Ist Europa zu nachsichtig mit Defizitsündern?

Juristen äußern scharfe Kritik an den neuen Leitlinien des Stabilitätspaktes. Der EU reichten schon bloße Ankündigungen von Reformen – und schon würde Sündern wie Frankreich mehr Zeit zugestanden…

Ist die EU-Kommission zu lasch?

Der juristische Dienst im Rat der Europäischen Union zweifelt in dem Gutachten vom 7. 60 Prozent Verschuldung in Prozent des BIP sind laut den Maastricht-Kriterien erlaubt April nun allerdings die Rechtmäßigkeit der neuen Leitlinien an. Die Juristen vertreten unter anderem die Ansicht, dass Defizitsünder mehr als nur ein Reformversprechen abgeben müssen, damit mit ihnen nachsichtig umgegangen wird. Die geltenden Regeln verlangten, dass Reformen konkret auf den Weg gebracht werden. „Ein Plan, der Reformen als eine einfache politische Willenserklärung ankündigt, würde nicht die Bedingungen … erfüllen“, schreiben die Juristen in dem Papier, das der „Welt“ vorliegt….
Europa ist zu nachsichtig mit Defizitsündern
Wie schneidet Deutschland ab: OECD

Harm Bengen www.w-t-w.org/en/harm-bengen/

Harm Bengen
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Sind Zentralbanken ein Risiko?

Interview mit Pimco-Investment-Chef

Dan Ivascyn, Chief Investment Officer bei der Fondsgesellschaft Dan Ivascyn, CIO der Fondsgesellschaft PimcoPimco, spricht im Interview über die Veränderungen seit dem Abgang des «Bond-Königs» Bill Gross und die Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Claudia Gabriel berichtet: Die Fondsgesellschaft Pimco in Newport, Kalifornien, ist mit 1,59 Bio. $ verwalteter Vermögen einer der grössten Investoren in Festverzinsliche weltweit. Die Gesellschaft wurde 1971 gegründet, unter anderem von Ex-Chief-Investment-Officer Bill Gross, der sie im Herbst 2014 nach üblen Querelen im Management verliess . Gross galt als «Bond-König». Die Welt hing an seinen Lippen, wenn er über die Märkte sprach . Dies hing unter anderem damit zusammen, dass Pimco über einen zentralisierten Anlage-Prozess verfügt, mit welchem sie seit ihrer Gründung massiv vom globalen Umfeld sinkender Zinsen profitiert hatte. Gross‘ herausragende Stellung mag mit ein Grund gewesen sein, warum Pimco, seit dem Jahr 2000 Tochter des deutschen Versicherers Allianz , dem medial ausgetragenen Streit im Management monatelang zuschaute. Im Annus Horribilis 2014 sanken die verwalteten Vermögen um 236 Mrd. €. Dan Ivascyn, Gross‘ Nachfolger, obliegt es nun, die Firma mit ihren fast 2500 Mitarbeitern in ruhigere Gewässer zu steuern und so aufzusetzen, dass sie optimal auf das gegenwärtige Tiefzinsumfeld reagieren kann. Ivascyn äussert sich im Interview sowohl zu den internen Entwicklungen bei Pimco als auch zu den Märkten….

Wie schätzen Sie jetzt die Märkte ein?
In diversifizierten Portfolios haben wir den Anteil der Staatsanleihen zurückgenommen. Wir prognostizieren bekanntlich schon länger eine eher schwache Welt-Konjunktur, sehr tiefe Zinsen, und eine Dominanz der Zentralbanken über die Märkte. Jüngst sind die Renditen allerdings nochmals gesunken, was eine Herausforderung für die Manager von Obligationenportfolios darstellt. Die Finanzmärkte verlassen sich derzeit darauf, dass die Notenbanken in den Industriestaaten mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik allein für Wirtschaftswachstum sorgen. Das wird nicht ewig funktionieren. Wenn das so weiter geht, steigt das Risiko von heftigen Marktreaktionen, wenn die Zentralbanken ihre Politik rückgängig machen. Wie heftig das wird, hängt stark davon ab, ob die Regierungen wachstumsfördernde Strukturreformen durchführen. Unser Basis-Szenario rechnet allerdings mit weiterhin tiefen Renditen, die sich in engem Rahmen bewegen.
Wo sehen Sie die globalen Gefahrenherde mit Blick auf Rendite-Risiken?
Die Renditen der Staatsanleihen sind in den USA, in Europa und in Japan zu tief. Die USA stellen aber eine besondere Herausforderung dar. Die Notenbank Fed dürfte noch 2015 die Leitzinsen anheben, was historisch immer von Marktvolatilität begleitet war. Notenbankchefin Janet Yellen kommuniziert bis jetzt zwar sehr geschickt, doch wenn die Zinserhöhung näher rückt, nimmt das Risiko von Missverständnissen und Fehlern zu. Zugleich ist die Verschuldung global immer noch sehr hoch, was ein Risiko darstellt für die Widerstandsfähigkeit des Aufschwungs gegenüber höheren Zinsen.
Was wären die Nebeneffekte, wenn mit dieser Zinserhöhung etwas schiefliefe?
Würden die Zinsen stärker angehoben als erwartet, würde der Dollar weiter erstarken, mit negativen Auswirkungen auf manche Schwellenländer. Aber das ist nicht unser Basisszenario.

Welche Herausforderungen sehen Sie für Europa?
Etliche. Zum Beispiel, dass die Konjunktur nicht so stark wächst wie erwartet, dass die Staatsschulden nicht abgebaut und die Strukturreformen verschleppt werden. Der angelaufene Wahlzyklus wird wohl politische Unsicherheit bringen. Langfristig muss ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreicht werden. Das neuste Lockerungs-Programm der Europäischen Zentralbank EZB ist zwar riesig und hat sich auf die Währung sowie auf die Preise risikoreicher Anlagen ausgewirkt. Die Aktienmärkte haben ein Rally erlebt. Das stärkt das Vertrauen und bringt auch etwas Wachstum. Dieses dürfte aber mit 1,25 bis 1,75% im laufenden Jahr unter Potenzial bleiben.

Wie stufen Sie das Risiko eines Grexit ein?..
Sind wir in einem Währungskrieg?…
Zentralbanken schaffen Risiken
Pimco

Euro erholt sich weiter gegen den Dollar

Am Devisenmarkt erholt sich der Euro weiter gegen den Dollar. Am Mittwoch hat die europäische Einheitswährung um bis zu 1,6% auf bis zu $ 1.1370 zugelegt, nachdem in den USA einmal mehr enttäuschende Konjunkturzahlen veröffentlicht wurden. Der Anstieg der Beschäftigten in der amerikanischen Privatwirtschaft fiel im April so gering aus wie seit über einem Jahr nicht mehr. Deswegen fühlen sich Anleger, die in den vergangenen Monaten in ausgeprägter Form auf einen stärkeren Dollar gesetzt hatten, gezwungen, Euros zurückzukaufen. Je weiter sich die Erwartung verdichtet, die amerikanische Zentralbank werde Zinserhöhungen auf die lange Bank schieben und je stärker die Renditen bei europäischen Bonds steigen, desto wahrscheinlicher ist, dass der Euro kurzfristig noch weiter zulegen wird. Das gilt allerdings nicht für den Schweizerfranken, denn dieser ist trotz aller Bemühungen der SNB, ihn zu schwächen, leicht stärker als der Euro.
Markt wird zunehmend vom Hochfrequenzhandel bestimmt.
Euro-Auftrieb gewinnt an Dynamik

Martin Guhl www.w-t-w.org/en/martin-guhl/

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Wetterfrosch und Börsen-Guru

Finanzkompetenz oder „Financial Literacy“ Verbessern Sie Ihr Finanzwissen. Finanzwissen im Brennpunkt Prof. Dr. Heri.

Haben sie nicht auch das Gefühl, Wetterprognosen würden immer besser, aber Börsenprognosen würden immer gleich schlecht bleiben? Wir gehen diesem Phänomen analytisch auf den Grund und zeigen woher es kommt, und dass es so bleiben wird.

www.stuttmann-karikaturen.de/

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Sollten Frauen öfter über Geld reden?

Niemand spricht gerne über Geld – und junge Frauen oft schon gar nicht. Den Vorgesetzten nach mehr Gehalt zu fragen – dazu fehlt mancher schlicht der Mut.

NWZ berichtet: Wie soll ich das angehen? Ist das unverschämt? Und bin ich das wert? Das sind so die typischen Fragen.“, sagt Barbara Lampl. Sie organisiert den „Lean-In-Circle“ in Köln. Einmal im Monat treffen sich dort berufstätige Frauen und diskutieren Probleme im Job.

Die Treffen gibt es auch schon in anderen Städten wie Berlin und München, Stuttgart oder Saarbrücken. Sie sind eine Reaktion auf das Buch der Facebook-Chefin Sheryl Sandberg „Lean In – Frauen und der Wille zum Erfolg“. Darin ermutigt sie Frauen, ihre Karriere mit mehr Nachdruck zu verfolgen.

Geld ist bei den Treffen immer wieder ein Thema. „Es ist doch so mit den Gehaltsverhandlungen: Weniger wird’s nicht“, erklärt Lampl. Im schlimmsten Fall schicke einen der Chef mit einem Haufen Lob und einem feuchten Händedruck wieder hinaus.

Der erste Schritt sei aber, über den eigenen Schatten zu springen und es zu versuchen.

Und wie geht man so ein Thema dann an? Lampl rät zum Blick in die Stellenanzeige, auf die man sich beworben hat. Was für Aufgaben wurden von Bewerbern verlangt, und was machen Mitarbeiter inzwischen darüber hinaus? „Ergibt sich da eine Diskrepanz, ist es Zeit für mehr Gehalt.“ Mit diesem Plus an erbrachten Leistungen sollten Frauen dann gegenüber dem Chef argumentieren.

In der Verhandlung gilt es, standhaft zu bleiben. Manche Frau hat das Problem, dass sie beim ersten Gegenwind geneigt ist, der guten Stimmung wegen zurückzurudern. Oder sie versteht die Situation des Chefs nur allzu gut. Hier müsse man sich zwingen, standhaft bei der eigenen Forderung zu bleiben und es dem Arbeitgeber zu überlassen, sie abzulehnen.

Konkret bedeutet das: Charmant noch mal alle Leistungen aufzählen und sie damit transparent machen. Gibt der Chef nun kritisches Feedback – nicht persönlich nehmen!

Doch bis zur Gehaltsverhandlung kommen viele erst gar nicht. Statt zu pokern, fragen Frauen sich insgeheim, ob sie denn mehr Geld wert sind. Diese Frage findet Lampl „gruselig“ – sie tauche aber immer wieder bei den Besprechungen auf. Gruselig sei sie deshalb, weil das Plus beim Gehalt dann nicht mehr an die Leistung, sondern an den eigenen Selbstwert geknüpft wird. Den bestimme aber weder das Gehalt noch der Chef oder der Partner – sondern nur die Frau selbst.

Wer von solchen Zweifeln geplagt wird, dem rät sie zum Selbst- und Fremdbildabgleich. Lampl empfiehlt, gute Freunde zu fragen, was sie über einen denken und was sie an einem schätzen. Wer Kollegen hat, denen er vertraut, kann sich auch bei ihnen erkundigen.

In den meisten Fällen sind die Antworten sehr positiv. Auch jene Frauen, die gerne an sich selbst herummäkeln, finden dann eventuell den Mut, mehr für sich einzufordern.
Frauen

Es wird eng für griechische Traumtänzer

Griechenland, EU und IMF: Die EU-Kommission hat in ihrer am Dienstag publizierten Frühjahrsprognose die Erwartungen für Griechenland deutlich zurückgenommen.

Peter A. Fischer  berichtet: Einiges mag verhandlungstaktischem Pokern geschuldet sein. Doch die Zeichen mehren sich, dass in Griechenland die Lage ausser Kontrolle gerät. Den «gewöhnlichen» Griechen geht es schlecht. Die naive Hoffnung vieler, unter der neuen Regierung weniger Steuern zahlen zu müssen, hat die miserable Steuermoral weiter untergraben. Dem überlasteten Staat fehlt schlicht das Geld, um all seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die neue Regierung ist unfähig und nicht willens, diese Situation durch Ausgabenkürzungen oder durch glaubwürdige Reformversprechen zu ändern. Die ständige Furcht vor einer staatlichen Zahlungsunfähigkeit, einem Bankenkollaps und Kapitalverkehrskontrollen oder einem «Grexit» verdüstern die wirtschaftlichen Aussichten weiter, was einen Ausweg aus der Schuldenmisere in noch weitere Ferne rücken lässt.

Die Zeit ist reif für einen Abgang all jener Traumtänzer, die diese Tragödie angerichtet haben. Schnell von der Bühne abtreten sollten die unbelehrbaren linken Ideologen und Salonkommunisten vom Schlage des griechischen Finanzministers Varoufakis. Sie haben hart erlittene Reformerfolge leichtfertig verspielt und wertvolle Zeit vertan. Endlich einsehen müsste eine Mehrheit der Griechen, dass es nicht die Gläubiger sind und auch nicht der (bereits stark erleichterte) Schuldendienst, die Griechenlands schwere Krise verursachen. Schuld ist vielmehr die beklemmende Unfähigkeit dieser kleinen, viel zu geschlossenen und staatsgläubigen Gesellschaft, zu erwirtschaften, was man sich leisten will. Doch auch die Gläubiger sollten einsehen, dass Griechenland so ihr Geld kaum je zu marktwirtschaftlichen Konditionen zurückzahlen wird. Die Steuerzahler der Gläubigerländer sind ungefragt zum Schenken gezwungen worden.

In diesem griechischen Drama sind von allen Seiten zu viele Illusionen geschürt worden. Es ist jetzt höchste Zeit für einen Befreiungsschlag. Entweder muss eine – beispielsweise durch ein Referendum dazu legitimierte – neue Regierungsmannschaft zusammen mit den Gläubigern unverzüglich tiefgreifende, harte Reformen in Angriff nehmen, um das Land nachhaltig im Euro zu halten. Oder aber es gilt, einen Austritt aus der Euro-Zone zu wagen, um die Zukunft auf eigene Art in die Hand nehmen zu können. Weitere Realitätsverweigerung erhöht nur die bitteren Rechnungen, die zu schlechter Letzt alle Traumtänzer präsentiert erhalten.
Griechenland steckt in der Sackgasse
Traumtänzer

Kunst und Geldwäsche

Wegen der verstärkten Überwachung des Finanzbereichs hat der Kunsthandel, der weitestgehend unreguliert ist, für Geldwäscher an Bedeutung gewonnen, nicht nur für Drogenhändler. Das ist eine Bestätigung der These, wonach immer dann, wenn den Geldwäschern ein Betätigungsfeld entzogen wird, diese sich umgehend neue Bereiche erschliessen. Zu nennen ist etwa das Fussballbusiness.

Monika Roth berichtet:  Was Fussball und Kunsthandel gemeinsam haben, sind Intransparenz und nicht nachvollziehbare Preise sowie die Tatsache, dass schier unglaubliche Summen nach wie vor cash bezahlt werden. Informationsasymmetrien, Manipulationen und Absprachen sind die Mittel, mit welchen die “Herrscher” der Arena arbeiten – hier wie dort.

Und dies ist der Geldwäscherei vor allem dann förderlich, wenn Diskretion das oberste Gebot ist: Wer Käufer und wer Verkäufer ist – im Kunsthandel weiss man es oft nicht. Nicht alles, was angeblich aus “The collection of a Gentlemen” stammt, wird diesem rhetorischen Anspruch gerecht.
Dazu kommt, dass Kunst ein Investment ist, eine anerkannte Wertanlage, die sich leicht transportieren oder unbehelligt von Behörden lagern lässt (etwa im Zollfreilager Genf).
Wie wird das gemacht?

Die Financial Action Task Force (FATF) hat im Jahre 2006 einen Bericht darüber verfasst, wie im Handel generell Geldwäscherei betrieben wird. Betrachtet man nun die Fälle, die in der Literatur, in Gerichtsentscheidungen und in Berichten von Meldestellen für Geldwäscherei aufgelistet sind, so wird offenbar, dass die Art des Vorgehens, welche im “gewöhnlichen” Handelsgeschäft abgewendet wird, oft auch im Kunsthandel zum Zuge kommt; es handelt sich unter anderem um Unter- oder Überfakturierung; Mehrfachfakturierung; Falschbeschreibung der Ware.

Der Täterkreis erstreckt sich von Drogenhändlern über Betrüger und andere Vermögensdelinquenten zu Kulturgüterdieben, Händlern mit gestohlenen Kunstwerken oder Kulturgütern sowie illegalen Glücksspielbetreibern bis zu Politikern.
Von Kunst und Geldwaescherei

www.thomasplassmann.de

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Mehr zum Thema Geldwäsche: Frauen und Kinder leiden überproportional unter Korruption und Geldwäsche

Bankenskandal erschüttert die Moldau

Massenproteste gegen die Regierung: Eine Bürgerinitiative mobilisiert in der Republik Moldau immer stärker gegen die weitverbreitete Korruption. Im Zuge eines Bankenskandals gingen nun Zehntausende auf die Strasse.

Paul Flückiger berichtet: Ein Bankenskandal sorgt in der Moldau für die grössten Bürgerproteste seit der «Twitter-Revolution» von 2009 gegen die Kommunistische Partei (KP). Bis zu 50 000 Personen marschierten alleine am Sonntag in der Hauptstadt Chisinau auf der zentralen Einkaufsmeile Stefan-Cel-Mare und forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung. «Weg mit der Mafia» und «Nieder mit der Korruption», hiess es auf Transparenten. Die Forderungen richten sich in erster Linie gegen das seit 2009 regierende proeuropäische Parteienbündnis.

Verschwundene Milliarde
Zur Demonstration hatte die junge Bürgerinitiative «Würde und Wahrheit» aufgerufen, die seit April mit Protesten gegen die grassierende Korruption auf sich aufmerksam macht. Auftrieb hat ihr der bisher grösste Bankenskandal des verarmten Landes zwischen Rumänien und der Ukraine gebracht. So ist ans Licht gekommen, dass wenige Tage vor den Parlamentswahlen 2014 aus drei grossen Geschäftsbanken umgerechnet fast eine Milliarde Franken abgezweigt worden waren. Um einen Zusammenbruch des Bankensektors zu verhindern, pumpte die Nationalbank rund 850 Millionen Franken in die drei Geldinstitute. Dennoch verloren viele Kleinsparer den Zugang zu ihren Ersparnissen. Der Bericht einer parlamentarischen Untersuchungskommission wurde von der Regierung bisher ebenso geheim gehalten wie derjenige einer amerikanischen Wirtschaftsprüfungsfirma.

Drohung mit neuen Protesten
Die Berichte würden veröffentlicht, wenn die Zeit dafür reif sei, wiederholt Ministerpräsident Chiril Gaburici seit Wochen. Der junge Geschäftsmann steht seit Februar einer Minderheitsregierung vor, die auf die Unterstützung der KP angewiesen ist. Nach über zehnwöchigen Verhandlungen war damals die Koalition der prowestlichen Wahlsieger – der Allianz für Europäische Integration (AEI) – auseinandergebrochen. Die bis dahin an der Regierung beteiligte Liberale Partei verliess das Bündnis. Die Protestwelle ist die erste grosse Bewährungsprobe für den politisch unerfahrenen Gaburici.

Der Bankenskandal sei nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, erklärte der Mitbegründer von Würde und Wahrheit, der Politologe Igor Botan in einem Interview. Viele Moldauer hätten begriffen, dass sich hinter der AEI Politiker versteckten, die das Land genauso ausraubten wie zuvor die Kommunisten. Laut Botan will Würde und Wahrheit sich nun zuerst als politisch unabhängige NGO registrieren lassen und erst dann wieder auf die Strasse gehen. Damit soll verhindert werden, dass sich die prorussische Opposition die Proteste zu eigen macht. Angeheizt vom bekannten Journalisten Vasile Nastase forderten die Demonstranten am Sonntag jedoch einen sofortigen Rücktritt von Regierung und Parlament und drohten mit radikalen Protestaktionen, Steuerstreiks und Arbeitsniederlegungen.
Moldau

Führt Bafin jetzt „brutalst mögliche Aufsicht“?

Wie schon seine Vorgängerin Elke König, die nun die europäische Abwicklungsbehörde (The Single Resolution Board SRB) leitet, erweckt Hufeld den Eindruck, als Externer Hufeldfrischen Wind in die Behörde BaFin in Bonn zu bringen.

Die Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) soll seine letzte berufliche Station sein. «Hier bringt mich keiner so schnell weg», sagt er lachend.

Dieser Mann will die dunklen Flure der BaFin beleben. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin droht zur Marionette der EZB zu werden. Ihr neuer Chef Felix Hufeld soll sie vor der Bedeutungslosigkeit retten.
Aufseher statt Cellist
Die BaFin gilt als behäbig und verstaubt
Dieser Mann will die dunklen Flure der BaFin beleben

Felix Hufeld (52) ist seit Januar 2013 als Exekutivdirektor bei der BaFin für die Versicherungsaufsicht zuständig. Berufliche Stationen des studierten Juristen waren die Boston Consulting Group, die Dresdner Bank, der Versicherungsmakler Marsh und das Private-Equity-Unternehmen Westlake Partners.

Wie beschäftigen sich eigentlich angeklagte „Ackermänner“ Banker?

Beispiel Josef Ackermann: Schweizer Ex Chef der Deutschen Bank und Kanzlerin Merkel Josef AckermannBerater.: „einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt“ (ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson)

In München stehen derzeit Co-Chef Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch vor Gericht. Prominenter geht’s nicht. Die meist ehemaligen Bank-Manager, die in Frankfurt auf die Anklagebank kommen sollen, sind dagegen keine bekannten Figuren, sondern Leute aus dem Mittelbau, trotz ihrer wohlklingenden Titel. Gefährlich werden für die Konzernspitze könnte der absehbare Prozess trotzdem. Das Landgericht Frankfurt wird bestimmt wissen wollen, wie es dazu kam, dass die Deutsche Bank sich auf dubiose Geschäfte mit dubiosen Firmen einließ, bei denen der Fiskus 2009 und 2010 durch sogenannte Umsatzsteuerkarusselle um Hunderte Millionen Euro betrogen worden war.

Auch die  jüngste Milliardenstrafe wegen Zinsmanipulationen zeigt doch deutlich, dass aus der Deutschen Bank unter der Führung der ehrenwehrten Banker ein unseriöses Finanzunternehmen geworden ist.

Ackermann ist längst in die Finanzwirtschaft zurückkehrt. Im Jahre 2012 hatte er die Deutsche Bank verlassen. Später wurde er Verwaltungsratspräsident des Versicherers Zurich. Nach dem Selbstmord des Finanzchefs trat er zurück. In einem Abschiedsbrief hatte dieser Ackermann vorgeworfen, er habe „ungebührlichen Druck“ ausgeübt. Wie immer hat selbstverständlich eine von der Schweizer Finanzmarktaufsicht veranlasste Untersuchung bei Ackermann keinerlei Verfehlungen feststellen können.

Heute ist der ehemalige Chef der Deutschen Bank Chef-Kontrolleur der Bank of Cyprus. Das Institut stand im Zuge der Zypern-Krise vor dem Kollaps und wurde wie der gesamte aufgeblähte Finanzsektor des Euro-Landes nur durch das internationale Hilfspaket von zehn Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt.

Ackermanns Öffentlichkeitsbild als Manager ist wechselhaft. Weitläufig negative Reaktionen, bis hin zum Bundeskanzler Gerhard Schröder, verursachte Ackermann im Frühjahr 2005, als er ein neues Rekordergebnis der Deutschen Bank und gleichzeitig den Abbau von über 6.000 Arbeitsplätzen ankündigte.

Nachdem die Finanzmärkte im Frühjahr 2008 aufgrund von Liquiditätsproblemen bei Bear Stearns abermals abgerutscht waren, forderte er „eine konzertierte Aktion von Regierungen, Notenbanken und Marktteilnehmern“, um ein Übergreifen der Finanzkrise auf die reale Wirtschaft zu verhindern. Für seinen Ruf nach Interventionen des Staates wurde Ackermann kritisiert. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sagte, aus den gleichen Etagen, aus denen sonst weniger Staat gefordert werde, klinge jetzt der Ruf nach Hilfe vom Staat.

Ackermann begann nun, an seinem Öffentlichkeitsbild zu arbeiten. Dazu trat er in Talkshows auf und gab Interviews, in denen er auch über sein Privatleben sprach. In der Folgezeit gab es zahlreiche lobende Artikel in den Medien über ihn und Der Tagesspiegel schrieb beispielsweise im Februar 2008, Ackermann habe sich seit 2006 „vom meistgehassten Manager Deutschlands zum Vordenker und Hoffnungsträger entwickelt“. Für sein Ansehen war es auch förderlich, dass er sich im September 2007 als erster Manager einer deutschen Bank zur „Subprime-Krise“ äußerte und dabei auch Fehler der Deutschen Bank eingestand.

Für die internationalen Finanzmärkte forderte Ackermann als Reaktion auf die Subprime-Krise einen globalen Sachverständigenrat, „eine Gruppe weiser Männer und Frauen, die etwa im Rahmen des Internationalen Währungsfonds die Entwicklung an den Finanzmärkten beobachten und bei Gefahr im Verzug Alarm schlagen“.

Als die weltweite Finanzkrise unübersehbar auf Deutschland übergegriffen hatte, geriet auch Ackermanns Rolle an der Spitze der Deutschen Bank wiederum verstärkt in den Mittelpunkt öffentlicher Kritik. Im Oktober 2008 kündigte Ackermann der Bildzeitung an, auf die gewinnabhängigen Bonuszahlungen zu verzichten und bezeichnete dies unter anderem als „persönliches Zeichen der Solidarität“. Daraufhin wurde Ackermann erneut unter anderem von der Bild und dem Spiegel vielfach gelobt. Kritiker aus Politik und Medien machten hingegen darauf aufmerksam, dass die Deutsche Bank voraussichtlich gar keinen Gewinn im Jahr 2008 mache und kritisierten, dass Ackermann mit öffentlicher Zurschaustellung auf Bonuszahlungen verzichtet habe, die er so oder so nicht bekommen hätte.

Robert von Heusinger kritisierte Ackermanns erklärtes Renditeziel von 25 Prozent. Dieses sei auf Dauer, außer in Monopolen, ohne deutliche Nebenschäden nicht erreichbar. Die Diskussion über die Höhe von Renditezielen dauert bis heute an.Ackermanns Zweifel an der Rückzahlungsfähigkeit Griechenlands sowie die von der Deutschen Bank angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent wurde von Mitgliedern der deutschen Regierung öffentlich verurteilt.

Als Ableitung aus Ackermanns Namen wird die Formulierung „Ackermänner“ von einigen Personen (so etwa von der Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) im Jahr 2007, vom DGB-Vorsitzenden Michael Sommer 2008 und vom SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering 2009) als negative Bezeichnung (Metonymie) für Manager benutzt, die sich ihrer Meinung nach durch besonders verantwortungsloses Handeln auszeichnen.

Die Auszeichnung als „European Banker of the Year“ 2009 durch die Finanzpresse nahm Attac zum Anlass, Ackermann einen Negativpreis zu verleihen.

Im August 2010 positionierte sich Ackermann als Unterzeichner des Energiepolitischen Appells, einer Lobbyinitiative der vier großen Stromkonzerne, um die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke voranzubringen.

Der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson, bezeichnete Ackermann in einem Interview mit der Berliner Tageszeitung als „einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt“. Die von Ackermann angepeilte Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent sei nur möglich, „weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht“. Die Deutsche Bank komme derzeit nur auf eine Eigenkapitalquote von 4 Prozent. Wenn das Finanzsystem sicher sein solle, müsste diese jedoch bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen.

Am 7. Dezember 2011 entging Ackermann einem Briefbomben-Anschlag, zu dem sich die italienische Anarchisten-Gruppe Federazione Anarchica Informale bekannte.
Ackermann-Angie