelt werden. Erst wenn dieses „Bail-In“ acht Prozent der Bilanzsumme erreicht, wird öffentlicher Beistand möglich, kann also Staatshilfe fließen.
DIRECTIVE OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL
FAZMonte dei Paschi

Strafzahlungen von über 200 Milliarden Franken

Banken und Strafzahlungen gehören offenbar zusammen wie das Licht und die Motten. Vor allem seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/08 scheint kaum ein Monat zu vergehen, ohne dass irgendeine grössere Bank wieder eine saftige Busse oder sonstige Zwangszahlung aufgebrummt erhält. Selbst an Milliardenbussen hat man sich mittlerweile gewöhnt.

Das Institut Good Jobs First hatte Mitte Jahr vorgerechnet, dass die US-Behörden seit 2010 zwei Dutzend der grössten Banken aus dem In- und Ausland total Bussen und sonstige Vergleichszahlungen von 160 Mrd. $ aufgebrummt hatten. Die Bank of America war mit 56 Mrd. $ unrühmlicher Spitzenreiter, während UBS und Credit Suisse in jener Rangliste die Plätze elf und zwölf belegten. Die Hauptdelikte waren Vertrieb dubioser Wertpapiere, Verstoss gegen die Regeln von Wirtschaftssanktionen, Marktmanipulationen sowie Beihilfe zu Steuerdelikten.

Europäische Großbanken haben ihren Streit um Hypotheken-Kredite mit der US-Justiz beigelegt. Die Deutsche Bank muss 3,1 Milliarden Dollar (2,96 Milliarden Euro) Zivilbuße und 4,1 Milliarden Dollar (3,92 Milliarden Euro) zahlen. Auf einen entsprechenden Vergleich mit der US-Justiz einigte sich das Institut nach monatelangen Verhandlungen.

Ursprünglich hatte allerdings eine Strafe von 14 Milliarden Dollar gedroht. Mit der Forderung hatte das US-Justizministerium Mitte September die Anleger der Deutschen Bank alarmiert. Als die Zahl bekannt wurde, brach der Börsenwert des Instituts ein, die Nachricht löste sogar Spekulationen über mögliche Staatshilfen aus. Der Konzern hatte zuletzt rund 5,9 Milliarden Euro für seine Rechtsrisiken zurückgelegt.

Es ist kaum zu glauben, dass Banker, die derart hohe Bussen verursachen, nicht wegen ungetreuer Geschäftsführung belangt werden.

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen www.harmbengen.de

Harm Bengen
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Aktienmarkt in Frankreich in schwierigem Umfeld

Die Börse ignoriert das garstige Umfeld. In Frankreich läuft die Wirtschaft nicht gerade rund. Kleinere und mittlere Unternehmen stört das nur bedingt. Viele prosperieren im internationalen Umfeld, ihre Aktien haben Rückenwind.

Christof Leisinger berichtet:  Wer sich für die Geldanlage interessiert, sollte zwar die grossen makroökonomischen Trends im Auge haben, darf sie aber auch nicht überbewerten. So mag es zwar ganz nett sein, wenn man sich eine Meinung darüber gebildet hat, ob die Zinsen in den kommenden Jahren eher steigen als fallen werden oder ob das Wirtschaftswachstum in einem Land eher anziehen oder abflauen wird.

Für Aktienanleger ist das jedoch nicht matchentscheidend. Schliesslich zeigt die Erfahrung, dass gute, solid wirtschaftende Unternehmen selbst mit schwierigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zurechtkommen und in garstigem Umfeld sogar richtiggehend florieren können.Diese Aussage lässt sich durch einen Blick auf Frankreich und die Kursentwicklung an der Börse des Landes konkretisieren. Während die französische Wirtschaft mit seit Jahren im Trend sinkenden Wachstumsraten vor sich hindümpelt, die Arbeitslosigkeit mit 10% vergleichsweise hoch, das Leistungsbilanzdefizit beständig ist und die Verschuldung des Staates seit dem Höhepunkt der jüngsten Krise auf knapp 100% des Bruttoinlandprodukts gestiegen ist, ist es an der französischen Börse zu teilweise beachtlichen Kursavancen gekommen. NZZ.ch/Aktienmarkt Frankreich
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